Diedersen ist eine Ortschaft im Flecken Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen und hat ungefähr 440 Einwohner.
Geografie Diedersen liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln östlich des Schecken, westlich des Ith und etwa zehn Kilometer östlich von Hameln. Der Ort liegt nahe der Bundesstraße 1. Das Dorf hat eine Fläche von 6,68 km² und liegt auf 131 m NHN.
Geschichte Vorgeschichte Bereits in der Bronzezeit lebten Menschen, die halbsesshaft waren, in der Ithbörde, wie das Hügelgrab (Tumulus) im Schecken westlich von Diedersen zeigt.
Von der Römischen Kaiserzeit bis zum Frühmittelalter Das Weserbergland, in dem Diedersen liegt, gehörte nach Edward Schröder in der Römischen Kaiserzeit und in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Cherusker, in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Angrivarier, in den die Cherusker wohl bereits vor der Völkerwanderungszeit aufgingen und im Frühmittelalter zum Siedlungsgebiet der Engern, einem Stammesverband der Sachsen, in den die Angrivarier und andere germanische Stämme aufgingen. Die in diesen Epochen im Weserbergland sesshaft gewordenen Menschen lebten vermutlich auch in der Gemarkung Diedersen in Pfosten- und Grubenhäusern auf einzelnen Gehöften auf gerodeten Waldinseln in der Nähe von Bachläufen.
Vom Hochmittelalter bis zur Neueren Geschichte Diedersen wurde erstmals 1007 in einer Grenzbeschreibung des Bistums Hildesheim als Dorf erwähnt und darin dem Tilithigau sowie dem Bistum Minden zugeordnet. 1120/1140 wurde Theodericus Graf von Holthusen aus einem altsächsisch-engernschen Uradelsgeschlecht, der in Holtensen seinen Stammsitz als Allodium (Eigenbesitz) hatte,Carl Wilhelm Wippermann, Reg. Schaumburg, S. 13 erwähnt, dass ein „placitum comitis Theoderici de Holthusen in villa munere“ existierte, welches etwa 7 Parochien zwischen Münder und Hameln umfasst haben mag. als Herr der Gerichtsplätze Munnere (Bad Münder) und Diddelinchusen (Diedersen)Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. bezeugt. Der Edelherr Konrad von Arnheim („Conradus nobilis de Arnhem decimam in Diderecsen…“), wahrscheinlich ein Untergraf des Grafen von Schaumburg, dessen Familie auf dem Adelssitz in Holtensen der Familie von Holthusen nachfolgte, wurde um 1300 vom Bischof von Minden u. a. mit Gütern in Diedersen belehnt. 1324 besaß Thidericus (Dietrich) de Besinghusen eine Curie (Stiftshof) und eine Mühle in Diedersen, Grundherr war ebenfalls der Bischof von Minden. 1332 wird ein Johannes de Diederscinghusen und 1337 ein Diederich von Diederscinghusen mit Besitz in Diedersen erwähnt.
Diedersen lag vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert im Gerichtsbezirk Goe auf der Hamel im Tilithigau.Jürgen Schlieckau 2025, S. 37 f. Diedersen gehörte seit dem Hochmittelalter zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.
Anfang des 14. Jahrhunderts war neben dem Kloster Corvey auch das Abdinghofkloster Grundherr von neun Höfen und Subcolonenhöfen, die in Diedersen neu entstanden waren, nachdem eine unbekannte, nicht lokalisierte Hägersiedlung in der Nähe von Diedersen aufgegeben worden war.
1394 belehnte der Abt von Corvey, Bodo von Pyrmont, den Knappen Hermann von Hastenbeck mit sieben Hufen (210 Morgen) und drei Hofstellen in Dydercksen (Diedersen) und mit 20 Hufen (600 Morgen) und 10 Hofstellen in Datherdessen (Dadersen). Nachdem das Geschlecht derer von Hastenbeck 1548 erloschen war, belehnte Abt Reinhardt von Corvey am 21. November 1557 Dietrich von Hake VIII. als Nachfolger seines Onkels Hartung von Hastenbeck mit einem Erblehen. Es bestand aus einem freien Sattelhof (dem heutigen Gut Diedersen am Mühlensiek), dem Patrimonialgericht (Untergericht) zu Diedersen und Dadersen in der gesamten Diederser und Daderser Gemarkung bis zur Remte, einer Mühlenstätte, einer Schäferei, sechs Hofstellen, 14 Hufen Land (420 Morgen) zu Diedersen und dem ganzen Dorf Dadersen, ausgenommen dem Zehnten. Die Patrimonialgerichtsbarkeit (niedere Gerichtsbarkeit) hatten die Herren von Hake bis 1836 inne. Danach übernahm das Amt Springe, dann das Amt Coppenbrügge und später das Amt Hameln durch ein neues Landesgesetz sämtliche Gerichtsbarkeiten.
