Die Transaktionskostentheorie (oder Transaktionskostenansatz, TKA; ) ist eine Organisationstheorie, die zur Neuen Institutionenökonomik gezählt wird und in welcher der Vertrag als Organisationsform im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht. Mit der Transaktionskostentheorie möchte man erklären, warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements, also Organisationsformen des Tausches, mehr oder weniger effizient abgewickelt und organisiert werden.M. Ebers, W. Gotsch: Institutionenökonomische Theorien der Organisation. In: A. Kieser (Hrsg.): Organisationstheorien. 3., überarb. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1995, ISBN 3-17-013777-8, S. 225. Sie geht davon aus, dass jegliches Handeln in einer Marktwirtschaft mit Kosten verbunden ist. In einem modellhaft angenommenen vollkommenen Markt gibt es definitionsgemäß keine Transaktionskosten.
Grundbegriffe
500px|mini|Das Modell zeigt Institutionen und den Markt als mögliche Organisationsform zur Abwicklung von Transaktionen. Die Gründung oder das Vergrößern eines Unternehmens (Anteilskäufe, Insourcing) ist immer dann wirtschaftlich, wenn die Transaktionskosten des Marktes höher sind als die internen Transaktionskosten. Sind die internen Transaktionskosten höher als die externen Transaktionskosten, dann erfolgt eine Verkleinerung (Anteilsverkäufe, Outsourcing) des Unternehmens.
Transaktionen sind die Grundeinheiten der Analyse in der Transaktionskostentheorie. Damit werden alle Übertragungen von Verfügungsrechten an Gütern und Dienstleistungen in Austauschbeziehungen zwischen mindestens zwei Vertragspartnern bezeichnet.
Als eine ökonomische Theorie ist die Effizienz der Transaktionen ein wichtiger Treiber. Gemeint ist hier der möglichst sparsame Einsatz von knappen Ressourcen. Solche werden nicht nur bei Erstellung des Tauschgutes oder einer Dienstleistung verbraucht (Aufkommen von Produktionskosten), sondern auch für die Abwicklung und Organisation des Austauschs (Aufkommen von Transaktionskosten).
Williamson, nach dem Theoriegeber Coase der bedeutendste Vertreter des TKA, differenziert noch weiter zwischen ex-ante- und ex-post-Transaktionskosten. Ex-ante-Transaktionskosten wie etwa Informations-, Verhandlungs- und Vertragskosten sind Kosten, die vor Zustandekommen des Vertrags anfallen. Ex-post-Transaktionskosten sind Kosten für die Kontrolle, Durchsetzung und nachträgliche Vertragsanpassungen, die nach Vertragsabschluss und Leistungsaustausch anfallen können.
Transaktionen sind dann effizient, wenn die Akteure eine Organisationsform wählen, die in der Summe die geringsten Produktions- und Transaktionskosten aufweist.
Verhaltensannahmen
Die Transaktionskostentheorie unterstellt den Vertragspartnern: Begrenzte Rationalität: Aufgrund von Beschränkungen hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten, Zeit, des Wissens sowie der Verarbeitungskapazität von Informationen können die jeweiligen Akteure am Markt nur begrenzt rational handeln. Bei unsicheren zukünftigen Marktbedingungen hat dies Einfluss auf die Vertragsgestalten von Unternehmen, da nicht alle möglichen Bedingungen vertraglich festgelegt werden können. Opportunismus: Die ökonomischen Akteure verfolgen, im Sinne der eigenen Nutzenmaximierung, prinzipiell ihre eigenen Interessen und greifen dabei auch zur Täuschung, wenn dem Vertragspartner Informationen fehlen, diese zu entdecken. Darunter fallen Verzögerungen durch den Zulieferer sowie ein von ihm getätigter minderer Aufwand zur Zielerreichung. Verzögerungen können für Hersteller besonders problematisch sein, wenn die Herstellung der eigenen Produkte durch voneinander abhängige Herstellungsprozesse zu einem klar bestimmten und nicht veränderbaren Zeitpunkt abhängig von den Komponenten des Zulieferers ist. Es kann zu opportunistischem Verhalten vor und auch nach dem Vertragsabschluss, z. B. in Form von Nachverhandlungen auf Basis von asymmetrischer Informationsverteilung und damit zu der Möglichkeit der Täuschung durch den Zulieferer, kommen. Je höher der Grad der Unsicherheit zukünftiger Marktbedingungen ist, desto schwieriger ist es, im Vertrag alle Bedingungen festzulegen, was zu einer Förderung möglichen opportunistischen Verhaltens führt. Risikoneutralität: Im Rahmen der Transaktionskostentheorie wird zur Vereinfachung angenommen, dass die Beteiligten sich hinsichtlich des Risikos neutral verhalten und alle den gleichen Grad an Risikobereitschaft aufzeigen.
