Die vietnamesische Kultur hat ihre Anfänge in der Dong-Son-Kultur vor etwa 3000 Jahren.
Die heutige Kultur Vietnams ist eine Mischung aus folgenden drei Elementen: original lokale Kulturen der Vietnamesen und anderer Völker des Landes chinesische Elemente, welche durch Sinisierung ins Land kamen, als Vietnam unter chinesischer Herrschaft oder ein nur formell unabhängiger chinesischer Vasallenstaat war. Diese Elemente wurden zeitweise bewusst zurückgedrängt. Elemente des mitteleuropäischen Kulturraumes, welche in der Zeit der französischen Kolonialherrschaft übernommen wurden
Sprache und Schrift
Die vietnamesische Sprache wird von fast allen Bewohnern des Landes gesprochen. Sie gehört aller Wahrscheinlichkeit nach zur Mon-Khmer-Sprachfamilie und wird heute gemeinsam mit jener der Muong zu den Viet-Muong Sprachen zusammengefasst. Während der chinesischen Herrschaft und auch unter vietnamesischen Feudalherrschern war chinesisch die offizielle Sprache. Ab dem 13. Jahrhundert wurde das Vietnamesische auch mit Nom-Zeichen, also chinesischer Schrift geschrieben. Aus dieser Zeit stammen auch die vielen Lehnwörter aus dem chinesischen, die etwa 30 Prozent des modernen Vietnamesisch ausmachen.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde durch französische Missionare das lateinische Alphabet in die vietnamesische Sprache eingeführt. Der Jesuit Alexandre de Rhodes (1591–1660) entwickelte eine Transkriptions-Systematik des Vietnamesischen, die zur Basis des ab dem späten 19. Jahrhundert in der Schriftsprache verwendeten, Quốc ngữ genannten, Alphabets wurde. Um die sechs Töne des Vietnamesischen darzustellen, wurden dem lateinischen Alphabet dabei zahlreiche Diakritika hinzugefügt.
Neben der vietnamesischen Sprache werden von den über 50 Ethnien des Landes noch Sprachen diverser weiterer Sprachfamilien gesprochen. Neben dem Chinesischen sind das: Mon-Khmer- (Khmer, Mon und 19 weitere Ethnien) und Austronesische Sprachen (Cham, Giarai, Ede u. a.), Tai-Kadai-Sprachen (Thái, Tày, Nung u. a.), Tibeto-birmanische und Hmong-Mien-Sprachen (Hmong, Dao).
Literatur
miniatur|Literaturtempel in Hanoi, einer der zahlreichen Tempel Vietnams Die frühe vietnamesische Literatur ist von der chinesischen Literatur sowie von den sich verbreitenden Buddhismus und Konfuzianismus stark beeinflusst. Es entwickelten sich zwei Strömungen, nämlich eine Gelehrtenliteratur, die mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben wurde, sowie eine Volksliteratur, die zu Beginn nur mündlich überliefert wurde, aber später auch in einer eigenen vietnamesischen Schrift, der Nôm-Schrift verbreitet wurde. Beiden Strömungen ist gemein, dass sie eine große Affinität zur Reimform haben.
Nach der Errichtung der Lê-Dynastie wurden zwar die vietnamesischen Traditionen betont, die Gelehrtenliteratur blieb jedoch auf Chinesisch und auch die Prüfungen für angehende Beamte wurde auf Chinesisch abgehalten und hatte größtenteils konfuzianistische Literatur zum Inhalt. Aus der Zeit der Le und ihren Nachfolgedynastien stammen vor allem Sammlungen von Poesie, aber auch einige Werke, die sich mit der Geschichte Vietnams beschäftigen. Während der Krise des vietnamesischen Staatswesens gab es Schriftsteller, die in Nom die herrschenden Zustände auf satirische Art kritisierten. Ihre beiden wichtigsten Vertreter waren Hồ Xuân Hương und Nguyễn Du, letzterer bekannt durch seinen Versroman Das Mädchen Kieu.
Infolge der Kolonialisierung kam nicht nur die lateinische Schrift, die bis heute verwendet wird, nach Vietnam, sondern auch neue Literaturformen und westliches Gedankengut. Eine neue Generation von Schriftstellern sah sich nun als politische Aufklärer und legte die strengen literarischen Formen des Konfuzianismus ab. Es entstanden in Vietnam neue Formen moderner Lyrik, Epik und Dramatik. Wichtige Persönlichkeiten aus dieser Epoche sind Trương Vĩnh Ký, der auch Autor des ersten vietnamesisch-französischen Wörterbuchs war, und Hoàng Ngoc Phách, Verfasser des ersten vietnamesischen Romans (Das Mädchen To Tam; 1922).
