mini|Ein Wasserfrosch (wohl Teichfrosch, Pelophylax kl. esculentus)
Die Froschlurche (Anura; auch: Salientia) sind die bei weitem artenreichste der drei rezenten Ordnungen aus der Wirbeltierklasse der Amphibien. Die anderen Ordnungen der Amphibien sind die Schwanzlurche (Caudata, Urodela) und die Schleichenlurche oder Blindwühlen (Gymnophiona).
Die meisten Froschlurche werden – ohne näheren verwandtschaftlichen Zusammenhang mit diesen – als „Frösche“ bezeichnet. Zu den Froschlurchen zählen außerdem Kröten und Unken.
Frösche, Kröten, Unken Die Bezeichnungen Frosch und Kröte sind systematisch nicht eindeutig abgegrenzt. Unter einem „Frosch“ wird landläufig ein relativ schlanker, agiler Froschlurch mit eher glatter und feuchter Haut sowie kräftigen Sprungbeinen verstanden. Beispiel: die Gattung Rana (Echte Frösche). Dagegen gilt eine „Kröte“ allgemein als plump und gedrungen gebaut. Ihre Haut ist eher trocken und „warzig“. Die vergleichsweise kurzen Hinterbeine dienen nur zu kurzen Hüpfern und zum Laufen auf allen vieren. Beispiel: die Gattung Bufo (Echte Kröten). In der Realität verschwimmen diese Abgrenzungsmerkmale häufig und lassen sich in der Taxonomie der Amphibien nicht bestätigen.
Eindeutiger sind die Unken abzugrenzen und systematisch zuzuordnen: Eine Unke ist ein stammesgeschichtlich urtümlicher, kleiner Froschlurch mit einem abgeflachten Körper, warziger Oberseite und grell-bunt (gelb oder rot) marmorierter Bauchseite. Unken bilden die Gattung Bombina.
Merkmale Im Gegensatz zu den Schwanzlurchen weisen die Froschlurche nur während der Larvenphase im Wasser einen Schwanz auf. Mit der Metamorphose zum Landtier wird dieser zurückgebildet. Je nach Ausprägung der Hinterbeine, die deutlich länger als die vorderen Extremitäten sind, bewegen sich Froschlurche laufend, hüpfend oder weit springend vorwärts. Einige können sehr gut klettern; andere graben sich im Boden ein oder leben ständig im Wasser.
Der Knochenbau ist wie bei allen Amphibien teilweise reduziert. So besitzen sie, bis auf wenige Arten der Unterordnung Archaeobatrachia, keine Rippen. Der Schultergürtel der Froschlurche ist im Gegensatz zu den Schwanzlurchen verknöchert und mit einem Schlüsselbein ausgestattet. Die Hüftregion ist besonders stabil gebaut und weist auffallend weit hinten positionierte Gliedmaßenansätze auf, um für die enorme Hebel- und Schubwirkung beim Springen geeignet zu sein.
Die Haut kann glatt oder warzig sein. Sie ist von Schleimdrüsen durchsetzt, die die Oberfläche feucht halten und eine Hautatmung ermöglichen. Viele Arten weisen zudem Körperdrüsen auf, die ein giftiges Schutz- und Wehrsekret produzieren. Pigmentzellen sind für eine vielfältige Färbung und Zeichnung verantwortlich.
Die größte Art ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von belegten 33 und vermuteten 35 bis 40 Zentimetern der seltene westafrikanische Goliathfrosch (Conraua goliath). Mehrere „miniaturisierte“ Arten erreichen dagegen ausgewachsen kaum einen Zentimeter Größe, wie die brasilianische Sattelkröte Brachycephalus didactylus, das kubanische Monte-Iberia-Fröschchen (Eleutherodactylus iberia), der madagassische Engmaulfrosch Stumpffia pygmaea oder der Seychellenfrosch Sechellophryne gardineri, die auch zu den weltweit kleinsten Landwirbeltieren überhaupt zählen.
Fortpflanzung und Individualentwicklung mini|Amplexus beim Grasfrosch mini|Froschlaich-Entwicklung Die meisten Froschlurche suchen zur Vermehrung ein Gewässer auf, um dort Laich abzulegen; es gibt allerdings auch Arten mit direkter Larvenentwicklung innerhalb der an Land abgelegten Eier (Terrarana) und mindestens eine lebendgebärende Art (Limnonectes larvaepartus). Die Männchen verfügen oft über Schallblasen, um Paarungsrufe zu erzeugen. Der Laich wird über die Kloake des Weibchens in Form von Klumpen, Schnüren oder als Einzeleier ins Wasser – manchmal aber auch auf Blätter über dem Wasser oder auf den Waldboden – abgegeben und dabei vom im Amplexus befindlichen Männchen äußerlich besamt (vgl. dagegen Schwanzlurche). Nach mehreren Tagen hat sich aus dem Embryo eine Kaulquappe entwickelt.