Basierend auf diesen drei Verhaltensannahmen sollen Unternehmen ihre Prozesse der Klärung und Leistungsvereinbarung so gestalten, dass die Probleme, welche sich aus der Unsicherheit zukünftiger Marktbedingungen, der beschränkten Rationalität sowie eines möglichen opportunistischen Verhaltens der Geschäftspartner ergeben, minimiert werden.
Transaktionscharakteristika
In der Transaktionskostentheorie beeinflussen drei Faktoren die Kosten:
Transaktionsspezifische Investition (Faktorspezifität): Ist ein Vermögenswert, welcher zur Herstellung eines Produktes benötigt wird, spezifisch auf ein Unternehmen ausgerichtet und lässt sich nicht profitabel für andere Anwendungen einsetzen, dann spricht man von Faktorspezifität. Weiter wird zwischen vier Arten der Faktorspezifität unterschieden: Standortspezifität: Diese kommt vor, wenn ein Unternehmen sich an einem Standort nahe dem Vertragspartner niederlässt, um die Transportzeit, Lagerhaltung und Produktionskosten zu senken und es diesen Standort nur schwer nutzen kann, um mit anderen Unternehmen geschäftliche Beziehungen einzugehen. Physikalische Spezifität: Hier ist die Produktarchitektur der eigenen Komponenten oder aber auch die für den Herstellungsprozess genutzten Maschinen und Werkzeuge auf den jeweiligen Geschäftspartner ausgelegt und können nicht für Beziehungen mit anderen potenziellen Geschäftspartnern genutzt werden. Humanspezifität: Das Wissen, die Fähigkeiten, Kommunikationskanäle und die Problemlösungsstrategien der Unternehmen sind spezifisch auf eine Geschäftsbeziehung zwischen Hersteller und Zulieferer ausgerichtet. Zweckbestimmte Spezifität: Hierbei werden Investitionen in Einrichtungen getätigt, um die Anforderungen des jeweiligen Geschäftspartners zu erfüllen.
Unsicherheit: Hier wird zwischen der parametrischen Unsicherheit, welche die Unsicherheit über zukünftige Umweltzustände, unter denen die vertraglich vereinbarten Leistungen getätigt werden und der Verhaltensunsicherheit über das mögliche opportunistische Verhalten des jeweiligen Partners unterschieden. Beide Unsicherheitsfaktoren tragen dazu bei, dass die Transaktionskosten vor und nach der Vertragsvereinbarung steigen, da mehrere Umweltbedingungen und Verhaltensmuster vorausgeahnt und vereinbart werden müssen und es durch die begrenzte Rationalität meist zu späteren Anpassungen und Nachverhandlungen kommt. Häufigkeit: Mit zunehmender Anzahl identischer oder ähnlicher Transaktionen zwischen den Beteiligten kann es zu einer Fixkostendegression, Lern-, Skalen- und Synergieeffekten kommen, welche die durchschnittlichen Produktions- wie auch Transaktionskosten senken. Dieser Effekt ist im Vergleich zu den ersten beiden Einflussgrößen jedoch eher von untergeordneter Bedeutung.
Merkmale institutioneller Arrangements
Williamson unterscheidet drei Arten von Vertragsbeziehungen, die institutionelle Organisationsformen begründen: klassische Verträge – Abwicklung von Transaktionen über den Markt: Als Beispiel hierfür kann ein normaler Kaufvertrag über ein einfaches Produkt herangezogen werden. Die Vertragsbedingungen sind vorab fix festgelegt, die Transaktion ist von kurzer Dauer und keiner der Partner rechnet mit nachträglichen Anpassungen des Vertrags. neoklassische Verträge – Abwicklung über langfristige Verträge: Hier handelt es sich um Transaktionen, bei denen die Vertragspartner nicht vorweg sämtliche Bedingungen in Verträgen festlegen können und deshalb mit Anpassungsbedarf rechnen. Dies erfolgt durch Sicherungs-, Anpassungs- und Garantieklauseln. Als Beispiele können Joint-Ventures oder Franchising genannt werden. Williamson nennt dieses institutionelle Arrangement die hybride Form. relationale Vertragsbeziehungen – Abwicklung in Organisationen: Diese Vertragsbeziehung beschreibt eine komplexe soziale Beziehung, die gemeinsame Entscheidungen der Transaktionspartner und abgestimmte Anpassungen und Entwicklung erfordern. Williamson nennt hier als Beispiel die Abwicklung von Transaktionen in Organisationen selbst, also Leistungserstellung im Unternehmen.
