Marten ist der Statistische Bezirk 74 und zugleich ein westlicher Stadtteil der kreisfreien Großstadt Dortmund. Er liegt im Stadtbezirk Lütgendortmund.

Geschichte Marten hat sich ungefähr in der ersten Jahrtausendwende um den Hellweg entwickelt. Erstmals wird die Gemarkung Marten in einem um 1000 verfassten Verzeichnis der Reichsabtei Werden erwähnt und zwar in einem Seelengedächtnis. Der Ort selbst wurde im 11. Jahrhundert im Urbar Werden Marthenni, um 1050 Marthinna, um 1150 bis um 1200 auch Marthene oder Merthene genannt. 1220 erscheint Martene in den Vogteirollen des Stifts Essen. In den Jahren 1268 bis 1334 werden Mitglieder der Adelsfamilie de Martene im Dortmunder Urkundenbuch genannt. In demselben 1382 der Schulte von Marten (schulten van Martene) erwähnt. 1390 erscheint erstmals der heutige Ortsname Marten.

Marten gehörte im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit mit eigener Bauerschaft (Marthen) im Oberamt Bochum (historisch) zur Grafschaft Mark. Laut dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 hatten die 11 Steuerpflichtigen Hofbesitzer in der Bauerschaft zwischen 1 und 6 Goldgulden an Abgabe zu leisten. Darunter der Hof Vörste, erstmals 1293 erwähnt, mit 6 Goldgulden Abgabe an das Stift Essen.Aloys Meister: Die Grafschaft Mark, Festschrift zum Gedächtnis der 300-jährigen Vereinigung mit Brandenburg-Preußen. 2. Band, Dortmund 1909, S. 5 – Auszug aus dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Bauerschaft Marten) Im Jahr 1705 waren in der Baurschafft Marten 27 Steuerpflichtige mit Abgaben an die Rentei Bochum im Kataster verzeichnet. Alle Hofbesitzer auch mit Zehntpflicht an Haus Marten.Westfälisches Schatzungs- und Steuerregister, Band 6, Münster 1980. Darin: Kataster der Kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark 1705, Bearb. von Willy Timm, S. 147–149

Die Deutung des Ortsnamens kann mit Stelle, an der es Marder gab umschrieben werden.Michael Flöer: Die Ortsnamen der Stadt Dortmund und der Stadt Hagen, in: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 16, Bielefeld 2021, S. 183–185

Im 19. Jahrhundert gehörte Marten zunächst im Landkreis Dortmund zum Amt Lütgendortmund, wurde aber am 1. April 1886 dem neu gegründeten Amt Dorstfeld zugeschlagen. 1885 hatte die Landgemeinde (plus 5 Wohnplätze) eine Fläche von 4,43 km², davon 208 ha Ackerland, 51 ha Wiesen und 14 ha Holzungen. Es gab 219 Wohngebäude mit 620 Haushaltungen und 3366 Einwohner.Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Berlin 1887, S. 82/83, Online-Ausgabe Münster, Universitäts- und Landesbibliothek 2014

Als das Amt Dorstfeld mit Wirkung vom 10. Juni 1914 aufgelöst und die meisten Gemeinden des Amtes dem Stadtkreis Dortmund einverleibt wurde, wurde die verbliebene Gemeinde Marten nicht wieder dem Amt Lütgendortmund zugeschlagen, sondern wurde ein eigenes Amt Marten und gewann in der Folge an Bedeutung.Norbert Reimann: Kleine Geschichte des Amtes Lütgendortmund sowie der Ämter Dorstfeld und Marten. Stadtsparkasse, Dortmund 1993, S. 115 f.

Am 1. April 1928 wurde Marten in die Stadt Dortmund eingemeindet. Im Rahmen der Kommunalreform 1975 wurde der Verwaltungsbezirk trotz aller Widerstände dem Stadtbezirk Lütgendortmund zugewiesen und verlor dadurch an Bedeutung.

Bei einem schweren Unwetter wurden am 26. Juli 2008 weite Teile des Martener Ortskerns unter Wasser gesetzt.

