Olot ist eine Stadt im östlichen Pyrenäenvorland und Hauptort der Comarca Garrotxa, Landschaft und Verwaltungsbezirk in der katalanischen Provinz Girona, Spanien.

Geografie mini|hochkant=3|Panoramabild von Olot (Halbrechts im Hintergrund ist der Vulkankegel des Montsacopa zu sehen.) Olot liegt in einer Ebene der Vulkanlandschaft Garrotxa, die umgeben wird von den Gebirgsketten des Sant Valentí im Norden, der Aiguanegra im Osten, der Hochebene von Batet im Süden, der Marboleny im Südwesten und des Sant Valentí de la Pinya im Westen. Diese Ebene wird durchschnitten von dem Fluss Fluvià und dem kleinen Fluss von Riudaura. Die vulkanische Landschaft ist der Grund für die Bekanntheit des Ortes und seiner Umgebung: Die katalanische Regierung hat diese wohl bedeutendste Vulkanlandschaft der iberischen Halbinsel im Jahr 1982 auf einer Fläche von 119 km² zum Naturschutzpark Parc Natural de la Zona Volcànica de la Garrotxa erklärt. Die bekanntesten Vulkane sind der Santa Margarida (mit einer im Vulkankrater gelegenen Kapelle) und der Croscat, einige der erloschenen Vulkane liegen direkt auf dem Stadtgebiet von Olot (der Montolivet, der Montsacopa, die Garrinada und der Bisaroques). Beim Croscat treten die geologischen Besonderheiten besonders klar zu Tage: Durch eine Eruption hat dieser Vulkan in Kegelschnittform seinen eigenen Schichtenaufbau freigelegt.

Auch die Fageda d’en Jordà, ein riesiger, für die mediterrane Vegetation vollkommen unüblicher Buchenwald im nahen Umfeld der Stadt, zieht viele (vor allem innerspanische) Besucher an und ist in den Naturschutzpark integriert. Den besonderen Formenreichtum der Landschaft um Olot komplettieren Wälder mit Sumpfgebieten, die Boscos de la Moixina.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1718 1787 1860 1900 1930 1960 1981 1991 1996 2001 2004 2010 Einwohner 2.627 9.146 10.262 7.938 11.615 17.185 24.892 26.713 27.482 28.060 30.304 33.589

Geschichte mini|Santa Maria del Tura d’Olot, die Schwarze Madonna und Schutzpatronin von Olot in der gleichnamigen Kirche mini|Der Vulkan Croscat zwischen Olot und Santa Pau mini|Die romanische Kirche La Trinitat de Batet, in Olot, Stadtteil Batet mini|Der Fluvià in Olot an der Staumauer im Stadtteil San Roc mini|Eingang des Hospital de Sant Jaume Ursprung und Bedeutung des Ortsnamens sind nicht eindeutig geklärt.vgl. den Wiktionary Artikel Olot. Die erste Erwähnung des Ortes datiert auf 872 n. Chr. In einer Urkunde gewährt der fränkische König Karl der Kahle dem Kloster Sant Aniol d’AgujaIn der Nähe von Montagut (de Fluvià); heute steht dort noch eine Kapelle des ehemaligen Klosters. die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes der Parroquia de Sant Esteve d’Olot, das zwischen dem Fluss Fluvià und dem kleinen Fluss von Riudaura gelegen ist. Diese Erlaubnis wurde im Rahmen der Reorganisation des Gebietes erteilt, nachdem die Franken das gesamte Gebiet um Girona zurückerobert hatten. Die Tatsache, dass die Äbte von Sant Aniol d’Aguja die Rechte für die landwirtschaftliche Nutzung der Gebiete um Olot beantragten, lässt vermuten, dass in diesem Gebiet eine aktive und produktive Bevölkerung ansässig war. Im selben Dokument wird die „alte“ Kirche Santa Maria erwähnt. Diese Kirche stand wohl dort, wo heute die große Kirche Santa Maria del Tura steht, die der Stadtpatronin von Olot gewidmet ist. Im Jahr 977 wird zum ersten Mal die Pfarrgemeinde Sant Esteve d’Olot erwähnt. Dieses Dokument handelt jedoch in der Hauptsache von der Gründung der Pfarrgemeinde Sant Pere in Besalú. Erst im Jahr 1116 wird die Pfarrgemeinde anlässlich der Einweihung der neuen Kirche explizit erwähnt.

Olot stand für kurze Zeit unter der Herrschaft des Klosters Sant Aniol d’Aguja. Es ging in die Herrschaft der Grafen von Besalú über. Diese gaben es später an die Abtei Santa Maria de Ripoll weiter. Im Verbund mit zwei weiteren Schenkungen an diese AbteiDie Gräfin von Bas schenkte Sant Cristòfor de les Fonts – heute der Stadtteil Les Fonts – und die Herren von El Coll die Gemeinde von Sant Andreu. bildete sich dieses zusammenhängende Gebiet als geografisches und politisches Zentrum der Garrotxa heraus. Es entstand die Pabordia d’Olot, welche die Gesamtheit der von der Abtei abhängigen Güter in diesem Gebiet darstellte. Die Ländereien der drei aufgeführten Schenkungen bildeten bis ins Jahr 1973, als Batet nach Olot eingemeindet wurde, das eigentliche Gebiet der Stadt.

Um die Güter effektiv zu verwalten, setzte der Abt von Ripoll ein Netz von Bürgermeistern und Statthaltern zur Wahrung seiner Interessen ein. Diese Bediensteten lebten in Olot, wie z. B. der Oberbürgermeister von Olot im Herrschaftshaus Can Deu an der Plaça Palau. Der Bürgermeister für das Gebiet der Pfarrei Sant Esteve residierte im Haus La Rovira.aktuell: Mas Morató, Haus Morató, in der Straße Desemparats, 103 In Sant Esteve wurde im Gegensatz zu Olot die Bürgermeisterfunktion innerhalb einer Familie weitervererbt. Eine weitere Maßnahme zur Effektivierung der Verwaltung waren die durch den ripollenser Abt Bernat de Peramola am 10. August 1206 ausgegebenen Siedlungsgenehmigungen für ein durch den Fluss Fluvià abgegrenztes Gebiet der Gemeinde Sant Esteve d’Olot. Diese daraus resultierende Siedlungstätigkeit ermöglichte die Entstehung eines dichten Bevölkerungskerns in der Ebene von Olot, der exakt dem heutigen Stadtkern von Olot entspricht. Seine Grenze verlief von der Plaça de Palau (bis 1427 der Hauptplatz der Stadt) über die Brücke von Santa Magdalena, entlang der Straße Valls Nous bis zur Kirche Santa Maria und schließlich wieder über die Straße Valls Vells zur Plaça de Palau. Um die Stadt besser sichern und kontrollieren zu können, ordnete der Abt Ramon Desbac den Bau einer Stadtmauer an. Die Ummauerung war zwar schon zuvor – allerdings ineffektiv und in wenig organisierter Weise – begonnen worden.

Die Förderung dieses dichtbevölkerten Siedlungskernes in einer dünn besiedelten Gegend brachte eine soziale Differenzierung der Bevölkerung in zwei Gruppen mit sich: Einheimischen Stadtbürgern, die innerhalb der Mauer lebten, für die damalige Zeit große Freiheiten genossen und nahezu alle Handels- und Handwerksaktivitäten auf sich konzentrierten, standen zugezogene Bauern gegenüber, die auf den von der Abtei Ripoll abhängigen Gütern wirtschafteten und unter einer immer größer werdendem Steuerlast litten. Die städtischen Handwerker und Händler hatten sich zudem eine Institution geschaffen, die ihre Interessen gegenüber der Abtei von Ripoll wahren bzw. durchsetzen sollte. Diese sogenannte „Universität von Olot“ ist sozusagen der Embryo des heutigen Rathauses. Der Abt versuchte anfangs die Macht dieser Institution zu begrenzen. Die „Universität“ erkämpfte sich jedoch zunehmend mehr Freiheiten und baute sich ein finanzielles Polster auf.

Während des Mittelalters war Olot in diversen juristischen Auseinandersetzungen der Zankapfel zwischen der Abtei von Ripoll und der aragonesischen Krone. Letztere war stark an der Kontrolle der wirtschaftlich blühenden Stadt interessiert. Gleichzeitig war die „Universität“ von Olot daran interessiert, sich aus der Herrschaft der Abtei zu lösen. Diese Prozesse konnte das Kloster Ripoll zu seinen Gunsten entscheiden, Olot und das Umland blieben unter seiner Herrschaft.

Im 15. Jahrhundert markieren insbesondere drei Ereignisse die Geschichte Olots, die zudem den schärfsten demografischen Einbruch in der Geschichte der Stadt verursachten: Die beiden Erdbeben von 1427 und 1428 und die Rebellion der Leibeigenen, die in den katalanischen Bürgerkrieg mündete.

Die Erdbeben zerstörten die Stadt und die Umgebung nahezu vollständig und erzwangen die provisorische Unterbringung der Bevölkerung in Hütten. In dieser Situation kam die Diskussion auf, ob man die zerstörte Stadt wieder aufbauen oder aber vor den Toren ein neues Olot errichten sollte. Die zweite Option setzte sich durch. Für den Neubau der Stadt wählten die Bürger den lehensfreien Grundbesitz einer karitativen Organisation. Sie erschlossen das genannte Gebiet wohlgeordnet netzförmig mit fünf Längs- und neun senkrecht dazu stehenden Querstraßen, die um den Marktplatz zentriert angelegt wurden und integrierten die Pfarrgemeinde Sant Esteve einschließlich deren kirchlicher Gebäude in das Stadtgebiet. Mit dem Wiederaufbau auf dem lehensfreien Grundbesitz der „Pia Almonia“ versuchten sich die Bürger vollends der Lehnsherrschaft des Klosters Ripoll zu entziehen, während der Abt alles daran setzte, die Olotins in seinem Herrschaftsbereich zu halten. Schließlich genehmigte König Alfons V., der Großmütige, König von Aragon den Neubau auf dem Land der „Pia Almonia“, erlegte der Stadt aber gleichzeitig die Verpflichtung auf, dem Abt von Ripoll, als Grundherren des Gebietes, Treue zu schwören und seine feudalen Rechte zu respektieren.

Die Vila Nova (Neue Stadt) wurde im Stil der aufkommenden Renaissance errichtet. Die Vila Vella (Alte Stadt) harrte noch bis Ende des 15. Jahrhunderts ihres Wiederaufbaus. Nachdem dieser erfolgt war, hatte sich die Fläche der Stadt bis zum 16. Jahrhundert praktisch verdoppelt, was in einem deutlichen Bevölkerungswachstum Ausdruck fand.

Im katalanische Bürgerkrieg Primera Guerra dels Remences (Erster Krieg der Schollenknechte) von 1462–1464 standen sich die adligen Grundherren und König Johann II. gegenüber. Johann II. konnte die rebellierenden Leibeigenen auf seine Seite ziehen. Der Krieg und der ihn auslösende Sozialkonflikt um die leibeigenen Bauern haben die Garrotxa und deren Hauptort stark in Mitleidenschaft gezogen. Olot selbst war seit 1462 in der Hand der aufständischen Leibeigenen und wurde 1463 und 1464 von Kräften der Grundherren eingenommen, geplündert und gebrandschatzt.

Im frühen 16. Jahrhundert, nachdem Kriege und Naturkatastrophen vergessen sind, findet Olot zu einer normalen Stadtentwicklung zurück. Die Bevölkerung wächst und die Hauptgebäude der Stadt, wie z. B. die Hauptkirche Sant Esteve, müssen erweitert werden. In dieser Zeit entstand das L’Hospital de Sant Jaume (heute ein Altenheim) und das Kloster Convent del Carme, das zwischen der Vila nova (Neustadt) und der Vila vella (Altstadt) liegt. Dieser Gebäudekomplex besteht aus einer spätgotischen Kirche und den Klostergebäuden im Renaissance-Stil, der in Katalonien sehr selten auftritt.

Der Krieg der Schnitter (La Guerra dels Segadors) von 1640 bis 1652, eine fürchterliche Epidemie im Jahr 1650, die in Olot alleine 2000 Tote forderte und die dann folgenden Kriege mit Frankreich beschworen ab der Mitte des 17. Jahrhunderts neue Krisen für die Stadt herauf. Während des spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) stellte sich Olot auf die Seite der Habsburger. Es wurde aber durch den französischen Feldmarschall Herzog von Noailles (1650–1708) besetzt. Die Stadt litt gewaltig unter den Steuereintreibungen der Besatzer.