Als Onlinevideothek bezeichnet man eine Videothek, die Geschäftsvorgänge über das Internet abwickelt. Dabei werden den Kunden wie bei einer herkömmlichen Videothek hauptsächlich Videofilme und Computerspiele zur Verfügung gestellt.

miniatur|Blick in eine Onlinevideothek, die mit dem DVD-Verleih-Modell (Vermietung) arbeitet. Die Geschäftsräume werden von den Kunden nie betreten.

Onlinevideotheken nutzen verschiedene Geschäftsmodelle, darunter Vermietung, unverbindlicher Kauf mit Rückgabeoption sowie Abrufvideos in Form von gestreamten Inhalten. Viele Onlinevideotheken mischen diese Geschäftsmodelle. Das derzeit meistgenutzte Geschäftsmodell ist die gesetzlich geregelte Vermietung, wie sie auch von klassischen Videotheken genutzt wird. Gemietete oder gekaufte Videos werden dem Kunden aber über den Postweg zugestellt, Abrufvideos (Video on Demand) über das Internet live dargeboten.

Eine Onlinevideothek nutzt an Stelle von Geschäftsräumen eine Verwaltungseinheit und oft mehrere Logistikeinheiten, die Video-DVDs lagern, verpacken, den Postverkehr zentral einbinden und auch die vom Kunden zurückgesendeten Packeinheiten wieder entgegennehmen. Zur Abwicklung der Kundenkontakte wird ein Webportal betrieben. Eine Onlinevideothek, die Abrufvideos zur Verfügung stellt, besteht lediglich aus einer Verwaltungseinheit, da kein Warenverkehr stattfindet, sondern der gesamte Verleihvorgang über ein Serverhosting abgewickelt wird.

Geschichte der Onlinevideotheken Die erste Onlinevideothek wurde 1998 in den USA gegründet. Das Geschäftsmodell bestand darin, Videos (damals noch Bandmaterial) nicht ausschließlich über stationäre Geschäftsräume zu verleihen, sondern zusätzlich per Post an die angemeldeten Kunden zu versenden. Das ersparte dem Kunden den Weg in die Videothek und bot über ein Internetportal eine praktischere Auswahl der Filme. Über eine Kreditkarte war auch eine Neuanmeldung online möglich.

Internationale Marktentwicklung Die Branche hat sich sehr schnell, aber international unterschiedlich entwickelt. Die Bedingungen für den Versandbetrieb variieren von Land zu Land und hängen von verfügbaren Kundenstämmen, Lieferwegen, der Größe eines Landes, seiner Bevölkerungsdichte und den geltenden Rechtsvorschriften ab. Auch grenzübergreifende Belieferung kann möglich sein.http://blog.verleihshop.de/2011/04/jetzt-auch-nach-at/ Der Ablauf ist unter anderem abhängig von der national unterschiedlichen Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit der betrauten Postunternehmen sowie dem national unterschiedlichen Kundenverhalten.

In den USA ist der Videoversand weit entwickelt und beliebt. Die meisten Verleiher haben ein eigenständiges Vertriebssystem entwickelt, das aus regionalen Logistikzentren besteht, die mit lokalen Postunternehmen zusammenarbeiten. Die größten US-amerikanischen Anbieter versorgen damit Kundenstämme mit mehreren Millionen Mitgliedern. Das Angebot an verschiedenen Filmen pro Verleiher ist deutlich geringer, was auf eine höhere Spezialisierung der Verleiher zurückzuführen ist. Insbesondere die Sparten Familienunterhaltung, Gewalt & Action und Pornografie sind meist strikt getrennt. Preise sind in den USA allgemein niedriger als in der Europäischen Union. Der Markt wird momentan von zwei konkurrierenden Großunternehmen (Blockbuster Video, Netflix) mit jeweils vielen unterschiedlichen Marken dominiert, die sich auf Sparten spezialisiert haben. Daneben gibt es viele kleinere Anbieter, die zum Teil nur regional verschicken. Der Anbieter Walmart zog sich zwei Jahre nach seinem Marktgang wieder aus dem Geschäft zurück und arbeitet heute mit Netflix zusammen. Der kanadische Markt ist deutlich schwächer und wird vom Großunternehmen ZIP.ca dominiert.