Mit Beginn des Indochinakrieges kam das Literaturleben Vietnams bis zum Ende des Vietnamkrieges fast vollständig zum Erliegen. Nach dem Vietnamkrieg wurde die Literatur von der kommunistischen Regierung zensiert und diente vor allem der Heroisierung der eigenen Soldaten im Vietnamkrieg und der Propaganda für den kommunistischen Entwicklungsweg. Erst seit den 1980er Jahren erlebt die vietnamesische Literatur durch Schriftsteller wie Ma Văn Kháng, Le Luu, Nguyên Huy Thiêp oder Dương Thu Hương einen Auftrieb. Letztere nahm am Befreiungskampf teil, kritisierte später die Parteiführung, wurde aus der KP ausgeschlossen und verhaftet, zählt heute jedoch zu den populärsten Schriftstellern Vietnams. Eine der wenigen vietnamesischen Schriftstellerinnen, deren Werke auch in Deutschland erhältlich sind, ist Phạm Thị Hoài.
Bildende Kunst
Eine traditionelle vietnamesische Kunstform sind Holzschnittdrucke, die zum vietnamesischen Neujahrsfest Tết Nguyên Đán in den Wohnungen aufgehängt werden. Sie sollen zu diesem Anlass, ähnlich wie die Kirschblütensträucher und andere Dekorationen, Glück im neuen Jahr gewährleisten. Ihren vietnamesischen Namen Tranh Đông Hồ oder Làng Đông Hồ tragen diese Neujahrsbilder nach dem Dorf Đông Hồ in der Gemeinde Song Hồ, Distrikt Thuận Thành, in der Provinz Bắc Ninh, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Hanoi. Dies ist das bekannteste der Handwerksdörfer, die diese Bilder produzieren, denn nur hier werden die Drucke aus regionalen, natürlichen Materialien hergestellt und diese Rezepturen seit Jahrhunderten als Geheimnis weitergegeben. Jährlich werden über eine halbe Million Bilder hergestellt.
miniatur|Ratten-Hochzeit auf einem Tranh Đông Hồ Als Papier wird die Rinde eines Baumes namens „Dzo“ veredelt, monatelang gewässert und meist Orange, Pink, Gelb oder Purpur eingefärbt. Die Motive werden mit verschiedenen Farbkombinationen gedruckt, anschließend wird als Schutzfilm eine Reismehlpaste aufgetragen, die die Bilder außerordentlich haltbar macht. In der Darstellung werden traditionelle Motive den modernen vorgezogen.
Der Hahn schützt das Haus, der Frosch steht für die Tapferkeit, das Schwein für Wohlstand und Gedeihen der Ernte, Pfau und Phoenix für Schönheit und Frieden und die Gans für Sanftmut. Viele dieser Symbole sind auch in China bekannt, haben aber in Vietnam ihre Bedeutung gewandelt. Typisch vietnamesische Motive sind Palmen und Elefanten sowie die Darstellung legendärer Personen und Begebenheiten. Viele der Neujahrsbilder lassen Humor erkennen, wie das beliebte Motiv des alten Mannes, der den Streit seiner beiden jungen Ehefrauen zu schlichten versucht, Mäuse- oder Froschhochzeiten und Szenen aus dem Alltag auf dem Lande. In: cathrinka.blog.de, 24. Januar 2009.
Das Gemälde rechts feiert das Jahr der Ratte und stellt eine Rattenhochzeit dar. Als Vertreter der Oberklasse ist eine Katze dargestellt, wogegen die Ratten arme und gutmütige Wesen verkörpern. Für einen guten Verlauf der Hochzeit müssen sie ihren Herrscher mit Geschenken gewogen stimmen. Der satirische Charakter der Darstellung hat seine Bedeutung bis heute erhalten. Nach einer anderen Interpretation stellt die Katze China dar, dem die Vietnamesen Tribut zollen.
Im Jahr 2025 wurde „Die Herstellung von Đông Hồ Volkskunst im Holzschnitt“ auf Antrag von Vietnam von der UNESCO in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Feste Die meisten vietnamesischen Feste haben einen chinesischen Ursprung. Im Laufe der Zeit bekamen diese Feste aber eine typische vietnamesische Note. Daneben gibt es eine Reihe von Festen, die von den ethnischen Minderheiten begangen werden.
