Die Bahnstrecke Worms–Bingen Stadt ist eine teils zweigleisige, teils eingleisige, nicht elektrifizierte Hauptbahn in Rheinland-Pfalz. Sie wird auch als Rheinhessenbahn bezeichnet.

Geografische Lage Die Bahnstrecke verläuft von Worms, wo auch die Streckenkilometrierung beginnt, über Bahnhof Alzey nach Bingen und damit diagonal von Südosten nach Nordwesten durch Rheinhessen.

Geschichte

Die Bahnstrecke wurde in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre von der privaten Hessischen Ludwigsbahn (HLB) errichtet. Ihr Bau wurde vom preußischen Militär sehr befürwortet, weil sie im überregionalen Verkehr die Verbindung Bingen–Mainz–Worms doppelte.Häussler, S. 126. Sie wurde in drei Abschnitten eröffnet: 5. Dezember 1864: Worms–Monsheim.Siehe auch: Verordnung, die polizeiliche Aufsicht über die Worms–Alzeyer Eisenbahn betreffend vom 8. November 1864. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 35 vom 12. November 1864, S. 413–415. Dieser Abschnitt verläuft flach und war deshalb unkompliziert zu bauen. 18. April 1867: Monsheim–Alzey.Siehe auch: Verordnung, die polizeiliche Aufsicht über die Worms–Alzeyer Eisenbahn betreffend vom 27. Januar 1866. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 5 vom 3. Februar 1866, S. 53. In diesem Abschnitt sind eine Reihe von Steigungen und Gefällen zu bewältigen. Der Höhenunterschied zwischen den Bahnhöfen Monsheim und Eppelsheim beträgt fast 50 m. Am Ende dieses Abschnitts wurde in Alzey zunächst ein provisorischer Kopfbahnhof eingerichtet, bis dreieinhalb Jahre später der Abschnitt nach Bingen in Betrieb ging. Ende 1870: Alzey–Bahnhof Bingen (Rhein) Stadt.Häussler, S. 126.

Zusammen mit der HLB wurde die Strecke zum 1. April 1897 verstaatlicht und Teil der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft und deren Eisenbahndirektion Mainz. Mit dieser teilte sie dann das weitere Schicksal der Preußischen Staatsbahn.

1908 wurde zwischen Worms und Monsheim (sowie weiter nach Wachenheim-Mölsheim an der Zellertalbahn) der elektrische Streckenblock in Betrieb genommen, die telegrafischen Zugmeldungen entfielen. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 5. Dezember 1908, Nr. 70. Bekanntmachung Nr. 1027, S. 786. In den folgenden Jahren wurde der elektrische Streckenblock weiter ausgebaut und z. B. 1913 zwischen Alzey und Armsheim in Betrieb gesetzt. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 26. April 1913, Nr. 20. Bekanntmachung Nr. 247, S. 137. Am 10. Februar 1914 wurden auf der Strecke „mit Eintritt der Dunkelheit“ neue „Doppellichtvorsignale“ in Betrieb genommen, die dem heute noch gebräuchlichen Modell des Formsignals entsprachen. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 24. Januar 1914, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 50, S. 33.

Samstags und sonntags fuhren die Züge bis Dezember 2014 von Worms weiter nach Mannheim, um hier die RB 44 zwischen Worms und Mannheim auf einen Halbstundentakt zu verdichten.

Infrastruktur Strecke Die zweigleisigen Abschnitte der insgesamt 62,9 km langen Strecke verlaufen zwischen den BahnhöfenSchweers/Wall/Würdig: Eisenbahnatlas, Taf. 76, 85. Worms und Monsheim (13,4 km), Alzey und Armsheim (6,8 km) sowie Gensingen-Horrweiler und der Abzweigstelle Büdesheim-Dromersheim (3,8 km).

Betriebsstellen Worms Hauptbahnhof Die Strecke beginnt in Worms Hbf (km 0,0).

