mini|281x281px|Lieferketten sind heutzutage international und werden über Land-, See- oder Luftfracht abgewickelt. Das Lieferkettenmanagement ist eine Managementdisziplin, die verschiedene Methoden und Prozesse auf Lieferketten anwendet. (Aufnahme einer Etihad-Cargo-Luftfrachtmaschine, 2017)

Das Lieferkettenmanagement oder umfasst alle Prozesse zur Planung, Steuerung, Überwachung, Dokumentation und Optimierung der Lieferkette eines Unternehmens oder einer Organisation. Dies beinhaltet Aktivitäten von der Beschaffung von Ausgangsmaterialien über die Produktion bis hin zum fertigen Produkt oder zur Dienstleistung (Service) und deren Auslieferung an die Kunden. Mittels bestimmter Management-Konzepte und Methoden versucht das SCM, den dynamischen Ablauf bzw. Pfad entlang dieser Kette zu kontrollieren, steuern und zu verbessern. Man spricht auch von einer Wertschöpfungslehre entlang einer Wertschöpfungskette.

Lieferkettenmanagement kommt in zahlreichen zivilen Wirtschaftsbranchen zum Einsatz, aber auch in militärischen Organisationen, wie beispielsweise in Gestalt der Defense Logistics Agency (DLA) des Department of Defense (DOD). Mehr dazu siehe die Militärlogistik. Lieferkettenmanagement kann auch innerhalb eines einzelnen Unternehmens über verteilte Standorte wie Produktion, Wartung, Service und Logistik hinweg stattfinden. Darüber hinaus wird das Thema von Ökonomen akademisch erforscht.

Im folgenden Artikel wird die Abkürzung SCM synonym für Lieferkettenmanagement verwendet.

Lieferkettenmanagement im Überblick Lieferkettenmanagement ist die systematische und integrierte Ausübung von Managementprozessen mit verschiedenen strategischen Zielen, wie beispielsweise dem Risikomanagement der Lieferkette, der Reduktion von Kosten, der Steigerung der Resilienz (vgl. auch Resiliente Lieferkette), der Nachhaltigkeit, der Wettbewerbsfähigkeit und der Produktivität. Darüber hinaus umfasst es die zeitnahe, effiziente und effektive Beschaffung von Material in einem internationalen und multidimensionalen Handelsumfeld. Dies ist spätestens seit den 1990er Jahren der Fall.

Zu den Herausforderungen zählen unerwartete Ereignisse (z. B. höhere Gewalt) in der Lieferkette wie abrupte und signifikante Schwankungen bei der Verfügbarkeit, den Preisen, der Qualität oder den Lieferzeiten von Bezugsmaterialien, die den Produktionsprozess oder die Auslieferung beeinträchtigen.

Datenbasiertes Lieferkettenmanagement Die moderne Computertechnologie und die Verbreitung des Internets seit den 2000er Jahren haben auch die Methoden des Supply-Chain-Managements (SCM) verändert. Die digitale Transformation und Industrie 4.0 ermöglichen bzw. erfordern eine datenbasierte Lieferkettenverwaltung, um beispielsweise Entscheidungen in Echtzeit treffen zu können. Dazu ist eine umfassende Informationstechnologie (IT) innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation notwendig. Hier spielt Supply-Chain-Management-Software eine weitere Rolle.

Integration weiterer Disziplinen Das Supply-Chain-Management (SCM) ist eng verzahnt mit dem Beschaffungsmanagement, Beschaffungslogistik, Einkaufsmanagement, Lieferantenmanagement, Logistik, Qualitätsmanagement, Compliance, Due-Diligence, Vertragsrecht und anderen Geschäftsprozessen. Des Weiteren existieren die Fakultäten Supply-Chain-Engineering, Supply-Chain-Controlling und Supply-Chain-Monitoring.

Weitere verwandte Themengebiete (teilweise auch historisch) sind: Operations Research, Operations Management, Entscheidungstheorie, Wertschöpfung, Enterprise-Resource-Planning (EPR) und Kundenbeziehungsmanagement (CRM).

Lieferkettenmanagement als System mini|323x323px|Das Lieferkettenmanagement befasst sich mit komplexen und dynamischen Lieferanten- und Kundennetzwerken sowie den Warenflüssen vom Eingang bis zum Ausgang der Produkte.