Das wichtigste Fest des ganzen Jahres ist Tết, das chinesische Neujahrsfest, welches meist eine ganze Woche vom letzten Tag des Mondkalenders ab dauert. Für dieses Fest kommen zahlreiche Vietnamesen, die im Ausland leben, zurück nach Vietnam, alle Geschäfte und Restaurants bleiben mehrere Tage geschlossen. Der Jahreswechsel wird mit einem Höllenlärm aus Perkussionsinstrumenten und eigentlich illegalem Feuerwerk gefeiert. Der Tradition und dem Volksglauben nach muss das neue Jahr in einem frisch geputzten Haus und mit neuer Kleidung begangen werden. Zudem werden einige Gerichte ausschließlich an diesem Feiertag zubereitet. Insbesondere ärmere Familien müssen das ganze Jahr über sparen, um sich die Feierlichkeiten leisten zu können.
Weitere wichtige Feste sind Tết Trung Nguyên, der Tag der wandernden Seelen, welches in der Regel in den August (nach westlichem Kalender) fällt. Hier werden den Seelen der Toten Kleidung und Speisen angeboten und die Gräber gesäubert. An Trung Thu, dem Mittherbstfest, werden Drachentänze aufgeführt, der runde Mond bewundert und spezielle Kuchen gegessen. Weihnachten ist seit neuestem ein allgemeiner Feiertag, er wird aber nur von der christlichen Minderheit wirklich gefeiert.
Der Nationalfeiertag wird am 2. September begangen.
Siehe auch: Vietnam
Religion miniatur|hochkant|Im zentralen Cao-Dai-Tempel von Tay Ninh in der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt
In Vietnam ist eine große Anzahl von ethnischen Religionen anzutreffen. Ursprünglich waren unter den vietnamesischen Völkern Animismus, Polytheismus und Ahnenkulte verbreitet. Viele der Götter, welche man damals anbetete, existieren auch noch im heutigen Volksglauben.
Die bedeutendste Religion ist der Buddhismus. Der heute vorherrschende Mahâyâna-Buddhismus kam im 2. Jahrhundert über China sowie über die südlichen Reiche Funan (heute Kambodscha) und Champa nach Vietnam und war die erste fremde Religion, die in Vietnam Fuß fasste. Neben dem Mahâyâna als bedeutendster Schule gibt es auch Anhänger des Theravâda (vor allem unter den Khmer verbreitet), des Zen-Buddhismus und des Hoa Hao, einer 1939 von Huynh Phu So gegründeten buddhistischen Tradition.
Die nach der Anhängerzahl zweitwichtigste Religion ist der Katholizismus. Er kam mit französischen, spanischen und portugiesischen Missionaren ab dem 17. Jahrhundert ins Land. Heute existieren in Vietnam etwa 6000 Kirchen, und etwa 7 % der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es auch eine kleine Gruppen von Protestanten.
Rund zwei Millionen Vietnamesen sind Anhänger des Cao Dai („Großer Palast“), einer in den 1920er Jahren entstandenen synkretistischen Religion, die auf spiritistische Offenbarungen des Gründers Ngô Văn Chiêu zurückgeht.
Muslime sind vor allem in den Bergregionen Zentralvietnams, unter den Nachfahren der Cham zu finden.
Nach wie vor finden auch die jahrhundertelangen engen Verbindungen mit China ihren Niederschlag in der Glaubenswelt Vietnams; sowohl Taoismus wie auch Konfuzianismus hinterließen ihre Spuren. Alle diese Religionen haben in Vietnam eine gewisse Adaptierung an das Land erfahren, so dass sie in ihren Ausprägungen oft nicht mit denen in den Nachbarländern Vietnams identisch sind.
Die Anzahl der Menschen, die einer speziellen Religion zugehören, lässt sich sehr schwer in Zahlen fassen. Erstens ist Vietnam ein offiziell atheistischer Staat, und die vietnamesische Regierung ist bis in die 1980er Jahre gegen Religionen auch offensiv vorgegangen, was mittlerweile nicht mehr der Fall ist. Des Weiteren ist es in Asien nichts Ungewöhnliches, sich zu mehr als einer Religion zu bekennen. So findet sich in fast jedem Haushalt ein kleiner Schrein zu Ehren der eigenen Vorfahren. Die Mehrheit der Bevölkerung praktiziert eine Mischung aus Buddhismus, Daoismus, Animismus und Ahnenkult.
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