Projekt 1155 Fregat (, Fregatte oder Fregattvogel), von der NATO als Udaloy-Klasse () bezeichnet, ist eine Klasse von Zerstörern der russischen Marine. Die Einheiten dieser Klasse wurden während der 1980er-Jahre gebaut und sind zum Teil noch heute im Dienst.

Projekt 1155 Fregat I Als in den 1970er-Jahren innerhalb der sowjetischen Marine der Wunsch nach einem neuen Zerstörer-Typ zur Unterstützung der großen Kampfgruppen laut wurde, stellte man folgende Anforderungen an den neuen Entwurf:

Primäraufgabe in der U-Boot-Abwehr große Reichweite Seeausdauer durch Seeversorgung erhöhbar

Durch die NATO werden die Schiffe als DDGH klassifiziert; das Akronym DDGH steht im Amerikanischen für: Destroyer (DD – Zerstörer) Guided Missile (G – Lenkflugkörper) Helicopter (H – Hubschrauber an Bord).

Die Forderungen der sowjetischen Marineführung wurden in der als Udaloy-I-Klasse (in der russischen Marine als Fregat I) bezeichneten Baureihe umgesetzt. Diese Baureihe stellte eine große Verbesserung gegenüber der vorhergehenden Kriwak-Klasse dar, der sie ein Hubschrauberdeck mit der dazugehörigen Bordkomponente (Hangar, Tankanlagen), verbesserte Sonar-Anlagen sowie leichte Flugabwehrfähigkeiten voraus hat.

Einheiten der Udaloy-I-Klasse sind mit zwei Bordhubschraubern ausgerüstet, die über je einen Hangar verfügen, deren Schotten als Rampe zum Flugdeck fungieren. Das Schiff verfügt über das aktive/passive Polinom-Such- und Angriffssonarsystem; die Flugabwehreinrichtungen bestehen aus acht Startern für Flugkörper 3K95 Kinschal sowie AK-630-Geschützplattformen. Bei der AK-630 handelt es sich um eine sechsläufige Gatling-Kanone vom Kaliber 30 mm, die zur Nahabwehr anfliegender Flugkörper oder schneller Ziele wie Hubschrauber, Speedboote oder Flugzeuge dient. Das AK-100 ist ein Marinegeschütz vom Kaliber 100 mm, seine Hauptaufgabe ist der Artilleriekampf gegen feindliche Schiffe, daneben auch gegen Landziele zur Unterstützung amphibischer Landungsoperationen.

Bei den mitgeführten Hubschraubern handelt es sich auf den Udaloy-I-Einheiten um Kamow Ka-25. Es können sowohl die Varianten A, B als auch C verwendet werden. Vermutlich wurde aber nur die Variante A als U-Boot-Jäger verwendet. Die Variante C des Ka-25 dient dem SAR-Dienst (Search and Rescue), die Variante B zur Erweiterung der Auffassreichweite des Feuerleitradars. Die Ka-25 verfügt über eine maximale Reichweite von 216 Seemeilen, knapp 400 Kilometer. Die Bewaffnung besteht aus einem oder mehreren E45-75A-Torpedos oder einer B-1-Wasserbombe, die einen nuklearen Sprengkopf besitzt.

Entwicklung Die Entwicklung der Klasse begann in den frühen 1970er-Jahren, als man in der sowjetischen Marine erkannte, dass es zu kostspielig wäre, nach wie vor auf Einheiten großer Verdrängung zu setzen, die mehrere Einsatzgebiete abdeckten. Bisher waren die Einheiten der sowjetischen Flotte immer mit umfangreichen Systemen für die Flugabwehr (AAW), den Überwasserkampf (SW) sowie die U-Boot-Abwehr (ASW) ausgerüstet. Dies führte zwangsläufig zu Schiffen großer Verdrängung.

Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung eines Konzepts „spezialisierter Überwassereinheiten“. Als direkte Folge wurden durch die Sewernoje-Entwicklungsabteilung zwei verschiedene Entwürfe ausgearbeitet: das Projekt 956 als Zerstörer und das Projekt 1155 als großer U-Boot-Jäger. Somit war von Beginn an klar, dass der Großteil an Waffensystemen der U-Boot-Jagd dienen sollte. Dies führte später zur Kategorisierung als großer U-Boot-Jäger ersten Ranges.

