mini|Karl-Theodor zu Guttenberg (2017) rahmenlos|rechts|160px|klasse=skin-invert-image notpageimage|Guttenbergs Unterschrift|321x321px
Karl-Theodor zu Guttenberg (amtlich Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg;Münchner sorgt für Gesprächsstoff: Warum verschwieg er ihn? Flugticket verrät Guttenbergs wahren Namen, Merkur, 6. Oktober 2016. Zum Namensbestandteil Buhl siehe auch Karl Theodor zu Guttenberg (Politiker, 1921)#Einzelnachweise 1. und Weingut Reichsrat von Buhl. Er führt diesen Nachnamen auch auf seiner (zweiten) Doktorarbeit. * 5. Dezember 1971 in München) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CSU), der mittlerweile als Lobbyist, Unternehmensberater, Fernsehmoderator, Podcaster und Autor tätig ist.
Im Jahre 2009 war er zunächst Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, danach bis 2011 Bundesminister der Verteidigung. Nachdem die Universität Bayreuth Guttenberg im Zuge der Plagiatsaffäre um seine Dissertation, die auch Urheberrechtsverletzungen beinhaltet hatte, den Doktorgrad im Februar 2011 aberkannt hatte, legte er Anfang März 2011 sämtliche politischen Ämter nieder.
Herkunft und Familie mini|Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg bei der Quadriga Preisverleihung, 2010
Karl-Theodor Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg entstammt dem fränkischen Adelsgeschlecht Guttenberg. Seine Eltern sind der Dirigent Enoch Freiherr von und zu Guttenberg und dessen damalige Ehefrau Christiane, geborene Gräfin von und zu Eltz. Die Eltern ließen sich im Jahr 1977 scheiden. Guttenberg und sein jüngerer Bruder Philipp Franz wuchsen danach beim Vater auf. Ihre Mutter heiratete 1985 Adolf Henkell-von Ribbentrop und ihr Vater 1997 die Dirigentin Ljubka Biagioni. Guttenberg hat aus den zweiten Ehen seiner Eltern vier Halbgeschwister. Der Großvater Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg war ebenfalls CSU-Politiker und von 1967 bis 1969 parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt.
Mütterlicherseits entstammt er den ehemals adeligen österreichischen Familien Meran und Mayr-Melnhof; so war er ein Urenkel des Rennfahrers und Forschers Friedrich Mayr-Melnhof. Als Ururenkel von Johann von Meran ist er somit ein direkter Nachfahre von Erzherzog Johann von Österreich.
Guttenberg ist römisch-katholischer Konfession und besitzt neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Er war ab 2000 mit Stephanie zu Guttenberg, geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen, verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter (* 2001 und 2002). Die Familie lebte in Deutschland in Guttenberg und im niedersächsischen Hasbergen bei Osnabrück. Sie hatten zudem Wohnsitze im Berliner Westend, Greenwich (Connecticut) und Wellington (Florida). Im September 2023 wurde bekannt, dass das Paar sich im Winter 2022/2023 getrennt hatte. Die gerichtliche Scheidung erfolgte am 28. April 2025.Melanie Althoff: Karl-Theodor zu Guttenberg ist offiziell geschieden Bei: Focus Online. 11. Mai 2025, abgerufen am 11. Mai 2025.
Ebenfalls am 28. April 2025 machten Guttenberg und Katherina Reiche ihre Paarbeziehung öffentlich. Mittlerweile lebt er in München.
Schulbildung und Studium Nach dem Abitur am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim im Juni 1991 trat Guttenberg seinen Wehrdienst im Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald an. Am Ende seiner Dienstzeit wurde er als Unteroffizier der Reserve entlassen und nach einer späteren Wehrübung zum Stabsunteroffizier der Reserve befördert.Eckart Lohse/Markus Wehner: Guttenberg. Droemer, München 2011, 2., erw. Auflage, S. 124/125.
Guttenberg studierte von 1992 bis 1999 Rechtswissenschaften an der Universität Bayreuth. 1993 begann er ein Studium der Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik München. Das Studium der Rechtswissenschaft schloss er 1999 mit der Ersten Juristischen Staatsprüfung mit der Note „Befriedigend“ (6,8 Punkte) ab. Während des Studiums absolvierte er mehrwöchige Praktika in der Sozietät Peltzer & Riesenkampff in Frankfurt am Main und in der Kanzlei Mayer, Brown and Platt in New York.
Im Anschluss begann Guttenberg eine Dissertation bei Peter Häberle. Er legte 2006 eine Dissertation mit dem Titel Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU vor. Rudolf Streinz war als Zweitgutachter tätig. Die Dissertation wurde 2006 durch die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth angenommen. Am 27. Februar 2007 bestand Guttenberg die mündliche Promotionsprüfung und erhielt die Gesamtnote summa cum laude. Auf Antrag durfte er ab 7. Mai 2007 den Grad eines Doktors der Rechte vorläufig führen, nach Abgabe der Pflichtexemplare ab dem 28. Januar 2009 unbefristet. Nachdem im Februar 2011 gegen Guttenberg Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit der Dissertation erhoben worden waren, bat dieser am 21. Februar 2011 die Universität Bayreuth um „Rücknahme des Doktortitels“. Nach einer weiteren eigenen Prüfung erkannte die Universität den Doktorgrad am 23. Februar 2011 ab.
2019 beendete Guttenberg an der University of Southampton ein Ph.D.-Studium der Wirtschaftsgeschichte mit einer 467 Seiten umfassenden Dissertation über die Bedeutung des Korrespondenzbankwesens. Sein Doktorvater ist der Wirtschaftswissenschaftler Richard A. Werner.
Berufliche Tätigkeiten vor dem Eintritt in die Politik Guttenberg war ab 1994, zunächst neben seinem Studium, in der Forstverwaltung Guttenberg tätig sowie bis November 2003, Snapshot 6. Februar 2007 Gesellschafter-Geschäftsführer der Guttenberg GmbH in München, die das Familienvermögen verwaltete., abgerufen am 11. Januar 2012.München HRB 134661 – Guttenberg GmbHPanorama: Bundeswirtschaftsminister Freiherr zu Guttenberg, 13. Februar 2009: Nach seiner Ernennung zum Bundesminister verwies Guttenberg auf die dort gemachten Erfahrungen. Angesichts geringer Jahresumsätze und weniger Mitarbeiter – die Creditreform nannte für das Jahr 2000 einen Umsatz in Höhe von 25.000 Euro bei drei Mitarbeitern – sprach das Fernsehmagazin Panorama von einer „Übertreibung“. Die GmbH wies als Holding ein Stammkapital von 1 Million Euro und ein Eigenkapital von ca. 75.000 Euro auf. Sie verwaltete Vermögenswerte von über einer Viertelmilliarde Euro, darunter eine Beteiligung an der Rhön-Klinikum AG in Höhe von 26,5 Prozent, die im März 2002 für 260 Mio. Euro an die Bayerischen Hypo- und Vereinsbank verkauft wurde. Von 1996 bis 2002 gehörte Guttenberg dem Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG an, bis September 2004 war er darüber hinaus Geschäftsführer der KT-Kapitalverwaltung GbR in München.
Guttenberg wurde vorgeworfen, im eigenen Lebenslauf übertrieben zu haben: So fanden sich die Formulierungen und . Der Axel-Springer-Konzern als Verlag der Welt wurde zitiert, Guttenberg sei Praktikant in der Redaktion gewesen; bei den „beruflichen Stationen“ habe es sich um mehrwöchige Praktika als Student gehandelt.
Politik mini|Guttenberg beim CDU-Parteitag in Stuttgart (2008)
Guttenberg ist Mitglied der Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU). Bis Dezember 2008 war er Vorsitzender des CSU-Verbands seines Heimatorts Guttenberg, außerdem gehörte er dem Vorstand des CSU-Kreisverbands Kulmbach an. Am 8. Dezember 2007 wurde Guttenberg in einer Kampfabstimmung als Nachfolger Werner Schnappaufs zum Vorsitzenden des CSU-Bezirksverbandes Oberfranken gewählt. Dieses Amt legte er am 19. März 2011 nieder, Hans-Peter Friedrich wurde im Juli 2011 zu seinem Nachfolger gewählt. Guttenberg saß sowohl im Präsidium als auch im Vorstand seiner Partei und war Leiter des Fachausschusses Außenpolitik im Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik.
Darüber hinaus ist Guttenberg seit dem Jahr 2002 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der Atlantik-Brücke und des Aspen-Instituts. Ab 2005 war er Vizepräsident der Südosteuropa-Gesellschaft und Mitglied der Deutsch-Britischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, deren Vorsitz er von Mitte 2005 bis März 2009 innehatte. Bis 2009 war Guttenberg außerdem Mitglied der Jungen Union. Er war auch Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag sowie Mitglied im Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Von 2003 bis 2005 war Guttenberg Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Parlamentarischen Versammlung der WEU.
Gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Verteidigungsminister wegen der Plagiatsaffäre um seine Dissertation trat Guttenberg am 1. März 2011 von allen weiteren politischen Ämtern zurück. Im Mai 2011 wurde er vom CSU-Kreisverband Kulmbach zum Delegierten für den Bezirks- und den Landesparteitag gewählt.
Guttenberg gehörte 2014 zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Ablegers der NGO European Leadership Network (ELNET) in Berlin.
Guttenberg sprach sich 2015 gegen eine Rückkehr in die deutsche Politik aus. Vor der Bundestagswahl 2017 nahm Guttenberg an mehreren Wahlkampfveranstaltungen der CSU teil, beispielsweise mit einer Rede auf dem niederbayerischen Gillamoos, schloss jedoch auch danach eine Rückkehr in die Politik wiederholt aus.
Kreistag Kulmbach (2002–2011) Guttenberg wurde 2002 in den Kreistag des Landkreises Kulmbach gewählt und 2008 für die bis zum Jahr 2014 laufende Wahlperiode wiedergewählt. Während dieser Wahlperiode, nach seiner Ernennung zum Minister, nahm er das Mandat nur noch vereinzelt wahr, was andere Kreisräte kritisierten. Im April 2011 legte er auch dieses Mandat nieder.
Deutscher Bundestag (2002–2011) mini|hochkant|Karl-Theodor zu Guttenberg (2006) Ab 2002 war Guttenberg direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages, in dem er von 2005 bis November 2008 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle war.
Anfang 2004 stellte Guttenberg im Zusammenhang mit der Frage eines EU-Beitritts der Türkei das Konzept der Privilegierten Partnerschaft zur politischen Diskussion. Dieses bestimmt seither die Position von CDU/CSU in der Türkei-Frage.
Guttenberg benannte als Gründe für seine ablehnende Haltung zum EU-Beitritt der Türkei deren unzureichende Umsetzung europäischer Kriterien, z. B. in der Zypernfrage, sowie eine drohende Überforderung der EU. Zugleich betonte er stets die Notwendigkeit guter Beziehungen zur Türkei und kritisierte diesbezüglich ein französisches Gesetzesvorhaben, welches das Leugnen des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellen sollte.
Im Zusammenhang mit den Plänen Irans zur nuklearen und raketentechnischen Aufrüstung warnte Guttenberg wiederholt vor den drohenden Risiken für Deutschland und Europa. Er lehnte jedoch übereilte militärische Maßnahmen gegen Iran ab und forderte stattdessen ein geschlossenes internationales Vorgehen auf politischer Ebene.
Zudem veröffentlichte Guttenberg regelmäßig Stellungnahmen zu unterschiedlichen außenpolitischen Themen.
Guttenberg war immer als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Kulmbach in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 hatte er 60 Prozent der Erststimmen erreicht. Am 27. September 2009 wurde er im Bundestagswahlkreis Kulmbach mit dem bundesweit besten Erststimmen-Ergebnis (68,1 Prozent) in den Bundestag gewählt. Im Zusammenhang mit dem Rückzug von seinen politischen Ämtern hat er auch sein Bundestagsmandat niedergelegt.
Generalsekretär der CSU (2008–2009) Am 30. Oktober 2008 wurde Guttenberg vom CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer zum CSU-Generalsekretär ernannt. Seehofer hatte kurz zuvor die Nachfolge von Erwin Huber als Parteivorsitzender und von Günther Beckstein als Bayerischer Ministerpräsident angetreten, die nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei den Bayerischen Landtagswahlen im September 2008 ihre Ämter zur Verfügung gestellt hatten.