mini|hochkant=1.4|Die Bauten des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg im Innenhafen (2010) mini|Hier ausgestelltes Exponat Erdglobus des Gerhard Mercator von 1541 (2022) Das Kultur- und Stadthistorische Museum (Abkürzung KSM; 1927 bis 1935 Averdunk-Museum, 1935 bis 1939 Niederrheinisches Heimatmuseum, 1939 bis 1991 Niederrheinisches Museum) ist ein städtisches Museum in der Altstadt der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg. Es entstand 1902, seine Sammlung war zunächst im Rathaus der Stadt ausgestellt. Nach mehreren Umzügen ist es heute, zusammen mit dem benachbarten Stadtarchiv, in den umgestalteten Bauten einer Getreidemühle im Duisburger Innenhafen untergebracht.
Die Sammlungen sind vielfältig. Dem lokalhistorischen Zuschnitt ist die über 100 Jahre alte Sammlung von Objekten aus der Geschichte der Stadt selbst zu verdanken. Daneben wird im Museum eine der bedeutendsten Sammlungen zu Leben und Werk des Kartographen Gerhard Mercator präsentiert. Zum Bestand gehört darüber hinaus auch die Sammlung Köhler-Osbahr mit Münzen und Antiken aus zahlreichen Kulturen und Epochen der Weltgeschichte, die seit 2024 in einer Dauerausstellung über die Geschichte des Geldes ausgestellt sind.
Geschichte Das heutige Kultur- und Stadthistorische Museum geht auf eine Tradition der Sammlung und Bewahrung historischer Altertümer zurück, die in Duisburg vor allem von der Bürgerschaft getragen wurde. Dabei stand die Präsentation solcher Objekte lange Zeit im Schatten des Kunstmuseums (später Lehmbruck-Museum), das sich aus dem gleichen Museumsverein heraus entwickelt hatte. Das Museum war mehrere Jahrzehnte in Provisorien untergebracht, welche die Weiterentwicklung der Sammlung hemmten. Erst durch den Umzug in den Innenhafen, der zugleich mit einer Umbenennung einherging, erhielt das Haus 1991 einen festen Standort im Stadtraum.
Von der „Commission“ zum „Museumsverein“ (1896–1924) Die Beschäftigung mit der Geschichte wurde im Duisburg des 19. Jahrhunderts vor allem durch Grabungen im Stadtgebiet gefördert. So gelangten in den 1870er und 1880er Jahren Grabungsfunde aus dem Duisburger Stadtwald und dem Gräberfeld Duisburg-Wedau an das Gymnasium und wurden hier in einer eigens eingerichteten Altertumssammlung präsentiert. Der Grundstein für eine umfassendere Weiterentwicklung der Sammlung wurde durch die Stiftung des Ingenieurs Albrecht Bonnet gelegt. Er überließ im Frühjahr 1896 seine Urnensammlung der Stadt, verbunden mit der Bedingung, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
mini|links|hochkant|Die Präsentation der niederrheinischen Irdenware im Museum im Rathaus, um 1920 Am 2. Juni 1896 gründete sich hierfür die „Commission zur Erhaltung und Sammlung von Duisburger Alterthümern“. Initiator für dieses zivilgesellschaftliche Engagement war der Gymnasialprofessor Heinrich Averdunk. Dabei war die „Commission“ zunächst auf weitere Schenkungen aus den Reihen der Bürgerschaft angewiesen. Die „A. Bonnetsche Sammlung“ war provisorisch in einem Haus an der Düsseldorfer Straße untergebracht. Im Jahr 1902 zog die wachsende Sammlung in das neue Rathaus im Stadtzentrum um.Gernot Tromnau: Am Anfang war die Bürgerschaft. Aus den Gründerjahren des heutigen Duisburger Kultur- und Stadthistorischen Museums. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 49.
