Rheinbach ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen mit dem Sonderstatus „Mittlere kreisangehörige Stadt“. Rheinbach liegt 16 Kilometer südwestlich der Bonner Innenstadt.
Geographie Geographische Lage Rheinbach liegt im linksrheinischen Teil des Rheinlandes 16 km südwestlich der Innenstadt von Bonn und 34 km südlich von Köln. Die Stadt selbst liegt in der Voreifel, naturräumlich in der Swistbucht, größtenteils noch in der Ebene der Niederrheinischen Bucht; das Stadtgebiet umfasst aber auch einige Dörfer des Ahrgebirges, das sich südlich anschließt.
Höchster Punkt Rheinbachs ist der bei Todenfeld gelegene Vermessungspunkt () , welcher eine sehr gute Aussicht in die Eifel und in Richtung Vorgebirge und Ville bietet. Auch von der Ruine Tomburg oberhalb von Wormersdorf hat man eine Aussicht bis weit in die Kölner Bucht. Bei klarem Wetter sieht man von der Tomburg aus den Kölner Dom und umgekehrt vom Turm des Doms die Tomburg.
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Die heutige Stadtgliederung Rheinbachs erfolgte im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen, dem sogenannten Bonn-Gesetz. Infolgedessen gehören seit 1. August 1969 nebst Kernstadt neun Ortschaften mit insgesamt 18 Wohnplätzen zur Stadt Rheinbach. Von den 27.605 Einwohnern Rheinbachs (nur mit Hauptwohnsitz) wohnen 11.479 in diesen Ortschaften bzw. Wohnplätzen.Monatsschrift Stadt Rheinbach: kultur u. gewerbe in Stadt und Land Ausgabe April 2024, Seite 69.
+ Ortschaften (Ortsvorsteher) mit zugeordneten Wohnplätzen
Geschichte
Der Name Rheinbach ist aus Reginbach entstanden. Der erste Teil des Namens leitet sich vermutlich von dem althochdeutschen Wort „regan“ = Regen ab, so dass mit dem späteren Ortsnamen wohl zunächst ein Bach bezeichnet wurde, der nur bei Regen ausreichend Wasser führte.
Antike bis Mittelalter Die etwa ab 80 n. Chr. erbaute Römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln, auch Römerkanal genannt, führte durch das heutige Stadtgebiet Rheinbachs. Ihr Baumaterial wurde nach der römischen Zeit ausgebeutet und es finden sich verbaute Reste z. B. am Wasemer Turm und am Hexenturm.Klaus Grewe: Aquädukte. Wasser für Roms Städte. Der große Überblick – vom Römerkanal zum Aquäduktmarmor. Regionalia Verlag, Rheinbach 2014, ISBN 978-3-95540-127-6, S. 295.
Im 12. Jahrhundert wird ein Edelmann namens Emelricus als Herr von Rheinbach genannt. Das Geschlecht der Ritter von Rheinbach lebte auf der Rheinbacher Burg und wurde in der Folgezeit immer mächtiger. Sie befestigten den Ort mit Mauern, Türmen und Halbtürmen. 1298 wird der Ort erstmals als „oppidum“ bezeichnet. 1343 erwarb der Kölner Bischof alle Rechte an Burg und Stadt Rheinbach und sie blieb bis zum Jahr 1789 Teil des Erzstifts Köln und so unter Kurkölner Kontrolle. In der Folgezeit entwickelte sich Rheinbach auch zum Verwaltungsmittelpunkt für die kurkölnischen Einnahmen aus der Grafschaft Neuenahr. Nach dem Verlust Neuenahrs an Jülich sank die Bedeutung Rheinbachs für den Erzbischof enorm und er verpfändete die Stadt häufig an größere oder kleinere Herren. So wurde ein weiterer Ausbau der Stadt gehemmt. Das zunächst blühende Tuchhandwerk und das regional bedeutende Gerbereiwesen verloren zunehmend an Bedeutung.
Frühe Neuzeit Hexenprozesse in Rheinbach fanden zwischen 1631 und 1636 statt. Der erhaltene Hexenturm diente damals als Gefängnis und ist Teil der Rheinbacher Burg. Unter den Hexenkommissaren Franz Buirmann und Jan Möden wurden etwa 130 Menschen aus Rheinbach, Flerzheim und Meckenheim als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt.Chroniken und Publikationen – Hexenverfolgung, auf rheinbach.de, abgerufen 2. Oktober 2012.
Französische Revolution bis Zweiter Weltkrieg Nach dem Einmarsch französischer Truppen 1794 ins Rheinland wurde Rheinbach Teil eines neugebildeten Département de Rhin-et-Moselle. Durch die Franzosen veränderte sich das öffentliche Leben im historisch kurzen Zeitraum von nur 20 Jahren. Eine liberale Rechtsordnung und eine effektive politische Verwaltung begünstigten während der Franzosenzeit die Wirtschaft. Das Gerichtswesen und seine Rechtsprechung wurde in fünf Gesetzbüchern zusammengefasst und vereinfacht. Die von den Franzosen verordnete Säkularisierung führte zum Verkauf der Rheinbacher Burg. Nach den Befreiungskriegen und infolge des Wiener Kongresses fiel Rheinbach 1815 an Preußen und wurde zunächst Teil des Großherzogtums Niederrhein und dann bis 1945 Teil der Rheinprovinz. 1820 wurde mit dem Abriss der Rheinbacher Stadtbefestigung begonnen.