In Australien gibt es zahlreiche Anbieter, darunter zwei Großverleiher, in Neuseeland sind drei Verleiher vertreten. Das Angebot an Filmen ist in diesen Ländern sehr eingeschränkt. In Indien startete der Onlineverleih im Jahre 2004 und wird heute von mehreren Unternehmen angeboten. Die DVDs werden über völlig eigene Lieferservice vertreiben, bei denen die Container durch ein Netz von Botengängern an den Kunden gebracht werden. Ein Postvertrieb ist aufgrund der enormen Verlustzahlen von Warensendungen in Indien nicht möglich.

Unter den europäischen Märkten ist derzeit der britische Markt am stärksten und auch am weitesten entwickelt. Der Vertrieb wird durch ein einzelnes Postunternehmen betrieben, das fast alle Verleiher benutzen. Der Verleiher Lovefilm hat mit dem Kauf des Konkurrenten Video Island im Frühjahr 2006 den Markt konsolidiert und arbeitet mit Supermarktketten, Zeitungen oder Medienunternehmen zusammen. Kleine aufgekaufte Subunternehmen existieren weiterhin als eigene Marke. Sie unterscheiden sich preislich und im Filmangebot deutlich, werden aber von denselben Logistikeinheiten mit DVD-Sendungen versorgt. Der britische Kunde kann die gleichen DVDs beim selben Inhaber zu unterschiedlichen Konditionen bestellen.

Marktentwicklung in Deutschland In Deutschland begann die Geschichte der Onlinevideotheken im Juni 1999 mit der Gründung des ersten DVD-Verleihs per Internet unter dem Namen rent-a-dvd.de durch die Firma Jakob GmbH. Durch die Aufnahme von Spielen ins Sortiment, wurde rent-a-dvd.de im Januar 2001 zu verleihshop.de. Die Onlinevideothek verleihshop.de ist bis heute eine der größten Onlinevideotheken Deutschlands. Der Verleihshop gehört zur Firma Jakob GmbH. Die Jakob GmbH ist bereits seit 1981 im Verleih- und Verkaufsgeschäft von Videofilmen auf dem deutschen Markt tätig. Besonders im Jahr 2003 folgten zahlreiche weitere große Anbieter, die sich schnell am Markt etablieren konnten. Daneben entstanden sehr viele kleinere Onlinevideotheken, die bis heute arbeiten oder von größeren Anbietern übernommen wurden. Aufgrund der bei großen Anbietern stark steigenden Logistik- und Anschaffungskosten sowie der damit abzudeckenden Risiken gelang es bisher keinem Anbieter, sich marktbestimmend durchzusetzen. Zudem erscheinen jährlich neue kleinere Firmen auf dem deutschen Markt, die günstige Angebote liefern können (Stand 2007). Die Angebote sind sehr vielfältig und preislich und leistungsmäßig weit gestreut.

Im Jahr 2006 drängten verstärkt große ausländische DVD-Verleiher auf den deutschen Markt. Der französische Marktführer Glowria hatte zwei große deutsche DVD-Verleiher übernommen und außerdem unter eigenem Namen ein Verleihmodell eingeführt. Damit wurde eine erste Konsolidierung des deutschen Markts eingeleitet. Der britische Marktführer LoveFilm, gemessen an der Mitgliederzahl auch größter europäischer DVD-Verleih, hat ebenfalls im Jahr 2006 ein deutsches Angebot gestartet.

Ende 2007 und Anfang 2008 fanden weitere Konsolidierungen in der Branche statt. Glowria gab sein Verleihgeschäft in Deutschland wieder auf und verkaufte seine Marken an Video Buster, das damit insgesamt fünf große DVD-Verleih-Marken unter einem Dach konsolidierte und gleichzeitig ein Download-Angebot einführte. Zur selben Zeit wurde das Hauptportal Netleih offiziell in Video Buster umbenannt. Nur einen Monat später kündigte LoveFilm an, künftig das DVD-Verleihgeschäft von amazon.com zu übernehmen. Ende 2009 übernahm der Verleihshop das Geschäft von dvd-mieten.de und adultverleih.de.

Unabhängige Zahlen über die Marktanteile der Anbieter in Deutschland sind jedoch nicht bekannt. Erhältlich sind Eigenangaben der Anbieter, bei denen nicht sicher ist, inwieweit inaktive Kunden oder Gastanmeldungen erhoben wurden. Ein britisches Marktforschungsunternehmen führte im Jahr 2005 Schätzungen durch, die von Branchenkennern angezweifelt wurden.

