mini|hochkant=0.8|Blandine Ebinger (um 1920). Fotograf: Alexander Binder. Blandine Franzisca Ebinger (eigentlich Blandine Hassenpflug-Ebinger, geborene Blandine Franzisca Loeser; * 4. November 1899 in Zehlendorf;Geburtsregister Nr. 184/1899, StA Zehlendorf † 25. Dezember 1993 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin, Chansonsängerin und Liedermacherin.
Leben mini|hochkant=0.8|Blandine Ebinger und Friedrich Hollaender, Anfang der 1920er-Jahre. Fotografie: Zander & Labisch. mini|hochkant=0.8|Stern auf dem Walk of Fame des Kabaretts in Mainz Sie wurde als Tochter der Schauspielerin Margarethe Ebinger, geb. Wezel (1878–1957), und des Pianisten Gustav Loeser in der elterlichen Wohnung an der Königstraße 15 in Zehlendorf geboren. Der promovierte Arzt Ernst Ebinger wurde später ihr Stiefvater.
Ebinger begann ihre schauspielerische Laufbahn bereits als Siebenjährige am Leipziger Schauspielhaus, wo sie den Klein Eyolf darstellte. Danach spielte sie regelmäßig Kinderrollen im Theater. Bereits als junges Mädchen sang sie in Berliner Cabarets wie Schall und Rauch und Größenwahn und gab als 17-Jährige ihr Debüt im deutschen Stummfilm. Ihre Filmlaufbahn sollte am Ende 70 Jahre lang währen. 1919 heiratete sie den Komponisten Friedrich Hollaender und wurde 1926 wieder geschieden.Helwig Hassenpflug: Artikel „Blandine Ebinger“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen. hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11. April 2008. Hollaender schrieb für sie den Liederzyklus Lieder eines armen Mädchens. In den 1920er-Jahren zählte sie zu den großen Stars der Cabaret- und Chansonszene Berlins. Sie sang Lieder von Klabund und Balladen von Walter Mehring im Kabarett der Komiker und gab dem sozialen Elend im Berlin am Ende der Weimarer Republik eine Stimme. 1933 wurde sie von ihrem Stiefvater adoptiert und nahm den Namen Ebinger an. Im selben Jahr übernahm sie die Leitung des Tingel-Tangel-Theaters und weiterhin kleinere Rollen in Filmen, ehe sie 1937 in die USA emigrierte. Dort konnte sie jedoch nicht Fuß fassen und erhielt in Hollywood nur wenige Kleinrollen.
Im Jahr 1946 kehrte sie nach Europa zurück und trat bis 1947 am Schauspielhaus Zürich auf. 1948 kam sie nach Berlin zurück, wo sie am Hebbel-Theater, am Schillertheater und am Renaissance-Theater spielte. Sie blieb bis Anfang der 1950er-Jahre in der DDR, wirkte in vier DEFA-Filmen und etlichen westdeutschen Kinoproduktionen mit. Ihr Hauptaugenmerk lag jedoch bei ihrer Theaterarbeit und ihren Chanson-Abenden, die die Erinnerung an das deutsche Kabarettlied der 1920er-Jahre wachhalten sollten. Bis ins hohe Alter trat sie als Sängerin auf und übernahm kleine Rollen in Film und Fernsehen. 1986 war sie in einer Episode der ZDF-Serie Ich heirate eine Familie zu sehen. Ihr ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. Horst Königstein hielt ihre Kunst für die Nachwelt mit der vierteiligen Fernsehproduktion Blandine – eine Lebensmusik im Jahr 1988 fest. Darin trat sie ein letztes Mal im Fernsehen auf.
mini|hochkant=0.8|Ehrengrab von Blandine Ebinger auf dem Waldfriedhof Dahlem Ihre Tochter Philine (1925–2005) stammte aus der ersten Ehe mit Friedrich Hollaender. Philine blieb nach der Emigration in den USA und war dort von 1941 bis 1946 mit Georg Kreisler verheiratet. Ab 1965 war Ebinger in zweiter Ehe mit dem Verleger Helwig Hassenpflug verheiratet.