1852 wurde eine höhere städtische Lehranstalt errichtet, die 1909 als Vollgymnasium anerkannt wurde. Seit 1862 durfte sich Rheinbach wieder „Stadt“ nennen, nachdem es diese Rechte in der Franzosenzeit infolge der Gleichstellung von Stadt und Land verloren hatte.
1866 wurde in Rheinbach eine Filiale der Armen Dienstmägde Jesu Christi eröffnet. Daraus entwickelte sich das Rheinbacher Krankenhaus, das 2006 geschlossen wurde.
Der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1880 ermöglichte in der Folgezeit die Entwicklung einer bedeutenden Keramikindustrie.
1914 wurde in Rheinbach eine Strafanstalt als Zuchthaus eingerichtet. Heute trägt die Einrichtung die offizielle Bezeichnung Justizvollzugsanstalt Rheinbach. Prominenter Insasse war der „Kanzlerspion“ Günter Guillaume.
Von 1918 bis 1929 waren in Rheinbach zunächst britische, später französische Besatzungssoldaten stationiert.
1901 lebten hier 113 Juden, die auch eine Synagoge, einen Friedhof und eine Schule unterhielten. 1942 wurden die letzten jüdischen Bürger Rheinbachs nach Osteuropa deportiert. Mindestens 34 wurden ermordet.
Am 26. Januar 1945 wurden drei jugendliche ukrainische Zwangsarbeiter auf Befehl des 1933 von der NSDAP eingesetzten Bürgermeisters Josef Wiertz wegen eines geringfügigen Diebstahls ohne Gerichtsverfahren öffentlich ermordet (durch Erhängen). Seit 2017 erinnert das Mahnmal im Stadtpark an der „Ukrainer Esche“ an das Verbrechen.
Vom Zweiten Weltkrieg wurde Rheinbach stark in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Gebäude, darunter die Pfarrkirche, wurden durch alliierte Luftangriffe zerstört. Nahezu 700 Kriegstote gab es aus Rheinbach und dem Amt Rheinbach-Land. Ihnen und weiteren Kriegstoten zum Gedenken wurde am 13. Juni 1948 die Kriegsgräberstätte Rheinbach als erste ihrer Art in der britischen Zone eingeweiht und in die Obhut der Stadt Rheinbach übergeben. 553 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges ruhen auf diesem Friedhof.
Rheinbach wie auch die Stadt Meckenheim lagen an der Vormarschroute der 9. US-Panzerdivision ins Ruhrgebiet auf dem Weg zur Brücke von Remagen.
Gegenwart Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Rheinbach den Ruf als „Glasstadt“, da sich acht Glasfachbetriebe aus Böhmen in der Stadt niedergelassen hatten. Bereits 1948 wurde eine Staatliche Glasfachschule in Rheinbach eröffnet, die heute unter dem Namen „Glasfachschule NRW“ firmiert und internationale Anerkennung gefunden hat.
Am 1. August 1969 wurden durch §5 Bonn-Gesetz die Stadt Rheinbach und die bisher selbständigen und zum Amt Rheinbach-Land gehörenden Gemeinden Flerzheim, Hilberath, Neukirchen, Niederdrees, Oberdrees, Queckenberg, Ramershoven, Todenfeld und Wormersdorf zur neuen Stadt Rheinbach zusammengeschlossen.
Im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleichs wurde in Rheinbach 1995 der Campus Rheinbach der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingerichtet.
Rheinbach als Bundeswehrstandort
Im Jahr 1951 begann die Geschichte Rheinbachs als Garnisonsstadt mit der Errichtung eines Lagers für die Stationierung alliierter Truppen, was bei den Rheinbachern umstritten war. 1952 bezog das belgische 31. Flugabwehr-Bataillon das gerade fertiggestellte Barackenlager in Rheinbach und zog vier Jahre später wieder ab. Mitte 1956 kam die Zentral-Militärische-Kraftfahrstelle (ZMK) als erste Bundeswehr-Dienststelle nach Rheinbach. Sie war im Hotel Brungs () untergebracht. Am 15. Februar 1957 wurde Rheinbach mit der Unterbringung des Wachbataillons BMVg endgültig zum Bundeswehrstandort. Nachdem das Wachbataillon 1959 nach Siegburg verlegte, wurde eine neue Dienststelle eingerichtet, der Kommandeur-Führungsfernmeldetruppen (KdrFüFmTr) und Inspizient der Territorialen Fernmeldeeinrichtungen. Daraus wuchs 1967 die Führungsfernmeldebrigade 700 auf, die 1970 zu Führungsfernmeldebrigade 900 umgegliedert wurde. Diese wiederum wurde bis 1982 zum Fernmeldekommando 900 umgegliedert. Das Fernmeldekommando 900 wurde 1994 außer Dienst gestellt. Teile wurden zur Aufstellung der Führungsunterstützungsbrigade 900 verwendet. Als Fernmeldelastiger Standort beherbergte Rheinbach von 1982 bis 1990 das Fernmeldeamt der Bundeswehr, das anschließend im Amt für Fernmelde- und Informationssysteme der Bundeswehr aufging.
