hochkant|mini|Johann Baptist Kirner (Jahr unbekannt) hochkant|mini|Selbstbildnis Kirners „im 17. Jahr“ (1822) hochkant|mini|Ein badischer Freischärler mit seinen beiden Ordonnanzen, 1849, 1849 hochkant|mini|Kirners Grabstein auf dem Friedhof in Furtwangen

Johann Baptist Kirner (* 25. JuniCarina Mahlbacher: Johann Baptist Kirner, 1806–1866, Badischer Hofmaler, Dissertation, Stuttgart, 1983, S. 10.Taufbucheintrag Johann Baptist Kirner, Erzbischöfliches Archiv, Freiburg i. Br., K1/9567 1806 in Furtwangen im Schwarzwald; † 19. November 1866 ebendaCarina Mahlbacher: Johann Baptist Kirner, 1806–1866, Badischer Hofmaler, Dissertation, Stuttgart, 1983, S. 16.) war ein deutscher Maler.

Leben Johann Baptist Kirner zählt zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Genremalerei im 19. Jahrhundert.

Familie Johann Baptist Kirner war das siebte Kind des Schuhmachers Johannes Baptist Kirner (1767–1835), genannt Schuhpeter-Hänsle, und der Genofeva Kirner, geborene Dilger (1765–1838). Sein älterer Bruder Lukas Kirner (1794–1851) war Porträtmaler. Johann Baptist wuchs in recht bescheidenen Verhältnissen in Furtwangen im Hochschwarzwald auf.

Ausbildung und erste Werke Aus finanziellen Gründen musste Kirner zunächst auf eine künstlerische Ausbildung verzichten. Von 1820 bis 1822 ging er bei einem Kutschenmaler und Lackierer in Freiburg i. Br. und bei einem Dekorationsmaler in Villingen in die Lehre.Carina Mahlbacher: Johann Baptist Kirner, 1806–1866, Badischer Hofmaler, Dissertation, Stuttgart, 1983, S. 10. Am 1. Januar 1822 wurde er auf Betreiben seines Bruders Lukas, der die Königliche Höhere Kunstschule in Augsburg besuchte, ebenfalls in diese aufgenommen. Der Direktor Clemens von Zimmermann bescheinigte ihm sehr gute künstlerische Leistungen, die 1822 und 1823 mit Preismedaillen ausgezeichnet wurden. Im Mai 1824 wechselte er an die Königlich Bayerische Akademie der bildenden Künste in München und studierte bis 1829 das Fach Historienmalerei unter Peter von Cornelius und Clemens von Zimmermann. Mittels Fürsprache der großherzoglich-badischen Hofmalerin Marie Ellenrieder bei Großherzog Leopold erhielt er finanzielle Unterstützung aus dem großherzoglich-badischen Fonds für Künste und WissenschaftenGenerallandesarchiv Karlsruhe, Unterstützungen aus dem Fonds für Künste und Wissenschaften, Sign. 56 Nr. 760. Mit dem ebenfalls durch Ellenrieder vermittelten Auftragswerk „Heilige Familie mit der heiligen Elisabeth und Johannes dem Täufer“, (1829), heute Altarbild in St. Martin in Appenweier-Urloffen, ist ein erstes Auftragswerk fassbar, das noch den Einfluss der Nazarener verrät. Doch bleibt dies eine Ausnahme im Werk, da sich Kirner schon bald der Genremalerei zuwendet. In den 1820er Jahren entstanden erste Porträts von Familienmitgliedern und anderen Personen aus Furtwangen sowie Gemälde nach Gedichten von Johann Peter HebelCarina Mahlbacher: Johann Baptist Kirner, 1806–1866, Badischer Hofmaler, Dissertation, Stuttgart, 1983, S. 12.