Blandine Ebinger starb im Dezember 1993 im Alter von 94 Jahren in Berlin. Sie wurde auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem beigesetzt.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Grabstätten. Haude & Spener/Luisenstädtischer Bildungsverein 2006, ISBN 3-7759-0476-X, S. 282. Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Blandine Ebinger (Grablage: H-011/435) seit 1997 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde im Jahr 2021 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: August 2021) (PDF, 2,3 MB), S. 16. Auf: Webseite der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Abgerufen am 22. Juli 2022. Vorlage – zur Kenntnisnahme – Anerkennung, Verlängerung und Nichtverlängerung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin (PDF, 195 kB). Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 18/3959 vom 4. August 2021, S. 2–3. Abgerufen am 22. Juli 2022.
Der Nachlass von Blandine Ebinger befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.
Filmografie (Auswahl) Stummfilme
Tonfilme
Theater 1916: Gabriela Zapolska: Die Warschauer Zitadelle (Martha Gorska) – Regie: Eugen Robert (Residenz-Theater Berlin) 1923: Frank Wedekind: Die Kaiserin von Neufundland (Kaiserin) – Regie: Robert Forster-Larrinaga (Münchener Kammerspiele) 1926: Bertolt Brecht: Baal (Johanna) – Regie: Bertolt Brecht (Deutsches Theater Berlin) 1926: Anton Wildgans: Armut (Tochter) – Regie: Alfred Golfar (Lustspielhaus Berlin) 1926: Georg Hirschfeld: Mieze und Maria (Mieze-Maria) – Regie: Emil Lind (Theater am Kurfürstendamm Berlin) 1926: Anton Tschechow: Onkel Wanja – Regie: Alfred Golfar (Theater in der Kommandantenstraße Berlin) 1927: Noël Coward: Die Ehe von Welt – Regie: Robert Forster-Larrinaga (Komödie Berlin) 1929: Leonhard Frank: Die Ursache (Straßenmädchen) – Regie: Hans Deppe (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1930: Stefan Grossmann, Franz Hessel: Apollo, Brunnenstraße – Regie: Jürgen Fehling (Volksbühne Theater am Bülowplatz) 1937: Dodie Smith: Der erste Frühlingstag – Regie; Heinz Hilpert (Deutsches Theater Berlin) 1948: John Van Druten: So war Mama (Frau eines Totengräbers) – Regie: Peter Eisholtz (Hebbel-Theater Berlin) 1949: Walter Erich Schäfer: Die Verschwörung (Magda Hauff) – Regie: Boleslaw Barlog (Schlosspark Theater Berlin) 1949: Thomas Job: Onkel Harry (Lettie) – Regie: Frederic Mellinger (Residenz-Theater Berlin) 1950: Clifford Odets: Golden Boy (Engel) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1950: Gerhart Hauptmann: Michael Kramer (Liese Bänsch) – Regie: Rudolf Hammacher (Theater am Kurfürstendamm) 1951: Tennessee Williams: Der steinerne Engel – Regie: ? (Schlosspark Theater Berlin) 1952: Michael-Clayton Hutton: Die glückliche Familie (Lucie) – Regie: Kurt Raeck (Renaissance-Theater Berlin) 1952: Frank Wedekind: Lulu – Regie: Oscar Fritz Schuh (Schiller Theater Berlin) 1952: Ferdinand Raimund: Der Alpenkönig und der Menschenfeind – Regie: Oscar Fritz Schuh (Schlosspark Theater Berlin) 1953: Jean Anouilh: Medea – Regie: Falk Harnack (Tribüne, Berlin) 1955: W. Somerset Maugham: Victoria (Mrs. Montmorency) – Regie: Rudolf Schündler (Komödie am Kurfürstendamm) 1956: Jean Anouilh: Schloss im Mond – Regie: Willi Schmidt (Renaissance-Theater Berlin) 1958: Mishima Yukio: No-Spiele – Regie: Nora O’Mara (Theater an der Leopoldstraße München) 1959: Paul Kornfeld: Kilian oder die gelbe Rose (Frau Samson) – Regie: René Farell (Theater am Dom Köln) 1962: Pierre Barillet, Jean-Pierre Grédy: Die lieben kleinen Dingerchen (Madame de la Bresse Buton) – Regie: Beate von Molo (Theater unter den Arkaden München) 1964: W. Somerset Maugham: Caroline (Maude Folton) – Regie: Gerhard Metzner (Kleine Komödie am Max II München) 1965: Eugène Scribe: Das Glas Wasser – Regie: Boleslaw Barlog (Schlosspark Theater Berlin) 1965: Jean Giraudoux: Die Irre von Chaillot (Constance) – Regie: Günther Rennert (Residenztheater München) 1967: Peter Shaffer: Komödie im Dunkeln (Miss Furnival) – Regie: Harry Meyen (Komödie am Kurfürstendamm) 1972: Marc-Gilbert Sauvajon: Die Kinder Eduards – Regie: Christian Wölffer (Theater am Kurfürstendamm) 1981: Eduardo de Filippo: Italienische Hochzeit (Rosalia) – Regie: Horst Balzer (Renaissance-Theater Berlin)
Dokumentarfilm Blandine – eine Lebensmusik. Dokumentarfilm, BR Deutschland, 1988, in vier Teilen je 60 Min., Buch und Regie: Horst Königstein, Produktion: NDR, Erstsendungen: 26.–29. Dezember 1988 bei NDR 3, Filmdaten von IMDb.
Auszeichnungen 1961: Filmband in Gold (Beste weibliche Nebenrolle) für Der letzte Zeuge 1983: Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1983: Wilmersdorf-Medaille 1983: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
Zitate
Schriften „Blandine …“: von und mit Blandine Ebinger. Arche, Zürich 1985, ISBN 3-7160-2031-1 (mit Rollenverzeichnis). Erinnerungen der Schauspielerin und Diseuse Blandine Ebinger. Luchterhand, Hamburg 1992, ISBN 3-630-71100-6.
Literatur Hans-Michael Bock, Wolfgang Jacobsen: Blandine Ebinger – Schauspielerin, Sängerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 23, 1993. Sandra Danielczyk: Diseusen in der Weimarer Republik. Imagekonstruktionen im Kabarett am Beispiel von Margo Lion und Blandine Ebinger. (= texte zur populären musik 9), transcript Verlag, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3835-6. Max Goldt: Mein preußischer Nachmittag (über eine Begegnung mit Ebinger), zuerst in: Titanic, Juni 2007, auch in: Ein Buch namens Zimbo: Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird. Rowohlt 2009, ISBN 978-3-87134-665-1. Peter Hahn, Jürgen Stich: Friedenau-Geschichte & Geschichten. Oase Verlag, Badenweiler 2015, ISBN 978-3-88922-107-0. Werner Röder, Herbert A. Strauss, Institut für Zeitgeschichte München (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. (International biographical dictionary of Central European emigrés 1933–1945.) 4 Bände. Saur, München 1983. Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider (Hrsg.): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933–1945. (Band 1: Verfolgung und Exil deutschsprachiger Theaterkünstler, Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler.) Saur, München 1999. Manfred Weihermüller: Diskografie Blandine Ebinger in: Discographie der deutschen Kleinkunst, Band 1. Brigit-Lotz-Verlag, Bonn 1991, ISBN 3-9802656-0-9, S. 59–60 (Aufnahmen für die Schellackplatte, 1921 bis 1936) Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 506 f. Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 146 f.
Weblinks
blandine-ebinger.de (Webarchiv 2019) Datenbanken
Blandine-Ebinger-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Artikel Helwig Hassenpflug: Artikel „Blandine Ebinger“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen. hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11. April 2008. Peter Hahn: Das lebende Kunstwerk für den Tingeltangel und die Muse Friedrich Hollaenders wurde vor 100 Jahren geboren. In: Tagesspiegel. 3. November 1999
Einzelnachweise
Kategorie:Chansonsänger Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Diseur Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Bestattet in einem Ehrengrab des Landes Berlin Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1993 Kategorie:Frau