Rheinbach war auch Stationierungsort für das Kommando Strategische Aufklärung, das am 17. Januar 2002 in der Tomburg-Kaserne in Dienst gestellt wurde. Das Kommando verlegte 2007/2008 die Hauptkräfte nach Grafschaft-Gelsdorf.
Die Rheinbacher Kaserne trug zunächst den Namen „Lager Rheinbach“ und wurde 1968 nach der beim Ortsteil Wormersdorf gelegenen Tomburg benannt. Heute sind in der Tomburg-Kaserne unter anderem das Kommando Informationstechnik-Services der Bundeswehr (KdoIT-SBw) und das Zentrum Cyber-Operationen (ZCO) beherbergt.
Darüber hinaus gab es im Staatsforst Schornbusch von 1968 bis 2004 das Munitionsdepot Rheinbach (), das seither als Munitionslager Rheinbach geführt wird. Von 1967 bis 1989 hatte das Amt für Militärisches Geowesen Kartenlager Mitte (AMilGeo) seinen Sitz in Oberdrees.Amt für Militärisches Geowesen Kartenlager Mitte
Einwohnerentwicklung seit 1581
Jahr Einwohner Delta …. … 1581 135 1664 442442 Steuerpflichtige leben in 167 Familien in der Stadt, davon arbeiten 48 ausschließlich landwirtschaftlich. +307 1783 ca. 900 +458 1798 1.119 +219
Jahr Einwohner Delta 1843 1.657 +538 1867 1.867Rheinbacher Kreisblatt, Nr. 1, vom 4. Jan. 1868 +210 1872 1.889Rheinbacher Kreisblatt, Nr. 45, vom 9. Nov. 1872 +22 1895 2.189 +300 1939 4.081 +1.892
Jahr Einwohner Delta 1947 9.282 +5.201 1961 13.9527.670 Einwohner leben in der Kernstadt, in den Ortschaften der Landbürgermeisterei leben 6.282 Menschen. +4.670 1969 18.9791969 kommunale Gebietsreform: 18.979 Gesamt-Einwohnerzahl, rund 60 % (11.542) leben in der Kernstadt. +5.027 1971 20.000 +1.021 1995 24.963Bürgerbüro der Stadt Rheinbach +4.963
Einwohner ab 1995 jeweils zum 31. Dezember mit Haupt- und Nebenwohnung, einschließlich der Ortschaften der Stadt Rheinbach. Jahr Einwohner Delta 1996Rheinbach hat erstmals mehr als 25.000 Einwohnerzahl. 25.381 +418 1997 25.846 +465 1998 25.579 1999 25.688 +109 2000 25.943 +255 Jahr Einwohner Delta 2001 25.986 +43 2002 26.044 +58 2003 26.149 +105 2004 26.273 +124 2005 26.533 +260 Jahr Einwohner Delta 2006 26.345 2007 26.779 +434 2008 26.924 +145 2009 27.098 +174 2010 28.372 +1.274 Jahr Einwohner Delta 2011 28.590 +218 2012 28.742 +152 2013 28.888 +146 2014 28.918 +30 2015 29.293 +375 Jahr Einwohner Delta 2016 29.288 2017 29.262 2018 29.228 2019 29.116 2020 29.062 Jahr Einwohner Delta 2021 28.931 2022 29.260 +329 2023 29.266 +6 2024 29.240 Jun. 2025 29.214
Religion Katholische Gemeinden mini|hochkant|Pfarrkirche Sankt Martin in Rheinbach Kath. Pfarrgemeinde St. Martin, Rheinbach im Erzbistum Köln mit den Kirchen St. Martin in Flerzheim St. Martin in Hilberath St. Margareta in Neukirchen St. Mariä Himmelfahrt in Merzbach St. Antonius in Niederdrees St. Ägidius in Oberdrees St. Joseph in Queckenberg St. Basilides in Ramershoven St. Hubertus in Todenfeld St. Bartholomäus in Kalenborn St. Martin in der Kernstadt von Rheinbach (Pfarrkirche)Amtsblatt des Erzbistums Köln, Stück 1, 1. Januar 2010, Nr. 38 Kath. Kirchengemeinde St. Martin, Wormersdorf in der Pfarreiengemeinschaft Meckenheim.
Klöster und Niederlassungen religiöser Gemeinschaften in Rheinbach Deutscher Orden (OT): Kloster und Pfarrseelsorge (1. September 2012 bis 15. November 2014)