mini|Reinhold Messner (2024) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage Reinhold Andreas Messner (* 17. September 1944 in Brixen, Südtirol, Italien, seinerzeit Operationszone Alpenvorland) ist ein italienischer (Südtiroler) Extrembergsteiger, Abenteurer, Buchautor, Museumsgründer und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments (Verdi Grüne Vërc).

Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Er und Peter Habeler erreichten 1978 als erste Menschen den höchsten Gipfel der Erde (Mount Everest, ) ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff. Messner stand als Erster auf den Gipfeln aller vierzehn Achttausender (1970–1986, jeweils ohne Flaschensauerstoff). Ebenfalls als Erster hat er einen Achttausender im Alleingang bestiegen (Nanga Parbat 1978) und war zwei Jahre später der Erste, der den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff im Alleingang bestieg. Zudem war er 1986 der Zweite, der bis dahin alle Gipfel der Seven Summits in der „Messner“-Version (mit Puncak Jaya) erklommen hatte. Weiter durchquerte er die Antarktis (1989/1990 mit Arved Fuchs), Grönland (1993) und die Wüste Gobi (2004).

Leben

Reinhold Messner wuchs mit acht Geschwistern – Helmut (* 1943), Günther (1946–1970), Erich (* 1948), Waltraud (* 1949), Siegfried (1950–1985), Hubert (* 1953), Hansjörg (* 1955) und Werner (* 1957) – in Villnöß in Südtirol auf. Die Eltern waren der Lehrer Josef (Sepp) Messner (1917–1985) sowie Maria Messner, geb. Troi (1913–1995). Seit den späten 1990er Jahren lebt er in Meran und im Juli/August oft auf seinem unter Denkmalschutz stehenden Schloss Juval am Eingang des Schnalstals im Südtiroler Vinschgau. In dem Bergdorf Sulden am Ortler züchtet er Yaks und hat in einem renovierten Bergbauernhof das Restaurant Yak und Yeti eingerichtet. Er unterhält außerdem das Messner Mountain Museum. Sein Zweitwohnsitz ist München.

Messner studierte Vermessungskunde an der Universität Padua. Ein Jahr lang unterrichtete er Mathematik und Naturkunde an der Mittelschule in Eppan.

Seit den 1990er Jahren reflektiert Messner sein gelegentlich extremes Handeln und seine Planung ausführlich und öffentlich. Dies hat ihn, wie viele Extremsportler, zu einem gefragten Trainer bei Manager-Seminaren gemacht. 1992 gründeten Messner und Herbert Henzler, der frühere Deutschland-Chef von McKinsey, eine Vereinigung für deutsche Spitzenmanager, die Similauner (benannt nach dem Berg Similaun), für gemeinsame Bergtouren, Ski-Abfahrtsrennen und berufliche Vorträge.Dietmar Student: Netzwerke: Die geheimen Machtzirkel der Manager In: Manager Magazin, Nr. 3, 7. März 2011.Dietmar Student: Similauner: Der letzte Männerbund In: Manager Magazin, 24. August 2012.

Privates

Messner war von 1972 bis 1977 mit Uschi Demeter verheiratet. Aus seiner Verbindung mit Nena Holguin stammt die Tochter Làyla. Am 31. Juli 2009 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin, die Wiener Textildesignerin Sabine Stehle, mit der er drei gemeinsame Kinder hat (Magdalena, Simon und Anna Juditha). Im Jahr 2020 wurde die Ehe geschieden. Am 28. Mai 2021 heiratete er seine dritte Ehefrau, die Luxemburgerin Diane Schumacher (* 1980).Reinhold Messner erneut verheiratet orf.at, abgerufen am 29. Mai 2021.

Materielles Erbe

Sein Vermögen schätzen Finanzexperten auf rund 30 Millionen Euro. Um spätere Erbstreitigkeiten zu verhindern, hat Messner sein Erbe bereits zu Lebzeiten an seine Kinder verschenkt.Bitter enttäuscht von seinen Kindern. Bilder und Text in Funk Uhr, Ausgabe 33, 2024, S. 7. In einem Interview vom 21. Juli 2025 bezeichnete er dies jedoch als „einen seiner größten Fehler“. Das Verhältnis zu seinen Kindern sei angespannt. Er selbst habe von seinen eigenen Eltern nichts geerbt und sei glücklich darüber. Er habe sich zusammen mit seinen Geschwistern um die Eltern im Alter gekümmert. Bei ihm sei es nun umgekehrt. In dem Moment, als er „sein materielles Erbe an die Kinder und (Ex-)Ehefrau verteilt habe, sei die Familie zerbrochen. Die Frage, wer mehr bekommen habe, stand im Vordergrund“.