Der Ort Die räumliche Struktur Martens ist vor allem durch die Zweiteilung geprägt. Der ältere Ortskern bildet das Zentrum mit dem Marktplatz. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Martener Straße sowie der Schulte-Heuthaus-Straße; die jüngere Germania-Siedlung, welche neben der ehemaligen Zeche Vereinigte Germania als Arbeitersiedlung errichtet wurde, ist eine reine Wohnsiedlung. Diese beiden Martener Regionen sind durch den Martener Park und den Roßbach voneinander abgegrenzt. Marten besitzt zudem als größerer Ortsteil eine kleine – teils beruhigte – Einkaufsstraße (in der Meile) mit wenigen kleinen Geschäften und einer angrenzenden Allee.

Der Revierpark Wischlingen liegt in unmittelbarer Nähe Martens, wie auch das Naturschutzgebiet Hallerey, vom Martener Ortskern in 5–10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Der Friedhof Marten liegt teilweise auf dem Gebiet des Stadtteiles Dorstfeld und gehört zu beiden Stadtteilen.

Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung Martens zwischen 1818 und 2024 1818 1843 1858 1871 1885 1895 1900 1905 1910 1914 1928 1939 1946 1970 1987 1991 2003 2007 2008 2013 2016 2018 2019 20202022 2023 2024 2025 354 420 7922.0533.3665.0488.80010.42711.62512.34012.29812.41412.11412.1979.8679.7469.5139.3729.3309.4769.6289.6909.6769.6969702 9680 9755 9710

Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung Durch die wachsende Zeche Vereinigte Germania sowie die stark zunehmende Industrialisierung im Ruhrgebiet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Bergarbeiter gesucht. Diese kamen u. a. auch aus anderen deutschen Ländern, vor allem aber aus den damaligen Ostgebieten Preußens, aus dem früheren Königreich Polen, aus Masuren und auch aus Oberschlesien, sogenannte Ruhrpolen. 1890 betrug der Anteil der Zuwanderer an der Gesamtbevölkerung 45 %, 1919 bereits 52 %. Wegen der stark ansteigenden Bevölkerung kam es zu einer Wohnungsknappheit, der erst nach vielen Jahren durch neue Zechensiedlungen entgegengewirkt werden konnte. Es entstanden die Zechensiedlungen Germania (gegenüber der Zeche) und Neu-Crengeldanz, die durch Wohnhäuser an der Straße Auf dem Toren erweitert wurde.

Statistik Strukturdaten der Bevölkerung Martens:

Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 17,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 15,8 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Ausländeranteil: 24,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 14,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)] (PDF-Datei)

Das Durchschnittseinkommen liegt etwa 15 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Gebäude und Einrichtungen Bis in die 1960er Jahre existierte in Marten ein Gebäude, welches im Volksmund als das Rote Haus bezeichnet wurde. Der Überlieferung nach hat Napoleon I. auf seinem Weg nach Russland in diesem Haus übernachtet. Das Rote Haus wurde abgerissen; heute erinnert noch eine Straße an seinen Standort.

Kirchen Bis ins 19. Jahrhundert existierte in Marten keine Kirche. Die Katholiken gehörten zum Kirchspiel Kirchlinde und die evangelischen Einwohner zur Gemeinde der Bartholomäuskirche Lütgendortmund. Aufgrund der steigenden katholischen Bevölkerung in Marten musste eine neue eigene Pfarrkirche errichtet werden. Um die Mittel für den Bau aufbringen zu können, wurde der Martener Bonifatius­verein gegründet. Am 24. Juli 1898 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau auf einem Gelände, welches der Kirche geschenkt wurde. Bereits am 24. Oktober 1899 konnte die katholische Heilige-Familie-Kirche eingeweiht werden.

Die 1908 im Jugendstil erbaute evangelische Immanuel-Kirche ist eine architektonische Besonderheit in der Region. Schon lange vor dem Bau hatte sich die evangelische Gemeinde Martens von der Muttergemeinde Lütgendortmunds getrennt; die Gottesdienste fanden zunächst in einer Scheune auf dem Teinerschen Hof statt. Da dieser Platz nicht ausreichte, wurde der Neubau beschlossen. 1983 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt und 2015 in die „Route der Industriekultur, Sakralbauten“ aufgenommen.

Seit 1929 existiert eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche in Marten, die seit 1953 auch über ein eigenes Kirchengebäude verfügt. 1995 bis 1997 wurden an dem Gebäude in der Altenrathstraße umfangreichen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt.Neuapostolische Kirche in Dortmund-Marten

In der Germania-Siedlung gibt es darüber hinaus noch die katholische Kirche St. Laurentius mit angeschlossenem Kindergarten.