Hauptaussage
Ein Güter- oder Leistungsaustausch, der geringe Unsicherheit aufweist und nicht mit transaktionsspezifischen Investitionen (Faktorspezifität) verbunden ist, wird über das institutionelle Arrangement Markt abgewickelt werden. Durch die Vielzahl der vorhandenen Konkurrenten wird opportunistisches Handeln des Vertragspartners eingeschränkt. Zusätzlich ist eine nachträgliche Vertragsanpassung mit geringen Kosten verbunden und kann auch von einem Vertragspartner autonom durchgesetzt werden, indem er sich zum Beispiel einen neuen Anbieter sucht.
Mit zunehmender Abhängigkeit der Vertragspartner durch hohe transaktionsspezifische Investitionen (Faktorspezifität), zum Beispiel in eine neue Fertigungsanlage, steigt der Anreiz der Vertragspartner, opportunistisch zu handeln, um sich somit die Quasi-Renten anzueignen.
Somit ist eine hybride Organisationsform die geeignetste Form, in der sich die Vertragspartner durch Vereinbarung von Informationspflichten oder Sanktionen bei Nicht-Vertragserfüllung vor opportunistischem Verhalten schützen und mögliche anfallende Nachverhandlungs- oder Anpassungskosten vorwegnehmen.
Eine organisationsinterne Leistungserstellung ist bei sehr großer Unsicherheit und großen transaktionsspezifischen Investitionen (Faktorspezifität) das kostengünstigste institutionelle Arrangement. Es können vorweg Transaktionskosten wie Informationsbeschaffung, Verhandlungs- und Vertragskosten eingespart werden; und auch spätere Anpassungen sind intern wesentlich leichter abzuwickeln. Durch ein eigenes Steuerungs- und Kontrollsystem in der Organisation kann opportunistisches Verhalten möglicherweise ganz ausgeschaltet werden.
Ziel ist die Wahl derjenigen Organisationsform, bei der die Transaktionskosten der Koordination (Information und Kommunikation) minimal sind und die größtmögliche Effizienz des Austausches und die Absicherung der Investitionen gewährleistet sind.
Der Erfolg der Transaktion hängt im Wesentlichen von der Neigung der Akteure zum Opportunismus ab. Je kleiner die Anzahl der Akteure, desto größer ist die Neigung zum Opportunismus (small numbers problem).
mini|320px|Markt vs. Hierarchie abhängig von der Spezifität Die Grafik Markt vs. Hierarchie abhängig von der Spezifität zeigt die Zusammenhänge zwischen den möglichen institutionellen Arrangements und der Faktorspezifität. Hier werden interne Leistungserstellung, also die Form der relationalen Vertragsbeziehung, als Hierarchie betitelt und die hybride Organisationsform als Netzwerk.Siehe Olaf N. Rank: Formale und informelle Organisationsstrukturen – Eine Netzwerkanalyse des strategischen Planungs- und Entscheidungsprozesses multinationaler Unternehmen. (bei Google Books); Sekundärquellen: Williamson (1991, S. 277–281); Sydow (1992, S. 98); Thorelli (1986, S. 37); Tröndle (1987, S. 24–25); Picot (1982); Stinchcombe (1985, S. 121–127); Rath (1990, S. 12–20). Anzumerken ist hierbei, dass nicht alle Autoren von Netzwerken sprechen. So verwenden Tröndle und Rath beispielsweise den allgemeineren Begriff der Unternehmenskooperation, während Stinchcombe von Verträgen spricht. Danach sind Transaktionen mit hoher Spezifität besser in der Hierarchieform abzuwickeln, mit niedriger Spezifität hingegen über den Markt.
Die Einordnung der Unternehmensnetzwerke (eigenständige Organisationsform zwischen Markt und Hierarchie oder eine intermediäre Form) ist aber noch fraglich.
Anwendungsbereiche