mini|Franz Horn im Alter von 34 Jahren (um 1815) Franz Christoph Horn (* 30. Juli 1781 in Braunschweig; † 19. Juli 1837 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Literarhistoriker und Shakespeare-Kenner.

Leben und Werk Herkunft Franz Horn hatte fünf Geschwister, drei Brüder und zwei Schwestern. Er selbst war das jüngste Kind.Caroline Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. Brockhaus, Leipzig 1839. S. 115–116. Seine Eltern waren der braunschweigische Oberzahlmeister und Generallazarettverwalter Ernst Wilhelm Horn (1732–1812) und dessen Ehefrau Sophie Dorothea Meyerhoff (1737–1787), eine Tochter des hannoverischen Rittmeisters aus der Garde du Corps Theophil Meyerhoff und der Sophie Margarethe Grupen. Sein Bruder Ernst (1774–1848) wurde 1806 in Berlin Professor an der medizinisch-chirurgischen Militärakademie und 1821 auch Professor der Heilkunde an der Universität. Seine Schwester Henriette heiratete Karl Franz Christian Wagner (1760–1847), einen Professor der klassischen Philologie in Marburg. Er hatte noch zwei bedeutende Neffen, den Mediziner Wilhelm von Horn (1803–1871) und den Oberpräsidenten Karl von Horn (1807–1889).

Schaffensjahre Horn besuchte das Braunschweiger Katharineum und das Collegium Carolinum. Nach dem Schulabschluss blieb er zunächst im Elternhaus, wo er einige Dramen verfasste, die er noch in Braunschweig 1799 – anonym – veröffentlichte. Sein Talent als Dramatiker war jedoch sehr bescheiden.Kurt Hoffmeister: Braunschweigs Literaten. 140 Autorenportraits. Books on Demand, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7412-4042-3. S. 96–97. Ab Ostern 1799 studierte er in Jena die Rechte, fand daran aber keinen Gefallen und ging im Herbst des folgenden Jahres an die Universität Leipzig, wo er ein Studium der Geschichte, Philosophie und Ästhetik aufnahm.Heinemann: Horn, Franz. Noch während des Studiums, das er 1802 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss, veröffentlichte er drei Romane und mehrere Übersetzungen von Tragödien Senecas.

Nach der Studienzeit kehrte er für kurze Zeit nach Braunschweig zurück, wo er seinen vierten Roman konzipierte, das zweibändige Werk Henrico (1804/1805).Hoffmeister: Braunschweigs Literaten. S. 97. Er entschied sich für den Beruf des Lehrers und ging nach Berlin, wo er, gefördert vom preußischen Schulreformer Friedrich Gedike, ab 1803 eine Stellung als außerordentlicher Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster innehatte. Horn schloss sich poetisch-geistigen Zirkeln an, die in der Literatur Goethe und Schiller, in der Philosophie Hegel und Schelling als Leitfiguren betrachteten. In der Folge stand er in Kontakt mit zahlreichen führenden Personen des Geisteslebens im Zeitalter von Idealismus und Romantik, darunter Johann Gottlieb Fichte, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Novalis, Ludwig Tieck und Heinrich von Kleist.Allgemeine Preußische Staatszeitung, 24. Juli 1837, S. 4. Heinemann: Horn, Franz. Ein enger Freund erwuchs in Friedrich de la Motte Fouqué, für den Horn auch zweimal als Herausgeber tätig war.

Im Winter 1804/1805 hielt Horn in Berlin öffentliche Vorlesungen über deutsche Poesie und Beredsamkeit, die großes Interesse wegen seiner innovativen Ideen hervorriefen und daher noch im Jahr 1805 in Druck gingen. Achim von Arnim, der einem Vortrag Horns über Andreas Gryphius beigewohnt hatte, lobte in einem Brief an Clemens Brentano die Qualitäten des Redners, der „unendlich ideenreicher und belehrender“ als Johann Joachim Winckelmann sei und zudem vollkommen frei vortrage.Achim von Arnim an Clemens Brentano, 25. März 1805. In: Reinhold Steig (Bearb.): Achim von Arnim und Clemens Brentano (= Achim von Arnim und die ihm nahe standen, Erster Band). Cotta, Stuttgart 1894. S. 135–137, hier S. 137.

