mini|330px|Großräumliche Lage in Europa Die Geographie Deutschlands ist die Beschreibung der physischen Beschaffenheit des Staatsgebietes der Bundesrepublik Deutschland sowie die hierdurch bedingte Wechselwirkung zwischen diesem Lebensraum und seinen Bewohnern.
Deutschland kann großräumig unterteilt werden in die deutschen Gewässer und Inseln der Nord- und Ostsee, das Norddeutsche Tiefland, die Gebirge der Mittelgebirgsschwelle, das Südwestdeutsche Schichtstufenland, das Alpenvorland und die Alpen. Wesentlich für die Geomorphologie des Landes waren die Gletscher der letzten Kaltzeit. Sie bestimmten in vielfältiger Weise die heutigen Eigenschaften von vielen Seen, Flüssen und dem Boden.
Die ausdifferenzierte Wirtschaft Deutschlands hat im Laufe der Geschichte regionale Schwerpunkte gebildet, die nicht unwesentlich durch geographische Faktoren befördert wurden. Die Gründe für die heutige ungleichmäßige Bevölkerungsverteilung sind ebenfalls ein Thema, das in der Humangeographie untersucht wird.
mini|Deutschlands Landschaften
Physische Geographie Geologie
mini|Vereinfachte Karte der Oberflächengeologie Deutschlands
Deutschland erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung 876 km (Sylt – Allgäu) und in Ost-West-Richtung 640 km (Nähe Görlitz – Nähe Aachen).Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2019 – Kapitel 1 Geografie und Klima, Stand 30. Oktober 2019. Anhand der Oberflächengeologie lässt sich Deutschland vereinfachend in vier Großregionen gliedern: Den eiszeitlich geprägten Norden, der von den Küsten bis in etwa zum Mittellandkanal, zur Mittelelbe und zur Oberlausitz reicht, die Mittelgebirge (Rumpfgebirge), den von der Fernwirkung der Alpenentstehung stärker geprägten südlichen Teil bis zum Alpenrand und im äußersten Süden die deutschen Alpen. Die Alpen haben im Vergleich zu den anderen genannten Regionen nur einen sehr geringen Anteil am deutschen Staatsgebiet.
Der Norden ist geologisch relativ eintönig und großflächig von Gletscher- und Schmelzwassersedimenten des Quartärs bedeckt. Typisch sind unter anderem sandige Lockersedimente und geröllführende Moränenablagerungen, mit teilweise mehreren Tonnen schweren Findlingen. Die Gerölle und teilweise auch die feineren Sedimente sind während der Kaltzeiten des Pleistozäns mit dem Inlandeis aus Skandinavien nach Norddeutschland verfrachtet worden.
Geologisch deutlich abwechslungsreicher sind die Mitte und der Süden Deutschlands. Dort stehen vor allem Gesteine des variszischen Grundgebirges und des mesozoischen Deckgebirges großflächig an, aus denen sich die deutschen Mittelgebirgslandschaften herausmodelliert haben. Das Grundgebirge besteht aus variszisch (das heißt im Jungpaläozoikum) gefalteten Gesteinen, von denen ein Teil während der Faltung in metamorphe Gesteine, wie Gneis, Glimmerschiefer oder Amphibolit, umgewandelt wurde. Vor allem diese metamorphen Teile des Grundgebirges sind von großen Granitkörpern durchsetzt, die zusammen mit den Metamorphiten sogenannte Kristallinkomplexe bilden. Unter anderem sind der Schwarzwald sowie das Fichtelgebirge und das Erzgebirge mit dem dazwischenliegenden östlichen Vogtland und Elstergebirge zu einem Großteil aus Kristallin aufgebaut. Die Grundgebirgsregionen mit faktisch nicht-metamorphen, gefalteten Gesteinen, wie Grauwacke, Tonschiefer oder „Diabas“, in denen keine oder nur geringumfänglich Granite vorkommen, werden unter dem Begriff Schiefergebirge zusammengefasst. Das Rheinische Schiefergebirge (speziell Rothaargebirge, Siegerland, Eifel, Hunsrück, Taunus), der Harz und das Thüringisch-Fränkisch-Vogtländische Schiefergebirge (Thüringer Schiefergebirge, Frankenwald, westliches Vogtland) bestehen aus solchen Gesteinen. Zwar fand die variszische Gebirgsbildung im Paläozoikum statt, die erneute Heraushebung der Kristallin- und Schiefergebirgskomplexe und damit die Entstehung der heutigen Oberflächenformen, setzte jedoch erst im Verlauf des Tertiärs ein und steht mit der Bildung der Alpen im Zusammenhang.
