Otto Kapfinger (* 12. Mai 1949 in St. Pölten) ist ein österreichischer Architekt, Autor und Publizist.

Werdegang Als Sohn des Malermeisters und Schildermalers Josef Kapfinger und seiner Frau Maria (geb. Zeber) 1949 in St. Pölten geboren, wuchs Otto Kapfinger in Herzogenburg auf und besuchte 1960 bis 1967 das Gymnasium Kollegium Kalksburg. Von 1967 bis 1972 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Noch im Studienjahr 1969/1970 gründete er mit Angela Hareiter und Adolf Krischanitz die Architektengruppe Missing Link, die künstlerische Projekte, Objekte, Graphiken, Filme, Aktionen und Performances realisierte. 1980 wurde die Gruppe aufgelöst.

International bekannt ist Kapfinger als Architekturforscher und -kritiker sowie Autor zahlreicher Publikationen zur Architektur. Kapfingers erste größere Textarbeit war Via trivialis 1980. Von 1981 bis 1990 veröffentlichte er rund 360 architekturbezogene Rezensionen in der Tageszeitung Die Presse. Als Kurator initiierte er zahlreiche Ausstellungen zur Architektur des 20. Jahrhunderts in Österreich. Die gemeinsam mit Krischanitz gestaltete Ausstellung A New Wave of Austrian Architecture (1980) wurde an zehn Standorten in den USA gezeigt, u. a. im Institute for Architecture and Urban Studies in New York. Gemeinsam mit Krischanitz führte er 1983–1985 die erste Generalsanierung der Wiener Werkbundsiedlung aus und dokumentierte die dabei gewonnenen Erkenntnisse in der Publikation Die Wiener Werkbundsiedlung. Dokumentation einer Erneuerung (1985).

Seit 1978 ist Kapfinger Mitglied der Wiener Secession; in den Jahren 1980 bis 1984 war er Mitglied im Vorstand der Vereinigung. Anlässlich der Generalrenovierung bzw. des Umbaus des Wiener Secessionsgebäudes von 1985 bis 1986 – in deren Rahmen etwa das Beethovenfries in das Souterrain verlagert wurde –, veröffentlichte Kapfinger mit dem den Umbau leitenden Krischanitz ein Buch zur Entstehung, Geschichte und Erneuerung des Gebäudes.

Nachdem Kapfinger 1984 das von dem Philosophen Ludwig Wittgenstein gemeinsam mit dem Architekten Paul Engelmann entworfene Haus in der Wiener Kundmanngasse 19 (Haus Wittgenstein) in einer Broschüre dokumentiert hatte (u. a. mit Fotografien von Margherita Spiluttini), kuratierte er 1989 gemeinsam mit Bernhard Leitner die Ausstellung Haus Wittgenstein – Geschichte und Spuren vor Ort im Auftrag der Wiener Secession.

Von 1984 bis 1990 war Kapfinger Lehrbeauftragter am Institut für Möbelbau und Raumgestaltung an der Meisterklasse Johannes Spalt, Hochschule für angewandten Kunst, Wien. Mit Spalt erarbeitete er in dieser Zeit ein erstes Konzept für ein Österreichisches Architekturmuseum im Semper-Depot und betreute die Konzeption und Durchführung des Großen Österreichischen Wohnbaupreises im Auftrag der ÖGFA. An der Hochschule für angewandte Kunst konzipierte und organisierte Kapfinger 1985 das internationale Symposium Josef Frank 1885–1967 und gestaltete gemeinsam mit Spalt die Ausstellung Josef Frank – Siedlungen und Siedlungsprojekte in der Wiener Werkbundsiedlung.

Internationale Beachtung fand das 1984 durchgeführte Internationale Architektur Symposium „Mensch und Raum“ an der Technischen Universität Wien, an dem unter anderem Bruno Zevi, Dennis Sharp, Pierre Vago, Jorge Glusberg, Justus Dahinden, Frei Otto, Paolo Soleri, Ernst Gisel und Ionel Schein teilnahmen.

Nachdem Günther Feuerstein das 1973 gegründete Institut für Umraumgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Linz verlassen hatte, übernahm Kapfinger 1997/1998 interimistisch die Leitung des Instituts als Gastprofessor.

Von 1978 bis 1992 war Kapfinger Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA); 1979 gründete er deren Zeitschrift UMBAU mit (Redaktionsmitglied bis 1990); seit 2023 ist er Ehrenmitglied der Gesellschaft.

Otto Kapfinger ist bzw. war als Juror tätig, etwa beim Österreichischen Bauherrenpreis, dem Bauherrenpreis in Tirol und dem Kärntner Landesbaupreises (1994–1998), sowie Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt Krems (1996–1999) und Salzburg (1997–1999). Darüber hinaus ist er wissenschaftlicher Berater des Architekturzentrums Wien.

Seit 1989 ist Kapfinger mit der Künstlerin und Trickfilmerin Renate Kordon verheiratet.

Bauten mit Adolf Krischanitz 1979: Haus Haydl, St. Johann im Pongau mit Norbert Fritz 1980: Reisebüro Kuoni, Wien 1980–1981: Anbau Haus Hiermanseder, Schwarzach im Pongau 1981: Haus Nagiller, Perchtoldsdorf 1982: Haus Hiermanseder, Schwarzach im Pongau mit Norbert Fritz 1985: Renovierung Werkbundsiedlung Wien 1986–1990: Forellenwegsiedlung, Salzburg

Bücher Chronologisch gereiht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Publikationen im Rahmen der Gruppe Missing Link, siehe dort. Eine umfangreiche Bibliografie wird im Buch Architektur im Sprachraum (2014), S. 339–351 geboten.

Monografien

zahlreiche Fachpublikationen in Arch+, archithese, Bauwelt, DOMUS, Umbau, Werk, Bauen +Wohnen etc.

Zur Architektur in österr. Bundesländern

Herausgeberschaften

Ehrungen und Preise 1996: Niederösterreichischer Kulturpreis für Architektur 1997: Preis der Stadt Wien für Publizistik 2005: Würdigungspreis des Landes Kärnten für besondere Leistungen der Architektur und Verdienste um die Baukultur 2015: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2019: Ehrendoktor der Technischen Universität Wien

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Hochschullehrer (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz) Kategorie:Autor Kategorie:Publizist Kategorie:Person (St. Pölten) Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Wien Kategorie:Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Mann