Trotz der Konsolidierungen gibt es im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern und den USA jedoch in Deutschland keinen Anbieter, der den Markt dominiert. Der deutsche Markt gilt als zuverlässig, wickelt den Postweg mit einem kleinen Verlustprozentsatz ab und behandelt DVDs pfleglich. Die Kunden gelten jedoch als sehr preisbewusst und rechnen Angebote genau nach.

Entwicklung der Tarifangebote Die vom Kunden wählbaren Modalitäten für Versand, Preis und Leistung werden als Tarif bezeichnet. In der Anfangszeit des Onlineverleihs wurden überwiegend Flatrate-Tarife angeboten. In den folgenden Jahren wurden die Tarife vor allem aus Kostengründen häufig beschnitten, so dass fast nur noch limitierte Angebote oder Angebote mit gesonderter Portoberechnung am Markt erhältlich waren. Im Jahr 2006 stellte einer der größten deutschen Anbieter seine Angebote wieder auf Pauschalpreise (sogenanntes „Flatrate“-Modell) um, 2007 folgten weitere große Anbieter diesem Beispiel.

Vom deutschen Markt wurden Tarife mit langfristiger Kundenbindung nicht akzeptiert. Das Kundenverhalten ist sehr dynamisch, und die Kunden entscheiden sich oft und spontan für einen anderen Anbieter. Der Markt ist in ständiger Bewegung. Tarifmodelle werden sensibel wahrgenommen und können über die Onlineangebote per Internet gut verglichen werden. Hohe Anschaffungskosten für Video-DVDs führen auch dazu, dass nicht alle Anbieter alle Filme in ausreichender Stückzahl in den Bestand aufnehmen werden können. Besonders kleine Onlinevideotheken gewichten ihr Angebot auf bestimmte Typen von Filmen und halten beispielsweise bevorzugt Neuerscheinungen, Dokumentationen oder Fernsehserien in hoher Stückzahl vor. Keiner der Typen bietet derzeit Aussicht auf einen beständigen Kundenstamm.

Als wirtschaftlicher Faktor für Onlinevideotheken mit Verleihmodus hat sich die Zuverlässigkeit der Transportunternehmen erwiesen. Hängt davon über die Geschwindigkeit der Auslieferung die Zahl der dem Kunden übersendeten DVDs ab (Flatrate), kann die Onlinevideothek schnell einen Teil ihrer Kunden verlieren oder viele Kunden hinzugewinnen. Ebenfalls bedeutsam ist die Häufigkeit von verlorengegangenen Sendungen, für die sich im Einzelfall nur schlecht ein Verursacher (Unternehmen, Anbieter, Kunde) ausmachen lässt. Der Verlust gilt in Deutschland als niedrig, ist aber im internationalen Raum ein wesentlicher Faktor. Die Haftung im Verlustfall wird deshalb stets als wichtiger Vertragsbestandteil behandelt. Die deutsche Rechtsprechung sieht die Haftung des Verleihers nur für den Hintransport verbindlich vor, wobei die Haftung von vielen Anbietern freiwillig auch für den Rücktransport übernommen wird, da das für den Kunden sicherer erscheint und sich das Verbraucherverhalten als zuverlässig erwiesen hat.

Wie bereits in der klassischen Videotheken-Branche haben sich Tarifmodelle mit Kautionen nicht durchsetzen können. Der große deutsche Anbieter inVDeo, der mit diesem Modell gearbeitet hat, musste im März 2005 Insolvenz anmelden, wobei den Kunden jeweils bis zu 200 Euro Kaution verlorengingen. Der Anbieter hat später unter einem neuen Inhaber den Geschäftsbetrieb wiederaufgenommen. Kautionsforderungen werden derzeit von den Kunden nicht mehr akzeptiert und wurden in Deutschland und Österreich branchenweit aufgegeben.

Geschäftsmodelle (Hauptartikel: DVD-Verleih, Video on Demand, Kauf mit Rückgabeoption)

Mit der Wahl einer Onlinevideothek wählt der Kunde zugleich das Geschäftsmodell. Er richtet sich nach persönlichen Bedürfnissen und ob er die Filme auf seinem Fernseher, Computer, über das Internet sehen oder ob er die Filme leihen oder kaufen möchte. Derzeit sind drei verschiedene Geschäftsmodelle, DVD-Verleih, Video on Demand sowie Kauf mit Rückgabeoption verbreitet. Für jedes Geschäftsmodell werden verschiedene Tarifmodelle angeboten, die sich nach Kundenbedürfnissen und technischen Notwendigkeiten richten.

Tarifmodelle DVD-Verleih mit Einzelabrechnung