mini|links|Leicht in Falten gelegte Wechselfolge aus marinen Sand-, Silt- und Tonsteinen des Oberdevons (Famenne), sogenannter Condroz-Sandstein, Aachen (Rheinisches Schiefergebirge)
In der Spätphase der variszischen Faltungsperiode (Oberkarbon) bildeten sich die vor allem im 19. und 20. Jahrhundert wirtschaftlich sehr bedeutenden Steinkohlevorkommen des Ruhrgebietes. Die Steinkohleflöze und die kohlearmen Zwischenschichten werden unter der Bezeichnung Ruhrkarbon zusammengefasst. Die Zwischenschichten repräsentieren Abtragungsmaterial des variszischen Hochgebirgssystems, das sich als Außenmolasse in der sogenannten variszischen Vorlandsenke ansammelte. Weil das Ruhrkarbon sowie das kohleführende Karbon des Aachener Reviers, der Niederlande und Belgiens von der Gebirgsbildung zuletzt erfasst und insgesamt weniger stark betroffen waren, sind sie nicht unmittelbar als Teil des variszischen Grundgebirges zu sehen und werden als Subvariszikum von diesem unterschieden.
Im südlichen Sachsen-Anhalt, in Nord- und Mittelsachsen und vor allem im Thüringer Wald und in Rheinland-Pfalz treten Schichten zutage, die ähnlich alt (Oberkarbon bis Mittelperm) und zumindest teilweise ähnlich ausgebildet sind, wie das Ruhrkarbon. Sie sind weitgehend ungefaltet und repräsentieren ebenfalls die Abtragungsphase des variszischen Hochgebirges, jedoch handelt es sich nicht, wie beim Subvarizikum, um Ablagerungen eines Vorlandbeckens, sondern um sogenannte Innenmolasse. Während die karbonische Innenmolasse oft steinkohleführend ist, zeichnet sich die permische Innenmolasse (Rotliegend) durch kohlefreie Rotsedimente aus. Zudem wurde die Rotliegendsedimentation vielerorts von einem intensiven Vulkanismus begleitet. In dieser Hinsicht besonders häufig in der Rotliegend-Abfolge sind Rhyolithe („Quarzporphyre“). Karbon- und Rotliegendmolasse der innervariszischen Becken werden auch unter dem Begriff Permosilesium zusammengefasst und als Übergangsstockwerk bezeichnet (überleitend vom Grundgebirgsstockwerk zum Deckgebirgsstockwerk).
Die Oberflächengeologie Thüringens, Hessens, Frankens und Schwabens wird vom ungefalteten mesozoischen Deckgebirge beherrscht, vor allem von den Ablagerungsgesteinen der Trias. Die Trias Mitteleuropas nördlich der Alpen wird auch Germanische Trias genannt. Sie besteht aus den Abfolgen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. In Schwaben und Franken stehen zudem großflächig Gesteine des Jura an. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den überwiegend aus Kalksteinen bestehenden Schichten des süddeutschen Oberjura (Weißer Jura) zu, die die Schwäbische und die Fränkische Alb aufbauen. Sie enthalten unter anderem eines der berühmtesten Fossilien der Welt, den „Urvogel“ Archaeopteryx. Die Ablagerungen der Kreidezeit sind nur in Norddeutschland, speziell im nördlichen Harzvorland (Subherzyn), im Münsterland und auf Rügen, durch „Kreide“ (das heißt spezielle Kalksteine) vertreten. Im Elbsandsteingebirge in Sachsen und in der Fränkischen Alb herrschen in der Kreidezeit Sandsteine vor.
mini|hochkant|Die Lange Anna auf Helgoland, Felsen aus Sedimenten des Buntsandsteins (Untertrias). Helgoland liegt oberhalb eines Salzstockes aus Zechstein-Salz, der die triassischen Schichten an die Oberfläche gedrückt hat.
Ebenfalls bereits zum Deckgebirge gerechnet wird der Zechstein, der im Oberperm (das heißt noch im Paläozoikum) abgelagert wurde und daher noch unterhalb der Buntsandsteins lagert. Wirtschaftlich bedeutend ist er vor allem wegen seiner ergiebigen Stein- und Kalisalzlagerstätten, unter anderem auch wegen der Salzstöcke, die sich im Untergrund Norddeutschlands aus einst horizontal lagerndem Zechsteinsalz gebildet haben.
Der Oberrheingraben und das Alpenvorland nehmen als geologisch junge Senkungsgebiete mit ihren großflächig verbreiteten känozoischen Sedimenten eine Sonderstellung in Süddeutschland ein. Dort, wie auch im Übergangsbereich von der Norddeutschen Tiefebene zu den Mittelgebirgen, kommen neben den quartären auch tertiäre Ablagerungen oberflächennah vor. Das Tertiär ist wirtschaftlich vor allem wegen seiner Braunkohlevorkommen bedeutend, die jedoch nur fleckenhaft entwickelt sind, speziell im Rheinischen Braunkohlerevier, im Raum Helmstedt, im Raum Halle-Leipzig und in der Niederlausitz. Das Tertiär und teilweise auch das Quartär West-, Mittel- und Süddeutschlands enthalten zudem Zeugnisse einer zweiten großen Episode von festländischem Vulkanismus in Mitteleuropa. Im Gegensatz zum Rotliegend-Vulkanismus hinterließ der Tertiär-Vulkanismus vorwiegend Basalt und verwandte Gesteine, die unter anderem den Vogelsberg, den Westerwald und große Teile der Rhön bedecken. Die Eifel ist noch heute geringfügig vulkanisch aktiv, was sich im dortigen Vorkommen von Quellen mit sehr kohlendioxidreichem Wasser (Mofetten) äußert, für die der Geysir Andernach, der mit 50 bis 60 Metern höchste Kaltwassergeysir der Erde das eindrucksvollste Beispiel liefert. Mit dem Laacher See stellt die Eifel zudem einen der jüngsten Vulkane auf deutschem Territorium.
Die Gesteine der Alpen sind, wie die des variszischen Grundgebirges, gefaltet, jedoch fand diese Faltung erst am Ende des Mesozoikums und im Tertiär statt. Die Alpen enthalten daher, anders als die nördlich von ihnen gelegenen Regionen, auch gefaltete mesozoische und känozoische Sedimentgesteine. Die deutschen Alpen sind überwiegend aus Kalksteinen der mittleren und oberen Trias aufgebaut (Nördliche Kalkalpen). Diese Abfolgen sind nicht im heutigen Mitteleuropa abgelagert, sondern im Zuge der Alpenentstehung von Süden als tektonische Decke an ihre heutige Position transportiert worden. Sie werden daher als Alpine Trias von der Germanischen Trias unterschieden.
Weil Deutschland nicht an einer Plattengrenze, sondern vollständig auf der Eurasischen Platte liegt, zählt es zu den Regionen mit geringer Erdbebenaktivität. Einige Gegenden in Deutschland liegen jedoch an aktiven Verwerfungslinien und erfahren daher relativ häufig Erdbeben, die bisweilen vergleichsweise stark ausfallen können. Dies trifft insbesondere auf den Niederrheingraben mit der Kölner Bucht und den Oberrheingraben sowie auf das Vogtland zu.
Geomorphologische Gliederung Das in Mitteleuropa liegende Deutschland weist mehrere großräumige Landschaften auf, die geomorphologisch untergliedert werden können. Eine Gliederung des Landes in naturräumliche Großregionen kann alternativ vorgenommen werden.
Nord- und Ostsee mini|links|Das Gebiet der Halligen um 1650
Die Geschichte der Ostsee ist bestimmt durch das Abschmelzen der 2–3 km dicken skandinavischen Eisschicht der Weichsel-Kaltzeit vor etwa 12.000 Jahren. Zuerst bildete sich der Baltische Eisstausee, dem sich das Yoldiameer, der Ancylussee und vor 8000 bis 8500 Jahren das Littorinameer anschlossen. In einem Zusammenspiel von Landhebung und Anstieg des Meeresspiegels wechselten sich so Binnensee und Binnenmeer nacheinander ab. Zuletzt senkte sich der südliche Bereich der Ostsee infolge der Landhebung Skandinaviens und es entstanden die Küstenformen der Buchten- und Fördenküste (vollgelaufene, von Gletschern ausgehobelte Vertiefungen) und der Bodden- beziehungsweise Boddenausgleichsküste (durch Zuführung von Material verbinden sich vormalige Moränen durch schmale Landbrücken miteinander).