Namur (niederländisch: Namen; französisch früher Namurois) war eine Grafschaft im Fränkischen Reich und später im Heiligen Römischen Reich im Bereich des Zusammenflusses von Sambre und Maas. Ihr Territorium entspricht weitgehend dem heutigen belgischen Bezirk Namur und dem Nordwesten des Bezirks Dinant. Seine Nachbarn waren im Westen der Hennegau, im Norden Brabant, im Süden und Osten das Hochstift Lüttich, im Südosten Luxemburg.
Geschichte Die Grafschaft Namur entwickelte sich im 10. Jahrhundert um Burg und Stadt Namur. Ihre Entwicklung war lange Zeit eingeschränkt durch die starken Nachbarn Hennegau, Brabant und Hochstift Lüttich. Dank planmäßiger Heiratspolitik, die von den Grafen über 3 Generationen betrieben wurde, vereinigte Graf Heinrich der Blinde um 1150 in seiner Hand die Herrschaft über Namur, La Roche, Durbuy, Longwy und Luxemburg sowie die Vogteien über Stablo, St. Maximin vor Trier und Echternach.
Nach seinem Tod wird jedoch der Besitz geteilt und die Grafschaft auf ihre eigentliche Domäne beschränkt, womit Namur zu einem Fürstentum von zweitrangiger Bedeutung wurde. Da Heinrich keinen männlichen Erben hinterlassen hatte, kam die Grafschaft 1191 an die Grafen von Flandern und wurde zu deren Nebenland. 1217 wurde Namur weitervererbt an das Haus Courtenay, einer Nebenlinie der Kapetinger. Wieder durch Erbschaft kam die Grafschaft Namur erneut an Flandern, das jetzt unter der Herrschaft des Hauses Dampierre stand. Der letzte Graf aus dieser Familie, Johann III., der ohne Erben war, verkaufte das Erbrecht an der Grafschaft am 23. April 1421 an Philipp den Guten, Herzog von Burgund.
Der Erbfall trat am 1. März 1429 ein und Namur kam – wie schon zuvor seine Nachbarländer – zum Herrschaftsgebiet des Hauses Burgund und 1477, nach dem Tod Karls des Kühnen, an die Habsburger. Die Habsburgischen Niederlande wurden von Karl V. zunächst in dem neugeschaffenen Burgundischen Reichskreis und 1548 schließlich zu einer staatsrechtlichen Einheit zusammengefasst.
Liste der Grafen von Namur Haus Namur
Berengar, 907 Graf im Lommegau, † nach 924 Robert I., † um 981, erbaute die Burg von Namur Albert I., 992 Graf von Namur, † kurz vor 1011 Robert II., † vor 1031, dessen Sohn Albert II., † 1063/64, Graf von Namur, dessen Bruder Albert III., † 1102, 1063/64 Graf von Namur, dessen Sohn; Gottfried, † 1139, 1102 Graf von Namur, dessen Sohn 1139–1188: Heinrich I. der Blinde, † 1196, 1136 Graf von Luxemburg, 1139 Graf von Namur, dessen Sohn
Haus Flandern 1188–1195: Balduin I., Graf von Hennegau (Balduin V.), Neffe mütterlicherseits von Heinrich I. 1196–1212: Philipp I., dessen Sohn 1212–1216: Jolante, dessen Schwester, ⚭ Peter von Courtenay, Kaiser von Konstantinopel 1216–1217/19
Haus Courtenay 1216–1226: Philipp II., deren Sohn 1226–1229: Heinrich II., dessen Bruder 1229–1237: Margarete, dessen Schwester, ⚭ Graf Heinrich I. von Vianden 1237–1259: Balduin II., deren Bruder, Kaiser von Konstantinopel verkauft seine Rechte 1263 an den Grafen von Flandern
Haus Limburg-Arlon 1259–1265: Heinrich III. der Blonde, Graf von Luxemburg, Enkel mütterlicherseits Heinrichs I. des Blinden mini|Wappen der Grafen von Namur, in der Stiftskirche Neustadt an der Weinstraße; Grabstätte des Kurfürsten Ruprecht I. (Pfalz), des Schwiegersohnes Johann I. von Namur
Haus Dampierre 1265–1297: Guido I., Graf von Flandern, dessen Schwiegersohn, kauft Namur 1263 1297–1330: Johann I., dessen Sohn, Graf von Namur 1330–1335: Johann II., dessen Sohn, Graf von Namur 1335–1336: Guido II., dessen Bruder, Graf von Namur 1336–1337: Philipp III., dessen Bruder, Graf von Namur 1337–1391: Wilhelm I., dessen Bruder, Graf von Namur 1391–1418: Wilhelm II., dessen Sohn, Graf von Namur 1418–1429: Johann III., dessen Bruder, Graf von Namur
Johann III. verkauft die Nachfolge in Namur am 23. April 1421 an Philipp den Guten, Herzog von Burgund, damit geht die Grafschaft Namur mit dem Tod Johanns III. 1429 im Herzogtum Burgund auf.
Namur wird – gemeinsam mit Burgund – 1477 an die Habsburger vererbt.
Literatur Léon Vanderkindere: La formation territoriale des principautés belges, 2 Bände, Brüssel 1909 Rousseau (Hrsg.): Actes des comtes de Namur, 1936f. E. Brouette: Introduction aux études historiques, archéologiques et folkloriques du Namurois, Namur 1947 J. Balon: La maison de Namur sur la scène de la grand histoire, Namur 1950 Genicot: Le Namurois politique, 1964 Hermann Grote: Stammtafeln, Leipzig 1877
Weblinks
Namur bei genealogie-mittelalter.de
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