Zeche Germania mini|Fördergerüst der Zeche Germania an seinem neuen Standort

1842 erwarb Friedrich Harkort beim königlichen Bergamt Bochum einen Schürfschein auf Steinkohle für das Gebiet Oespel, der ihm die Erlaubnis gab, Kohle zu fördern. Die ersten Bohrversuche wurde mit finanziellen Mitteln von Heinrich Gottfried Bergfeld unterstützt. Nachdem Harkort seine Beteiligung für 1040 Taler an einen Wittener Glasfabrikanten verkauft hatte, schlossen sich am 3. Juli 1850 alle Bohrfelder zur „Gewerkschaft Vereinigte Germania“ zusammen. Ende 1858 wurde die Förderung aufgenommen. Bis 1867 stellte die Zeche 519 Arbeiter an, die ca. 100.000 t im Jahr förderten. 1872 wurden zwei neue Gewerkschaften gegründet, die Gewerkschaft Müllensiefen und die Gewerkschaft Martener Bergwerks-Verein Germania. Letztere meldet jedoch schon bald Konkurs und wurde durch den Gewerkschaftsverein Germania ersetzt. Im selben Jahr wurde auch der Grundstein für die Schachtanlage 2/3 gelegt, die bald die Förderung aufnahm. Am 14. Februar 1892 schloss sich die Zeche mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zusammen, die von Friedrich Grillo (1825–1888) gegründet und geleitet wurde. Nach diesem Zusammenschluss wuchs die Beschäftigungszahl rasch an.

Von der Zeche sind heute im Wesentlichen nur noch die Lohnhalle und die Schwarzkaue erhalten, die die Ausbildungsstätten des Christlichen Jugenddorfes (CJD) beherbergen. Das Fördergerüst der Schachtanlage ist zwar auch noch erhalten, doch ziert dieser nun das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum.

Bildungseinrichtungen Nach Berichten der Präfektur von 1809 soll die Schulsituation in Lütgendortmund sowie in Marten sehr schlecht gewesen sein. Außerdem heißt es, dass die Schulen heruntergekommen wären und Gelder für Reparaturen gebraucht würden. Später beschloss die Gemeinde, ein neues Schulgebäude unter Kostenbeteiligung der Bürger zu bauen. Im April 1811 erfolgte die Genehmigung des Neubaus. Im Jahre 1852 gingen 38 Jungen und 39 Mädchen in Marten zur Schule. In den 1860er Jahren war die Anzahl der Schulgänger so stark angestiegen, dass das Gebäude nicht mehr ausreichte. Man beschloss, eine zweite Klasse aufzumachen und den Unterricht durch einen weiteren Lehrer schichtweise abhalten zulassen. 1866 beschloss der Landrat Arnsberg, einen weiteren Neubau anzulegen.

Amtshaus Wahrzeichen des Ortsteils ist das ehemalige Martener Amtshaus in der Steinhammerstraße 3, das 2006 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Es wurde 1906 als Zweigstelle des Amtshauses Dorstfeld gebaut und beinhaltete zwei Räume für die Polizei, ein Meldeamt, ein Standesamt und einen großen Sitzungsraum. Ab 1914, als Marten nach der Auflösung des Amtes Dorstfeld eigener Amtsbezirk wurde, war es Sitz des Martener Amtes. Als Marten dann 1928 zu Dortmund eingemeindet wurde, wurde das Gebäude Sitz der Verwaltungsstelle Marten, bis zur Gebietsreform 1975. Das Gebäude hatte später verschiedene Nutzungen, auch hatte die Sparkasse ihren Sitz im Gebäude. Seit 1991 ist das Gebäude Sitz des ZWAR e. V.

Weitere Einrichtungen Direkt neben dem Fußballplatz der Arminia Marten befindet sich eine städtische Jugendfreizeitstätte, die Programme für Kinder und Jugendliche anbietet.

Am nordöstlichen Ortsausgang befindet sich die Feuerwache 5 (West) der Berufsfeuerwehr Dortmund.

Infrastruktur Straßennetz Um den Ortskern von Marten verläuft eine große Einbahnstraße, die sich aus der nach Osten laufenden Schulte-Heuthaus-Straße und der nach Westen führenden Martener Straße zusammensetzt. Senkrecht dazu verlaufen zwei weitere Straßen direkt durch den Ortskern. Die bekanntere von ihnen heißt „In der Meile“, die im Ortskern wie eine kleine Allee angelegt ist.