Eine Bewerbung Horns um die Professur für Ästhetik und Geschichte an der Universität Erlangen in dieser Zeit blieb erfolglos, vielleicht auch weil sie von Friedrich Nicolai hintertrieben worden war, der Horn für einen Unruhestifter mit gefährlichen weltanschaulichen und ästhetischen Prinzipien hielt.Übereinstimmend hier: Schramm-Macdonald: Horn, Franz Christoph. Heinemann: Horn, Franz. Auf Anregung und Vermittlung seines ältesten Bruders Friedrich Horn, Senator in Bremen, nahm er stattdessen die Stellung als dritter Lehrer am dortigen Lyceum an. Noch vor seinem Weggang aus Berlin verlobte Franz Horn sich mit Rosalie Gedike, der Tochter seines inzwischen verstorbenen Förderers Friedrich Gedike.Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. S. 115–116. Aus der 1806 in Berlin geschlossenen Ehe der beiden gingen ein Sohn und eine Tochter hervor, die aber beide früh verstarben.Franz Christoph Horn, Doktor der Philosophie zu Berlin. In: Neuer Nekrolog der Deutschen, 1837. Jg. 15, Band 2. Voigt, Weimar 1839. S. 715–724, hier S. 719. Heinemann: Horn, Franz.

Schon in jungen Jahren von einer schweren Krankheit geplagt, die in Darstellungen wahlweise als GichtAllgemeine Preußische Staatszeitung, 24. Juli 1837, S. 4., RheumaHeinemann: Horn, Franz. oder schlicht „ein Nervenleiden“Schramm-Macdonald: Horn, Franz Christoph. identifiziert wird, kehrte er Bremen 1809 den Rücken, weil er das dortige Klima nicht vertrug, und ging zurück nach Berlin.Schramm-Macdonald: Horn, Franz Christoph. Das Lyceum hielt seine Stelle zwar noch anderthalb Jahre lang offen in der Hoffnung, er könne zurückkehren, aber Horn musste seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer schließlich sogar ganz aufgeben. Auch andere Möglichkeiten geregelter Erwerbstätigkeit waren ihm nun verschlossen. In der Folge erteilte er nur noch privaten Unterricht und widmete sich sonst seinem literarischen Schaffen.Neuer Nekrolog der Deutschen, 1837. S. 719–720. In dieser Zeit veröffentlichte er Biografien über den Großen Kurfürsten und Friedrich I., die im Kontext des patriotischen Schrifttums der Zeit der Befreiungskriege standen.Heinemann: Horn, Franz. Er verfasste auch „historische Gemälde“ über eine Reihe römischer Kaiser, darunter Tiberius und Nero, Darstellungen mit stark literarischem Einschlag.

Am 23. April 1816, dem 200. Todestag von William Shakespeare, wurde in Berlin eine Hornsche Bearbeitung des Hamlet in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel uraufgeführt, für die Horn auch einen Prolog gedichtet hatte, das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Berliner Theaterintendanz, die im Vorjahr auf den Weg gebracht worden war. Der Erfolg der Inszenierung ermutigte Horn, seine langjährige Beschäftigung mit dem Werk des englischen Dichters zu intensivieren. Die Ergebnisse seiner Studien präsentierte er im folgenden Jahrzehnt in Form von Vorträgen, die einen kleinen Kreis treuer Zuhörer in den Wintermonaten zusammenführte. Später verwandelte Horn diese Vorträge in schriftliche Interpretationen der einzelnen Schauspiele Shakespeares, die zwischen 1823 und 1831 in fünf Bänden erschienen. Weitere Vorlesungen knüpften an seine frühere Auseinandersetzung mit der deutschen Literaturgeschichte an und wurden dann ebenfalls in zwei mehrbändigen Werken veröffentlicht (1819–1821 und 1823–1829).Neuer Nekrolog der Deutschen, 1837. S. 719–721. Schramm-Macdonald: Horn, Franz Christoph. Für eine Beschreibung der Umstände von Horns Vorträgen siehe den Beitrag eines regelmäßigen Zuhörers: Friedrich de la Motte Fouqué: Ueber Franz Horn's literarische Vorlesungen in Berlin. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. Ein Volksblatt. Jg. 8, Nr. 84, 26. Mai 1824, S. 417–418.