Der Wettbewerb in globalen Märkten, kurze Produkteinführungszeiten, kurze Produktlebenszyklen und hohe Kundenerwartungen haben das Management von Lieferketten ins Zentrum betriebswirtschaftlicher Entscheidungen gerückt.

Sogenannte „arbeitsteilige Lieferketten“ entwickelten sich aufgrund einer Tendenz der Unternehmen sich auf eine Kernkompetenz zu fokussieren. Diese Entwicklung geht einher mit dem Offshoring und Outsourcing sowie einer Verringerung der Fertigungstiefe und dem Bezug von Vorprodukten von Zulieferern oder Lieferanten.

Im Ergebnis konkurrieren auf den jeweiligen Zielmärkten nicht vertikal integrierte Einzelhersteller bzw. vollintegrierte Unternehmen, sondern stattdessen komplex strukturierte Lieferketten, die sich aus verbundenen, aber unabhängigen Unternehmen zusammensetzen.

Wettbewerbsvorteile erlangen solche dezentral organisierten Systeme durch eine marktadäquate Konfiguration ihrer Struktur sowie durch Koordination und Integration der autonom gesteuerten Aktivitäten in der Lieferkette. Diese Überlegung hat zum Lieferkettenmanagement geführt. Supply-Chain-Managements (SCM) geht damit über die klassische Ausrichtung der Betriebswirtschaftslehre am System „Unternehmen“ hinaus und befasst sich mit dem System „Lieferkette“.

Die besonderen Eigenschaften des Gesamtsystems „Lieferkette“ ergeben sich aus dem dynamischen Zusammenwirken der Lieferkettenglieder. Diese Systemeigenschaften lassen sich nicht aus der Summe der allein auf die einzelnen Unternehmen bezogenen Eigenschaften der beteiligten Einzelglieder ableiten. Vielmehr treten als Ergebnis der komplexen, dynamischen Interaktion der Einzelglieder neue Eigenschaften des Gesamtsystems hervor (Emergenz).

Lieferkettenmanagement als Wissenschaft Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Lieferkettenmanagement stützt sich deshalb, was die mathematische Seite anbelangt, u. a. auf die Erkenntnisse der Systemtheorie sowie der Chaos- und Komplexitätsforschung. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht finden bei der Analyse von Lieferkettenmanagement-Problemstellungen Erklärungsansätze der neuen Institutionenökonomik (Transaktionskostentheorie, Theorie der Verfügungsrechte, Prinzipal-Agent-Theorie) sowie der Ressourcenorientierung Anwendung. Ein anderer Ansatz zur Beschreibung des Systems Lieferkette ist die Beziehungsorientierung (relational view), die sich aus der Ressourcenorientierung entwickelt hat.

Geschichte Das Konzept des Lieferkettenmanagements wurde erstmals in den 1980er Jahren von den Beratern Oliver und Webber verwendet. Oliver war zu der Zeit der verantwortliche Partner in London bei Booz Allen Hamilton für Operations Management. Er hatte die Grundidee und der Physiker und spätere Berater Wolfgang Partsch setzte das Konzept als Projektleiter bei Landis & Gyr in Zug (Schweiz) im Jahre 1981 um. Dies war zugleich das erste offizielle Supply-Chain-Management-Projekt der Welt. Dabei entwickelte Partsch auch die damalige Analyse-Methodik.

Definitionen Für das Lieferkettenmanagement, auch Supply-Chain-Management (SCM) genannt, existieren einige Definitionen, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Bislang konnte sich keine dieser Definitionen endgültig durchsetzen. Gemeinsam haben typische Definitionen Begriffe wie Koordination und Integration. Die Definitionen betonen die Harmonisierung von Abläufen zwischen den Mitgliedern der Lieferkette. Sie stellen funktionsübergreifende Geschäftsprozesse in den Mittelpunkt, um Wertschöpfungsvorteile für die gesamte Lieferkette zu erzielen.

