mini|260x260px|Luftbild von Wittelshofen aus Richtung Süden (Februar 2026) Wittelshofen (fränkisch: Wittlshoff) ist eine Gemeinde im Landkreis Ansbach in Mittelfranken und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hesselberg.
Geografie mini|Blick vom Hesselberg auf das Gemeindegebiet 2005 mini|Blick vom Hesselberg auf Wittelshofen 2019 mini|Wittelshofen an der Wörnitz und am Hesselberg
Geografische Lage Die Gemeinde liegt an der Mündung der Sulzach in die Wörnitz am Fuße des Hesselbergs.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind: Langfurth Ehingen Gerolfingen Weiltingen Wilburgstetten Dinkelsbühl (Aufzählung im Norden beginnend im Uhrzeigersinn)
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Dühren, Illenschwang, Obermichelbach, Untermichelbach und Wittelshofen. Die Gemarkung Wittelshofen hat eine Fläche von 5,579 km². Sie ist in 751 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7429,26 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Grabmühle.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Der Ort wurde 1274 als „Witelshoven“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Witold bzw. Witolf. Eine Person dieses Namens ist als Gründer anzunehmen.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 246 f. Wahrscheinlich dürfte die Siedlung schon früher entstanden sein. Dass die am Zusammenfluss von Sulzach und Wörnitz stehende Kapelle dem hl. Martin geweiht war, bietet einen Anhaltspunkt für eine karolingerzeitliche Gründung im 8. Jahrhundert n. Chr.
Im alten Ortskern, auf einer Erhöhung, steht die heutige Pfarrkirche St. Martin, die bis 1627 Filialkirche von St. Johannis in Aufkirchen war. Im Osten des Dorfes befindet sich am Ufer der Sulzach ein Dorfbereich, bei dem es sich möglicherweise um einen weiteren Siedlungskern handelt. Der Norden des Dorfes wird durch eine Wasserburg bestimmt, von der noch Mauer- und Grabenreste sowie ein Teil der Vorburg mit der Zehntscheune erhalten sind. Es ist anzunehmen, dass auf dem Burghügel im 11. Jahrhundert ein Holzturm gestanden hatte, der im 12. Jahrhundert zu einer Steinburg umgebaut wurde. Für die Anlage der Burg in diesem Gelände waren sicher die Wasserverhältnisse des Bodens maßgebend. Im Jahre 1277 verpfändete der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg den Zehnt von Wittelshofen und Gerolfingen an die Herren von Nortenberg. Von 1300 bis 1380 befand sich die Burg im Besitz der Herren von Merkingen, die ihn dem Bürger Wilhelm Hofer von Lobenstein verkaufte. Von diesem ging der Besitz an das Stift St. Gumbertus in Ansbach über, von welchem ihn 1525 die Markgrafen übernahmen. Seitdem war er in markgräflicher Hand geblieben. Der Einfluss der Markgrafen von Ansbach dauerte bis 1791. Im Jahre 1856 wurde das ehemalige Markgrafenschloss durch Brand zerstört.
Die Fraisch über Wittelshofen war umstritten. Sie wurde sowohl vom ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen als auch vom oettingen-spielbergischen Oberamt Dürrwangen beansprucht. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das ansbachische Vogtamt Wittelshofen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wittelshofen 92 Anwesen. Außerdem gab es eine Synagoge, eine Kirche, ein Pfarrhaus, ein Gemeindeschul- und -hirtenhaus. Grundherren waren ansbachische Ämter (88 Anwesen; Kastenamt Wassertrüdingen: 1 Gut, 1 Haus, 1 Häuslein, 1 Zweidrittelhaus, 1 Drittelhaus; Vogtamt Wittelsbach: 1 Mühle, 1 Ziegelhütte, 1 Erbschenkstatt, 1 Badstube, 6 Höfe, 8 Halbhöfe, 1 Fischgut, 28 Sölden, 15 Halbsölden, 2 Viertelsölden, 9 Söldenhäuser, 8 halbe Söldenhäuser, 1 Zweidrittelhaus, 1 Drittelhaus) das Herzogtum Württemberg (Oberamt Weiltingen: 2 Häuser) der Deutsche Orden (Obervogtamt Oettingen: 1 Köblergut) Freieigen (1 Gut).T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 476 f. (= J. K. Bundschuh, Bd. 6, Sp. 271). Hiernach gab es nur 75 Untertansfamilien, von denen 72 ansbachisch waren. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Wassertrüdingen.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 584 f.