Die Verschlimmerung seines Leidens zwang ihn 1828, die von ihm geliebte Vorlesungstätigkeit einzustellen. Seine Produktion als Autor beschränkte sich bereits seit längerem, ebenfalls krankheitsbedingt, auf kürzere Werke – Novellen und Beiträge zu Zeitschriften, die er oft nicht mehr selbst schreiben konnte, sondern seiner Frau diktierte. Die führenden Literaturzeitschriften der Zeit brachten Beiträge von ihm zu den Themen Literatur, Ästhetik und Theater.Heinemann: Horn, Franz. Allgemeine Preußische Staatszeitung, 24. Juli 1837, S. 4. Morgenblatt für gebildete Leser, 28. August 1837, S. 824. Neuer Nekrolog der Deutschen, 1837. S. 719–723. 1816 erschien in Fouqués Frauentaschenbuch erstmals Horns heute bekanntestes literarisches Werk, die Novelle Der ewige Jude.Franz Horn: Der ewige Jude. In: Frauentaschenbuch für das Jahr 1816. Schrag, Nürnberg 1816. S. 102–187.

Tod und Grabstätte mini|hochkant|Das nicht erhaltene Grabdenkmal auf dem Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof Anfang des Jahres 1837 entwickelte sich bei Horn ein gefährlicher Hydrothorax, der sich trotz intensiver Fürsorge mehrerer Mediziner in der Familie weiter verschlimmerte. Franz Horn starb, elf Tage vor seinem 56. Geburtstag, am 19. Juli 1837 in Berlin. Zu denjenigen, die ihn bis zuletzt gepflegt hatten, zählten neben Gattin und Schwiegermutter auch die große Bewunderin Caroline Bernstein. Sie setzte dem Freund dann ein „biographisches Denkmal“, das aber erst 1839 und damit nach ihrem eigenen Tod erschien.Allgemeine Preußische Staatszeitung, 24. Juli 1837, S. 4. Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. S. 8–12.

Die Trauerfeier für Horn, geleitet von Friedrich August Pischon, fand am 21. Juli in der Wohnung des Verstorbenen im Beisein vieler Freunde und Schüler statt. Anschließend erfolgte die Beisetzung auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden an der Chausseestraße. Das später errichtete Grabdenkmal, ein mehrfach gesockelter Zippus aus grauem Marmor, trug an der nach Osten gerichteten Vorderseite ein von Christian Friedrich Tieck geschaffenes Marmortondo mit dem Porträt des Toten im Profil.Allgemeine Preußische Staatszeitung, 24. Juli 1837, S. 4. Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. S. 331–333, 403.

Das Grab befand sich auf dem alten Friedrichswerderschen Teil des Friedhofs, der 1887 im Zuge der Verbreiterung der heutigen Hannoverschen Straße eingeebnet wurde. Während die benachbarten Grabstätten von Hegel, Fichte und Hufeland in den Dorotheenstädtischen Teil des Friedhofs verlegt wurden und dort erhalten sind, ging die letzte Ruhestätte von Franz Horn verloren.Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. S. 332–333, 403. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 92, 99.

Rezeption Das Gesamtwerk Franz Horns, sowohl seine literarischen wie auch seine literaturwissenschaftlich-ästhetischen Schriften, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Dieses Schicksal deutet sich bereits in einem – durchaus wohlwollenden – Nekrolog an, der nach seinem Tod 1837 erschien, wo der nicht einmal sechzigjährig Verstorbene als „Vertreter einer abgelaufenen Zeit“ charakterisiert wird.Morgenblatt für gebildete Leser, 28. August 1837, S. 824. Die frühe Apotheose, die Caroline Bernstein ihm bereits im Jahr nach seinem Tod in Form einer hagiographischen Lebensbeschreibung zugestand, steht einsam da und ist nur im Kontext ihrer eigenen, von Krankheit geprägten Biografie angemessen zu verstehen.Bernstein: Franz Horn. Ein biographisches Denkmal. Schramm-Macdonald: Horn, Franz Christoph. Nur eine weitere Arbeit zu Leben und Werk von Franz Horn in Buchlänge liegt vor, nämlich die Druckfassung einer Dissertation von Lisel Grützmacher aus dem Jahr 1927, die Horn bezeichnenderweise als Studienobjekt für Fragen des Wandels literarischen Geschmacks wählte.Franz Horn, ein Nachfahre der Romantik. Universitas-Verlag, Münster 1928.

Bereits Zeitgenossen äußerten sich sehr harsch über Horns Bedeutung als Autor. Ein Beispiel ist Franz Grillparzer im Jahr 1823August Sauer (Hg.): Grillparzers sämtliche Werke in zwanzig Bänden. Band 18: Studien zur deutschen Litteratur. Zum eigenen Schaffen. Cotta, Stuttgart und Berlin 1893. S. 90.: