mini|Illustration zu Miltons »Paradise lost« von Gustave Doré, 1866: “Him fast sleeping soon he found, in labyrinth of many a round self-rolled.” Ediert von Robert Vaughan, D.D. London und New York. Cassell, Petter und Galpin.
Der Teufel (von althochdeutsch tiufal und – angelehnt an ẹngil – tiufil, über diavulus wie gotisch diabaulus und lateinisch diabolus von griechisch διάβολος diábolos „Verleumder“, bibelgriechisch „Widersacher“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21., unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 777.) ist eine das Böse verkörpernde Gestalt. In verschiedenen Religionen wie dem Christentum und im Islam ist er ein als eigenständig und übernatürlich angesehenes Wesen. Nicht immer wird alles Böse in der Gestalt eines einzigen Teufels verkörpert, sondern es taucht gelegentlich eine Vielzahl von Teufeln in Form übelwollender Dämonen auf, die in der Regel dem obersten Teufel unterstehen.
Religionsgeschichtlich steht der Teufel prototypisch für das Böse und bildete sich in verschiedenen alten Hochkulturen (z. B. Iran, Griechenland, Babylon) heraus. Häufig verdichtete sich das Böse, je mehr die Vorstellung eines gütigen Gottes ausgebildet wurde, zu seinem Gegenspieler. Je nach Religion, Kulturepoche und Ort werden dem Teufel andere Namen und Eigenschaften zugeschrieben. Der Zoroastrismus vertritt eine dualistische Weltanschauung. Hier gilt Ahriman als Verkörperung der zerstörerischen Kraft im Universum, die den urzeitlichen Gegner Ahura Mazdas darstellt. Im Buddhismus nimmt MaraPaul Carus: The History of the Devil and the Idea of Evil. 1900, S. 104–115 (online) (deutsch: Die Geschichte des Teufels von den Anfängen der Zivilisation bis zur Neuzeit. Bohmeier Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-89094-424-8). oder auch Devadatta die Stelle eines „teuflischen“ Verführers ein und wurde bei einer muslimischen Zuhörerschaft entlang der Seidenstraße auch mit Iblis (Satan im Islam) identifiziert.
Wortherkunft Das deutsche Wort „Teufel“ stammt wie das lateinische Diabolus von Diábolos, wörtlich ‚Durcheinanderwerfer‘ im Sinne von ‚Verwirrer, Faktenverdreher, Verleumder‘ aus dia ‚auseinander, (mittenJohann Baptist Hofmann: Etymologisches Wörterbuch des Griechischen. R. Oldebourg, München 1950, S. 58 (διά).) entzwei‘ und bállein ‚werfen‘, zusammengesetzt zu .Peter Paul Schweitzer: Altdeutscher Wortschatz. Ein sprachgeschichtliches Wörterbuch. Haddamar 1998, auf ippsch.de S. 66Gerhard Köbler: Altgriechisches Herkunftswörterbuch. 2007, auf koeblergerhard.de S. 110
Der Teufel in verschiedenen Religionen Judentum In der Übersetzung der hebräischen Texte von und ins Griechische wurde das jüdische ha-Satan () zu diabolos (‚Teufel‘) der Septuaginta. Die Vorstellungen von Satan sind im Judentum aber deutlich verschieden von den Vorstellungen und der Verwendung des Begriffs Satan im Christentum und im Islam. So fehlt dem Judentum die Vorstellung des Satans als einer teuflischen Gestalt. Das Böse nimmt keine eigenständige Gestalt an, sondern Gott selbst beinhaltet den bösen Geist, den er beliebig in der Form eines ihm unterstehenden Satans aussenden kann. Aufgrund der Deutung und Auslegung des Tanachs durch die jeweiligen Gelehrten ergeben sich bedeutende Unterschiede.
Satan ist im Tanach vor allem der Titel eines Anklägers am göttlichen Gerichtshof (die hebräische Bezeichnung Satan (, Sin-Teth-Nun) bedeutet so viel wie „Ankläger“). Die Bezeichnung kann auch für Menschen verwendet werden; das hebräische Wort wird dann im Allgemeinen ohne den bestimmten Artikel benutzt (; ; ; Psalm ; als Verben im Sinne von „Feind“ oder „Anfeindung“ in den Psalmen: ; ; ). Üblicherweise wird der Titel Satan verschiedenen Engeln verliehen und kann dann auch alleinbezeichnend sein.