Worms-Pfiffligheim Worms-Pfiffligheim war ein Bahnhof für den heutigen Wormser Stadtteil Pfiffligheim. 1906 erhielt er ein EmpfangsgebäudeReinhard Dietrich und Ferdinand Werner: Der neuromanische Bahnhof von Worms. In: Der Wormsgau 40 (2025), S. 135–230 (224)., das – inzwischen privatisiert – erhalten ist. 1907 wurde er von Pfiffligheim in Worms-Pfiffligheim umbenannt. Eisenbahn-Directionsbezirk Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 6. April 1907, Nr. 18. Bekanntmachung Nr. 175, S. 204. Zum 17. April 1970 wurde der Bahnhof aufgegebenBundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 10. April 1970, Nr. 17. Bekanntmachung Nr. 117, S. 121. und zum 23. Mai 1971 in eine Blockstelle umgewandelt.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 19. März 1971, Nr. 12. Bekanntmachung Nr. 67, S. 79. Bereits wenige Tage später, zum 3. Juni 1971, wurde Pfiffligheim auch als Zugfolgestelle aufgegeben, der Streckenblock durchgeschaltet, die Signale zeigten also immer „Fahrt frei“ (Hp1).Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 11. Juni 1971, Nr. 25. Bekanntmachung Nr. 157, S. 169.

Es wird erwogen, in Worms-Pfiffligheim wieder einen Haltepunkt einzurichten.wikimapia; abgerufen am 3. März 2024. Bereits in den 2010er Jahren wurde der Bau eines neuen Haltepunkts Worms West angestrebt, der von Seiten der Stadt Worms allerdings aus Kostengründen nicht unterstützt wurde. 2020 wurde der Halt in das landesweite Programm „Stationsoffensive“ aufgenommen. Die Lokalpolitik sprach sich gegen einen Standort nahe des Pfiffligheimer Ortskerns aus und favorisiert stattdessen einen Standort östlich der EWR-Arena am Bahnübergang „Carl-Villinger-Straße“.

Pfeddersheim mini|Bahnhof Pfeddersheim

Pfeddersheim (km 6,1) ist der Haltepunkt für den Wormser Stadtteil Pfeddersheim. Zum 1. Januar 1971 wurde er – bis dahin selbständig – verwaltungsmäßig Worms Hbf angegliedert.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 23. Dezember 1970, Nr. 58. Bekanntmachung Nr. 395.4, S. 397. Der Haltepunkt liegt in einem der zweigleisigen Abschnitte der Strecke und hat daher Außenbahnsteige, für jede Fahrtrichtung einen. Das historische Empfangsgebäude ist erhalten.

Monsheim Monsheim (km 13,4) ist der Bahnhof für die gleichnamige Gemeinde. Er ist Abzweigbahnhof für die Zellertalbahn und die Bahnstrecke Neustadt–Monsheim, die „Pfälzische Nordbahn“. Das mächtige 10-achsige, zweieinhalbgeschossige, historische Empfangsgebäude ist erhalten und Kulturdenkmal. Krienke und Westerhoff: Kreis Alzey-Worms, S. 132f.

Nieder Flörsheim-Dalsheim mini|Empfangsgebäude Nieder Flörsheim-Dalsheim, 2014

Nieder Flörsheim-Dalsheim (km 14.9) ist der Haltepunkt für Nieder-Flörsheim und Dalsheim, heute beides Teile der Ortsgemeinde Flörsheim-Dalsheim. Der einzige Bahnsteig (die Strecke ist hier eingleisig) liegt an der Ostseite des Gleises, hat eine Mindesthöhe von 55 cm und ist barrierefrei zugänglich.Info auf www.bahnhof.de; abgerufen am 10. April 2023.

Zum 1. März 1933 wurde der bis dahin als Nieder Flörsheim bezeichnete Bahnhof in Nieder Flörsheim-Dalsheim umbenannt. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 25. Februar 1933, Nr. 9. Bekanntmachung Nr. 99, S. 41 und Berichtigung. In: Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 4. März 1933, Nr. 10. Nachrichten, S. 52.

2011/2012 wurde der Bahnhofsvorplatz komplett umgestaltet, Geschäfte, Bankfiliale und kleine Dienstleister angesiedelt. Das Projekt hatte die Bezeichnung „Mittelstandsbahnhof“ und hatte das Ziel, einen neuen Ortsmittelpunkt zu gestalten. Das historische Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs ist erhalten, dient aber nicht mehr der Bahn. Seit längerem besteht die Absicht, es in ein Hotel umzubauen, was aber bis 2022 nicht umgesetzt wurde.Margit Knab: Ärger über Stillstand an Flörsheim-Dalsheimer Bahnhof. In: Wormser Zeitung vom 12. September 2022; abgerufen am 10. April 2023.

Gundersheim (Rheinhess) Gundersheim (Rheinhess) (km 19,7) war ein Bahnhof und ist seit 1968Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 20. September 1968, Nr. 38. Bekanntmachung Nr. 309.2, S. 215ff. (216). ein Haltepunkt für die Gemeinde Gundersheim. Zum 1. Oktober 1938 wurde der Bahnhof Gundersheim in Gundersheim (Rheinhess) umbezeichnet Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 17. September 1938, Nr. 44. Bekanntmachung Nr. 579, S. 274., um ihn nach dem Anschluss Österreichs von dem in Kärnten gelegenen Gundersheim zu unterscheiden.