1806 kam Wittelshofen an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1809 der Steuerdistrikt Wittelshofen gebildet. Zu diesem gehörten Gelshofen, Gelsmühle, Grabmühle, Illenschwang, Neumühle, Obermichelbach, Untermichelbach und Wörnitzhofen. Zugleich entstanden zwei Ruralgemeinden: Untermichelbach mit Gelshofen, Gelsmühle, Illenschwang, Neumühle, Obermichelbach Wittelshofen mit Grabmühle und Wörnitzhofen. Bereits 1813 kam es zur erneuten Bildung von diesmal drei Ruralgemeinden: Illenschwang mit Neumühle, Welchenholz und Wörnitzhofen Obermichelbach mit Gelshofen, Gelsmühle, und Untermichelbach Wittelshofen mit Grabmühle.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 533. Die Gemeinde Wittelshofen hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,658 km². Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Dinkelsbühl zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Dinkelsbühl (1919 in Finanzamt Dinkelsbühl umbenannt, seit 1973 Zweigstelle des Finanzamtes Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr gebildeten Stadt- und Landgericht Dinkelsbühl (1879 in das Amtsgericht Dinkelsbühl umgewandelt, seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach). Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Wittelshofen an den Landkreis Ansbach.
Religion In dem überwiegend evangelischen Ort findet der Hauptgottesdienst sonntäglich in der St. Martinskirche, der katholische Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche statt. In den Ortsteilen Dühren, Illenschwang sowie Ober- und Untermichelbach gibt es ebenfalls evangelische Kirchen.
In Wittelshofen bestand eine jüdische Gemeinde vom 17. Jahrhundert bis 1938. 1716 lebten bereits 30 jüdische Familien am Ort. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1809/10 mit 282 Personen (ca. 40 % der Gesamteinwohnerschaft von 689 Personen) erreicht. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung stetig zurück (1910 42, 1933 17 jüdische Einwohner). Eine Synagoge war bereits im 18. Jahrhundert vorhanden; eine neue Synagoge wurde am 1. Dezember 1843 eingeweiht. Sie bestand bis zu ihrer Zerstörung beim Novemberpogrom am 10. November 1938. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Handel mit Vieh und Waren. Ihnen gehörten bis nach 1933 mehrere Geschäfte am Ort. Mindestens 18 der in Wittelshofen geborenen oder längere Zeit hier wohnhaften Personen wurden zwischen 1941 und 1945 in Konzentrationslagern ermordet.
Sakralbauten
Eingemeindungen EhemaligeGemeinde Einwohner(1970) Datum Anmerkung Dühren – 1864 Umbenennung in Grüb Grüb 76 1. Juli 1972 Illenschwang 434 1. Juli 1972 Eingliederung von 253 der 434 Einwohner,Umgliederung der anderen Einwohner nach Wilburgstetten Obermichelbach 185 1. Mai 1978 Untermichelbach 260 1. Juli 1972
Einwohnerentwicklung Gemeinde Wittelshofen Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2005 2011 2016Einwohner 673 691 688 675 625 631 605 620 590 555 572 546 537 548 553 562 512 445 688 675 556 560 1261 1289 1260 1248HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 123 96 126 122 121 130 122 111 116 325 377 386Quelle Für die Gemeinde Wittelshofen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Grabenmühle (S. 31). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 690 Einwohner.
Ort Wittelshofen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006 2016Einwohner 667 683 661 624 580 539 557 667 549 552 534 638 589Häuser 122 95 120 128 120 110 115 143 Quelle
Politik Gemeinderat Nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 hat der Gemeinderat zwölf Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:(pdf, Seite 233) Wählergruppe Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb 7 Sitze (56 % der Stimmen) Wählergruppe Wittelshofen 5 Sitze (44 % der Stimmen)
Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 hat der Gemeinderat zwölf Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis: Wählergruppe Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb 7 Sitze Wählergruppe Wittelshofen 5 Sitze Gegenüber 2008 und 2014 hat die Wählergruppe Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb einen Sitz gewonnen, die Wählergruppe Wittelshofen einen Sitz verloren. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.