Satan wird im Judentum nicht als etwas Personifiziertes oder gar als das personifizierte Böse betrachtet. Im Judentum werden sowohl das Gute als auch das Böse als zwei Seiten einer Zusammengehörigkeit gesehen, die beide z. B. in Gott, dem ewigen Wesen, begründet sind. Gut und Böse sind von dieser Welt, der das ewige Wesen Gott transzendent gegenübersteht. Der Satan handelt, wenn der Titel einem Engel in einem Zusammenhang oder in einer Erzählung gegeben wurde, dabei stets nicht eigenmächtig und nicht nach eigenem Willen, sondern im Auftrag Gottes und steht voll unter der Kontrolle und dem Willen Gottes. Der Titel Satan wird im Tanach und anderen heiligen Schriften des Judentums verschiedenen Engeln und Menschen verliehen.
mini|Satan schüttet die Plagen über Hiob aus (William Blake) Die ausführlichste Darstellung, in der ein Engel mit dem Titel Satan in Gottes Auftrag wirkt, findet sich im Buch Hiob. Die Erzählung beginnt mit der Szene am himmlischen Gerichtshof, bei dem Gott und ein Engel anwesend sind. Aufgrund des Einwands des Engels in dieser göttlichen Gerichtshofsrunde, der als Ankläger, also als Satan fungiert, kommt es zu einem Vorwurf an Gott. Der fromme und wohlhabende Hiob halte Gott nur deshalb die Treue, weil Gott um ihn herum kein Unglück zulasse. Daraufhin gestattet Gott Satan, Hiobs Gottvertrauen auf die Probe zu stellen. Trotz der Unglücke und trotz der leidvollen Krankheit, die den nichtsahnenden Hiob daraufhin im Auftrage Gottes ereilen, akzeptiert Hiob sein trauriges Los und flucht seinem Gott nicht. Er kritisiert ihn jedoch und besteht darauf, dass er nichts Unrechtes getan habe. Hiobs Freunde sind davon überzeugt, dass er ein Unrecht begangen haben müsse, denn Gott lasse es nicht zu, dass ein Unschuldiger so viel Unglück zu erleiden habe. Damit wird der Einwand des Engels widerlegt, es gebe keinen Menschen, der Gott in jeder Situation treu bleibe oder nicht von Gott abfalle, sobald es ihm aus menschlicher Sicht schlecht ergehe. In zwei weiteren Fällen tritt ein Satan als Versucher oder Ankläger des sündigen Menschen vor Gott auf. In ist der sich in den Weg stellende Engel (Satan) letztlich nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres für Balaam zu verhindern.
In den außerbiblischen volkstümlichen jüdischen Erzählungen des europäischen Mittelalters wird der Titel Satan manchmal einem Engel gegeben, der von Gott verstoßen wird, weil er sich selbst gottgleich stellen wollte. Die Geschichten, in denen dies geschieht, sind dabei in vollem Bewusstsein und Kenntnis der Lehren des Judentums, die solche Vorstellungen stets ablehnten, gegenüberstellend erzählt. Er gilt als Träger des Prinzips des Bösen. Hier wird auf alte Begrifflichkeiten des persischen Kulturkreises, in dem das duale Prinzip des Kampfes Gut gegen Böse eine große Rolle spielt, und die Vorstellungen der umgebenden christlichen Kultur angespielt. Es sind daher eher phantastische Erzählungen oder Schauergeschichten und nicht biblische jüdische Lehren oder lehrhafte jüdische Erzählungen der Tradition. Eventuell werden die Vorstellungen des Christentums auch nur illustratorisch nacherzählt, um die Positionen der Christen, die in Widerspruch zu denen des Judentums stehen, vorzustellen.
Die Qliphoth der kabbalistischen Kosmologie werden metaphorisch als verhüllende Schalen des „Funken göttlicher Emanation“ aufgefasst und erfüllen ähnliche Funktionen wie die Teufelsfiguren in anderen religiösen Systemen. Die Göttlichkeit wird im Judentum mit der Offenbarung der einzigen Wirklichkeit Gottes verstanden, die jedoch von den Qliphoth verhüllt wird. Qliphoth werden daher mit Götzendienst (Idolatrie), Unreinheit, bösen geistigen Kräften wie Samael und den anklagenden Satanen und mit Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit belegt.