Die folgende Punkteliste enthält eine Sammlung und Auswahl verschiedener Definitionen:

Eine frühe, flussorientierte Definition stammt von Cooper und Ellram (1990). Demnach ist Supply-Chain-Management ein integrativer Ansatz, um den Gesamtfluss eines Absatzkanals () vom Lieferanten bis zum Endkonsumenten zu steuern. Eine mehr auf das Netzwerk gerichtete Definition stammt von Harland (1996). Demnach ist Supply-Chain-Management das Management eines Netzwerks miteinander verbundener Betriebe, die an der letztlichen Bereitstellung von Produkt- und Dienstleistungspaketen beteiligt sind, die vom Endkunden angefordert werden. Die Enzyklopädie Britannica definiert Supply-Chain-Management (SCM) als „Prozess der Steuerung des Flusses von Ressourcen, Aktivitäten und Personen, die an der Produktentwicklung beteiligt sind – von der Produktion oder Beschaffung der Rohstoffe bis hin zum Verkauf und der Auslieferung des Endprodukts.“

Der Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP) definiert (2026) Supply-Chain-Management wie folgt:

Eine Definition nach Mentzer et al. (2001) definiert Lieferkettenmanagement als:

Eine weitere deutsche Definition existiert in Gablers Wirtschaftslexikon, siehe dort.

Standardisierung und SCM-Modell Der 1996 gegründete Supply-Chain Council (SCC) hat das SCOR-Modell zu einem Standard entwickelt hat, um die Supply-Chain-Funktionen nach einheitlichen Kriterien zu strukturieren und damit auch bewerten zu können. SCC ging 2014 in der Association for Supply Chain Management (ASCM) auf, welche das Modell heute weiter vertritt.

„Breite“ und „Tiefe“ des Supply-Chain-Managements Lieferkettenmanagement bzw. Supply-Chain-Management (SCM) ist „breit“ aufgestellt, da es unterschiedliche Geschäftsfunktionen verzahnt, darunter Logistik, Produktion, Qualitätsmanagement, Rechnungswesen und andere Geschäftsprozesse. Durch diese breite Betrachtung verschwimmen die Grenzen zwischen den traditionellen Geschäftsfunktionen und SCM. Es ist „tief“ strukturiert, da es die strategische, taktische und operative Phase des Managements umfasst:

Die erste Phase wird als strategisches Supply-Chain-Management bezeichnet. Sie ist durch Unternehmensentscheidungen mit langfristigen Auswirkungen gekennzeichnet. Hierzu zählen Entscheidungen bezüglich Auslagerung (outsourcing), Lieferantenwahl und Standortplanung für Lager und Fabriken. Wesentlich in dieser Phase ist die Auswahl einer passenden Supply-Chain-Strategie entsprechend den Produkt- und Marktanforderungen. Um diese Bedeutung und die Bedeutung des Supply-Chain-Engineerings in dieser Phase zu betonen, wird sie auch Supply-Chain-Strategie- oder -Design-Phase genannt. Die zweite Phase wird als taktisches Supply-Chain-Management bezeichnet. Vorbestimmt durch das in der vorhergehenden Phase festgelegte Design, werden hier Entscheidungen mit einem Zeithorizont zwischen einem Vierteljahr und einem Jahr getroffen. Dieser kürzere Zeitrahmen erlaubt bessere Vorhersagen als Grundlage für die Entscheidungen. Hierzu zählen Entscheidungen bezüglich Bestandspolitik, Fertigungsmenge, Beziehungen der zu versorgenden Märkte und Orte, von denen beschafft werden soll. Diese Phase wird auch als Supply-Chain-Planungsphase bezeichnet, da hier Fertigungspläne erstellt werden. Die dritte Phase wird als operatives Supply-Chain-Management bezeichnet. Sie ist durch Unternehmensentscheidungen in einem Zeitrahmen auf Tages- bis Wochenbasis gekennzeichnet, in dem kaum Unsicherheit über Nachfrageinformationen besteht. Das Supply-Chain-Design aus der ersten Phase und die Pläne aus der zweiten Phase werden als gegeben hingenommen, um in dieser Phase nun eingehende Kundenaufträge angemessen zu handhaben. Zu typischen Entscheidungen in dieser Phase zählen jene über Ablaufplanung, Picklisten, Verladung und Beziehungen zwischen Bestellung und Bestand.

Abgrenzung zur Logistik mini|325x325px|Die Häfen in Singapur gehören zu den größten Logistikhubs der Welt und zählen zu den Top 10 der geschäftigsten Seehäfen nach Frachtaufkommen (in Tonnage). Das Management internationaler Lieferketten ist eine praktische und wissenschaftliche Aufgabe. Dabei wird der Pfad vom Rohstoff über die Produktion bis zum Kunden systematisch geplant, gesteuert und überwacht.