Künstlerischer Durchbruch und Italienreise Auch nach seiner Studienzeit hielt sich Kirner weiterhin in München auf und arbeitete als freischaffender Künstler. Seine Gemälde stellte er vor allem im Münchner Kunstverein aus, dem er schon zu Studienzeiten am 3. Juni 1828 beitrat. Mit dem Gemälde „Ein Schweizer Gardist erzählt in seiner Heimat die Erlebnisse während der Pariser Juli-Revolution von 1830“ gelang ihm 1831 der Durchbruch als Maler. Das Gemälde machte den jungen Künstler auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt und wurde schon bald vielfach kopiert. Der Erfolg verschaffte ihm ein Reisestipendium, das aus dem Fonds für Künste und Wissenschaften des großherzoglich-badischen Hofes finanziert wurde. Kirner trat seine Italienreise am 10. September 1832 von München aus anReisebericht, Archiv Guido Staeb, Kuppenheim. Er traf am 16. Oktober 1832 in Rom ein und hielt sich bis (wahrscheinlich Oktober) 1837 und wohl noch einmal 1838/39 dort auf. Im Herbst 1837 floh er vor einer Choleraepidemie aus Rom und ging für ein Jahr nach Wien. Dort malte er die Gemälde „Spielende Kinder“ und „Letzter Segen“. In Rom teilte er sich von 1832 bis 1834 mit seinem Schwarzwälder Künstlerfreund Franz Xaver Winterhalter Atelier und Wohnung. Im Frühjahr 1833 bereiste Kirner mit Winterhalter den Golf von Neapel und sie erkundeten die nahegelegenen Inseln und die Umgebung. Zahlreiche erhaltene Skizzenbücher aus dieser Zeit und Studienblätter bezeugen Kirners intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der italienischen Landschaft und deren Bewohnern. In seiner vergleichsweise kurzen Italienzeit schuf Kirner zahlreiche Hauptwerke und verfeinerte seinen Malstil.

Großherzoglich-badischer Hofmaler in Karlsruhe und Maler in München Nach seiner Rückkehr aus Italien ernannte der badische Großherzog Leopold Kirner am 19. Juli 1839 zu seinem Hofmaler, zunächst unbezahlt. Sein Gemälde „Rückkehr der Landleute von der Preisvertheilung des landwirthschaftlichen Vereins im Großherzogthum Baden“ wurde vom Großherzog für 200 Louisdor für seine Privatgalerie erworben. In einem persönlichen Gratulationsschreiben bekundete der Großherzog Kirner seine Anerkennung für das GemäldeBrief vom 23. September 1841, Archiv Guido Staeb, Kuppenheim. Seit dem 1. Januar 1842 bezog der Maler ein jährliches Gehalt von 400 Gulden bei Ablieferung eines Pflichtbildes alle zwei JahreGenerallandesarchiv Karlsruhe, Hofkünstler, insbesondere die Hofmaler, Sign. 56 Nr. 587. Von 1842 bis 1844 hielt sich Kirner in Karlsruhe auf und malte sein Auftragswerk „Jagdpartie im Großherzoglichen Wildpark bei Karlsruhe“ – ein Repräsentationsbild im Genrestil – für den Großherzog Leopold von Baden. 1844 ließ er sich endgültig in München nieder und war dort bis 1865 gemeldet. Am badischen Hof in Karlsruhe reichte er jährlich Urlaubsgesuche einGenerallandesarchiv Karlsruhe, Unterstützung badischer Künstler aus dem Fonds für Wissenschaften und Kunst, Sign. 49 Nr. 137. Die lebenslange Bewilligung der eingereichten Gesuche zeigt die große mäzenatische Unterstützung des Malers durch den badischen Großherzog Leopold. Zum Münchner Künstlerfreundeskreis um Kirner gehörten unter anderem Carl Spitzweg, Eduard Schleich der Ältere, Philipp von Foltz, Moritz von Schwind und Caspar Kaltenmoser. Kirner war Mitglied in den Münchner Künstlergesellschaften „im Stubenvoll“ und „Jung-München“. Am 28. November 1856 wurde er zum Ehrenmitglied der Königlich Bayerischen Akademie der bildenden Künste in München ernannt.