Christentum mini|Die Verbannung Luzifers aus dem Himmel, Mihály Zichy (1887) mini|Die Versuchung Evas, John Roddam Spencer Stanhope (1877)
Im Christentum ist der Teufel der Inbegriff des Bösen. Spätestens seit Augustinus von Hippo wird in den christlichen Traditionen zwischen Teufeln und Dämonen nicht mehr unterschieden.Herbert Haag: Der Teufel im Judentum und Christentum. Böhlau Verlag, 1983. Dabei wird der oberste Teufel auch (abweichend von der alttestamentlichen Bedeutung dieser Namen) Satan oder Luzifer genannt.Satan ist ein hebräischer Titel, meist eines Engels, der etwa dem eines Anklägers entspricht. Luzifer („Lichtträger“) ist auch der lateinische Name des Morgensterns. Die Teufel werden dabei als gefallene Engel angesehen, die gegen Gott rebelliert haben. In einigen häretischen Bewegungen (z. B. Gnostizismus, Marcionismus, Manichäismus) wurden dualistische Vorstellungen vertreten, die den Menschen in der Knechtschaft eines bösen, geringeren Gottes, dem Erschaffer der Materie, sahen, und man glaubte, Erlösung werde nur durch die Intervention eines gnädigen Gottes zuteil. Alles Leid, die Unordnung und das Böse wurden dabei als Teufel oder Antichrist personifiziert, als deren Stellvertreter man gemeinhin oft die Juden ansah, woraus im mittelalterlichen Christentum eine machtvolle Dämonologie geschaffen wurde.Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne. Marix Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-86539-185-0, S. 566.
Die christliche Tradition bezieht auch die Schlange in der Schöpfungsgeschichte oft auf den Teufel. Diese Gleichsetzung findet sich schon in der Offenbarung des Johannes. In der Tradition wird der Teufel als Urheber der Lügen und des Bösen in der Welt angesehen. Die Offenbarung nennt ihn den „großen Drachen, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt“ (Offenbarung ). Der Epheserbrief bezeichnet sein Wirken „Herrschaft jenes Geistes, der im Bereich der Lüfte regiert und jetzt noch in den Ungehorsamen wirksam ist“ . Besonders ausführlich wird der Teufel im apokryphen äthiopischen Henochbuch als Asasel, als einer jener Gottessöhne erwähnt, die mit den Menschentöchtern die Nephilim, die „Riesen der Vorzeit“, zeugten.
Ebenfalls im Neuen Testament wird Satan als Engel bezeichnet, der sich als Engel des Lichts ausgebe (), und als personifiziertes Geistwesen vorgestellt, das stets als Teufel agiere. So heißt es: „Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören“ ().
Im Buch Jesaja findet sich ein Spottlied auf den König von Babylon, von dem eine Stelle später von christlicher Tradition auf den Satan bezogen wurde, ursprünglich aber eine Anspielung auf die Gestalt des Helel aus der babylonischen Religion ist, das Gegenstück zum griechischen Gott Helios. Der Bezug auf den König wird schon anfänglich klargemacht:
Die Kirchenväter sahen darin eine Parallele auf den in beschriebenen Fall Satans („Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“). Eine theologische Begründung für die Gleichsetzung besteht darin, dass die Stadt Babylon in der Offenbarung mit dem Teufel am jüngsten Tag gemeinsam von Gott vernichtet werde. Andere wenden dagegen ein, dass eine angenommene gleichzeitige Vernichtung keine Identität bedeute.
Auf ähnliche Weise wurden auch Teile von auf den Fall des Satans bezogen. Dort spricht der Prophet vom Ende des Königs von Tyrus, der wegen seines Hochmuts sich für einen Gott hält und daher angeklagt wird. In den Versen 14–15 heißt es dann an den König gerichtet: „Du warst ein vollendet gestaltetes Siegel, voll Weisheit und vollkommener Schönheit. Im Garten Gottes, in Eden, bist du gewesen. Allerlei kostbare Steine umgaben dich […] Aus Gold war alles gemacht, was an dir erhöht und vertieft war, all diese Zierden brachte man an, als man dich schuf. Einem Kerub mit ausgebreiteten, schützenden Flügeln gesellte ich dich bei. Auf dem heiligen Berg der Götter bist du gewesen. Zwischen den feurigen Steinen gingst du umher.“ mini|Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, Mömpelgarder Altar (um 1540) In den Evangelien bezieht sich Jesus in verschiedenen Gleichnissen auf den Teufel, etwa im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen: