Sankt Gallen ist eine österreichische Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Norden der Steiermark im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Liezen.
Geografie Geografische Lage mini|Panorama von Sankt Gallen (1993) Sankt Gallen liegt im Tal des Großen Billbachs an der Buchauer Straße B 117, die in Altenmarkt bei St. Gallen von der Eisen-Straße B 115 westlich abzweigt und weiter über den Buchauer Sattel wieder zurück ins Ennstal führt. Das Gemeindegebiet gehört zur Steiermark und liegt nahe der Grenze zu Oberösterreich. Die Gemeinde ist Teil des Nationalparks Gesäuse. Südlich wird das Gemeindegebiet von der Berggruppe des Buchsteins begrenzt, der zum Gesäuse gehört.
Gemeindegliederung Die Gemeinde St. Gallen wurde mit 1. Jänner 2015 im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit der Marktgemeinde Weißenbach an der Enns vereint.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 12. September 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinden Sankt Gallen und Weißenbach an der Enns, beide politischer Bezirk Liezen. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 14. Oktober 2013. Nr. 93, 28. Stück. S. 552–553.
Das Gemeindegebiet umfasst zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Bergerviertel () samt Geigenkogel und Spitzenbach Bichl () Breitau () Oberlaussa () Oberreith () samt Grießbach, Lindenhof, Oberhof und Pölzenbach Reiflingviertel () samt Finsterbach, Schoberer, Stangl und Stiebergraben Sankt Gallen () Unterlaussa () Weißenbach an der Enns () Wolfsbachau ()
Die Gemeinde besteht aus sechs Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Bergerviertel () Oberreith () Reiflingviertel () St. Gallen () Weißenbach an der Enns () Wolfsbachau ()
Nachbargemeinden Zwei der fünf Nachbargemeinden liegen in Oberösterreich, drei im Bezirk Liezen.
Geschichte In der Antike war das heutige Gebiet von St. Gallen nur eine Wildnis östlich der Pyhrnstraße Wels-Liezen-Aquileia. Erst nach der Gründung des Klosters Admont im 11. Jahrhundert wurde eine Verbindung zwischen Pyhrnstraße und dem nach Norden gerichteten Teil des Ennstals (Wasserstraße) angestrebt. Damals wurde die St. Gallener Gegend als „Silva Nova“ (Neuwald) bezeichnet. Gottfried Edler von Wetternfeld erbaute 1152 zu Ehren des Hl. Gallus eine Kirche (St. Gallus in silva), die Erhebung zur Pfarre erfolgte 1160. Angesichts des neuen Verkehrsweges wurde in St. Gallen eine Taverne zur Stärkung der Reisenden eingerichtet. Der Ort entwickelte sich weiter: Ende des 13. Jahrhunderts war in St. Gallen ein Meister Ulrich als Arzt tätig, was ein erhebliches Wachstum der Bevölkerung voraussetzt. Die Errichtung der Burg zum Schutz des Stiftseigentums im Jahr 1278 lässt auch auf einen gewissen Wohlstand schließen.
Im 16. Jahrhundert ist in St. Gallen die Eisenindustrie dominierend. Das Roheisen wurde aus Eisenerz importiert, in Radwerken (Rennöfen) verhüttet und via Enns und Donau exportiert. Nach dem Niedergang dieser Industrie ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Fremdenverkehr einen Aufschwung. Der erste St. Gallener Reiseführer wurde 1879 von Josef Rabl verfasst.
Beim Juliputsch 1934 kam es zu mehrtägigen Kämpfen, deren Schwerpunkt die Obersteiermark war, und zwar sowohl das Industriegebiet zwischen Judenburg und Leoben als auch das steirische Ennstal. Die blutigsten Auseinandersetzungen fanden in und um Schladming und Leoben-Donawitz statt. In St. Gallen weigerte sich der Gendarmerie-Postenkommandant Franz Titz, sich den nationalsozialistischen Putschisten zu ergeben, und wurde erschossen.https://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1934-1938/krachendes-oesterreich/opfer-des-terrors-der-ns-bewegung-in-oesterreich-1933-1938/franz-titzKurt Bauer: Hitlers zweiter Putsch – Dollfuß, die Nazis und der 25. Juli 1934, Residenz-Verlag, St. Pölten, 2014, ISBN 978-3-7017-3329-3 (online) Einer der daran Beteiligten wurde in der Folge durch ein Militärgericht in Leoben wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Religion römisch-katholisch 83 % evangelisch 2 % andere 4 % ohne rel. Bekenntnis 11 % (Stand: 2001)
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burg Gallenstein mini|Pfarrkirche St. Gallus
Burg Gallenstein, erbaut 1278 Katholische Pfarrkirche St. Gallus: 1515–1523 erbaut; spätgotischer Kirchenbau mit Strebepfeilern, Treppentürmchen. Barocker Zwiebelhelm. Innen reich gestaltetes spätgotisches Netzrippengewölbe mit Vierpassfiguration in den östlichen Langhausjochen und kunstvollem Schlingrippengewölbe mit sechsstrahligem Mittelstern im westlichen Chorbereich. Barocke Erweiterungen mit Platzlgewölben sind das westliche Langhausjoch und das östliche Chorjoch. Bürgerhäuser und Hammerherrenhäuser Das Haus Nr. 45 am Marktplatz trägt als Wohn- und Sterbehaus des Geographen Friedrich Simony (1813–1896) eine Gedenktafel.
Naturdenkmäler Spitzenbachklamm
Regelmäßige Veranstaltungen Festival St. Gallen: Musikfestival klassischer Konzerte, jährlich in der zweiten Augusthälfte. ARCANA Festival für Neue Musik St. Gallen/Gesäuse
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Der Bahnhof Weißenbach–St. Gallen liegt an einem Teilstück der Rudolfsbahn und wird von St. Gallen über die B 115 erreicht. Eine Postbuslinie führt von Liezen über Admont, den Buchauer Sattel und St. Gallen zum Bahnhof Weißenbach–St. Gallen.
Mit dem Eisenwurzenweg 08 verläuft ein österreichischer Weitwanderweg durch die Gemeinde.
Freiwillige Feuerwehren Seit der Gemeindezusammenlegung gibt es vier Freiwillige Feuerwehren; FF Unterlaussa, FF Oberreith, FF Sankt Gallen, FF Weißenbach an der Enns.
Ansässige Unternehmen Forstverwaltung der steirischen Landesforste Steinrieser (Getränkeabfüllung) Alpen-May-Kestag (Bohrer und Senkwerkzeuge) Greiner Packaging (Kunststofftechnik) fuernholzer design – photography – werbung (Industriedesign, Produktdesign, Kommunikationsdesign, Werbeagentur, Berufsfotograf, Videografie) Schuster Helm (Schuhhandel, überregionales Reparaturservice) ABAG Mineralölhandels GmbH – „deine Tankstelle“
Bildung Kindergarten St. Gallen Kindergarten Weißenbach an der Enns Volksschule St. Gallen Neue Mittelschule Weißenbach an der Enns
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder, nach den Gemeinderatswahlen hatte der Gemeinderat folgende Verteilungen: 2000: 10 SPÖ, 4 ÖVP, 1 FPÖ 2005: 8 SPÖ, 7 ÖVP 2010: 9 ÖVP, 6 SPÖ 2015: 11 ÖVP, 4 SPÖ 2020: 10 ÖVP, 5 SPÖ Seit den Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 4 SPÖ
Bürgermeister
bis 2010 Eduard Grießl (SPÖ) seit 2010 Armin Forstner (ÖVP)
Wappen
Beide Vorgängergemeinden hatten ein Gemeindewappen. Die Verleihung des ersten Gemeindewappens für Sankt Gallen erfolgte mit Wirkung vom 1. Juni 1952. Die Wappenbeschreibung lautete: „Im silbernen Schild erscheint abgeledigt ein aufgerichteter schwarzer, rot bewehrter und bezungter Bär, der in seinen Vorderpranken eine entwurzelte naturfarbene Fichte hält.“Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 12, 1962, S. 26 120px|links Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren die Wappen der Altgemeinden mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit. Die Neuverleihung des Wappens für die Fusionsgemeinde erfolgte mit Wirkung vom 5. Mai 2018.45. Verlautbarung der Steiermärkischen Landesregierung vom 26. April 2018 über die Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Marktgemeinde Sankt Gallen (politischer Bezirk Liezen), abgerufen am 6. Mai 2018
Die geänderte Blasonierung (Wappenbeschreibung) lautet: „Unter rotem Zinnenschildhaupt in Silber ein aufgerichteter schwarzer, rot bewehrter und bezungter Bär, in seinen Vorderpranken eine grüne entwurzelte Fichte haltend.“
Der Bär am Wappen leitet sich von der Legende Sankt Gallus und der Brennholzbär her.Ennstal-Wiki: Sankt Gallus und der Brennholzbär
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde 1969: Alfred Schachner-Blazizek (1912–1970), Landeshauptmann-StellvertreterNeue Zeit (9. Nov. 1969), S. 5.
Söhne und Töchter der Gemeinde Augustin Maria Kurtz-Gallenstein (1856–1916), Maler Arthur Kurtz (1860–1917), Maler und Schriftsteller Max Damberger (1877–1943), Militärkapellmeister, Dirigent und Komponist Emmerich Millim (1909–1971), Maler und Graphiker Michael Maderthaner (1925–1981), Politiker der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat von 1971 bis 1981 Rudolf Haller (1929–2014), Philosoph Albert Hirschbichler (1931–1959), Bergsteiger Karin Buder (* 1964), Skirennläuferin
Personen mit Bezug zur Gemeinde Hermann Brandauer (1887–1962), Unternehmer, Komponist, Alpinist und paläontologischer Sammler Armin Forstner (* 1971), Politiker der ÖVP Ferdinand Habacher (1881–1971), Veterinärmediziner und Hochschullehrer Ludwig Huna (1872–1945), Romancier und Dramatiker Reinhold Kukla (1877–1965), Landschafts- und Tiermaler Friedrich Simony (1813–1896), Geograph und Alpenforscher
Literatur Odilo Haberleitner und Hermann Brandauer: St. Gallen und das St. Gallener Tal – Ein Kleinod in der Obersteiermark. St. Gallen 1952. Josef Rabl: St. Gallen und seine Umgebung. St. Gallen 1879.
Weblinks
Webpräsenz der Marktgemeinde Sankt Gallen Elmar Oberegger: St. Gallen und Burg Gallenstein. Zur Geschichte einer bemerkenswerten Beziehung. In: Buster Shooter’s Finest 2013. Elmar Oberegger: Zur Geschichte der „Rottenmanner-Villa“ (err. 1912) in St. Gallen (Obersteiermark). In: Buster Shooter’s Finest 2013.
Einzelnachweise
Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Liezen Kategorie:Gallus (Heiliger) als Namensgeber Kategorie:Eisenwurzen