Der Tiergarten Schönbrunn ist der älteste noch bestehende Zoo der Welt. Er wurde 1752 von den Habsburgern gegründet und liegt im Park des Schlosses Schönbrunn im 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing. Seit 2006 hat der Zoo jedes Jahr über zwei Millionen Besucher. Auf einer Fläche von 17 Hektar sind rund 7.800 Tiere aus 700 Arten zu sehen. Der Tiergarten wurde sechsmal als bester europäischer Zoo ausgezeichnet. Direktor ist seit 2020 der Zoologe Stephan Hering-Hagenbeck.
Geschichte Ab 1745: Die Menagerie des Kaisers Die Entstehung des Tiergartens Schönbrunn geht auf Franz Stephan von Lothringen, den Gemahl Maria Theresias zurück. Franz Stephan, der 1745 als Franz I. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation gewählt worden war, beauftragte den Architekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey mit dem Entwurf für eine Menagerie im Park der neuen Habsburg-Lothringischen Sommerresidenz Schönbrunn.
Die Anlage bestand aus zwölf Gehegen mit je gleich großen Tierhäusern und einem Verwaltungsgebäude mit vorgelagertem Garten. Dazu kamen ein Teich und zwei Höfe. Im Sommer 1752 wurde die Menagerie nach etwa einjähriger Bauzeit Gästen vorgestellt. Als letzter Teil wurde 1759 der als Frühstücks- und Gesellschaftsraum konzipierte achteckige Pavillon im Zentrum der Anlage fertiggestellt. Er stellt bis heute das historische Zentrum des Tiergartens dar. Seit 1949 wird er als Restaurant genutzt.
Zunächst war die Menagerie der kaiserlichen Familie vorbehalten. Neben Diplomaten und privaten Gästen zählten aber bald auch Schulklassen zu den Besuchern. 1778 wurde die Menagerie zusammen mit Schloss und Park für „anständig gekleidete Personen“ geöffnet – zunächst jedoch nur an Sonntagen. links|mini|Zoobesucher im Tiergarten (historische Postkarte) links|mini|Asiatische Elefanten im Tiergarten (historische Postkarte)
Ab 1770: Die ersten Tiere 1770 kam der erste Indische Elefant nach Schönbrunn, 1781 mit Wölfen und Bären erstmals Raubtiere. Um 1800 kamen die ersten Eisbären, Großkatzen, Hyänen und Kängurus sowie ein weiteres Paar Asiatische Elefanten. Die exotischen Tiere waren Publikumsmagnete – sie lockten Besucher aus Wien und Umgebung, aber auch viele ausländische Gäste in die kaiserliche Menagerie. Zu dieser Zeit war der Tiergarten bereits täglich zu besichtigen und die ersten ausführlicheren Beschreibungen und „Zooführer“ entstanden.
1828 bekam Schönbrunn als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten erstmals eine Giraffe. Ihre Ankunft löste einen regelrechten Hype aus und beeinflusste in Wien Mode, Kunsthandwerk und Gesellschaftsleben. Es entstanden Kleider, Schuhe und Gebrauchsgegenstände mit Giraffenmotiven, Frisuren, ein Parfüm, ein Theaterstück und zwei Kompositionen „à la giraffe“.
Ab Ende 19. Jh.: Schönster Zoo unter Alois Kraus Gegen Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Erscheinungsbild der Menagerie bedeutend. Unter Alois Kraus, der den Tiergarten von 1879 bis Anfang 1919 leitete, wurden die historischen Anlagen tier- und besucherfreundlicher umgestaltet.
Tierhäuser und Wirtschaftsgebäude wurden neu gebaut oder modernisiert, der Zoo nach Osten und Süden erweitert. Am Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Schönbrunn mit fast 3500 Tieren in über 700 Arten, darunter Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Tapire, Giraffen und Robben sowie zahlreiche Großkatzen- und Bärenarten, zu den schönsten Tiergärten der Welt.
1906 wurde in Schönbrunn der erste in einem zoologischen Garten gezeugte Elefant geboren. Bis zum Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie blieb die Anlage im Privatbesitz der kaiserlichen Familie.
Ab Anfang 20. Jh.: Weltkriege, Naturschutz unter Otto Antonius Den Ersten Weltkrieg überlebten aufgrund von Versorgungsengpässen und den damit verbundenen hygienischen Problemen nur 400 Tiere. Mit einer Hilfsaktion sowie Tier- und Sachspenden sicherten die Wiener den Fortbestand des Tiergartens.
Unter Otto Antonius, der von 1924 bis 1945 als erster Biologe die Leitung des Tiergartens Schönbrunn innehatte, stieg der Tierbestand bis 1930 wieder auf mehr als 3000 Tiere. Antonius führte die Idee der Nachzucht von vom Aussterben bedrohten Tierarten ein. Er engagierte sich in der Volksbildung, warb für den Naturschutz und intensivierte die immer wichtiger werdenden Kontakte zu Medien, Universitäten und Museen. Es fand ein reger wissenschaftlicher Austausch statt. 1926 wurde die Bezeichnung „Menagerie“ offiziell durch den Begriff „Tiergarten“ ersetzt.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Tiergarten von zahlreichen Fliegerbomben getroffen. Viele Tierhäuser wurden zerstört oder beschädigt, mehr als tausend Tiere starben. Nach Kriegsende halfen die sowjetischen und später die britischen Besatzungstruppen beim Wiederaufbau.
Ab 1945: Wiederaufbau und Erweiterung Julius Brachetka, Direktor von 1945 bis 1958, weckte mit unterhaltsamen Medienauftritten, oft in Begleitung von Schönbrunner Tieren, wieder Interesse für den Zoo. Es entsprach dem neuen Zeitgeist. Die ersten Plakate entstanden und Fotowettbewerbe wurden veranstaltet. An Stelle des durch Bomben beschädigten Straußen- und Reptilienhauses wurde 1959 ein neues Aquarien- und Terrarienhaus eröffnet. Es zählte zu den modernsten der Welt.
Unter Walter Fiedler (Direktor 1967–1987) erreichte der Tiergarten mit der Verbauung des ehemaligen Kleinen Fasangartens im Osten eine Verdopplung seiner ursprünglichen Fläche auf nunmehr zwölf Hektar. Weitere Meilensteine waren 1969 die Eröffnung eines Kinderzoos und 1976 die Einrichtung einer zoopädagogischen Abteilung, die zu den ersten Europas gehörte.
Ab 1970: Imageprobleme, Ausgliederung mit Helmut Pechlaner Trotz großer Zuchterfolge hatte der Zoo zunehmend mit Imageproblemen zu kämpfen und die Besucherzahlen waren rückläufig. Die Kritik an unzeitgemäßer Tierhaltung erreichte Ende der 1980er Jahre ihren Höhepunkt. Diskussionen über die Auflösung des Tiergartens oder eine Verlegung in einen anderen Wiener Bezirk wurden 1991 beendet. Der Tiergarten wurde als Schönbrunner Tiergarten-Ges.m.b.H. aus der Bundesverwaltung ausgegliedert, blieb aber zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich. Alleingeschäftsführer wurde der Tiroler Tierarzt Helmut Pechlaner, der bis dahin als Direktor des Alpenzoos Innsbruck tätig war.
Pechlaner konnte mit Unterstützung der Republik Österreich, zahlreicher Spender und Sponsoren sowie neuer Eintrittspreise fast alle Gehege erneuern und erweitern. Als erstes Bauprojekt wurde 1992 das Kleinaffenhaus eröffnet, das mit zwei „Affeninseln“ im Barockteich als Außenanlage heute Kattas und Gibbons beherbergt. Im Süden wurde der Zoo um ein Stück Wienerwald erweitert. Es entstanden der Tirolerhof, ein neuer Elefantenpark, die moderne Großkatzenanlage, eine Anlage für Große Pandas, ein Insektarium und eines der größten Nashorngehege Europas. Die zwei Panzernashörner, die 2006 einzogen, waren ein Geschenk des ehemaligen Königshauses in Nepal. Die Tiere waren als Waise aufgelesen worden und hatten sich nicht mehr in wildlebende Populationen integrieren lassen. alternativtext=Rosa Flamingos stehen in ihrer Außenanlage im Tiergarten Schönbrunn, dahinter steht das |mini|Das barocke Ambiente prägt heute das Erscheinungsbild des Zoos. 1996 wurde das Ensemble Schloss, Tiergarten und Schlosspark Schönbrunn zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Im selben Jahr wurde die erste große Bronzeskulptur von Gottfried Kumpf aufgestellt: ein Löwe. In den folgenden Jahrzehnten gesellten sich weitere Bronzeskulpturen dazu, die bis heute ein beliebtes Fotomotiv sind. Zum 250-jährigen Bestehen des Tiergartens wurde 2002 das Regenwaldhaus eröffnet, Koalas zogen erstmals in Schönbrunn ein und die Panoramabahn erlebte ihre Jungfernfahrt.
Ab 2006: Besucherrekorde und bester Zoo Europas Vom 1. Jänner 2007 bis Ende 2019 war Dagmar Schratter als Nachfolgerin Pechlaners Alleingeschäftsführerin des Tiergartens. In ihre Amtszeit fielen fünf Auszeichnungen zum besten Zoo Europas, fünfmal Nachwuchs bei den Großen Pandas sowie das Rekordjahr 2008, in dem der Zoo 2,6 Millionen Besucher verzeichnen konnte. In Anthony Sheridans Zoo-Ranking wurde der Tiergarten sechsmal (2008, 2010, 2012, 2014, 2018 und 2021) als bester europäischer Zoo mit dem „Best European Zoo Award“ in Gruppe A (mehr als eine Million Besucher) ausgezeichnet.
