mini|Norbert Bisky porträtiert von Oliver Mark, Berlin 2014 Norbert Bisky (* 10. Oktober 1970 in Leipzig, DDR) ist ein deutscher Maler. Er gilt als einer der wichtigen zeitgenössischen deutschen Künstler und Vertreter der figurativen Malerei des 21. Jahrhunderts.Texte zur Kunst, Juni 2010, 20. Jahrgang, Heft 78, S. 250Gabriela Walde: Norbert Bisky und der Höllensturz in Friedrichshain. In: Berliner Morgenpost, 10. Januar 2015, abgerufen am 17. Dezember 2019Susanne Schreiber: Künstler Norbert Bisky: „Noch ist der Kalte Krieg nicht zu Ende“. In: Handelsblatt Magazin, 23. Mai 2019, abgerufen am 17. Dezember 2019

Leben Bisky wuchs in der DDR auf, er leistete Wehrdienst bei der NVA und war im März 1990 im DDR-Militärgefängnis. Im Jahre 1994 begann er ein Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Drei Jahre später besuchte er die Freie Kunstschule Berlin und entschloss sich zu einem Kunststudium. Er studierte von 1994 bis 1999 an der dortigen Hochschule der Künste bei Georg Baselitz. Das Jahr 1995 verbrachte er in Madrid und wurde besonders durch die Werke Francisco de Goyas, Francisco de Zurbaráns und Jusepe de Riberas geprägt.Sabine Küchler: Ich kam aus New York wieder und war immer noch der Ossi. Zeit Online, 28. Januar 2011: Interview mit Bisky; abgerufen am 29. August 2013. Er nahm an der Salzburger Sommerakademie in der Klasse von Jim Dine teil und absolvierte bei Baselitz 1999 ein Meisterschülerstudium. Von 2008 bis 2010 war Bisky Gastprofessor an der Genfer Kunstakademie HEAD, abgerufen am 14. November 2013., von 2016 bis 2018 an der HBK Braunschweig., abgerufen am 13. März 2019. 2015 tauschte er für drei Monate sein Atelier mit dem Künstler Erez Israeli und arbeitete in Tel Aviv.juedische-allgemeine.de, abgerufen am 21. April 2015.

Norbert Bisky ist der Sohn des Linkspartei-Politikers Lothar Bisky (1941–2013) und dessen Frau Almuth (1943–2016). Er ist der jüngere Bruder des Journalisten und Schriftstellers Jens Bisky.Christoph Amend: Diese Biskys. In: Die Zeit, Nr. 40/2004 ww-asset.com, 13. Januar 2011; abgerufen am 23. Dezember 2015. Sein jüngerer Bruder Stephan starb 2008 im Alter von 23 Jahren.Ingeborg Ruthe: Norbert Bisky: „Dabei bin ich weder alt noch tot“, in: Frankfurter Rundschau, abgerufen am 19. November 2019.Künstlerportrait bei Lempertz, abgerufen am 19. November 2019.Barbara Wiegand für NDR Kultur: Grenzenlose Kunst: Im Atelier von Norbert Bisky, abgerufen am 19. November 2019.Kirsty Scott, Kate Connolly: UK news in brief. The Guardian, 1. Januar 2009, abgerufen am 10. September 2019 (englisch).

Bisky lebt in Berlin.

Werk In seinen Anfangsjahren malte Bisky helle lichte Bilder in Öl. Er selbst bezeichnete sie einmal als „mit Lenor gewaschen“. Er fertigte Werke an, in welchen gleißend hell gemalte junge, schöne, glückliche und vor Kraft strotzende Männer sowie reine unberührte Natur zentrale Motive waren. Der Grand-Guignol-Stil, in dem die Bilder gemalt sind, unterstützt den Blick auf eine nur scheinbar heile Welt: Weiche, schmeichelnde, an Wattebausche erinnernde Formen zeigen Kinder, die gefressen werden und abgerissene Glieder, von denen das Blut tropft – die Idylle trügt. Bereits die Titel der Bilder wie „Übung im Gelände“ (2002), „Lazarett im Paradies“ (2005) oder „Fernzünder“ (2005) legen eine unterschwellige Bedrohung nahe.

In späteren Bildern transformierte Bisky seine eigenen Ikonen. Das Magazin Stern schrieb hierzu: „Die fröhliche sozialistische Welt seiner frühen Bilder ist vorbei – jetzt lauern Kannibalen und Brandstifter, es wird gekotzt und uriniert.“Almut F.Kaspar: Albtraum in der Idylle unter stern.de Die künstlerischen Verweise von Renaissance bis Pop Art bleiben allerdings bestehen. Der Kunstkritiker Christoph Tannert beobachtete eine Zunahme brutaler Leinwandszenen und ein rasantes Verschleudern von Körperflüssigkeiten. Er konstatierte einen untrüglichen Sinn des Künstlers für Körperkult und Körperkritik. Dabei verzichte Bisky auf einen Leidenschaftssog und jegliche Empfindsamkeit, so Tannert.Christoph Tannert, Kunstwerkstatt Norbert Bisky, Prestel Verlag 2007, S. 9. Neuere Bildtitel lauten „Bukkake Tsunami“ (2007), „Sputum“ (2007), „Solaris“ (2006) und „Torera“ (2006).

