Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist ein Kunstmuseum in Münster/Westfalen. Träger ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Seit 1908 befindet es sich am Münsteraner Domplatz. Bis 2013 trug es den Namen Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.Johannes Loy: Kapitulation vor einem Kürzel: Das frühere Westfälische Landesmuseum heißt ab sofort „LWL-Museum für Kunst und Kultur“. In: Westfälische Nachrichten, 9. Februar 2013, .

Geschichte Das heutige Museum entwickelte sich als „Landesmuseum des Westfälischen Provinzialverbandes“ der Provinz Westfalen aus den Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und des Westfälischen Kunstvereins, der seitdem im Museum eingebunden ist.

Am 17. März 1908 wurde der von dem hannoverschen Architekten Hermann Schaedtler errichtete Neubau eingeweiht. Oberhalb des Eingangsportals im Renaissancestil befindet sich die vom Bildhauer Wilhelm Bolte geschaffene allegorische Figur der Kunst.Artikel im Münsterischen Anzeiger 58 vom 6. November 1909

Erster Direktor wurde 1905 Adolf Brüning. Zweiter Direktor war von 1910 bis 1934 Max Geisberg. Das Museum wurde nach dessen Entlassung 1934 in „Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte“ umbenannt.

1937 wurden in der zentralen Aktion „Entartete Kunst“ aus der Sammlung des Museums nachweislich Werke von Rüdiger Berlit, Peter August Böckstiegel, Gertrud Breyholz (1892–1954), Bernhard Bröker (1883–1969), H. B. Düren, Adolf Erbslöh, Otto Gleichmann, Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Alexander Kandoldt, Friedrich Liel, August Macke, Waldemar Mallek (1906–1998), Matthias May, Carlo Mense, Gustav Meyer-Spelbrink (1893–1975), Paula Modersohn-Becker, Wilhelm Morgner, Otto Mueller, Heinrich Nauen, Heinrich Niedieck (1890–1955), Karel Niestrath, Walter Ophey, Otto Pankok, Hans Pape, Wilhelm Renfordt, Christian Rohlfs, Ernst Sagewka, Arnold Schmidt-Niechol (1893–1960), Karl Schmidt-Rottluff, Max Schulze-Sölde, Wilhelm Tegtmeier, Friedrich Tegtmeyer, Arnold Topp, Friedrich Upholz, Eberhard Viegener und Wilhelm Wessel requiriert.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin

Ausstellungen des Museums wie etwa „Das deutsche Danzig“ (1937) oder eine Ausstellung mit Beutewaffen (1942) waren politisch und ideologisch ausgerichtet.

Nach einem Bombeneinschlag 1941 wurde der Museumsbestand an verschiedene Orte ausgelagert, so dass die Verluste vergleichsweise gering blieben. Das Museum wurde nach 1945 wiederaufgebaut. Der Ursprungsbau von 1908 am Domplatz wurde 1974 unter Museumsdirektor Paul Pieper nach Entwürfen des Architekten Hans Spiertz durch das Büro Kösters & Balke erweitert, um den Bau des Westfälisches Museum für Archäologie ergänzt und seine Modernisierung 1999 abgeschlossen; das Westfälische Museum für Archäologie zog 2003 nach Herne (LWL-Museum für Archäologie); die 2009 abgerissene Museumsarchitektur der Nachkriegsmoderne wurde durch einen vom Architekturbüro Volker Staab errichteten Neubau ersetzt und 2014 eröffnet.lwl.org: Website des Museums: Geschichte des Museums. Abgerufen am 3. Januar 2020.

Nach Max Geisberg leiteten Robert Nissen (1934–1939), Wilhelm Rave (kommissarisch 1939–1946), Walther Greischel (1946–1954), Hans Eichler (1956–1971), Paul Pieper (1971–1977), Peter Berghaus (1977–1984) und Klaus Bußmann (1985–2004) das Museum. Seit 2004 ist Hermann Arnhold Direktor.

Sammlung mini|Haupteingang der Erweiterung des Westfälischen Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte von 1972, Abriss 2009, mit den Zwei Supraporten von Josef Albers (1974) mini|Mittelalter-Sammlung (im Hintergrund St.-Paulus-Dom) Das Museum zeigt Kunstwerke vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Mehr als 300.000 Exponate befinden sich im Besitz des Museums.Martin Kalitschke: Rückkehr aus dem Exil: Verwaltung bezieht den Neubau des Landesmuseums / Lkw haben 2500 Umzugskartons angeliefert. (), In: Westfälische Nachrichten, 12. April 2013.

