Die Cewe Stiftung & Co. KGaA (Eigenschreibweise CEWE) ist die Konzernobergesellschaft des europaweit tätigen Fotodienstleisters Cewe Group mit Hauptsitz in Oldenburg. Das Unternehmen gilt laut einem Bericht der Nordwest-Zeitung von 2024 als europäischer Marktführer im Bereich der Fotodienstleistungen und ist mit den Tochterunternehmen ebenfalls im Einzelhandel tätig.Jörg Schürmeyer: Cewe will Marktführerschaft in Europa festigen. In: Nordwest-Zeitung. 6. Juni 2024, S. 18.Fotodienstleister: Cewe steigert in der Pandemie den Gewinn. In: Lebensmittel Zeitung. 26. Februar 2021.Langsam, aber stetig. In: Focus Money. 16. Oktober 2024, S. 17. 2025 erzielte die Cewe Group einen Umsatz von 864,5 Millionen Euro.

Geschichte mini|Cewe-Hauptsitz in Oldenburg Gründung und Wachstum Am 1. Mai 1912 gründete August Friedrich Carl Wöltje in Oldenburg eine „Photographische Anstalt“.Katrin Terpitz: Cewe-Fotobücher haben trotz Konsumflaute Hochkonjunktur. In: Handelsblatt. 17. Dezember 2024. Ab 1924 erweiterte er sein Geschäft um den Verkauf von Kameras und Zubehör.Thorsten Kuchta: Wöltje seit 100 Jahren im Stadt-Bild. In: Nordwest-Zeitung. 10. Mai 2012, S. 37. Kurz nach der Währungsreform 1948 trat sein Schwiegersohn Heinz Neumüller als geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen ein.

1950 eröffnete Wöltje eines der ersten Farblabore im Bundesgebiet und versorgte mit 17 Mitarbeitern einen Stammkundenkreis von mehreren 100 Fotogeschäften. Neumüller baute das Unternehmen zusammen mit seiner ersten Frau Sigrid, Tochter von Carl Wöltje, aus und gründete 1961 in Oldenburg das Unternehmen Cewe Color.Innovation aus Tradition. In: Rheinische Post. 15. November 2018, S. 35. Der Name entstand aus den Initialen seines Schwiegervaters Carl Wöltje.Karsten Röhr: Er machte Cewe zu Europas Nummer 1. In: Nordwest-Zeitung. 9. Mai 2020, S. 10. Der Buchstabe E wurde hinzugefügt, da damals das deutsche Markenrecht nur „aussprechbare“ Namen unter Schutz stellte.

Bei steigender Nachfrage nach Farbfotos baute Cewe 1964Ingrid Hügenell: Viel mehr als Fotografie. In: Süddeutsche Zeitung. 9. September 2022. auf einem 50.000 m2 großen Gelände in Oldenburg-Kreyenbrück ein Foto-Großlabor. 1971 wurde das Unternehmen erstmals im Ausland aktiv, und zwar in den Niederlanden. 1973 fusionierte Cewe mit der Vereinigten Color in Hamburg und Bremen. Die Firmenbezeichnung lautete von da an Vereinigte Cewe Color Betriebe. Im Laufe der folgenden Jahre übernahm Cewe noch weitere Labore im In- und Ausland und wurde im Zuge des Übergangs von der Schwarzweiß- zur Farbfotografie in den 70er Jahren zum Marktführer für Fotoentwicklung in Deutschland.

Von 1986 an eröffnete das Unternehmen weitere Betriebe in Mönchengladbach, Paris, Berlin, Worms und Dresden.Die Cewe Color Aktie. In: Nordwest-Zeitung. 19. März 1993, S. 11. 1989 führte Cewe die Eurocombi-Tasche zur Aufbewahrung von Fotoaufträgen ein. 1992 wurde die Firmengruppe unter dem Dach der Cewe Color Holding AG neu strukturiert und 1993 an die Börse gebracht; seit 1993 sind die Aktien des Unternehmens an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.Cewe Color setzt auf digitale Fotografie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Februar 2002, Nr. 45, S. 22.Fotogroßlabor Cewe geht an die Börse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. März 1993, Nr. 51, S. 16. Anschließend expandierte Cewe in Frankreich, Skandinavien und Mitteleuropa.1993 werden wir über 1,5 Milliarden Farbfotos für den europäischen Markt entwickeln. In: Nordwest-Zeitung. 5. März 1993, S. 8.