Bewaffnung mini|AK-100-Geschütztürme und geöffnete Backbord-Startrohre mit URK-5-Marschflugkörpern Auch wenn das Projekt 1155 allgemein als das sowjetische Gegenstück zur Spruance-Klasse der United States Navy gesehen werden kann, so gilt dies jedoch nicht für alle Einheiten der Udaloy-I-Klasse. Innerhalb der Klasse weisen die einzelnen Einheiten Unterschiede in den Bereichen Flugabwehr und Flugabwehrradaranlagen auf.

Nicht alle aktiven Einheiten verfügen über die gleiche Ausstattung. Die Betonung der Rolle als U-Boot-Jäger ließ den Schiffen der Udaloy-Klasse nur rudimentäre Wirkfähigkeiten gegen Seeziele und Luftziele. So besteht die Ausrüstung für den Kampf gegen feindliche Schiffe nur aus zwei AK-100-Geschützen sowie vier Schiff-Schiff-Flugkörpern. Die URK-5 Rastrub wird von der NATO als SS-N-14 Silex bezeichnet. Sie ist ein Trägersystem für Torpedos vom Typ AT-2, UGMT-1, APR-3M oder MPT-1ME. Weiter kann der Flugkörper auch mit einer nuklearen Wasserbombe mit 5–10 kT bestückt werden. Es existiert zudem eine Schiff-Schiff-Version der SS-N-14 mit einem Suchkopf und konventionellem Sprengkopf. Die Flugkörper sind in zwei quadratischen geneigten Vierfach-Startern unter der Brücke eingerüstet. In jedem Starter befinden sich zwei Silex zur Bekämpfung von U-Booten sowie zwei Anti-Schiff-Versionen der Silex.

Flugabwehr mini|Bug der Udaloy mit 3K95-Kinschal-Flugabwehrsystem Die Flugabwehrwaffen umfassen zwei Flugabwehrraketen-Komplexe 3K95 Kinschal (NATO-Codename SA-N-9 Gauntlet). Jeder dieser Komplexe besteht aus einem 3R95-Feuerleitradar (NATO-Codename Cross Sword) sowie vier 3S95-Senkrechtstartanlagen für Flugkörper. Jede Startanlage kann acht Raketen aufnehmen, so dass insgesamt 64 Flugabwehrraketen zur Verfügung stehen. Vier Starter befinden sich im Bug, zwei zwischen den Torpedorohren und zwei weitere auf dem Hangaraufbau zwischen den RBU-Werfern. Ein Feuerleitradar befindet sich auf einer runden Plattform oberhalb des Hangars. Ein weiterer ist oberhalb der Brücke verbaut. Da es bei der Entwicklung von dem 3K95-Komplex zu Verzögerungen kam, wurden die ersten drei Schiffe ohne diesen in Dienst gestellt. Erst das vierte Schiff, die Admiral Sacharow ist mit dem 3K95-Komplex ausgerüstet.Stephen Saunders: ‘’Jane’s Fighting Ships, Edition 2015–2016’’. 2015. S. 695.

Torpedos Die Schiffe verfügen über acht Torpedorohre vom Kaliber 533 mm. Standardmäßig sind sie mit Torpedos vom Typ 53 bestückt. Aber auch der Einsatz des Anti-U-Bootkomplexes RPK-6 Wodopad-NK (SS-N-16 Stallion) ist möglich. Die Rohre befinden sich in zwei Vierfachstartern, jeweils einem an Backbord und einem an Steuerbord, zwischen Hangar und mittlerem Schiffsaufbau. Des Weiteren sind RBU-6000-Raketenwerfer mit einer Wurfreichweite von bis zu 6000 Metern zur U-Boot-Jagd installiert. Die beiden Werfer befinden sich auf dem Hangaraufbau. Eine Salve umfasst zwölf Raketen und kann auch zur Abwehr von Torpedos verwendet werden.