Letzte Jahre und Tod Schon in den 1830er Jahren plagten Kirner gesundheitliche Probleme, die sich zwar während seines Italienaufenthalts deutlich verbesserten, aber wohl nie gänzlich verschwanden. 1852 ging er für einen längeren Kuraufenthalt nach Rippoldsau. Im Sommer 1865 verließ er München und begab sich in die pflegerische Obhut seiner Schwester Karoline Duffner (1804–1873) in Furtwangen. Noch wenige Monate vor seinem Tod hoffte er auf gesundheitliche Besserung, wie in einem Brief vom 4. Juli 1866 an Carl Spitzweg zu lesen istTranskript, Archiv Guido Staeb, Kuppenheim. Haupterbe von Kirners künstlerischem Nachlass von über 400 Ölstudien ist das Großherzogliche Kunstkabinett in Karlsruhe, dessen Bestände heute zur Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gehören. Ein weiteres umfangreiches Konvolut von hunderten von Zeichnungen gelangte in Form mehrerer Schenkungen und gezielter Ankäufe in den Jahren 2003 bis 2006, 2013 und vor allem 2018 an das Freiburger Augustinermuseum, das auch etliche Gemälde in Vorbereitung der großen Kirner-Retrospektive 2021 erwarb. Kirners Grabstein auf dem Friedhof von Furtwangen wurde durch einen Verwandten, dem deutschen Bildhauer Adolf Heer (1849–1898)Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben, hrsg. von Adila Garbanzo León, Felix Reuße und Tilmann von Stockhausen, Ausstellungskatalog, Augustinermuseum Freiburg, 2021, ISBN 978-3-7319-1075-6 angefertigt. Im Stadtteil Waldsee der Stadt Freiburg im Breisgau erinnert die Kirnerstraße an den Maler.

Bildthemen und -motive Die Bildthemen und -motive für seine Gemälde fand Johann Baptist Kirner im Schwarzwald, in Italien, Karlsruhe und Bayern – den Stationen seines Lebens. Neben dem einfachen Leben der Landbevölkerung thematisiert Kirner auch große zeitgeschichtliche Meilensteine, wie die revolutionären Umbrüche in Baden und Europa sowie die neue Errungenschaft der EisenbahnJohann Baptist Kirner. Erzähltes Leben, hrsg. von Adila Garbanzo León, Felix Reuße und Tilmann von Stockhausen, Ausstellungskatalog, Augustinermuseum Freiburg, 2021, ISBN 978-3-7319-1075-6. Porträts von Familienangehörigen und von Personen aus Furtwangen bilden seine künstlerischen Anfänge in den 1820er Jahren. Erste Genrebilder entstehen zeitgleich nach Gedichten von Johann Peter Hebel (Der Statthalter von Schopfheim, Der Karfunkel, Der Schmelzofen).

Bildversionen und Kopien Von zahlreichen Gemälden Kirners existieren mehrere Bildversionen, welche die ökonomische Arbeitsweise des Künstlers dokumentieren. Zahlreiche Pauspapiere zu Gemälden befinden sich im Augustinermuseum Freiburg. Sie wurden zur Übertragung der Umrisslinien auf die grundierte Leinwand oder einen Zwischenträger benutzt, was dem Künstler ein einfaches und zeitsparendes Kopieren eines vorhandenen Hauptbildmotivs ermöglichte. Während die so kopierte Hauptgruppe auf beiden Gemäldeversionen übereinstimmt, veränderte der Maler die jeweilige Umgebung. Die einzelnen Gemäldeversionen sind so nie genaue Kopien der Erstwerke, sondern besitzen UnikatcharakterJohann Baptist Kirner. Erzähltes Leben, hrsg. von Adila Garbanzo León, Felix Reuße und Tilmann von Stockhausen, Ausstellungskatalog, Augustinermuseum Freiburg, 2021, ISBN 978-3-7319-1075-6. Von mindestens vier Gemälden Kirners sind Kopien von fremder Hand greifbar. Es handelt sich dabei um die „Kartenschlägerin“ des Monogrammisten C. V. im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe (Inv. 83/260); „Spielende Kinder“ von unbekannter Hand im Augustinermuseum, Städtische Museen Freiburg (Inv. 2020/106); „Italienische Hirtenfamilie“ von Giuseppe Palizzi, versteigert über Hampel Fine Art Auctions am 3. Dezember 2020, Los 1225 und „Der Schweizer Gardist“ von Johann Baptist Awert, Fürstlich Fürstenbergische Sammlungen Donaueschingen, Inv. 169Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben, hrsg. von Adila Garbanzo León, Felix Reuße und Tilmann von Stockhausen, Ausstellungskatalog, Augustinermuseum Freiburg, 2021, ISBN 978-3-7319-1075-6.

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