Södel ist ein Ortsteil der Gemeinde Wölfersheim im südhessischen Wetteraukreis und hat rund 2300 Einwohner.

Geographie Södel befindet sich südlich von Wölfersheim. Mit diesem besteht ein zusammenhängender Siedlungsbereich.

Historische Flächennutzung 1854: 2.410 Morgen, davon 1647 Ackerland, 92 Wiesen, 608 WaldPhilipp Alexander Ferdinand Walther, Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Darmstadt 1854, S. 430. 1961 (ha): 603, davon 130 Wald

Geschichte Ersterwähnung Södel wurde in der Amtszeit des Abts Baugulf, in der Herrschaftszeit Karls des Großen, erstmals in undatierten Schenkungen an das Kloster Fulda erwähnt. Da Baugulfs Amtszeit 802 endete, wurde dieses Jahr als Datum der Ersterwähnung festgelegt. Die erste der beiden überlieferten Fassungen lautet: "Bernhere et uxor eius Waltrud tradiderunt sancto Bonifatio bona sua in villa Sodila nuncupata, id est agros, vineas, prata, domos et familiam."Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et Antiquitates Fuldenses (TAF), cap. 42, 45, Fulda 1844. (Übersetzung: Bernher und seine Frau Waltrud übergeben dem Heiligen Bonifatius ihre Güter im benannten Ort Sodila, nämlich Äcker, Weinberge, Wiesen, Häuser und die Familien.) In der zweiten Fassung heißt es: "Bernhere de Wetereibe tradit sancto bona sua in ville Sodile, id est agros, vineas, silvas, domos ac familiam cum substantia."Dronke: TAF, cap. 42, 45. (Übersetzung: Bernher aus der Wetterau übergibt dem Heiligen seine Güter in dem Ort Sodile, das sind Äcker, Weinberge, Wälder, Häuser und Familien mit Hausrat.) In die gleiche Zeit fällt die Schenkung eines Ernst ebenfalls an das Kloster Fulda: "Idem Ernest tradidit in villa Sodila et in Toruelden mansos XIX cum XXXVIIII mancipis."Dronke: TAF, cap. 42, 230. (Übersetzung: Derselbe Ernst übergab in den Orten Södel und Dorfelden 19 Hufen und 39 Leibeigene.)

Mittelalter 1017 erhielt das Kloster Michelsberg bei Bamberg kurz nach seiner Gründung umfangreiches Reichsgut in Södel, Sindlingen und Wohnbach durch den Ottonen-Kaiser Heinrich II. geschenkt.Monumenta Germaniae Historica (MGH) D H II, 468 n. 366, vgl. Wolf-Arno Kropat: Reich, Adel und Kirche in der Wetterau von der Karolinger- bis zur Stauferzeit. In Wetterauer Geschichtsblätter (WGBll) 13 (1965), S. 67. Noch im 11. Jahrhundert vertauschte das Kloster seine Besitzungen in Södel (Sodelo), Wohnbach (Vuanebach) und Sindlingen (Sindelingo) gegen das Gut Ailsbach in Mittelfranken.Erich Freiherr von Guttenberg: Fränkische Urbare. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 7 (1934), S. 203 f.

Bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts hatte die Reichsministerialenfamilie von Hagen-Münzenberg in der nördlichen Wetterau ein geschlossenes Herrschaftsgebiet errichtet.Eugen Rieß, Die Geschichte. = 1200 Jahre Södel, Bd. 1, Rockenberg, S. 47. Durch Einheirat fiel ihnen auch der Besitz der Grafen von Nürings zu. Nach dem Aussterben der Münzenberger 1255 fiel der größte Teil ihres Besitzes an die Grafen von Falkenstein, die mit ihrer Hausmachtpolitik aber das benachbarte Wölfersheim förderten. Der letzte Falkensteiner und Erzbischof von Trier, Werner III. von Falkenstein, privilegierte 1408 Wölfersheim besonders und ließ es stark befestigen. Dagegen behielt Södel seinen Dorfcharakter.

Nach dem Tode Werners von Falkenstein am 4. Oktober 1418 gelangten zwei Drittel des Erbes in den folgenden Teilungen an die Grafen zu Solms. Die Brüder Bernhard und Johann teilten das große Falkensteiner Erbe in den Teilungen von 1420, 1423, 1432 und 1436 weiter. Dabei setzte sich Graf Johann von Solms-Lich durch, der eine gemeinsame Verwaltung des Besitzes verhinderte. Bernhard II. erhielt u. a. die Stadt Hungen und den Flecken Wölfersheim und begründete die Linie Solms-Braunfels. Die Wüstung Dahendal sowie die Außenleute in Melbach und Berstadt fielen nach Wölfersheim, dagegen blieb der umfangreiche Mainzer Besitz in Södel im Lehnsbesitz der Grafen von Solms-Lich. Dies galt besonders für die Vogteirechte zu Södel. Es entstand die Burg Södel, welche im 17. Jahrhundert zum Witwensitz von Solms-Lich ausgebaut wurde.

