mini|Luftbild von der Ems aus gesehen Petkum (plattdeutsch: Petjem) ist der östlichste Stadtteil von Emden in Ostfriesland. Das zuvor zum Landkreis Leer gehörende Petkum wurde im Jahre 1972 nach Emden eingemeindet. Am 31. Dezember 2023 waren 1100 Einwohner registriert.
Der Ort feierte 2006 sein 1200-jähriges Bestehen. Wie üblich in Ostfriesland, siedelten die ersten Bewohner auf Warften. Da zu der Zeit bereits ein Wasserlauf in die Ems mündete, geht man davon aus, dass Petkum schon früh in den von Ostfriesland ausgehenden Seehandel eingebunden war.
Lage Petkum grenzt im Westen an Widdelswehr sowie im Norden an Uphusen. Östlich von Petkum liegt die Gemeinde Moormerland im Landkreis Leer, darin die Gemarkung Gandersum.
Petkum hat drei Nebenorte: Östlich des Ortskerns liegt die kleine Bauernsiedlung Petkumer Münte („Petkumer Mönche“), ein ehemaliges Vorwerk der Johanniter-Kommende Muhde. Zwischen Petkumer Münte und dem Dorf Gandersum im Landkreis Leer liegt das Emssperrwerk, allerdings bereits auf dem Gebiet des Landkreises. Nördlich des Orts befindet sich der Petkumer Hammrich mit mehreren Höfen. Am Fehntjer Tief liegt zudem der frühere Hof Petkumer Klappe, der seinen Namen von der dort befindlichen Klappbrücke über das Tief erhielt.
Der Petkumer Ortskern liegt in der Kleimarsch, wohingegen ein schmaler Streifen Landes entlang des Emsdeichs, der erst im 20. Jahrhundert eingedeicht wurde, zur Kalkmarsch zählt. Im Deichvorland ist Rohmarsch zu finden. Nördlich des Ems-Seitenkanals und im Bereich Petkumer Münte findet sich Knickmarsch, noch weiter im Norden der Petkumer Gemarkung abgelöst von Pseudogley unterlagert von Kleimarsch sowie von Niedermoor mit Rohmarschauflage.Vgl. die Bodenübersichtskarte 1:50.000 des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, Kartenserver – www.nibis.lbeg.de, abgerufen am 14. Juli 2013.
Gewässer Petkum liegt unmittelbar an der Ems und verfügt über einen kleinen Hafen mit einer kleinen Marina. Von dort verkehrt täglich die Fähre Ditzum–Petkum in das rheiderländische Dorf Ditzum. Nördlich des Ortskerns fließt zudem der 1894–1897 erbaute Ems-Seitenkanal entlang. Gekreuzt wird der in Ost-West-Richtung verlaufende Ems-Seitenkanal vom Petkumer Sieltief. Das Sieltief bestand bereits um das Jahr 1600Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, ohne ISBN, S. 198. und wurde später begradigt. Es fließt zum Petkumer Siel, das in den kleinen Hafen entwässert. Das alte Siel ist das größte Gewölbesiel an der ostfriesischen Küste und wurde in den Jahren 1857/58 erbaut. In den Jahren 1983–1987 wurde es durch ein neues, leistungsfähigeres ersetzt. Statt einer Durchflussbreite von 7,6 Metern ergibt sich seither eine von 12,4 Metern. mini|Der Petkumer Fischereihafen, links der Fähranleger mit der Fähre nach Ditzum mini|Die Hafeneinfahrt von der Ems aus gesehen
Weiter nördlich in der Petkumer Gemarkung und in etwa parallel zum Ems-Seitenkanal fließt das Fehntjer Tief. Es handelt sich auf diesem Abschnitt um eine im 17. Jahrhundert angelegte, künstliche Erweiterung der Flumm, eines natürlichen Flüsschens in der Gemeinde Großefehn. Nach Anlegung des Westgroßefehns durch Emder Bürger im Jahre 1633 wurde die Flumm, die bis dahin in Richtung Oldersum floss, durch einen Kanal ergänzt, der sie direkt mit Emden verband. Von einer Stelle wenige Kilometer nördlich von Oldersum (beim Hof Monnikeborgum) wurde das Tief durch Ausheben künstlich in Richtung Westen, also Emden, verlängert. Dies geschah, um den Abtransport des Torfs aus den Fehnen nach Emden zu verbessern. Zwischen Petkum und Herrentor hieß das neu gegrabene Tief zunächst Sägemüllers Tief und zwischen Petkum und Oldersum Grove (von graben), später dann im Zuge einer Vereinheitlichung des Gewässernamens einfach Fehntjer Tief.Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, ohne ISBN, S. 207.