Am 13. Mai 1902 wurde die „Commission“ von 1896 durch Stadtratsbeschluss in den „Duisburger Museumsverein“ umgewandelt. Noch im gleichen Jahr gab Heinrich Averdunk einen ersten Museumsführer heraus. Die Sammlung im dritten Obergeschoss des Rathauses umfasste vier Abteilungen. Neben der „Bonnetschen Sammlung“, einer Keramik- und einer Münzsammlung waren hier bereits die wichtigsten Werke des Geographen Gerhard Mercators untergebracht. Bereits 1899 war man in der „Commission“ überein gekommen, ein Hauptaugenmerk auf die Werke Mercators und seines Umfeldes zu richten. Startschuss bildete der Erwerb der Erstausgabe des Mercator-Atlas im Jahr 1897. 1908 übergab der Duisburger Geheimrat Theodor Böninger dem Verein zwei Original-Mercator-Globen, die bis heute zu den wertvollsten Stücken der Sammlung gehören.
Ab etwa 1905 entwickelte sich die Sammlung des Museumsvereins weiter. Nun sollte auch moderne Kunst die Sammlungsbestände ergänzen. Heinrich Averdunk, seit Gründung erster Museumsleiter aus den Reihen des Vereins, stand dieser Entwicklung positiv gegenüber. So erwarb der Museumsverein im Jahr 1911 die Junge Frau des gebürtigen Meiderichers Wilhelm Lehmbruck. Mit dem Ankauf von einem Werk eines zeitgenössischen Künstlers aus der Region sollte sowohl dem Heimat- als auch dem Kunstgedanken Rechnung getragen werden. Zuvor war innerhalb des Vereins bereits ein Kunstausschuss ins Leben gerufen worden.
Die Räumlichkeiten im Rathaus waren für die weiter wachsende Sammlung von Beginn an zu klein. Früh kamen Ideen auf, ein eigenes Museumsgebäude zu errichten. Zunächst wurde die Finanzierung der bestehenden Sammlung neu geregelt: Am 9. Juli 1907 übernahm die Stadt Duisburg das Museum und steuerte zu den Mitgliederbeiträgen, durch die sich die Ausstellung bisher finanziert hatte, einen jährlichen Betrag von 2.500 Mark bei. Außerdem stiftete die Stadt aus Anlass des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. am 16. Juni 1913 dem Verein 100.000 Mark, die explizit als Grundstock für die Errichtung eines Museums dienen sollten. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte die Umsetzung dieser Pläne.
Heinrich Averdunk, der 1911 nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst zum städtischen Archivar ernannt worden war, trat am 30. September 1919 von seinen Ämtern zurück.Hans Georg Kraume: Heinrich Averdunk. Eine hervorragende Persönlichkeit der Duisburger Geschichtsforschung. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 87. Daraufhin erhielt kommissarisch der Baurat und Architekt Karl Pregizer die Leitung des Museums. Daneben entstand ein Museumsausschuss unter Federführung von Oberbürgermeister Karl Jarres. Die konkrete Betreuung der Sammlung wurde dabei weiterhin durch den Museumsverein geleistet. Diese provisorische Lösung verhinderte in den nächsten Jahren die Weiterentwicklung von Sammlung und Präsentation.Peter Dunas: Von der „Commission zur Erhaltung und Sammlung von Duisburger Alterthümern“ zum „Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg“. Eine Dokumentation. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 187.
Averdunk-Museum (1924–1935) Die Situation änderte sich erst mit der Einstellung von August Hoff als Geschäftsführer des Museumsvereins im Jahr 1924. Die neue Leitung forcierte nun den Umzug eines Teils der Sammlung in angemietete Ausstellungsräume in der Tonhallenstraße 11a. Hierher brachte man vor allem Kunst- und kunstgewerbliche Teile der Sammlung, wobei ein Fokus auf die Lehmbruck-Sammlung gelegt wurde. Hoff blieb noch bis in den Oktober 1926 für beide Sammlungen zuständig. Allerdings wurde hier bereits eine Trennung von Kunstmuseum und Heimatmuseum sichtbar.