Bedeutung für das Bergsteigen Messner hat in den 1970er und 1980er Jahren das Höhenbergsteigen stilistisch verändert. Inspiriert durch den österreichischen Alpinisten Hermann Buhl und den italienischen Bergsteiger Walter Bonatti, übertrug Messner als einer der ersten Stil und Taktik der alpinen Kletterkunst auf das Höhenbergsteigen im Himalaya. So bestieg er im Alpinstil als erster die Achttausender ohne Flaschensauerstoff, Infrastruktur und Fixseile im Alleingang, mit einem Bergpartner oder mit kleinen, am Berg flexibel agierenden Gruppen, wobei die Gipfel nicht mehr, wie bis dahin üblich, wochenlang im Expeditionsstil mit zahlreichen Höhenlagern materialaufwendig „belagert“ wurden. Vielmehr konnten die Achttausender dank leichter und minimaler Ausrüstung bei günstigen Wetterverhältnissen schnell bestiegen und wieder verlassen werden. So wurde der Aufenthalt in der Todeszone zeitlich minimiert.

Politische Betätigung mini|hochkant|Reinhold Messner (2002) Messner engagiert sich seit den 1980er Jahren für Umweltschutz; u. a. war er offener Promotor der 1983 kandidierenden Alternativen Liste für das andere Südtirol des späteren grünen Europaparlamentariers Alexander Langer. 1999 wurde Messner selbst als parteiloser Kandidat für die Grünen Südtirols (Verdi Grüne Vërc) für fünf Jahre ins Europäische Parlament gewählt. Vom 20. Juli 1999 bis zum 19. Juli 2004 vertrat er dort die italienischen Grünen (Federazione dei Verdi). Danach bewarb er sich für seine Wiederwahl bei den bayerischen Grünen, wurde dort aber nicht als Kandidat akzeptiert. Im Frühjahr 2012 warb er im Vorfeld eines Bürgerentscheids für die Erweiterung des Münchner Flughafens.Dominik Hutter & Marco Völklein: Nein zur dritten Startbahn – Plakate haben’s auch nicht immer leicht. In: Süddeutsche Zeitung. 20. Juni 2012

Medienpräsenz und Rezeption Messner hat den Selbstzweck des Bergsteigens als psychische und physische Grenz- und Selbsterfahrung in den Mittelpunkt seiner Unternehmungen gestellt und das über Massenmedien vermittelt.Kai Pfundt: „Ich bin eher ängstlich. Reinhold Messner spricht über Nahtoderfahrungen, Respekt vor dem Berg und den überlebensnotwendigen Kletterinstinkt.“ In: General-Anzeiger (Bonn), 4./5. Juni 2022, S. 3 „Journal“. Zugleich hat er mit mehr als 80 Buchpublikationen (Stand 2014) über seine Abenteuer und Expeditionen, denen eine suggestive, an Metaphern reiche Sprache eigen ist, auch zur Bekanntheit des Bergsteigens als Extremsport beigetragen. Als rhetorisch versierter, oft polemisch argumentierender Bergsteiger hat Messner während und nach seiner Zeit als aktiver Sportler eine für Bergsteiger zuvor unbekannte Form von Medienpräsenz und Selbstvermarktung erreicht. Dazu trugen neben sportlichen Erfolgen und Rekorden auch seine häufig polarisierenden, teilweise provozierenden Äußerungen zum Bergsteigen, dem modernen Sportklettern, Massentourismus und zu umweltpolitischen Fragen bei. Regelmäßig beklagt er in den Medien einen gegenwärtigen „Pistenalpinismus“. Messner hat den Begriff selbst geprägt und meint damit einen kommerzialisierten Alpinismus, bei dem häufig wohlhabende Amateurbergsteiger von vorbereiteten Routen und Sherpa-Dienstleistungen profitieren, während sie jegliche Eigenverantwortung abgeben. Im Gegensatz dazu betont Messner die Bedeutung des traditionellen Alpinismus, der auf Abenteuer, persönlicher Auseinandersetzung mit der Natur und dem Berg, einer ausreichend langen Vorbereitung bzw. Akklimatisation und Eigenverantwortung basiert. Anbieter dieser Dienstleistungen wenden ein, dass Messners Expedition 1978 bei der Everest-Besteigung auch auf Fixseile und Sherpas zurückgriff und, im Gegensatz zu heutigen kommerziellen Anbietern, den Müll am Berg zurückgelassen hätte.