Wandel von analog zu digital Im Jahr 1994 stellte sich Cewe auf den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie ein. Kurz zuvor entwickelte Cewe den Photoindex – ein Foto, das alle Bilder im Miniaturformat zeigte, die auf dem Film enthalten waren, und das nach Ausbelichtung eines Films zusammen mit den fertigen Fotos und Negativen an den Kunden ausgeliefert wurde. Dies sollte die Nachbestellung von Bildern erleichtern. Ab 1995 konnten Bilder von Negativen gescannt, digitalisiert und als Bildershow auf einer Diskette ausgegeben werden, ab 1997 war das auch auf einer ImageCD möglich. Diese ließ sich auf DVD-Playern abspielen und enthielt neben den Fotos des Kunden auch eine Software zur Bildbearbeitung und -präsentation. Im selben Jahr stellte Cewe die erste Station zur Annahme digitaler Bilddaten in einem Foto-Fachgeschäft auf. Zudem war es ab 1997 möglich, Digitalfotos per Internet zu bestellen. 2001 führte Cewe ein Foto-Terminal ein, das Digitalfotos annehmen und direkt am Point of Sale auf CD ausgeben konnte.

Im Zuge der Analog-Digital-Transformation mussten zwischen Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre deutschlandweit mehrere Fotogroßlabore von Cewe geschlossen werden.Oliver Burwig: Die Renaissance des Fotoalbums. In: Rheinische Post. 2. August 2016, S. 9.Daniel Metzger: Von der Rolle. In: Sonntagszeitung. 19. August 2007, S. 93.

Bis Anfang der 2000er Jahre brach das Geschäft von Fotoabzügen vom Negativ größtenteils weg. 2005 führte das Unternehmen das Cewe Fotobuch ein. 2007 überstieg die Zahl der entwickelten Digitalbilder (1.515 Millionen) erstmals die Zahl der von Filmen entwickelten Fotos (1.277 Millionen). Im folgenden Jahr übernahm Cewe mit dem Unternehmen diron aus Münster einen Anbieter von Software und Beratungsdienstleistungen rund um den gewerblichen Druck. Anfang 2010 startete diron zunächst mit dem Piloten aprinto.de, daraus entstand später das Unternehmen viaprinto, eine Online-Druckerei für Unternehmen.

Cewe an der Börse Bis zum 15. Juni 2007 war das Unternehmen im SDAX gelistet und stieg am 4. März 2009 erneut in den SDAX auf.SDax-Aufstieg beflügelt Cewe. Indexwechsel. In: Börsen-Zeitung. 6. März 2009, Nr. 45, S. 17. Daneben war Cewe im niedersächsischen Aktienindex Nisax20 notiert.Claudia Schmidt-Wehrmann: Ein Jahr Niedersächsischer Aktienindex. Imageträger für Niedersachsen. In: Sparkassenzeitung. 30. Mai 2003, Nr. 22, S. 11.

2007 kam es zu einem Konflikt zwischen dem Cewe-Management und dem Aktionär M2 Capital Management AG, einer Schweizer Private-Equity-Gesellschaft. M2 Capital forderte eine drastische Erhöhung der Dividende, die nach Ansicht des Cewe-Vorstands sowie einiger Großaktionäre die Umstrukturierung und langfristige Ausrichtung des Unternehmens gefährdet hätte.Bei Cewe Color verschärft sich der Ton. Bösartiger Vorwurf einer Kursmanipulation. In: Börsen-Zeitung. 19. April 2007, Nr. 75, S. 10. Die an M2 Capital beteiligten Investmentfonds warfen dem Cewe-Vorstand und -Aufsichtsrat Versagen vor und forderten den Rücktritt des Managements.Katrin Terpitz, Yasmin Osman: Alles unter Kontrolle. In: Handelsblatt. 19. März 2018, S. 18. Der Angriff blieb ohne Erfolg. Sebastian Freitag, der als Inhaber der Investmentbank Freitag & Co. die beiden Hedgefonds M2 Capital und K Capital beriet und als deren Interessenvertreter im Cewe-Aufsichtsrat saß, trat am 8. Februar 2007 zurück. Für das Geschäftsjahr 2007 wurde eine unveränderte Dividende von 1,20 Euro ausgeschüttet.Geschäftsbericht 2008 der Cewe Color AG, abgerufen am 17. Mai 2014. Sechs Jahre nach dem Konflikt änderte Cewe die Gesellschaftsform von einer Aktiengesellschaft (Cewe Color Holding AG) in eine Stiftung & Co. KGaA und beschnitt damit die Einflussmöglichkeiten der Aktionäre.