Die historischen Bestände umfassen Kunstwerke der Region und benachbarter Gebiete, darunter das Familienbild des Grafen Johann II. von Rietberg, Fragmente des Liesborner Altars sowie des Marienfelder Altars.

Eine Mittelalter-Sammlung zeigt einen Querschnitt der mittelalterlichen Kunst: Tafelgemälde und Glasmalereien, Skulpturen und Reliefs aus Holz, Stein, Edelmetall und Elfenbein, liturgische Gerätschaften und Gewänder. Das Museum zeigt das Soester Antependium, Bilder von Conrad von Soest und die romanischen Glasfenster des Meisters Gerlachus aus der Sammlung des Freiherrn vom Stein.

Weitere Schwerpunkte liegen auf der romanischen und gotischen Monumentalskulptur (Heinrich und Johann Brabender, Evert van Roden, der Meister von Osnabrück) sowie der frühwestfälischen Tafelmalerei etwa von Conrad von Soest, Johann von Soest und Johann Koerbecke.

Die Kunst der Renaissance ist neben einigen deutschen (Lucas Cranach) und niederländischen Werken (Jan Gossaert) vor allem durch Werke westfälischer Künstler vertreten. Das Museum zeigt das malerische Werk der aus Münster stammenden Künstlerfamilie tom Ring, im Bereich der Plastik ergänzt durch Werke der münsterschen Bildhauer Heinrich und Johann Brabender.

Die barocke Malerei ist mit allen Gattungen vertreten. Das Kunsthandwerk der Epoche wird durch Augsburger und Münstersche Goldschmiedearbeiten, frühes Glas sowie Truhen- und Schrankmöbel gezeigt, darunter u. a. ein in Augsburg gefertigter Wrangelschrank, ein um 1566 entstandenes intarsiertes Kabinett-Möbel. Geschichtliche Ereignisse in Westfalen wie die Wiedertäuferzeit und der Westfälische Friede spiegeln sich ebenso in der Sammlung wie die adelige und bürgerliche Kultur der Barockzeit. Der Symbolismus ist mit dem Gemälde Gestade der Vergessenheit von Eugen Bracht vertreten.

Die seit 1950 aufgebaute „Moderne Galerie“ umfasst einen Gemäldebestand vom deutschen Impressionismus mit Liebermann, Slevogt und Corinth, dem Expressionismus (Die Brücke und Der Blaue Reiter mit besonderem Gewicht auf den aus Westfalen stammenden August Macke) über die Bauhauszeit und die Kunst der fünfziger Jahre bis zur internationalen Avantgarde.

So gewann das ursprüngliche Provinzialmuseum, das zur Bewahrung und Forschung der Geschichte und Kunst der Landschaft Westfalen im Rahmen der Kulturpolitik der preußischen Selbstverwaltung gegründet wurde, an Aufmerksamkeit über die Region hinaus. Das inzwischen internationale Prestige hat sich auf der Grundlage der Sammlung und vor allem durch die Ausstellungen des Hauses entwickelt. mini|Otto Piene: Silberne Frequenz (1970/1971), Rückfront und Kolonnade an der Pferdegasse (Abriss 2009)

Graphische Sammlung Die historischen Sammlungen umfassen das Porträtarchiv Diepenbroick, das Lebenswerk von Hans-Dietrich von Diepenbroick-Grueter (1902–1980), der dem Museum testamentarisch seine Sammlung druckgraphischer Porträts (ca. 120.000 Stück) verschiedener Techniken (Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien sowie Zeichnungen, Aquarelle und Silhouetten) und ca. 150 Porträtstichwerken sowie Sammel- und Klebebände des 16. bis 20. Jahrhunderts übertragen hat.

Münzsammlung Die Münzsammlung des Museums geht im Kern auf die 1825 begonnene Sammlung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens zurückInformationen Münzkabinett; Peter Ilisch: Das Münzkabinett in Münster 1825–1907. In: Numismatisches Nachrichtenblatt, 49, 2000, S. 379–382. und enthält vorrangig Münzen und Medaillen aus Westfalen und der Region sowie römische Münzen und solche aus der Zeit der Ottonen und Salier (10./11. Jahrhundert). Das Münzkabinett (rund 130.000 Objekte von der Antike bis zur Gegenwart: Münzen, Medaillen, Papiergeld, Prägestempel, Siegel und Siegelabdrücke) bearbeitet auch Münzfunde in Westfalen.

