mini|Theodor Wagemann, genannt Theo, Weeze, 1987, Foto: Robert Küppers Theodor Wagemann, genannt Theo (* 12. Juli 1918 in Venwegen (damals Kornelimünster, heute Stolberg (Rhld.)); † 3. Mai 1998 in Kevelaer) war ein deutscher Künstler der Art Brut.

Leben Theo war das jüngste von fünf Kindern einer Familie in Venwegen. Der Vater, ein gelernter Steinhauer, betrieb im Dorf eine Gastwirtschaft. Von 1924 bis 1932 besuchte Theo die örtliche Volksschule.

1933 kam es zum Ausbruch einer geistigen Erkrankung. Theo musste eine gerade begonnene Schneiderlehre im benachbarten Stolberg abbrechen. Er übernahm fortan einfache Aushilfsarbeiten im dörflichen Umfeld. Nach familiären Angaben wurde Theo zur Zeit des Dritten Reiches verschleppt und zwangssterilisiert. Durch die Intervention eines Arztes entging er der Euthanasie und kehrte schließlich zurück zur Familie, unter deren Schutz er die NS-Zeit überlebte. 1943 fiel sein Bruder als Feldwebel im Zweiten Weltkrieg.

Im Jahre 1960 starb der Vater und 1963 die Mutter. Theo lebte mit seinem Bruder Hubert und seiner Schwägerin Hanna weiterhin im elterlichen Haus. Von 1964 bis 1965 erfolgte ein Aufenthalt in den Rheinischen Kliniken in Düren. Nach seiner Rückkehr nach Venwegen lebte Theo ab 1965 bei seiner älteren Schwester, die 1977 verstarb.

Nach einem kurzfristigen Aufenthalt in einem Altenheim in Blankenheim erfolgte schließlich die Einweisung in das Petrusheim in Weeze am Niederrhein. Hier begann er mit seiner intensiven zeichnerischen Tätigkeit.

Im Rahmen eines Sozialpraktikums im Petrusheim begegnete Robert Küppers 1983 dem wortkargen Sonderling und baute eine freundschaftliche Beziehung zu Theo auf. Küppers begann, Werke von Theo zu sammeln. 1995 brach Theo seine zeichnerische Tätigkeit aufgrund körperlicher Schwäche ab. Von 1997 bis 1998 erfolgten mehrere Krankenhausaufenthalte. 1998 verstarb Theo im Alter von 79 Jahren an Altersschwäche in einem Krankenhaus in Kevelaer. Er wurde auf dem Friedhof des Petrusheimes in Weeze begraben.

Ausstellungen (Auswahl) 1988: Outsider Art from Europe, A selection of works on Paper, Atrium Gallery, School of Fine Arts, University of Connecticut at Storrs; Massachusetts College of Art, Boston 1989: Kunst wo man sie nicht vermutet, Clemens Sels Museum Neuss 1995: Art Brut et Compagnie La Face Cachée de L'art Contemporain, Halle Saint Pierre, Paris 1997: De L'Art Brut à la Création Franche, collection Philippe Eternod et Jean-David Mermod, Lausanne 1997: Het format, Collectie De Stadshof, Zwolle 1997–1998: Art Brut: Collection de l'Aracine, Musée d' Art Moderne, Lille; Musée de l'Objet, Blois 1998: Art Unsolved: The Musgrave Kinley outsider art collection, Irish Museum of Modern Art, Dublin 1999–2000: Gestoorde Vorsten, Museum Dr. Guislain, Gent 2000–2001: Theo, Collection de l’Art Brut, Lausanne 2002–2003: Collection abcd, High Museum of Art, Atlanta; Mennello Museum of American Art, Atlanta; Chicago Cultural Center, Chicago 2003: Theo – Eine Retrospektive, Museum Schloss Moyland, Kleve; Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, Warth-Weiningen; LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Lille 2005: Dubuffet & Art Brut, Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Collection de l'Art Brut, Lausanne; LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Lille 2005–2006: Abstürze und Höhenflüge, Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie, Sammlung Kraft, Medizinhistorisches Museum in der Charité, Berlin 2006: Inner Worlds Outside, Sala de Exposiciones de la Fundación „La Caixa,“ Madrid; WhiteChapel Gallery, London; Irish Museum of Modern Art, Dublin 2011–2014: Weltensammler, Sammlung Korine und Max E. Ammann, Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen; Kunsthalle Erfurt; LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Lille; Musée de l'Abbaye Sainte-Croix in Les Sables d'Olonne 2015: When the curtain never comes down, American Folk Art Museum, New York 2016: People, Collection de L'Art Brut, Lausanne 2016: Carambolages, Grand Palais, Paris 2017: tierisch brut, Sammlung Rolf Röthlisberger, Museum im Lagerhaus, St. Gallen 2020–2021: Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie, Werke der Sammlung Kraft, Sammlung Prinzhorn, Heidelberg 2020–2021: Art Brut: Frame Work, Collection de L'Art Brut, Lausanne 2021: Jenseits aller Regeln, Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, Warth-Weiningen 2021–2022: 5th Art Brut Biennial: Beliefs, Collection de L'Art Brut, Lausanne 2022–2023: Art brut - Ein besonderer Dialog mit der Sammlung Würth, Musée Würth France Erstein 2024: Menschen die noch hätten leben können - Opfer nationalsozialistischer Verbrechen, in der Sammlung Prinzhorn, Heidelberg 2024: L'Esprit Singulier, Collection Treger Saint Silvestre, Centro de Arte Oliva, La Halle Saint Pierre, Paris 2025: Art Brut – The Decharme donation to the Centre Pompidou, Grand Palais, Paris

Werke in verschiedenen Sammlungen (Auswahl) Collection de l'Art Brut, LausanneCollection de l'Art Brut, Lausanne L'Arcaine Collection, LaM - Lille Métropole Musée d'art moderne, d'art contemporain et d'art brut, Lille Collection Eternod-Mermod, Lausanne Arnulf Rainer Collection, Wien Collection abcd, Paris Sammlung Prinzhorn, Heidelberg Sammlung Korine und Max E. Ammann, Schweiz Musée Art Brut, Montpellier Centre Pompidou, Donation Bruno Decharme, Paris Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, Warth-Weiningen Museum Haus Cajeth, Heidelberg Museum Schloss Moyland, Kleve Collectie De Stadshof, Utrecht Centro de Arte Oliva, Collection Treger Saint Silvestre, Porto Musgrave Kinley Outsider Art Collection, at The Whitworth, Manchester

Weblinks

Porträt auf den Seiten des Kunstmuseums Thurgau Kurzporträt auf collectiedestadshof.nl Theo: Hinter der Maske, Porträt auf aertzeblatt.de

Einzelnachweise

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