mini|Vogel der Unterart L. g. glaucoides im ersten Winter mini|Manche Vögel im ersten Sommer wirken im abgenutzten Gefieder sehr hell. Dunkle Zeichnungen sind kaum noch vorhanden. mini|Handflügelmuster adulter Vögel der drei Unterarten glaucoides, kumlieni und Thayermöwe (thayeri) im Vergleich. Das dritte Handflügelmuster von oben zeigt den Überschneidungsbereich zwischen den Unterarten kumlieni und thayeri – teils handelt es sich hier um Hybriden. mini|Vogel der Unterart L. g. kumlieni mit sichtbarem Handflügelmuster – hier mit mittelgrauer Färbung.

Die Polarmöwe (Larus glaucoides) ist eine niederarktische, mittelgroße Möwenart aus der Gattung Larus. Sie besiedelt in drei Unterarten die Küsten des südlichen und westlichen Grönlands und des nordöstlichen Kanadas um Baffin Island.

Die Polarmöwe brütet in Steilfelsen an Fjorden und Sunden. Sie ernährt sich hauptsächlich von Fischen, aber auch von Krebstieren, Weichtieren, Aas und anderem. Im Winter ist sie an eisfreien Küsten und Polynjas zu finden. Die grönländischen Populationen überwintern im Bereich des Nordatlantik und insbesondere auf Island, was der Art den englischen Namen Iceland Gull einbrachte, obwohl sie dort nicht brütet. Aber auch Vögel der amerikanischen Unterart gelangen regelmäßig in den europäischen Raum. Deren Hauptüberwinterungsgebiete erstrecken sich von der Hudson Bay über die Küsten der östlichen Provinzen Kanadas.

Beschreibung Die Polarmöwe ist mit 52–60 cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 125–145 cm etwas kleiner als eine Silbermöwe und kleiner als die recht ähnliche Eismöwe. Der Körperbau entspricht dem einer typischen Großmöwe; der verhältnismäßig zierliche, runde Kopf erinnert hingegen an den einer Sturmmöwe. Im Flug wirkt die Art elegant mit schlanken Flügeln und relativ langem Handflügel. Im Unterschied zur Eismöwe wirken Kopf und Hals kurz und die Flügel spitzer.Lars Svensson, Peter J. Grant, Killian Mullarney, Dan Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer. Kosmos, Stuttgart; 1999: S. 181. ISBN 3-440-07720-9 Beim sitzenden Vogel ragen die Flügelspitzen recht weit über die Steuerfedern hinaus.Olsen/Larsson (2003), siehe Literatur Ein typisches, wenn auch nicht zur sicheren Artbestimmung geeignetes Merkmal ist, dass die Flügelspitzen oft nicht gekreuzt, sondern aufeinander gelegt werden.Glutz von Blotzheim, S. 501 sowie Goethe (1986), S. 120, siehe Literatur

Adultkleid Adulte Vögel der Nominatform haben im Prachtkleid einen gelben Schnabel mit rotem Gonysfleck; nicht selten tendiert die gelbe Färbung etwas ins olivfarbene. Das Auge ist von einem roten Orbitalring umgeben, die Iris ist hell gelblich. Kopf, Hals, Brust, Unterseite, Bürzel und Steuerfedern sind rein weiß. Die Oberseite ist hellgrau. Der Oberflügel zeigt einen weißen Hinterrand. Im Unterschied zu anderen Arten der Gattung Larus fehlt – ebenso wie bei der Eismöwe – eine schwarze Handflügelzeichnung. Die Füße und Beine sind rosa bis gräulich fleischfarben. Im Schlichtkleid sind Schnabel und Orbitalring matter gefärbt. Der Kopf ist – teilweise bis auf die Brust reichend – bräunlich gestrichelt.Glutz v. Blotzheim, S. 494f, siehe Literatur

Jugendkleider Juvenile Polarmöwen sind wie andere Großmöwen überwiegend graubraun gefärbt. Ähnlich jungen Eismöwen sind sie aber insgesamt sehr hell bis hin zu weißlich grau. Die bei anderen juvenilen Großmöwen dunkel gefärbten Schwingen sind weißlich oder mindestens weißlich gesäumt. Das übrige Flügel-, das Rücken- und Schultergefieder zeigen weißliche Federzentren und braungraue Subterminalzeichnungen. Im Unterschied zur Eismöwe ist diese Zeichnung der Oberseite aber weißer und offener. Der Vogel wirkt insgesamt grauer und weniger gelbbraun. Auch ist die Kopfzeichnung kontrastreicher. Eine feine Strichelung verdichtet sich im Bereich des Scheitels und der Ohrdecken, der Nacken zeigt oft eine hellere Färbung. Weißliche „Lider“ fehlen meist. Augen und Schnabel sind dunkel, der Schnabel an der Basis oft etwas aufgehellt. Die Unterschwanzdecken und der Bürzel sind auf weißem Grund bräunlich gebändert. Dem meist fein graubraun gebänderten Schwanz fehlt die Binde. Füße und Beine sind fleischfarben.Olsen / Larsson (2003), S. 204f und Glutz v. Blotzheim, S. 494, siehe Literatur

Zum ersten Winter hin werden bei manchen Vögeln der Nominatform einige Federn des Mantel- und Schultergefieders vermausert, was aber kaum auffällt. Deutlicher ist dies bei der Unterart L. g. kumlieni, bei der im Jugendkleid der Rücken dunkel geschuppt wirkt, im ersten Winter die Zeichnung aber sehr viel offener ist. Zum Frühjahr hin wirken manche Vögel beider Unterarten durch das abgenutzte Gefieder sehr hell bis hin zu nahezu rein weiß.Olsen / Larsson (2003), S. 204f

Vögel im zweiten Winter ähneln jenen im ersten Winter. Der nun jedoch überwiegend fleischfarbene Schnabel zeigt eine breite, schwarze Subterminalbinde, die Unterseite ist heller und die Zeichnung ist teils etwas unregelmäßiger und heller ausgeprägt. Die Strichelung am Kopf konzentriert sich oft zu einer angedeuteten Maske, aus der das Auge, das sich langsam aufhellt, deutlich hervorsticht. Bei manchen Vögeln deutet sich bereits der graue Rücken des Adultkleids an.

Vögel im dritten Winter ähneln bereits stark adulten Vögeln. Der gelbolive Schnabel zeigt jedoch noch eine schwarze Binde und einige Oberflügeldecken zeigen noch eine bräunliche Musterung.

Geografische Variation Es werden drei Unterarten anerkannt – die in Grönland beheimatete Nominatform und die nearktisch verbreitete, nach dem schwedisch-amerikanischen Ornithologen Thure Kumlien (1819–1888) benannte „Kumlienmöwe“ sowie die nach dem Ornithologen John Eliot Thayer benannte Thayermöwe.

L. g. glaucoides 1822 – südliches Grönland L. g. kumlieni 1883 – nordöstliches Kanada L. g. thayeri 1915 – Hudson Bay und westliches Grönland

Während bei der Nominatform ein dunkles Handschwingenmuster komplett fehlt, zeigt die Unterart kumlieni im Hinblick auf dieses Merkmal eine sehr breite Variabilität. Bei sehr hellen Vögeln beschränkt es sich auf ein hellgraues Streifenmuster, das von den dunkel gefärbten Außenfahnen der äußeren vier Handschwingen gebildet wird. Bei den meisten Vögeln jedoch erstreckt es sich über die äußeren vier oder fünf Handschwingen, ist eisgrau bis dunkelgrau und zeigt zusätzlich zu den dunklen Außenfahnen subterminale, dunkle Bänder. Es ähnelt dem der Thayermöwe und es wird vermutet, dass dieser Phänotyp aus einer Hybridisierung mit der letzteren hervorgegangen ist. Gestützt wird dies dadurch, dass es im nordwestlichen Teil der Verbreitung eine Zone gibt, in der sich Thayermöwen mit sehr reduziertem Handflügelmuster oft nicht von L. g. kumlieni mit sehr dunkler Zeichnung unterscheiden lassen (siehe auch Abbildung rechts). Vermutlich handelt es sich zum Teil um Hybriden.Olsen/Larson (2003), S. 214f und S. 29/30, siehe Literatur

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Unterarten ist der Orbitalring um das Auge, der bei grönländischen Vögeln gelb, bei kanadischen rot ist. Die Färbung der Iris ist bei kumlieni wie das Handschwingenmuster variabel. Nach Nordwesten hin nimmt der Anteil von Vögeln mit (wie bei der Thayermöwe) dunkel gefleckter Iris zu.Jürgen Haffer: Systematik und Taxonomie der Larus argentatus-Artengruppe in Glutz von Blotzheim, S. 510f, siehe Literatur

Stimme Die stimmlichen Äußerungen der Polarmöwe ähneln in Repertoire und Qualität stark an die der Silbermöwe und stehen diesen klanglich näher als die Rufe anderer verwandter Großmöwen wie Mittelmeer- oder Heringsmöwe. Oft werden die Lautäußerungen als schriller beschrieben, als die der Silbermöwe, was aber nach Beobachtungen Friedrich Goethes an grönlandischen Brutplätzen hauptsächlich auf das „Jauchzen“ (long call) zutrifft.Goethe (1986), S. 124 und 130, siehe Literatur Dieses ähnelt dem der Amerikanischen Silbermöwe, das durch besonders gellende, hohe Rufe im Mittelteil gekennzeichnet ist. Der Hauptruf der Polarmöwe ist ein recht variables küa, das sich bei Erregung zu einem höheren kia steigert. Den „Staccatoruf“, der bei Gefahr geäußert wird, beschreibt Goethe als gägägäg.Goethe (1986), S. 129, siehe Literatur Allgemein stellt er fest, dass viele der gereihten Rufe in einem langsameren Tempo als bei der Silbermöwe vorgetragen werden.Goethe (1986), S. 130, siehe Literatur

Verbreitung Die Brutverbreitung der Polarmöwe erstreckt sich im Bereich der Niederarktis in zerstreuten Kolonien über das südliche Grönland und Teile des nordöstlichen Kanadas.