Der einzige Bahnsteig (die Strecke ist auch hier eingleisig) hat eine Höhe von 55 cm und ist barrierefrei zugänglich.Info auf www.bahnhof.de; abgerufen am 10. April 2023.

Eppelsheim (Rheinhess) mini|Bahnhof Eppelsheim

Eppelsheim (Rheinhess) (km 22,5) ist der Bahnhof für die Gemeinde Eppelsheim. Er wurde weit südlich der Bebauung angelegt. Heute hat er zwei Gleise, deren mindestens 55 cm hohe Bahnstreige barrierefrei zugänglich sind.Info auf www.bahnhof.de; abgerufen am 10. April 2023.

In Eppelsheim, damals größter Verladebahnhof für Zuckerrüben in Rheinhessen, wurde 1954 erstmals eine Hochrampe zum Entladen der landwirtschaftlichen Anhänger gebaut. Sie diente als Vorbild für weitere derartige Anlagen.

Das Empfangsgebäude gehört noch zur ursprünglichen Ausstattung der Strecke und stammt von 1867. Es ist ein spätklassizistischer, zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit eingeschossigen Anbauten. Teile der originalen Ausstattung sind erhalten. Es steht unter DenkmalschutzHuyer und Krienke: Kreis Alzey-Worms, S. 108f., steht aber leer. Am 6. März 2023 wurde der Dachstuhl des Gebäudes durch einen Brand beschädigt.Peter-Pascal Portz: Bahnhofsbrand in Eppelsheim: Ursache laut Polizei unklar. In: Allgemeine Zeitung vom 6. März 2023; abgerufen am 10. April 2023. Ursprünglich hatte der Bahnhof an jedem Ende ein Stellwerk. Ein Fahrdienstleiterstellwerk im Empfangsgebäude ersetzte diese ersten Anlagen. Dafür erhielt es bahnsteigseitig einen modernen Anbau.Huyer und Krienke: Kreis Alzey-Worms, S. 108.

Unmittelbar nördlich des Bahnhofs Eppelsheim liegt die Grenze zwischen den DB-Regionalbereichen Mitte und Südwest.Schweers/Wall/Würdig: Eisenbahnatlas, S. 85, D2.

Kettenheim mini|Empfangsgebäude Kettenheim

Kettenheim (km 26) war der Bahnhof für die Gemeinde Kettenheim und ist heute aufgelassen.Aufgelassen zwischen 1974 und 1985 ausweislich der Streckentabelle in den entsprechenden Kursbüchern. Das historische Empfangsgebäude ist erhalten, wurde aber modern umgestaltet.

Der Bahnhof Kettenheim wurde zum 23. Mai 1953 in einen Haltepunkt umgewandeltBundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 14. Mai 1954, Nr. 20. Bekanntmachung Nr. 250, S. 123., was im Oktober 1957 rückgängig gemacht wurde.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 25. Oktober 1957, Nr. 48. Bekanntmachung Nr. 559, S. 272. 1968 wurde er erneut in einen Haltepunkt umgewandelt, doch blieb auch der Haltepunkt zunächst mit Personal besetzt, weil ein beschrankter Bahnübergang zu bedienen war.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 20. Dezember 1968, Nr. 51. Bekanntmachung Nr. 412.7, S. 295. 1969 wurde er endgültig zur Haltestelle.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 3. Januar 1969, Nr. 1. Bekanntmachung Nr. 5, S. 3.

Alzey Süd Alzey Süd (km 27,9) ist ein Haltepunkt in der Stadt Alzey. Der Haltepunkt liegt unmittelbar neben dem Haltepunkt Alzey West der Donnersbergbahn. Beide Strecken münden im Bahnhof Alzey ineinander, verlaufen aber im Bereich von Alzey Süd / Alzey West auf unterschiedlichen Höhen-Niveaus. Der Haltepunkt hat einen 170 m langen, mindestens 55 cm hohen Bahnsteig, der behindertengerecht zugänglich ist.Info auf www.bahnhof.de; abgerufen am 10. April 2023.Info auf der Seite von DB Station&Service AG; abgerufen am 10. April 2023.

Alzey Der Bahnhof Alzey (km 30,0) ist der „Hauptbahnhof“ von Alzey und Trennungsbahnhof zur Donnersbergbahn.

Albig