Darüber hinaus wurden Einfluss und ikonographische Referenzen bei Francisco de Goya insbesondere an Arbeiten wie „Allesfresser“ (2005) oder „Ich war’s nicht“ (2003) deutlich. Aber auch durch die Verwendung von bestimmten Farben verwiesen die Bilder dieser Zeit auf subtile Art auf alte spanische Meister wie Jusepe de Ribera.Mark Gisbourne: The sacred and the profane, art.es Nr. 23, 2007; Katja Blomberg: Ich war’s nicht, Verlag der Buchhandlung Walther Koenig, 2007.

In neueren Werken seit 2010 verarbeitete Bisky „persönliche Erfahrungen von erlebtem Terror, Reisen nach Brasilien sowie Einflüsse aus der Medienwelt (…) mit farbintensiven Tönen zu Szenen von Schönheit, Sexualität, Gewalt und Zerstörung“., Kursangebot für 2013, abgerufen am 14. November 2013 Insgesamt erinnern die Arbeiten an den sozialistischen Realismus, an Maler wie Alexander Alexandrowitsch Deineka, an die Ästhetik Leni Riefenstahls,Oliver Koerner Von Gustorf: Moderne Katastrophen unter barockem Himmel: Das Berliner Haus am Waldsee zeigt die neuen Werke Norbert Biskys. In: Die Welt, 4. November 2007vgl. z. B. Tanja Hoffmann: Zeitgenössische Malerei: Auseinandersetzung mit NS-Kunst. lehrer-online.de, 19. August 2004Michael Loeckle: Politclowns, Staatsnieten, Kabinettsluschen – Vom Niedergang der politischen Kultur. bruecke-saarbruecken.de aber auch an die Werbebildnisse der 1950er und 1960er Jahre und an Werke der Pop Art.Max Henry: Norbert Bisky. New York, 2004. Seine Protagonisten bieten nach Einschätzung mancher „Projektionsflächen für explizit schwule und sadistische Praktiken.“Nobert Biskys himmlisch schwule Fantasien. Welt Online, 3. November 2007

Für das Stück Masse des Staatsballetts Berlin, das im Mai 2013 in der Halle am Berghain uraufgeführt wurde, entwarf Bisky erstmals ein Bühnenbild. Seit Mai 2017 ist seine Arbeit „Vertigo“ permanent im Erdgeschoss des Clubs zu sehen.taz.de: Das Leben der Fossilien, 2. August 2017, abgerufen am 28. August 2017 Das großformatige Bild bespielt den Tanzbereich „Säule“ als Teil des Berghain-Kunstkonzepts, das in anderen Gebäudebereichen Arbeiten von unter anderem Wolfgang Tillmans und Joseph Marr vorsieht.Artikel bei artnet.com, 28. April 2017, abgerufen am 28. August 2017

Für den Internationalen Tag der Pressefreiheit schuf Norbert Bisky das Gemälde „Rauschen“, das in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger am 3. Mai 2019 auf zahlreichen Titelblättern deutscher Tageszeitungen abgedruckt wurde.Anja Pasquay: Norbert Bisky: Ich weiß, was Pressefreiheit bedeutet, in: Berliner Morgenpost, 3. Mai 2019Norbert Bisky zum Tag der Pressefreiheit 2019, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger auf YouTube, veröffentlicht am 2. Mai 2019

Der Journalist Hajo Schumacher bezeichnet Bisky als einen der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart. Repräsentiert wurde Bisky bis 2023 von der König Galerie in Berlin.Künstlerwebseite der König Galerie, abgerufen am 7. Juni 2024 Seit März 2025 wird er von der Galerie Esther Schipper repräsentiert.Webseite der Galerie Esther Schipper, abgerufen am 15. Mai 2025Interview im Monopol Magazin, abgerufen am 15. Mai 2025

Kritik Die Kritik an seinen Bildwelten, die eine Nähe zur Ästhetik Leni Riefenstahls und damit zur NS-Kunst konstatiert, weist Bisky vehement von sich. So äußerte er in einem Interview, er habe mit dieser „Nazi-Scheiße […] nichts zu tun.“Meine Bilder sind Fremdkörper Interview Spiegel, 29. Oktober 2007, S. 211. In einem anderen Interview führte er aus: Wer braucht diese ganze Massenproduktion? Interview Deutschlandradio, 3. Mai 2013, abgerufen am 31. Oktober 2013.

Eine andere Lesart von Biskys Stil sieht eher eine Orientierung am sozialistischen Realismus.Judka Strittmatter: Nicht immer nur politisch. In: Berliner Zeitung, 27. März 1999. Der Künstler selbst verweist darauf, dass er Elemente in seinen Bildern verarbeite, mit denen er groß geworden sei. ww-asset.com, 13. Januar 2011; abgerufen am 31. Oktober 2013.