In Grönland ist die Art an der Ostküste nur zerstreut an der Kong Frederik VI Kyst zu finden, häufiger aber von Tasiilaq nordwärts bis zum Fjord Kangersertuaq. An der Westküste reicht die Verbreitung etwa von der Insel Sermersooq im Norden des Distrikts Nanortalik nordwärts bis zur Inselgruppe Issuusassuit Oqquanni Qeqertat (Balgoni Øer) in der Melville-Bucht bei etwa 76° N.David Boertmann, Nicholas Per Huffeldt: Seabird Colonies in the Melville Bay, Northwest Greenland (PDF; 3,77 MB), Scientific Report from DCE no. 45 2013, ISBN 978-87-92825-82-7 Ein Brutvorkommen auf Jan Mayen von 1882/83 wurde seither nicht wieder bestätigt.Glutz von Blotzheim, S. 495f, siehe Literatur

Im nordöstlichen Kanada beschränken sich die Vorkommen auf der Baffininsel und den äußersten Norden der Hudson Bay. Die nördlichsten Kolonien finden sich in der Home Bay vor der Baffininsel und auf der vorgelagerten Insel Broughton Island. Ferner kommt die Art am Cumberlandsund und an der Südküste der Insel bis Kinngait vor. Weiter südlich brütet die Art auf Southampton Island und Coats Island sowie am Digges Sound im äußersten Nordwesten der Ungava-Halbinsel.Snell (2002), Abschnitt Distribution, siehe Literatur

mini|Regelmäßig überwintern Polarmöwen in kleiner Zahl im Norden der Britischen Inseln. Hier ein Vogel im ersten Winter.

Wanderungen Die Polarmöwe ist in ihrem südlicheren Verbreitungsgebiet Standvogel, die nördlicheren Populationen sind Kurzstreckenzieher. Junge Vögel legen teils auch weitere Strecken zurück.

Das Gros der Nominatform überwintert im südlichen Grönland. Während die Brutvögel der Westküste nur die Inlandfjorde räumen, ziehen Vögel der Ostküste meist weiter.Glutz von Blotzheim, S. 496f, siehe Literatur Sie sind dann häufig im nördlicheren Teil Islands zu finden, wo sich im Winter zwischen 5.000 und 10.000 Vögel aufhalten. Ein kleiner Teil überwintert auch im Norden der Britischen Inseln. Seltener und vor allem bei größeren, klimabedingten Einflügen gelangt die Art auch nach Norwegen, Nord- und Westeuropa.Olsen/Larson (2003), S. 216, siehe Literatur

Die Brutvögel von Baffin Island überwintern im Bereich der Hudson Bay und den maritimen Provinzen Ostkanadas, wo sich am Sankt-Lorenz-Golf und in Neufundland teils Schwärme mit über 9.000 Vögeln bilden. Spärlicher ist die Art auch weiter südwärts bis zu den Großen Seen und bis nach South Carolina als Überwinterer zu finden.

Die Brutkolonien werden ab August geräumt und die Vögel verteilen sich im Verlauf des Herbstes an den umliegenden Küsten oder wandern an den Inlandfjorden entlang, um schließlich ebenfalls an die Küste zu gelangen. Bereits Ende September treffen die ersten Wintergäste in Neufundland und auf Island ein. Der Höhepunkt der Wanderungen beginnt jedoch im Oktober und liegt vor allem im November. Höchstzahlen der Winterbestände liegen überall zwischen November und März. Der Heimzug erfolgt zwischen Ende März und Anfang Mai.

Als Irrgast gelangt die Art auch bis an die Westküste Amerikas. In Europa findet sich L. g kumlieni sehr selten aber regelmäßig als Irrgast ein, in Amerika tauchen gelegentlich Vögel der Nominatform auf.

mini|Brutkolonien der Polarmöwe liegen meist in Steilfelsen an der niederarktischen Fjordküste, ähnlich diesem im östlichen Baffin Island mini|Die Brutplätze werden teils bereits ab Mitte Mai besetzt, wenn die Fjorde noch nicht eisfrei sind. Die Eisdecke bricht meist erst zwischen Mitte Juni und Juli zu Schollen auf.

Lebensraum