Übernahmen und neue Entwicklungen Im Februar 2012 übernahm Cewe die Dresdner Saxoprint GmbH (500 Mitarbeiter, Umsatz 2011: 31,4 Millionen Euro). Damit stieg Cewe in den Markt der Offset-Druckereien und den Geschäftskundenmarkt mit Auflagen bis zu 200.000 Exemplaren ein.computer-oiger.de: Cewe übernimmt Online-Druckerei. In: Nordwest-Zeitung. 24. Oktober 2017, S. 25. Ab diesem Zeitpunkt bot Cewe den Online-Druck auch unter der Marke cewe-print.de an.Susanne Metzger: Schöne digitale Welt. In: Handelsblatt. 6. Januar 2014, S. 36. Im selben Jahr führte Cewe eine App fürs Smartphone ein, über welche die Fotoprodukte des Unternehmens bestellt werden konnten.Matthias Loke: Wir bedrucken alles, was sich nicht wehrt. In: Berliner Zeitung. 21. September 2013.

In den folgenden Jahren wuchs die Unternehmensgruppe durch mehrere Übernahmen und Beteiligungen an. 2016 erfolgte die Übernahme des französischen Unternehmens für Foto-Apps CheerzKatrin Terpitz: Wieder im Bilde. In: Handelsblatt. 20. Februar 2018, S. 44. und 2017 übernahm Cewe die Online-Druckerei Laserline. Im April 2019 übernahm Cewe die Whitewall Media GmbH und im Juli 2020 löste sich die Marke cewe-print.de auf und ging zu 100 % in die Marke Cewe Geschäftsdruck über.

Im März 2022 entschied das Kuratorium der Neumüller Cewe Color Stiftung, die Zusammenarbeit mit dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Christian Friege nicht über dessen Vertragsende, im Dezember 2022, hinaus zu verlängern. Diese Entscheidung wurde seitens des Kuratoriums mit einer unterschiedlichen Auffassung über die Unternehmensführung begründet. Ende April 2022 wurde bekannt, dass der Erbe des Firmengründers, welcher Mitglied der Neumüller Cewe Color Stiftung ist, von einer Sonderregelung Gebrauch machte, und Christian Friege auch nach 2022 eine Position im Vorstand des Unternehmens innehaben sollte. In der Folge verzichtete er jedoch auf die Berufung und mit Yvonne Rostock wurde eine neue Vorstandsvorsitzende berufen.Katrin Terpitz: Cewe steuert dank KI auf Rekordumsatz zu. In: Handelsblatt. 17. Dezember 2024, S. 26. Zum 1. Mai 2025 löste Thomas Mehls Ivonne Rostock als neuer Vorstandsvorsitzender ab.

Im Mai 2026 veräußerte Cewe den Geschäftsbereich Kommerzieller Online-Druck einschließlich der Marken Saxoprint, viaprinto und Laserline an den börsennotierten Konzern Cimpress plc. Der Kaufvertrag wurde am 11. Mai 2026 unterzeichnet; der Verkauf mit Wirkung zum 2. Juli 2026 abgeschlossen. Alle 544 Mitarbeitenden des Bereichs sollen von Cimpress übernommen werden.

Unternehmensstruktur mini|Logo des Cewe Fotoservice Die Cewe Stiftung & Co. KGaA ist die Muttergesellschaft der Cewe Group. Persönlich haftende Gesellschafterin der Cewe Stiftung & Co. KGaA ist die Neumüller Cewe Color Stiftung. Die Stiftung wird durch den Vorstand vertreten, welcher wiederum vom Stiftungskuratorium bestellt wird. Im Kuratorium ist die Erbengemeinschaft der Familie Neumüller vertreten. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 864,5 Millionen Euro. 2025 beschäftigte die Cewe Stiftung & Co. KGaA durchschnittlich 3996 Mitarbeitende; davon arbeiten über 3000 Mitarbeitende in den inländischen Betrieben.

Zur Cewe Group gehören folgende Tochtergesellschaften:97,8 Prozent Plus mit Cewe Stiftung. In: Börse Online. 12. September 2024, Nr. 37, S. 59.

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Im Einzelhandel verfügt die Cewe Group über folgende Marken:

Cewe Fotojoker Cewe Japan Photo Cewe Fotolab Slowakei Cewe Fotolab Tschechien Wöltje

Standorte 2024 war die Cewe Group in 21 europäischen Ländern vertreten und verfügte über 27 Vertriebsniederlassungen. Neben dem Unternehmenssitz in Oldenburg unterhält die Gruppe in Deutschland Produktionsstandorte in Mönchengladbach, Eschbach bei Freiburg, Germering bei München, Frechen bei Köln und Bad Kreuznach. Im europäischen Ausland produziert Cewe an den Standorten in Tschechien (Prag), Frankreich (Paris, Rennes, Montpellier), Polen (Koźle), Ungarn (Budapest) und dem Vereinigten Königreich (Warwick).

Aktionärsstruktur (Stand: 2025)

Cewe Stiftung & Co. KGaA: 7,4 % Familie Neumüller: 27,1 % Lazard Frères Gestion SAS: 3,2 % Lazard Small Caps Euro: 3,0 % Übrige Aktionäre: 59,3 % Produkte und Produktion