Bibliothek Die Bibliothek des Museums umfasst über 130.000 Bücher, deren ältestes aus der Zeit um 900 nach Christus stammt.Martin Kalitschke: Bibliothek ist bereits eingerichtet: Neubau des Landesmuseums wird am 20. September eröffnet / 1800 Kunstwerke in 51 Sälen. in: Westfälische Nachrichten Münsterischer Anzeiger, 31. Januar 2014.

Restitutionsfälle Im November 2009 hat die Bundesregierung das Gemälde Siesta am Hofe der Mediceer von Hans Makart aus dem Bestand des Landesmuseums im Rahmen der Restitution von NS-Raubkunst an die Erbin der ehemaligen Besitzerin zurückgegeben. Die vom NS-Regime verfolgte jüdische Eigentümerin war 1940 gezwungen gewesen, das Werk zu verkaufen, hatte aber über den Verkaufserlös nicht frei verfügen können. Das Kunstwerk befand sich seit 1966 als Leihgabe des Bundes im Landesmuseum. Das Museum hat nach der Rückgabe Kontakt zu der rechtmäßigen Besitzerin aufgenommen, um das Werk zu kaufen.Ruhr Nachrichten: 25. November 2009. mini|Zwei Supraporten von Josef Albers, neuer Standort: Seitenfront des Neubaus (2014), Pferdegasse, mit Graffiti Toy (anonym, 17. September 2017)

Auch die rechtmäßigen Besitzer des Gemäldes Romantische Landschaft mit Ruine von Carl Blechen wurden ermittelt und das Bild an sie zurückgegeben. Es stammte aus der Kunstsammlung des jüdischen Kaufmanns Julius Freund in Berlin, der 1939 nach England emigrierte. Nach seinem Tod ließen seine Erben das Bild 1942 in der Schweiz versteigern. Das Museum konnte das Gemälde mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder von den in Kanada lebenden Erben im Jahr 2010 erwerben.Kulturstiftung der Länder: Schlüsselwerk von Carl Blechen für Münster. 23. April 2010; lwl.org: Pressemitteilung des Museums, 23. April 2010.

mini|August Macke: Modegeschäft

Ausstellungen (Auswahl) Große Ausstellungen haben in den letzten Jahren Hunderttausende von Besuchern angezogen.

Die Retrospektive von Chaim Soutine (1981/1982) gilt auch heute noch als Standard. Die August-Macke-Ausstellung (1987) hat mit ihren über 400.000 Besuchern das Phänomen der erfolgreichen Sonderausstellungen mitbegründet. Die Retrospektive des US-amerikanischen Malers Ellsworth Kelly (1992), die Münster in Kooperation mit dem Centre Georges-Pompidou in Paris und der National Gallery of Art in Washington erarbeitet hat, wurde in den Medien als ein hervorragendes Beispiel für internationale Kooperationen genannt.

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist Mitträger der internationalen Ausstellung Skulptur Projekte, die seit 1977 alle zehn Jahre für Kunst im öffentlichen Raum durchgeführt wird. „Aufgemischt – Meisterwerke der Sammlung im Dialog“ (23. August 2009 bis 1. Juli 2012) Das Museum präsentierte im Altbau am Domplatz eine Auswahl seiner Hauptwerke. Die Ausstellung zeigte die Kunstwerke nicht mehr chronologisch gegliedert, sondern epochenübergreifend. Thematische, formale sowie Stimmung und Gefühl erzeugende Gemeinsamkeiten und bestimmte Aspekte waren Kriterien für ihre Auswahl und Gruppierung. „Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ (26. Februar 2012 bis 28. Mai 2012) Gemeinsam mit der Domkammer des Bistums Münster und dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster zeigte das Museum (kunst-)historische, soziale, funktionale und technische Facetten der mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten aus westfälischen Bischofs- und Hansestädten seit dem 13. Jahrhundert: Reliquienschreine und Reliquiare, liturgische Geräte wie Kelche und Monstranzen, Kruzifixe, Buchdeckel, Mantelschließen, weltlicher Schmuck und Ratssilber. Ausstellungsorte waren das LWL-Museum für Kunst und Kultur und die Domkammer des Bistums Münster.