Am 1. Oktober 1926 setzte die Stadt für die Leitung des nun um die meisten Kunstobjekte gebrachten Museums im Rathaus den Heimatkundler Eduard Wildschrey, im Nebenamt, ein. Wildschrey trieb, auch durch eine Kampagne gegen seinen Kollegen Hoff, die Trennung der beiden Sammlungen weiter voran. Diese Trennung wurde durch die Umbenennung der Bestände im Rathaus zum Averdunk-Museum im Jahr 1927 weiter manifestiert. Gleichzeitig erweiterte sich unter Wildschrey auch der Sammlungsfokus und die Bestände wurden um Objekte aus der Technik-, Industrie- und Schifffahrtsgeschichte der Stadt ergänzt. Die anderen Sammlungsbestände wurden um weitere Keramik und eine Gewehrsammlung erweitert.
Nach dem Zusammenschluss von Duisburg und Hamborn zur Stadt Duisburg-Hamborn im Jahr 1929 traten weitere Akteure in Erscheinung.Peter Dunas: Von der „Commission zur Erhaltung und Sammlung von Duisburger Alterthümern“ zum „Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg“. Eine Dokumentation. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 191. In Hamborn war bereits im Jahr 1925 ein eigenes Museum eingerichtet worden, das im Hamborner Rathaus, später in der Berufsschule untergebracht war. Ab 1927 stand das Museum unter der Leitung des jungen Prähistorikers und gebürtigen Hamborners, Rudolf Stampfuß. Die Bestände umfassten vorgeschichtliche Funde, sollten aber auch um eine stadt-, sowie eine industriegeschichtliche Abteilung erweitert werden.
Nach der kommunalen Neuordnung plante der Stadtrat die vollständige Neuordnung der „Museumsangelegenheiten der Gesamtstadt“. Am 1. Mai 1930 wurde Wildschrey von der Leitung des Averdunkmuseums entbunden und stattdessen Rudolf Stampfuß eingesetzt. Die bisher nur räumliche Trennung von Kunst- und Heimatmuseum wurde nun auch institutionell festgelegt. Dem Kunstmuseum mit dem Museumsverein, der sich in den vorangegangenen Jahren immer mehr von seiner ursprünglichen Konzeption entfernt hatte, stand nun das Heimatmuseum gegenüber, das die beiden Standorte Duisburg-Rathaus und Hamborn-Berufsschule umfasste. Die Umstrukturierung ging mit einer Schmutzkampagne gegen Eduard Wildschrey einher, der letztlich durch das Anbringen neuer Schlösser aus der Institution gedrängt wurde.Susanne Sommer: Von „Alterthümern“ und „überliefertem Hausgerät“. Museumsgeschichte am Beispiel des volkskundlichen Sammlungsbestandes 1900–1950. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 99–101.
In den folgenden Jahren hatte das Heimatmuseum durch seine enge Verbindung mit der Stadt Duisburg immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Neuankäufe waren unmöglich. Diese Situation wurde durch die Aufteilung der Sammlung auf mehrere Standorte im Stadtgebiet verstärkt. 1932 wurde die Sammlung im Duisburger Rathaus geschlossen, ehe Teile der stadtgeschichtlichen Abteilung, sowie der Mercatorsammlung 1934 in der Königstraße 21 ausgestellt wurden. Rudolf Stampfuß versuchte dem Bedeutungsverlust mit einer engen Anlehnung an die Politik entgegenzuwirken.
Unter den geänderten politischen Vorzeichen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 versuchte Stampfuß, mittlerweile Ortsgruppenleiter des „Kampfbundes für deutsche Kultur“, das Averdunk-Museum als zentrale Kulturinstitution in Duisburg zu etablieren. Nach einer Kampagne gegen August Hoff, die zu dessen Entlassung aus dem städtischen Dienst führte, plante Stampfuß die (Wieder-)Zusammenlegung der Bestände von Kunst- und Heimatmuseum unter seiner Leitung zu erreichen, scheiterte jedoch.Susanne Sommer: Von „Alterthümern“ und „überliefertem Hausgerät“. Museumsgeschichte am Beispiel des volkskundlichen Sammlungsbestandes 1900–1950. In: Peter Dunas, Susanne Sommer (Hrsg.): 1902–2002. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg. Festschrift zum 100jährigen Bestehen (= Duisburger Forschungen. 48. Bd.) Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, S. 102 f.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (1935–1945)