mini|Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Diedersen Diedersen hatte ursprünglich keine Kirche und wurde nach Dadersen eingepfarrt, das bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg wüst gefallen war. Danach konnten die Bewohner von Diedersen den Gottesdienst in der Kirche in Bisperode besuchen. Herzogin Elisabeth von Calenberg führte in ihrem Herrschaftsgebiet, zu dem Diedersen gehörte, bis 1544 die Reformation ein. 1733 wurde eine Kapelle in Diedersen gebaut. Unklar ist, ob es eine noch ältere Kapelle in Diedersen nach dem Wüstfallen von Dadersen gab. Als die Kapelle von 1733 baufällig wurde, erhielt Diedersen 1933 eine neue kleine Kirche, die zunächst noch namenlos blieb und erst 2007 nach Dietrich Bonhoeffer benannt wurde.Jürgen Schlieckau 2025, S. 78–81.
Am 26. Juli 1757 fand während des Siebenjährigen Kriegs die Schlacht bei Hastenbeck westlich der Erhebung des Schecken statt. Die Bewohner von Diedersen litten unter Plünderungen, Morden durch die Franzosen und Kontributionen und Einquartierungen von Soldaten.
In den 1920er-Jahren gab es in Diedersen noch viele Handwerksbetriebe wie Tischlerei, Stellmacherei, Schuhwerkstatt, Bäckerei, Maurerbetrieb, Schmiede, Schneiderei, Webereien (fünf Webstühle), Kornmühle, eine Schlachterei sowie mehrere Gasthäuser.Jürgen Schlieckau 2025, S. 76.
Neueste Geschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Evakuierte aus dem Raum Aachen, die dort ausgebombt worden waren, sowie Kriegsflüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und aus Serbien nach Diedersen. Die Einwohnerzahl von Diedersen verdoppelte sich von 301 Einwohnern im Jahr 1925 auf 600 Einwohner im Jahr 1948. Zwischen 1952 und 1956 verließen 138 Bürger Diedersen wieder.Jürgen Schlieckau 2025, S. 105. Nach 1945 wurden in der alten Schule in Diedersen zeitweise über 50 Schüler in einem ca. 60 m² großen Raum von der ersten bis zur achten Klasse unterrichtet. 1954 lebten der Schulleiter und ein zweiter Lehrer noch im Schulgebäude.Jürgen Schlieckau 2025, S. 108.
Politische Zugehörigkeiten Im Frühmittelalter um 1000 n. Chr. gehörte Diedersen zum Stammesherzogtum Sachsen. Im Hoch- und Spätmittelalter hatten die Klöster Fulda, Corvey und Abdinghof sowie das Bistums Minden Grundbesitz in Diedersen mit seinen Ländereien und dem Scheckenwald. Diese Grundherrschaften belehnten damit jeweils verschiedene Grafenfamilien und Familien des niederen sächsischen Landadels. Von 1432 bis 1692 gehörte Diedersen zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, von 1692 bis 1810 zum Kurfürstentum Hannover, von 1810 bis 1816 zum französischen Königreich Westphalen, Departement Leine des Jérôme Bonaparte, von 1816 bis 1866 zum Königreich Hannover und nach dessen Annektierung durch Preußen von 1866 bis 1946 zur preußischen Provinz Hannover.Jürgen Schlieckau 2025, S. 71. Ab 1945 gehörte Diedersen zur Britischen Besatzungszone, 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.Jürgen Schlieckau 2025, S. 103.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1973 wurde Diedersen in den Flecken Coppenbrügge eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 16641689 1812 18211840184818851905 1910 1925 1933 1939 19461948 195019521956196119912022 Einwohner 87146 299 293313323360332 321 302 278 254 553600 599596458447478439 Quelle Siehe Schlieckau 2025, S. 126.