Die Petkumer Gemarkung gehört, wie alle Emder Vororte östlich des Hafens an der Ems, dem Entwässerungsverband Oldersum an., PDF-Datei, abgerufen am 29. November 2024.
Schutzgebiete In der Petkumer Gemarkung befinden sich die beiden einzigen Naturschutzgebiete der Stadt Emden. Zur Ems hin, welche über eine Muhde zu erreichen ist, dehnen sich Salzwiesen aus, welche einer Vielzahl von heimischen Wasservögeln Brutplätze sichern. Hier befindet sich das Naturschutzgebiet Petkumer Deichvorland. Es ist 200 Hektar groß, wovon 195 auf Emder Stadtgebiet entfallen, und steht seit 1994 unter Naturschutz. Das Deichvorland ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes „Emsmarsch von Leer bis Emden“.(Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz): Naturschutzgebiet „Petkumer Deichvorland“ – www.nlwkn.niedersachsen.de. Seit 1975 steht das Bansmeer unter Naturschutz, ein 0,24 km² großer See mit Schilfufern.
Geschichte Ortsname Zur Namensherkunft existieren zwei verschiedene Herleitungen: Zum einen könnte Petkum, im 10. Jahrhundert als Pettinghem erwähnt, aus Patjingas Hem (Heim der Leute des Patjo) herrühren, oder aber aus dem zu Pado verschärften Rufnamen Bado, also Bados Heim. Die Endung -um bedeutet Heim, wie bei vielen anderen ostfriesischen Orten auch.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren – Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 178.
Bis zum 20. Jahrhundert Zur Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge war Petkum ein Häuptlingssitz mit einer der für Ostfriesland typischen Burgen, worunter zumeist befestigte, mehrstöckige Steinhäuser wie dasjenige in Bunderhee zu verstehen sind.
Als die Fehden der ostfriesischen Häuptlinge untereinander beendet waren und sich die Familie Cirksena gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt hatte, wurde Ulrich Cirksena 1464 in den Reichsgrafenstand erhoben. Nachdem ihm am 26. April 1465 die Familie des Snelger Houwerda als Häuptlinge von Uphusen und Wolthusen sowie dessen Verwandte, die Häuptlinge von Oldersum, gehuldigt hatten, folgten am 10. Mai jenes Jahres auch weitere Häuptlinge aus der Umgebung von Emden, darunter auch der Häuptling von Petkum.Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 5). Verlag Rautenberg, Leer 1975, ohne ISBN, S. 110. Der Ort behielt zur Zeit der ostfriesischen Grafen den Status einer Herrschaft (Herrlichkeit) und war damit in gewissem Umfang unabhängig von den Landesherren. Von Kaiser Friedrich III. erhielt die Häuptlingsfamilie Ripperda 1474 das Reichsfreiherrendiplom.
mini|Stammwappen der Reichsfreiherren von Ripperda Nach der Emder Revolution (1595) ging die Stadt Emden daran, ihr östliches Einzugs- und Zugangsgebiet durch den Erwerb von Herrlichkeiten zu sichern. Nacheinander erwarb sie von den (teils verarmten) Besitzern 1597 die Herrlichkeiten Wolthusen und Uphusen sowie in den Jahren 1629 bis 1631 die Herrlichkeiten Groß- und Klein-Borssum, Jarßum, Widdelswehr und schließlich Oldersum mitsamt der umliegenden Ortschaften Gandersum, Rorichum und Tergast. Hintergrund dieser Käufe war, dass die Emder Stadtväter befürchteten, die ostfriesischen Grafen könnten sich jener Herrlichkeiten bemächtigen, um der Stadt die wichtigen östlichen Land- und Wasserwege sperren könnten. Petkum blieb als einzige der Herrlichkeiten am Emsufer östlich von Emden selbstständig und blieb bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz der Familie Ripperda.