Zunächst sind die Kiemen noch außen liegend, später werden sie von einer Hautfalte bedeckt. Nach mehreren Wochen Larvalentwicklung, während der sich die Kaulquappe von Pflanzen, organischem Material, Kleinsttieren und Aas, bei einigen Baumsteigerfröschen auch von arteigenem, unbefruchtetem Laich ernährt, erscheint bei dem Tier zuerst ein hinteres Beinpaar. Die Vorderbeine werden erst einige Tage später äußerlich sichtbar.
Nach zumeist mehreren Monaten Wasseraufenthalt stellt sich die eigentliche Metamorphose zum Landtier ein, wobei sich unter anderem die Kiemen zurückbilden. Die Atmung erfolgt nun über eine einfach gebaute Lunge sowie die sich stark verändernde Haut. Verdauungs- und Nervensystem sowie weitere Organe werden innerhalb kurzer Zeit völlig umgebildet. Äußerlich weicht die eher fischartige Gestalt den Formen eines Frosches oder einer Kröte (Näheres siehe unter Kaulquappe). Am Schluss der Umwandlung wird der Ruderschwanz allmählich resorbiert.
Je nach Art dauert es unterschiedlich lange, meist ein bis drei Jahre, ehe das Tier geschlechtsreif wird und selbst am Fortpflanzungsgeschehen teilnimmt.
Ernährung Metamorphosierte Tiere ernähren sich ausschließlich carnivor, in der Regel von lebenden Insekten, Gliedertieren, Weichtieren und Spinnen.
Verbreitung Froschlurche kommen auf allen Kontinenten, mit Ausnahme von Antarktika, und vielen Inseln von den kalt-gemäßigten bis in die tropischen Zonen vor. Die biogeografische Region der Holarktis ist vergleichsweise artenarm; Schwerpunkte der Artenvielfalt liegen insbesondere in den Subtropen und Tropen der neuweltlichen Neotropis (Mittel- und Südamerika) und altweltlichen Paläotropis (Südostasien, Afrika südlich der Sahara).
Taxonomie Derzeit werden je nach Übersicht 56 bzw. 58 rezente Familien mit rund 7680 Arten unterschieden – die Artenzahl ändert sich laufend, vor allem wegen neuer Erkenntnisse aus der phylogenetischen Forschung zur Systematik sowie aufgrund ständiger Neuentdeckungen insbesondere von tropischen Fröschen, die bisher unbekannt waren. Die formenreichste Familie bilden die Laubfrösche (Hylidae) mit über 1000 Arten.
(Sortierung innerhalb desselben Ranges alphabetisch nach wissenschaftlichen Namen)
„Urtümliche Froschlurche“ mini|Gemeine Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)
Unterordnung Archaeobatrachia Familie Schwanzfrösche (Ascaphidae), (2 Arten) Familie Neuseeländische Urfrösche (Leiopelmatidae), (3 Arten) Familie Unken und Barbourfrösche (Bombinatoridae), (9 Arten) Familie Geburtshelferkröten und Scheibenzüngler (Alytidae), (12 Arten)
„Mittlere Froschlurche“ mini| Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)
Unterordnung Mesobatrachia (s. auch: Krötenfrösche) Familie Asiatische Krötenfrösche (Megophryidae), (323 Arten) Unterfamilie Leptobrachiinae, (189 Arten) Unterfamilie Megophryinae, (134 Arten) Familie Europäische Schaufelfußkröten (Pelobatidae), (6 Arten) Familie Schlammtaucher (Pelodytidae), (4 Arten) Familie Zungenlose (Pipidae), (41 Arten) Unterfamilie Dactylethrinae, (34 Arten) Unterfamilie Pipinae, (7 Arten) Familie Nasenkröten (Rhinophrynidae), (1 Art) Familie Amerikanische Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae), (7 Arten)
„Moderne Froschlurche“ mini|Erdkröte (Bufo bufo) mini|Panama-Stummelfußfrosch (Atelopus zeteki) mini|Masken-Laubfrosch (Smilisca phaeota) mini|Färberfrosch, Farbvariante Blauer Baumsteiger (Dendrobates tinctorius) mini|Schrecklicher Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis) mini|Nasikabatrachus sahyadrensis
Unterordnung Neobatrachia Familie Blattkrötchen (Allophrynidae), 3 Arten Familie Alsodidae, 30 Arten Familie Langfingerfrösche (Arthroleptidae), 153 Arten Unterfamilie Arthroleptinae, 67 Arten Unterfamilie Astylosterninae, 30 Arten Unterfamilie Waldsteigerfrösche (Leptopelinae), 56 Arten Familie Batrachylidae, 12 Arten Überfamilie Brachycephaloidea, 1262 Arten Familie Sattelkröten (Brachycephalidae), 80 Arten Familie Caligophrynidae, 1 Art Familie Ceuthomantidae, 4 Arten Familie Craugastoridae, 129 Arten Familie Eleutherodactylidae, 241 Arten Unterfamilie Eleutherodactylinae, 227 Arten Unterfamilie Phyzelaphryninae, 14 Arten Familie Neblinaphrynidae, 1 Art Familie Strabomantidae, 802 Arten Unterfamilie Holoadeninae, 73 Arten Unterfamilie Hypodactylinae, 15 Arten Unterfamilie Pristimantinae, 698 Arten Unterfamilie Strabomantinae, 16 Arten Familie Kurzkopffrösche (Brevicipitidae), 37 Arten Familie Kröten (Bufonidae), 652 Arten Familie Calyptocephalellidae, 5 Arten Familie Glasfrösche (Centrolenidae), 164 Arten Unterfamilie Centroleninae, 125 Arten Unterfamilie Hyalinobatrachinae, 37 Arten Familie Ceratobatrachidae, 103 Arten Unterfamilie Alcalinae, 6 Arten Unterfamilie Ceratobatrachinae, 90 Arten Unterfamilie Liuraninae, 7 Arten Familie Ceratophryidae, 12 Arten Familie Conrauidae, 8 Arten Familie Cycloramphidae, 37 Arten Überfamilie Dendrobatoidea, 342 Arten Familie Aromobatidae, 137 Arten Unterfamilie Allobatinae, 63 Arten Unterfamilie Anomaloglossinae, 34 Arten Unterfamilie Aromobatinae, 39 Arten Familie Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae), 205 Arten Unterfamilie Colostethinae, 68 Arten Unterfamilie Dendrobatinae, 62 Arten Unterfamilie Hyloxalinae, 74 Arten Familie Dicroglossidae, 220 Arten Unterfamilie Dicroglossinae, 200 Arten Unterfamilie Occidozyginae, 20 Arten Familie Ericabatrachidae, 1 Art Familie Gespenstfrösche (Heleophrynidae), 7 Arten Familie Hemiphractidae, 121 Arten Familie Hemisotidae, 9 Arten Familie Laubfrösche (Hylidae), 1055 Arten Unterfamilie Hylinae, 751 Arten Unterfamilie Australische Laubfrösche (Pelodryadinae), 237 Arten Unterfamilie Greiffrösche (Phyllomedusinae), 67 Arten Familie Hylodidae, 48 Arten Familie Riedfrösche (Hyperoliidae), 226 Arten Unterfamilie Acanthixalinae, 2 Arten Unterfamilie Hyperoliinae, 198 Arten Unterfamilie Kassininae, 23 Arten Familie Pfeiffrösche (Leptodactylidae), 237 Arten Unterfamilie Leiuperinae, 102 Arten Unterfamilie Leptodactylinae, 118 Arten Unterfamilie Paratelmatobiinae, 16 Arten Familie Madagaskarfrösche (Mantellidae), 274 Arten Unterfamilie Boophinae, 80 Arten Unterfamilie Laliostominae, 7 Arten Unterfamilie Mantellinae, 187 Arten Familie Tanzfrösche (Micrixalidae), 24 Arten Familie Engmaulfrösche (Microhylidae), 746 Arten Unterfamilie Adelastinae, 1 Art Unterfamilie Papua-Engmaulfrösche (Asterophryinae), 365 Arten Unterfamilie Madagaskar-Engmaulfrösche (Cophylinae), 115 Arten Unterfamilie Tomatenfrösche (Dyscophinae), 3 Arten Unterfamilie Gastrophryninae, 80 Arten Unterfamilie Hoplophryninae, 3 Arten Unterfamilie Kalophryninae, 27 Arten Unterfamilie Melanobatrachinae, 1 Art Unterfamilie Microhylinae, 120 Arten Unterfamilie Otophryninae, 13 Arten Unterfamilie Wendehalsfrösche (Phrynomerinae), 6 Arten Unterfamilie Scaphiophryninae, 12 Arten Überfamilie Australische Südfrösche (Myobatrachoidea), 136 Arten Familie Limnodynastidae, 44 Arten Familie Myobatrachidae, 92 Arten Familie Nasikabatrachidae, 2 Arten Familie Nyctibatrachidae, 37 Arten Unterfamilie Astrobatrachinae, 1 Art Unterfamilie Lankanectinae, 2 Arten Unterfamilie Nyctibatrachinae, 34 Arten Familie Odontobatrachidae, 5 Arten Familie Odontophrynidae, 55 Arten Familie Petropedetidae, 13 Arten Familie Phrynobatrachidae, 96 Arten Familie Ptychadenidae, 63 Arten Familie Afrikanische Ochsenfrösche (Pyxicephalidae), 83 Arten Unterfamilie Cacosterninae, 77 Arten Unterfamilie Pyxicephalinae, 6 Arten Familie Echte Frösche (Ranidae), 459 Arten Familie Ranixalidae, 18 Arten Familie Ruderfrösche (Rhacophoridae), 455 Arten Unterfamilie Buergeriinae, 6 Arten Unterfamilie Rhacophorinae, 449 Arten Familie Nasenfrösche (Rhinodermatidae), 3 Arten Familie Seychellenfrösche (Sooglossidae), 4 Arten Familie Telmatobiidae, 61 Arten
Eine Auflistung europäischer Arten ist in der Liste europäischer Amphibien zu finden.
Stammesgeschichte