2019 bis 2023: Abkehr von der Kommerzialisierung von Tiernamen Als Schratters Nachfolger wurde im Herbst 2019 Stephan Hering-Hagenbeck, bis dahin im Tierpark Hagenbeck in Hamburg tätig, präsentiert. Er trat im Jänner 2020 seinen Dienst an. 2023 gab er eine Strategieumkehr bei der Namensgebung für die Zootiere bekannt. Während in den Jahren davor die Besucher sogar aufgerufen worden waren, zwischen Namensvorschlägen beispielsweise für die neugeborenen Pandas zu wählen, sollen den Tieren in Zukunft für die Öffentlichkeit keine Namen mehr gegeben werden. Damit solle für den deutschen Sprachraum ein neuer Weg eingeschlagen werden, der den Artenschutz in den Mittelpunkt rücken und die Vermenschlichung der Zootiere hintan halten soll. Im Juli 2024 wurde Hering-Hagenbeck als Direktor für eine fünfjährige Funktionsperiode ab dem 1. Jänner 2025 wiederbestellt.
Anlagen Große Pandas mini|Pandaweibchen Yang Yang mit ihrem ersten Nachwuchs Fu Long Der Tiergarten Schönbrunn zählt zu den wenigen Zoos in Europa, die Große Pandas zeigen. 2003 kamen mit dem Weibchen Yang Yang (阳阳 „Sonnenschein“) und dem Männchen Long Hui (龙辉 „Drachenzeichen“) zwei Tiere nach Wien, die für große Zuchterfolge sorgten.
Am 23. August 2007 brachte Yang Yang das erste Pandababy Europas zur Welt, das auf natürlichem Wege und nicht durch künstliche Besamung gezeugt wurde – ein Männchen. Es erhielt nach chinesischer Tradition 100 Tage nach der Geburt einen Namen: Fu Long (福龙, „Glücklicher Drache“). Am 23. August 2010, genau drei Jahre nach Fu Longs Geburt, kam das zweite, ebenfalls männliche Pandababy in Schönbrunn zur Welt. Es erhielt den Namen Fu Hu (福虎, „Glücklicher Tiger“). Ein drittes Pandajunges, wieder ein Männchen, wurde am 14. August 2013 geboren. Sein Name Fu Bao (福豹) bedeutet „Glücklicher Leopard“. Am 7. August 2016 kamen schließlich Zwillinge zur Welt und erhielten die Namen Fu Feng (福凤„Glücklicher Phönix“) und Fu Ban (福伴 „Glücklicher Gefährte“). Yang Yang war die erste Pandamutter in Menschenobhut, die Zwillinge ohne menschliche Hilfe großzog.
Die Jungtiere übersiedelten jeweils im Alter von zwei Jahren nach China in Zoos oder Panda-Zuchtstationen. Im Dezember 2016 starb Long Hui an den Folgen eines Tumors. Im April 2019 kam mit Yuan Yuan ein neues Pandamännchen in den Tiergarten. 2024 wurde die Forschungskooperation erneut um zehn Jahre verlängert. Im September übersiedelte das Pärchen nach China, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. 2025 kam ein neues Panda-Paar im Tiergarten Schönbrunn an. Das Weibchen „Lan Yun“ und das Männchen „He Feng“ sind seit Mai 2025 auch für Besucher zu sehen. Die Zeit, in der die Panda-Anlage leerstand, wurde genutzt, um diese umfangreich zu modernisieren und zu erweitern.
Eisbärenwelt „Franz Josef Land“ In der 2014 eröffneten Eisbärenwelt kann man Eisbären in einem fünf Meter tiefen Tauchbecken beim Schwimmen unter Wasser erleben. Die Anlage ist 1700 Quadratmeter groß. Der Name ist ein Tribut an die historischen Verdienste Österreich-Ungarns bei der Erforschung arktischer Regionen. Das Besucherzentrum, der so genannte Polardom, wurde von „Polar Bears International“ zum „Arktischen Botschafterzentrum“ ernannt.Mitterlehner/Schratter: Neue Eisbärenwelt im Tiergarten Schönbrunn eröffnet, auf ots.at, abgerufen am 26. Dezember 2020
Polarium Durch eine 13 Meter lange Beckenverglasung sieht man Mähnenrobben beim Schwimmen. Bei der Schaufütterung klettern die Tiere auf die Felsen und springen ins Wasser, um die Futterfische zu schnappen.