Seine polarisierende Medienpräsenz stößt in Fachkreisen auch häufig auf negative Rezeption. Große Kritik erhielt Messner, nachdem er die österreichische Profibergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner abwertend mit Paris Hilton und Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarovski verglich. Der Triple-Seven Summits Erstbesteiger Christian Stangl sei laut Messner weiters „nicht einmal eine Fußnote in der alpinen Geschichte“. Christof Krapf warf Messner in der NZZ im Rahmen von Laura Dahlmeiers Tod Selbstinszenierung vor. Seine Aussagen zu allen möglichen Ereignissen seien oft spekulativ, undifferenziert und auf möglichst viel Aufmerksamkeit aus, besonders in den Boulevardmedien wie der Bild. Der Bergsportjournalist Dominik Osswald bemängelt neben Messners spekulativen Mutmaßungen außerdem seine medienwirksame Anprangerung der Kommerzialisierung des Bergsteigens, obwohl er gleichzeitig mit Bergsteigern wie Nirmal Purja in Verbindung steht, die genau diese Kommerzialisierung vorantreiben. Die Alpinchronistin Billie Bierling meinte in einem Interview, dass Messners „Einschätzungen manchmal nicht mehr zeitgemäss wirken“.

Versteckte Kamera am Matterhorn Eine Szene mit Kurt Felix in dessen TV-Sendung Verstehen Sie Spaß gilt heute noch als Klassiker und machte Messner auch bei einem breiteren, nicht primär am Alpinismus interessierten Publikum bekannt. Am 11. April 1987 (ausgestrahlt 1988) ließ man ihn am Matterhorn, wo er als Bergführer mit (eingeweihter) Kundin unterwegs war, auf einen inszenierten Kiosk samt Souvenirs, Knallbomben und des Boulevardmagazins BUNTE treffen. Der Kiosk war Messner sichtbar lästig und als ihm seine eigenen Bücher als Verkaufsschlager präsentiert wurden, platzte ihm der Kragen.

Expeditionen Besteigungen bis 1970 Reinhold Messner machte bis 1970 vorwiegend durch seine Leistungen in den Alpen auf sich aufmerksam. Bis 1964 führte er über 500 Klettertouren durch, meist in den Dolomiten. 1965 beging er die direkte Ortler-Nordwand als Erster. Ein Jahr später bestieg er den Walkerpfeiler der Grandes Jorasses und die Rocchetta Alta di Bosconero. 1967 unternahm er die erste Begehung der Monte-Agnèr-Nordostwand und die ersten Winterbegehungen der Monte Agnèr-Nordkante und der Furchetta-Nordwand. 1968 folgten die nächsten Erstbegehungen, die des Heiligkreuzkofel-Mittelpfeilers sowie der direkten Marmolata-Südwand. Im folgenden Jahr nahm Messner an einer Anden-Expedition teil, dabei gelang ihm zusammen mit Peter Habeler die Erstdurchsteigung der Yerupaja-Ostwand bis zum Gipfelgrat und einige Tage später die Erstbesteigung des 6121 Meter hohen Yerupaja Chico.Reinhold Messner: Aufbruch ins Abenteuer. Der berühmteste Alpinist der Welt erzählt. Bergisch Gladbach 1979, ISBN 3-404-01151-1, S. 122–133. Zudem machte er die erste Alleinbegehung der Droites-Nordwand, der Philipp-Flamm-Verschneidung an der Civetta sowie der Südwand der Marmolata di Rocca. Als seine schwerste Kletterstelle bei einer Erstbegehung wird die „Messnerplatte“ in der Route Große Mauer (6.–7. Juli 1968) am Heiligkreuzkofel angesehen. Sie wird heute mit UIAA VIII bewertet und wurde erst 1978 von Heinz Mariacher wiederholt. Auf Grund seiner Leistungen errang Messner den Ruf, einer der besten Bergsteiger in Europa zu sein. Er selbst bezeichnete jedoch Enzo Cozzolino als den besten Kletterer, den er je kennengelernt hatte. Aufgrund seiner Leistungen wurde Messner 1970 zu einer großen Himalaya-Expedition eingeladen. Im Lichte der späteren Erfolge kann das Jahr 1970 als einer der Wendepunkte in Messners Leben und Karriere angesehen werden.

Besteigungen der Achttausender nach 1970 Reinhold Messner bestieg als erster Mensch und ohne zusätzlichen Sauerstoff alle vierzehn Achttausender der Erde. Dabei gehörten seine Besteigungen immer zu den ersten zwanzig Besteigungen des jeweiligen Berges überhaupt. Im Einzelnen sind dies: mini|Lage der Achttausender 1970: Nanga Parbat (8125) 1972: Manaslu (8163) 1975: Hidden Peak (Gasherbrum I) (8080) 1978: Mount Everest (8848), Nanga Parbat (8125) 1979: K2 (8611) 1980: Mount Everest (8848) 1981: Shishapangma (8027) 1982: Kangchendzönga (8586), Gasherbrum II (8034), Broad Peak (8051) 1983: Cho Oyu (8188)