Radar Die Schiffe verfügen über moderne elektronische Anlagen. Hierzu gehört unter anderem das MR-760MA-Fregat-MA-Luftraumüberwachungsradar. Es ist jedoch unklar, welche Anlage sich genau hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Viele Quellen bezeichnen das System auch als Top Plate 3-D. Das Radar Top Plate trägt jedoch die Bezeichnung MR-700 „Fregat“ und besteht aus zwei gegenüber der Horizontalen abgewinkelten Planar-Antennen. Diese beiden Antennen sind jedoch in unterschiedlichen Winkeln montiert worden, um den geringen Messfehler des Radars während der Drehung zu korrigieren. Des Weiteren existiert in der russischen Marine das Top-Steer-Radarsystem, welches als „Fregat“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein S-Band-System ähnlich dem amerikanischen SPS-39. Die Bezeichnung MR-760A könnte auf eine Kombination des MR-700-Systems mit dem Top-Steer-System hindeuten.

Das Horse-Jaw-Niederfrequenzsonar ist der Nachfolger des Orion-Jaw-Sonarsystems. Es verfügt über einen Suchbereich von 360° und eine Reichweite von 30/60/120 km. Das zugehörige VDS (variable depth sonar; dt.: Sonar mit veränderbarer Suchtiefe) ist das Horse-Tail-System. Beide Systeme basieren auf „akquirierter“ französischer Technologie, die wiederum auf amerikanischer Technologie basiert.

Eye Bowl ist ein Feuerleitradar für die SS-N-14, arbeitet auf dem S-Band und ermöglicht die „Command Guidance“ des Flugkörpers nach dem Start. Drakon wird vollständig als MR-145-Drakon beziehungsweise Kite Screech A bezeichnet und basiert auf den C/X/Ka-Bändern. Es kontrolliert die AK-100-Geschütztürme. Kite Screech B wird auf den Udaloy-II-Einheiten zur Kontrolle der AK-130-Geschütztürme eingesetzt. In beiden Fällen besteht das System aus einem Präzisionsmessgerät (Ka-Band) und einem Zielerfassungsgerät (C/X- oder nur X-Band).

Das MR-320 ist ein konventionelles Oberflächensuchradar, welches ursprünglich als Palm Frond bezeichnet wurde. Durch Kombination mit dem Strut-Pair-S-Band-Luftraumüberwachungsradar entstand das MR-320 Podkat, das auf der Udaloy-Klasse eingerüstet wurde. Strut Pair verfügt jedoch über keine Stabilisierungstrebe hinter der Antenne, was darauf hindeuten könnte, dass es nicht seegangsstabilisiert ist.

Cross-Sword ist das Feuerleitsystem für die 3K95-Flugabwehrraketen und verfügt über eine phasenadaptive Planarantenne zur Verfolgung und Steuerung der Flugkörper. Bell Shroud ist eine Störanlage zum Einsatz gegen die Q-Band-Systeme westlicher Flugzeuge, die in den 1960er-Jahren eingeführt wurden.

Bell-Crown ist das dem amerikanischen Link-System ähnliche Kommandosystem der russischen Marine. Es erlaubt dem Flaggschiff, Befehle an die unterstellten Einheiten zu senden. Diese Befehle werden dann durch das „Second-Captain“-System der Einheiten bearbeitet.

Antrieb Die Antriebsanlage des Schiffes bildet ein COGAG-Antrieb. COGAG steht für Combined Gas and Gas und bedeutet im Falle der Udaloy I und Udaloy II, dass pro Welle eine Gasturbine für Marschfahrt (M62 mit 9.000 PS) und eine Gasturbine für Fahrten mit äußerster Kraft (M8KF mit 22.000 PS) vorhanden sind. Diese Turbinen ermöglichen den Einheiten dieser Klasse eine Höchstgeschwindigkeit von 29 Knoten bei maximaler Verdrängung. Die Schiffe verfügen über zwei Wellen mit je einem Propeller.

Die Schiffe messen bei einer Länge über alles 163 m, eine Breite von bis zu 19,7 m und einen Tiefgang von bis zu 7,9 m. Sie verdrängen voll ausgerüstet 7570 Tonnen. Die Besatzungsstärke beträgt bis zu 249 Mann, von denen vermutlich 30 zur Bordhubschrauberkomponente zählen.

Kiellegung des Typschiffs Udaloy erfolgte 1978. Zwölf Einheiten wurden in einer Rate von maximal zwei Schiffen pro Jahr bis 1991 fertiggestellt. Das letzte Schiff mit Udaloy-I-Konfiguration lief im Juli 1991 der Flotte zu.

Technische Daten Projekt 1155 Fregat I