Da im deutlich calvinistisch geprägten Emden die Gottesdienste von lutherischen Gläubigen innerhalb der Stadtmauern verboten waren, benötigten die Lutheraner der Stadt einen Ausweichstandort für ihre Gottesdienste und fanden ihn in Petkum, wo sich unter den Ripperda das lutherische Bekenntnis in der ansonsten stark reformiert geprägten Region beiderseits der Unterems durchgesetzt hatte. Die Fahrten zu den Gottesdiensten über mehrere Kilometer Marschland waren besonders im Winter und besonders für ältere Personen beschwerlich, oft sogar unmöglich. Es dauerte bis zum 18. Mai 1685, dass die reformierten Stadtoberen Emdens ein Indult unterzeichneten, in dem den Lutheranern der Stadt die Ausübung ihres Gottesdienstes und der Bau einer Kirche genehmigt wurde – allerdings unter weiterhin strengen Auflagen. So hatte das Gotteshaus außerhalb der Altstadt zu entstehen (fündig würden die Lutheraner in der Mühlenstraße in Klein-Faldern und bauten ein Haus um, so dass es von außen als Kirche nicht zu erkennen war), und die Zahl der Abendmahlsgottesdienste war auf vier pro Jahr beschränkt, einschließlich eines Bußgottesdienstes am jeweiligen Abend zuvor. Die erste Predigt für die 300 Gemeindeglieder hielt am Reformationstag 1685 der Auricher Pastor Caspar Schepler, am folgenden Tag beim Abendmahl unterstützt vom Petkumer Pastoren Inno Reershemius.Bernd Kappelhoff: Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik. (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 11), Verlag Rautenberg, Leer 1994, ohne ISBN, S. 448 ff.
Bolo von Ripperda war 1675 Präsident der Ostfriesischen LandschaftDie Präsidenten der Ostfriesischen Landschaft – www.ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 2. Mai 2013. und wurde anschließend Bevollmächtigter der Ostfriesischen Landstände und der Fürstin von Ostfriesland am kaiserlichen Hof in Wien. Kaiser Leopold I. bestätigte am 3. September 1676 das Reichsfreiherrendiplom für Bolo IV. und das ganze Geschlecht von Ripperda. Bolo IV. wurde es gestattet, das Wappen von Petkum mit seinem Familienwappen zu verbinden. Das Wappen der Ripperda verwendete die Gemeinde Petkum bis zu ihrer Eingemeindung nach Emden 1972.
mini|Kolorierte Kupferstichkarte von Homann, Nürnberg, um 1718 zur Weihnachtsflut 1717 Von der Weihnachtsflut 1717 war Petkum aufgrund seiner Lage an der Unterems zwar deutlich weniger betroffen als die nördlichen Küstenabschnitte der ostfriesischen Halbinsel. Jedoch kamen auch in der Herrlichkeit nach einer zeitgenössischen Übersicht des Predikanten Jacobus Isebrandi HarkenrothZitiert in: Ernst Siebert: Entwicklung des Deichwesens vom Mittelalter bis zur Gegenwart. (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 2). Verlag Deichacht Krummhörn, Pewsum 1969, ohne ISBN, S. 334 f. 14 Menschen ums Leben. 60 Rinder ertranken und fünf Häuser wurden völlig zerstört.
Mit Ostfriesland kam die Herrlichkeit Petkum im Jahr 1744 zu Preußen. Aus preußischen Statistiken der Jahre 1805/06 geht hervor, dass es in jenen Jahren in der Herrlichkeit 17 Bewohner ganzer Plätze und je einen Bewohner eines halben und eines viertel Platzes, also kleinerer Höfe, gab. Hinzu kamen 53 Warfsleute, Kötter und Hausleute. Neben dem Besitzer eines adligen Gutes gab es seinen Verwalter, einen Prediger und dessen Küster. Die Einwohnerzahl der Herrlichkeit betrug 405. Zur Landwirtschaft und Fischerei (mit zwei Fischern) kam ein diversifiziertes Gewerbeleben hinzu. So gab es im Handwerk fünf Müller, vier Schuster, drei Zimmerleute, jeweils zwei Schmiede, Leinenweber, Schneider, Bäcker und Branntweinbrenner. Des Weiteren gab es jeweils einen Kalkbrenner, Ziegelstreicher, Böttcher und Brauer. Im Handel waren zwei Krämer, ein Schiffer und fünf Personen im Gastgewerbe tätig. Für die medizinische Versorgung war eine Hebamme zuständig. 37 Personen verdienten zudem ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner. In der Herrlichkeit befanden sich eine Mühle, zwei Branntweinbrennereien, vier Leinewebermanufakturen und eine Ziegelei. In der Landwirtschaft waren 296 Stück Rindvieh zu verzeichnen (darunter zehn Ochsen und 61 Stück Jungvieh), 151 Schafe, 83 Schweine und 91 Pferde. Im Ackerbau konzentrierten sich die Landwirte auf Hafer und vor allem Raps, bauten in geringerem Umfang aber auch Weizen, Roggen, Gerste, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen an.Karl Heinrich Kaufhold; Uwe Wallbaum (Hrsg.): Historische Statistik der preußischen Provinz Ostfriesland (Quellen zur Geschichte Ostfrieslands, Band 16), Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1998, ISBN 3-932206-08-8, S. 136, 145, 375, 429, 593 und 619.