Bürgermeister Bürgermeister Hermann Reichert war nach 24 Amtsjahren nicht mehr zur Wahl am 16. März 2014 angetreten. Werner Leibrich von der Wählergruppe Wittelshofen kam auf 51,98 Prozent der gültigen Stimmen, Günther Harich von der Wählerliste Illenschwang-Obermichelbach-Untermichelbach-Grüb-Dühren erhielt 48,02 Prozent. Leibrich wurde bei der Wahl 2020 im Amt bestätigt.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist blau-weiß-blau.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Der Römerpark Ruffenhofen liegt zwischen der Romantischen Straße und dem Fränkischen Seenland. Er befindet sich zwischen den Gemeinden Gerolfingen, Wittelshofen und dem Markt Weiltingen. Von der Staatsstraße Dinkelsbühl–Wassertrüdingen ist er ausgeschildert. Am besten lässt sich der Römerpark derzeit mit eigenen Verkehrsmitteln erreichen. Heimatmuseum Heinrich Zoller
Baudenkmäler
St.-Martins-Kirche im alten Ortskern von Wittelshofen Katholische Heilig-Kreuz-Kirche am Rande des Siedlungsgebietes ehemalige Wehrkirche St. Andreas in Illenschwang Michaelskirche in Obermichelbach Kirche St. Leonhard in Untermichelbach
In einem malerischen Seitental der Sulzach liegt Dühren mit der Kirche St. Michael. Das Kirchlein birgt Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die erst 1985 entdeckt und teilweise freigelegt wurden.
Das ehemalige Markgrafenschloss wurde bei einem Brand 1856 zerstört.
Der Grenzwall des Römischen Reiches, der Limes, durchzieht das Gemeindegebiet. Bei Dühren und der Gelsmühle sind noch Reste davon zu finden.
Bodendenkmäler
Naturdenkmäler Wittelshofen ist Ausgangspunkt des geologischen Wanderpfades, der auf die Höhen des Hesselberges führt. An seinem Anfang liegt eine der wenigen Ölschiefergruben in Deutschland, die immer wieder das Ziel von Geologen ist. An Sulzach und Wörnitz brüten noch Kiebitz und Bekassine und der Storch hat auf dem alten Molkereikamin eines seiner letzten Rückzugdomizile in Franken.
Freizeit und Sport Geologischer Lehr- und Wanderpfad auf dem Hesselberg
Vereine Freiwillige Feuerwehr Wittelshofen Obst- und Gartenbauverein Wittelshofen Schützenverein Silberdistel Wittelshofen Dartclub Gravemill Darters Wittelshofen Blasmusik Illenschwang Posaunenchor Illenschwang
Wirtschaft und Infrastruktur Das Gemeindegebiet wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
Wittelshofen ist Mitglied im Tourismusverband Romantisches Franken, Zweckverband Römperpark Ruffenhofen und im „Touristikverband Hesselberg e. V“.
Im Gemeindebereich gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule, in der die Klassen 1–4 unterrichtet werden. Weiterführende Schulen gibt es in Wassertrüdingen, Dinkelsbühl, Gunzenhausen und Oettingen. Alle Schulen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Verkehr Die Autobahnen A 6 und A 7 (Ausfahrt Herrieden und Ausfahrt Ansbach) liegen jeweils ca. 28 km von Wittelshofen entfernt. Die Staatsstraße 2218 verläuft an Illenschwang und Sinbronn vorbei nach Dinkelsbühl zur Bundesstraße 25 (10,5 km westlich) bzw. nach Gerolfingen (2,1 km südöstlich). Die Staatsstraße 2385 verläuft über Ruffenhofen nach Weiltingen (3 km südwestlich). Die Kreisstraße AN 41 verläuft nach Untermichelbach (1 km nordwestlich). Die Kreisstraße AN 49 verläuft nach Ehingen zur Staatsstraße 2248 (5 km nordöstlich).