Ausstellungen 2025 „Polympsest“, Esther Schipper Gallery, BerlinWebsite Esther Schipper, abgerufen am 8. Dezember 2025 2024 „Passengers“, Fabienne Levy Gallery, Genf/Lausanne „Walküren“, Museum der Stadt Worms im AndreasstiftMuseumswebsite, abgerufen am 8. Dezember 2025 „Ludology“, Galerie Templon, New YorkWebsite der Galerie Templon, abgerufen am 7. Juni 2024 2023 „Im Freien“, Kunstverein Freunde Aktueller Kunst, ZwickauWebsite des Vereins, abgerufen am 7. Juni 2024 „Swing State“, Navot Miller & Norbert Bisky, Weserhalle, BerlinWebsite der Weserhalle, abgerufen am 7. Juni 2024 2022 „UTOPIANISTAS“, Galerie Templon, Paris „Taumel“, König Galerie, Berlin „Kurpark“, Cokkie Snoei Gallery, Rotterdam „Walküren-Basislager“, Staatsoper Stuttgart, Hauptbahnhof Stuttgart „Mirror Society“, SCAD Museum of Art, Savannah, USA 2021 „DISINFOTAINMENT“, G2 Kunsthalle, Leipzig 2020 „Unrest“, Fabienne Levy, Lausanne „Metrocake“, KÖNIG TOKIO, Tokio „Berlin Sunday“, Le Confort Moderne, Poitiers, Frankreich „Desmadre Berlin“, Galerie Templon, Paris 2019 „RANT“, Villa Schöningen, Potsdam / „POMPA“, St.-Matthäus-Kirche (Berlin-Tiergarten) „TAINTED LOVE / CLUB EDIT“, Villa Arson, Nizza 2018 „Fernwärme“, Museum Langmatt, Baden/Schweiz „Hope and Hazard: A Comedy of Eros“, kuratiert von Eric Fischl, Hall Art Foundation, Reading, USA „Boezemvriend“, Cokkie Snoei Gallery, Rotterdam 2017 „Trilemma“, König Galerie, Berlin „Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!“, Kunstmuseum Bern „MISSING: Der Turm der blauen Pferde by Franz Marc – Contemporary artists in search of a lost masterpiece“, Haus am Waldsee, Berlin 2016 „Dies Irae“, Crone Wien „A FUGA“, Galeria Baró, São Paulo „Elective Affinities – German Art Since The Late 1960s“, Lettisches Nationales Kunstmuseum, Riga „Zeitgeist – Arte da Nova Berlim“, Centro Cultural Banco do Brasil, Rio de Janeiro 2015 „Hérésie“, Galerie Daniel Templon, Brüssel „Levinsky Street“, Givon Art Gallery, Tel Aviv „Balagan“, Bötzow Berlin „Black Bandits“, Haus am Lützowplatz, Berlin 2014 „Zentrifuge“, Kunsthalle Rostock „Works on Paper“, Galerie Daniel Templon, Paris „Riots“, Espacio Minimo, Madrid „10“, Berghain, Berlin „Utopie Picturale 2“, Fonderie Kugler, Genf 2013 „Norbert Bisky: Special Report“, MEWO Kunsthalle, Memmingen „Paraisópolis“, Galerie Crone, Berlin 2012 „Stampede“, Leo Koenig Inc., New York „I am a Berliner“, Tel Aviv Museum of Art „Laboratories of the Senses“, MARTa Herford 2011 „A Retrospective. Ten Years Of Painting“, Kunsthalle Marcel Duchamp, Cully, Schweiz „Decompression“, Galerie Daniel Templon, Paris 2010 „befall“, Galerie Crone, Berlin „Maudit“, Galerie Charlotte Moser, Genf 2009 „Mandelkern“, Kunstverein Dortmund „crossing jordaan“, Cokkie Snoei, Rotterdam und Amsterdam „Nefasto Máximo“, Galería Espacio Mínimo, Madrid „Norbert Bisky: Paintings“, Haifa Museum of Art, Israel 2008 „cloud cuckoo land“, Galerie Mirchandani + Steinruecke, Mumbai „privat“, Galerie Crone, Berlin „minimental“, Cokkie Snoei, Rotterdam 2007 „Ich war’s nicht“, Haus am Waldsee, Berlin „what’s wrong with me“, Leo Koenig Inc., New York „Behind Innocence“, Gallery Hyundai, Seoul 2006 „Total Care“, Contemporary Art Center, Vilnius „es tut mir so leid“, Galerie Michael Schultz, Berlin 2005 „Norbert Bisky“, Studio d’Arte Cannaviello, Milan „Déluge“, Galerie Suzanne Tarasiève, Paris „Malerei“, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2004 „The Proud, the Few“, Leo Koenig Inc., NYC „Abgesagt“, Mannheimer Kunstverein „Opkomst en Verval“, Cokkie Snoei Gallery, Rotterdam 2003 „Schlachteplatte“, Galerie Michael Schultz, Berlin 2002 „Norbert Bisky“, Museum Junge Kunst, Frankfurt (Oder) 2001 „Wir werden siegen“, Galerie Michael Schultz, Berlin