Zu einem größeren Konflikt zwischen den beiden Solmser Linien kam es, als der Wölfersheimer Bürgermeister Klaus Ducker 1487 nach Södel entwich und von dem dortigen Schultheißen aufgenommen wurde, obwohl er Untertan von Solms-Braunfels war. Erschwert wurde der Fall dadurch, dass Ducker, wie es damals Aufgabe eines Bürgermeisters war, die Finanzen in Wölfersheim verwaltet hatte, und gegen ihn noch Ansprüche erhoben wurden. Außerdem war ein zweiter Wölfersheimer Untertan bereits 1484 unerlaubt nach Södel gezogen, was den Fall komplizierter machte. Mit gegenseitigen Sanktionen schwächten die Solms-Licher und Solms-Braunfesler Amtleute wirtschaftlich die jeweils andere Partei. Schließlich traf man sich 1494 im Kloster Arnsburg, um den Konflikt beizulegen.Eugen Rieß, Die Geschichte, S. 49–52.

Eine große Brandkatastrophe im Jahr 1496 hinderte Södels Entwicklung weiter. Der Solms-Licher Amtmann Konrad Schenk zu Schweinsberg ordnete an, dass aus Assenheim Getreide für die Brandgeschädigten geliefert wurde.

Neuzeit 1610/11 wurde in Södel eine Münzstätte durch den Grafen Ernst II. errichtet, die bis 1622 Bestand hatte.

Die Unruhen von 1734

Während des Dreißigjährigen Kriegs, in den 1640er Jahren, besaß der Licher Amtmann Johann Thorybander ein Hofgut in Södel. 1648 erhielt Thorybander einen Freiheitsbrief der Grafen von Solms-Lich für dieses Gut. Die Gräfin Amoena Amalia von Wied-Runkel, verwitwete Gräfin zu Solms-Lich, erwarb das Thorybandische Gut 1684, das nun als ritterschaftliches Gut Steuer- und Abgabenfreiheit besitzen sollte, was aber die Gemeinde Södel nicht anerkannte. Schließlich gelangte das Hofgut in den Besitz der Herren von Pappenheim. Als im März 1734 Kontributionen, Steuern und Monatsgelder auch von diesem Gut verlangt wurden, leisteten die bäuerlichen Pächter Widerstand. Die von Burg Friedberg entsandten 50 Mann Militär wurden „dergestalt mit Heugabeln / Hacken / Spießen und Steinen angegriffen.“ Das Militär floh aus dem Dorf.Eugen Rieß: Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 3: Neuzeit, S. 14 ff. Darauf versuchte man die Forderungen in Wohnbach einzuziehen, das aber zwischenzeitlich von Solms-Lich an Solms-Laubach gelangt war. Daraus entsprang ein fast zweijähriger Aufstand der Wohnbacher Einwohner.Eugen Rieß: Die Rebellion von 1735/36 in: ders.: Ortsgeschichte Wohnbach Bd. 3, S. 5–109.

Södel seit der Hessischen Gebietsreform (1970–1977) Wölfersheim schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis am 31. Dezember 1970 mit den Orten Melbach, Södel und Wohnbach zur Großgemeinde Wölfersheim zusammen.

Am südwestlichen Rande von Södel entstand in den letzten Jahren ein großes Neubaugebiet. Heute befindet sich am westlichen Rand des Dorfes die Jim-Knopf-Schule, eine Grundschule. In unmittelbarer Nähe stehen das Dorfgemeinschaftshaus und die Kita Regenbogen. Der Sportplatz und der Hockeyplatz schließen sich an.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Södel angehört(e): vor 1255: Reichsministerialen Hagen-Münzenberg nach 1255 Herrschaft der Grafen von Falkenstein vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich, Amt Lich ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Lich ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lich (des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt LichPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Lich des Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lich; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Lich“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg, Gemeinde Wölfersheim ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Gemeinde Wölfersheim

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Södel ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Hohensolms-Lich“ in Lich zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Hohensolms-Lich ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Lich“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das auch für Södel zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben. Zu Beginn des Jahres 1837 wurde Södel dem Landgericht Friedberg zugeteilt.Bekanntmachung, die Zutheilung der Orte Södel und Niederweisel mit Hausen und Oes zu dem Kreise und dem Landgericht Friedberg betr. vom 30. November 1836 ()

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Friedberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

Schinderhannes, Schwarzer Jonas und weitere Räuber