Politik Der Ortsrat der Ortschaft Bisperode vertritt auf kommunaler Ebene die Coppenbrügger Ortsteile Behrensen, Bessingen, Bisperode, Diedersen und Harderode. Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 sind die Ortsbürgermeister bisher noch nicht gewählt. Dies geschieht erst noch durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder. +Ergebnisse der Ortsratswahlen 2021 und 2026 für die Ortschaft DiedersenErgebnisse der Ortsratswahlen 2021 und 2026 für die Gemeinde Diedersen nach dem Votemanager, abgerufen am 23. September 2026.ParteiWahl 2021Wahl 2026SPD46,39 %64,93 %CDU39,57 %20,52 %Die Grünen6,82 % -FDP6,04 % -Einzelbewerber1,17 % -AfD -14,55 %
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Der Jagdpavillon der Familie von Hake auf der Obensburg, erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts mini|Herrenhaus Diedersen mini|Wall der Obensburg
Bauwerke Ein bronzezeitliches Hügelgrab (Tumulus) im Schecken Das Rittergut der Freiherren von Hake mit dem Herrenhaus Diedersen Die Obensburg im Schecken Die Sassenburg im Schecken Der Friedenswall
Vereine Der Männergesangverein Diedersen e. V. (MGV) wurde 1891 gegründet und ist der älteste Verein des Ortes. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Übungsabende des Männerchors und des Frauenchors. 1947 wurden Theaterstücke auf einer aus der Vorkriegszeit stammenden Theaterbühne in einer Diederser Gaststätte aufgeführt. 1965 trat der MGV dem Deutschen-Allgemeinen-Sängerbund bei. Anfang der 1970er Jahre fand am Waldrand des Schecken ein „Waldessingen“ statt. Der MGV tritt heute bei vielen Veranstaltungen auf, oft auch gemeinsam mit anderen Gesangvereinen.
Die DRK Ortsgruppe wurde 1910 gegründet und ist der zweitälteste Diederser Verein.
Die Freiwillige Feuerwehr Diedersen wurde 1924 gegründet; die Jugendfeuerwehr wurde 1999 gegründet. 1980 wurde das neue Feuerwehrhaus fertiggestellt. Alle fünf Jahre wird ein großes Feuerwehrfest gefeiert. Seit 1947 werden die Osterfeuer unter der Regie und Überwachung durch die Freiwillige Feuerwehr Diedersen und unter Mithilfe der Jugendfeuerwehr abgebrannt.Jürgen Schlieckau 2025, S. 7, 78.
Der Turnclub Diedersen, der 1933 gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgelöst wurde, war der Vorläufer des Sport-Club Diedersen e. V.Jürgen Schlieckau 2025, S. 112.
Im Sport-Club Diedersen von 1947 e. V. werden verschiedene Sportarten angeboten, darunter Aerobic, Damengymnastik, Darts, Fußball, Kinderturnen, Orientalischer Tanz und Mensch & Hund. Die Abteilung Darts wurde 1999 gegründet. 2009 gelang der Bundesligaaufstieg. Bis 2022 spielten Vereinsmitglieder in der Bundesliga und konnten 2011 den Vizemeistertitel holen. Mehrere dritte Plätze wurden erreicht. Drei Spieler des SC Diedersen wurden zum Einsatz in die Deutsche Nationalmannschaft berufen.
Der Kinderspielkreis Diedersen e. V. wurde 1972 gegründet, bestand bis 2020 im alten Schulgebäude und betreute zuletzt 22 Kinder.Jürgen Schlieckau 2025, S. 111.
Der Heimatverein Diedersen e. V. besteht seit 2009. Der Verein führt u. a. Dorfverschönerungsarbeiten durch. Vor dem Zweiten Weltkrieg soll es noch einen älteren Heimatverein in Diedersen gegeben haben.
Der Familienkreis Diedersen e. V. wurde 2024 gegründet, um die Angebote für die Kinder im Dorf zu verbessern. Hauptanliegen ist es, den Spielplatz besser auszustatten, der zentral im Dorf liegt.
Persönlichkeiten Wilhelm von Altrock (1887–1952), Generalleutnant der Wehrmacht
Literatur Adolf Christoph von Hake II.: Hausbuch Diedersen, Selbstverlag, 1858. Gustav Wittje: Die wichtigsten Schlachten, Belagerungen und verschanzten Lager vom Jahre 1708 bis 1855. Band 1, 1861, In: EHV-History, Bremen 2013, ISBN 978-3-95564-500-7, S. 9–12. Katasteramt Hameln: Rezeßkarte, Teil Diedersen, 1868. In: Adelgunde Schäfer: Dorfchronik Diedersen, Flecken Coppenbrügge, Coppenbrügge 1992, S. 235. Joachim Schween: Die archäologischen Fundstellen im Landkreis Hameln-Pyrmont: Katalog der archäologischen Bodenurkunden bis 1992. Teil 1 und 2 + Katalog-Beilage, Kat. Nr. 654, 1993. Friedrich August Gustav Adolf von Hake: Geschichte der Freiherrlichen Familie von Hake, 1887. Robert Meyer: Abhandlungen über die Schlacht zu Diedersen, 1912.