mini|hochkant|Logo der Duisburger Filmwoche seit 2022
Die Duisburger Filmwoche ist ein Festival und Diskussionsforum für Dokumentarfilm. Sie findet seit 1978 alljährlich im November in Duisburg statt und konzentriert sich auf aktuelle Dokumentarfilme bundesdeutscher Produktionen, seit 1990 zusätzlich auf Produktionen aus der Schweiz und Österreich. Der Begriff Dokumentarfilm wird dabei weit gefasst und lässt Grenzüberschreitungen und „Mischformen“ zu.
Die Filmwoche wird von der Stadt Duisburg mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Film- und Medienstiftung NRW veranstaltet. Es werden drei Haupt-, zwei Förderpreise sowie ein Publikumspreis im Gesamtwert von 28.000 Euro vergeben.
Den Filmvorführungen folgen Podiumsdiskussionen, die von Journalisten und Filmwissenschaftlern protokolliert und archiviert werden. Diese Protokolle führten des häufigeren zu Auseinandersetzungen und heftigen Debatten über die eigentliche Festivalzeit hinaus.
Geschichte mini|hochkant|Logo der Duisburger Filmwoche bis 2018 Die Duisburger Filmwoche geht auf eine Initiative des Duisburger filmforums zurück, das Anfang der 1970er Jahre gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen die Filminformationstage durchführte.
Die erste Duisburger Filmwoche fand vom 28. März bis 3. April 1977 statt und entwickelte sich, als jährliches Treffen im November, in den folgenden Jahren zum Diskussionsforum des künstlerischen Dokumentarfilms in der Bundesrepublik. Darüber hinaus findet sich seit 2002 mit „Ganz nah dran!“ ein Dokumentarfilmprogramm für Kinder im Rahmen der Duisburger Filmwoche, welches seit 2004 unter dem Label „doxs!“ als bundesweit ältestes Festival für Kinder- und Jugenddokumentarfilm lanciert.
In den Jahren 1978 bis 1981 leitete Angela Haardt die Duisburger Filmwoche. Über einen Zeitraum von 35 Jahren lag die Leitung von 1985 bis 2018 bei Werner Ružička. Ab 2019 übernahmen Gudrun Sommer, Begründerin und bisher Leiterin der Kinder- und Jugendsparte des Festivals, und Christian Koch gemeinsam die Gesamtleitung, gaben diese jedoch nach zwei Jahren wieder auf. Für 2021 wurde Alexander Scholz, seit 2015 Pressereferent und Programmgestalter, interimsweise als Kurator berufen. Seit 2022 leitet er das Festival offiziell.
Eine Auswahlkommission, der neben der Festivalleitung erfahrene Filmemacher, Filmwissenschaftler, Fernsehredakteure und Kritiker angehören, stellt aus den Einreichungen das Wochenprogramm für das Festival zusammen. Ein Alleinstellungsmerkmal dabei ist, dass keine Parallelvorführungen stattfinden. Von 2019 bis 2021 war die Festivalleitung nicht Bestandteil der Auswahlkommission.
Duisburger Protokolle Auf der Duisburger Filmwoche finden im Anschluss an jeden Film etwa einstündige Podiumsdiskussionen statt, in denen das Publikum gemeinsam mit den Filmemachern, Kameraleuten, Editoren, Redakteuren und weiteren Beteiligten über das Gesehene sprechen kann. Diese werden abwechselnd von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie eigens geladenen Gästen moderiert.
Von jungen Journalisten und Filmwissenschaftlern werden hierüber Diskussionsprotokolle erstellt, die ein weiteres Spektrum der Rezeption eröffnen und zur Fortschreibung der Geschichte des deutschsprachigen Dokumentarfilms beitragen sollen. Die Protokolle haben sich in der Form von anfangs reinen Wortprotokollen hin zu Gedächtnisprotokollen als „persönlich gefärbte Einschätzungen der öffentlichen Reaktion auf die Filme, und der Filmemacher auf die (relative) Öffentlichkeit“ entwickelt und bieten mittlerweile Raum für persönliche, teils provokante Anmerkungen.
Sämtliche Protokolle werden vervielfältigt und noch während des Festivals, meist am darauffolgenden Tag, unter den Festivalgästen verbreitet. Zugleich werden die Originale archiviert. In die Duisburger Protokolle sind zudem zahlreiche Debatten eingegangen (wie beispielsweise der Formenstreit „Kreimeier-Wildenhahn“, Michael Girke, 2010. Abgerufen am 16. Oktober 2013.), die in Duisburg ihren Ausgang nahmen und weit darüber hinaus wirkten.
Seit 2011 existiert unter dem Namen Protokult ein vollständiges digitales und öffentlich zugängliches Archiv aller Protokolle seit 1978, das vom Autor Sven Ilgner ins Leben gerufen wurde. Im Zuge des Relaunchs 2020 fand u. a. eine detaillierte Verschlagwortung und teilweise Bebilderung der Protokolle statt. Anhand der damit entstandenen inhaltlichen Verknüpfung sollen „Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte des Dokumentarfilms“ nachvollziehbar werden.
Motto Seit 1987 findet die Duisburger Filmwoche unter einem alljährlich wechselnden Motto statt. Damit soll der Fokus von den Filmen als solche auf deren „historisch-gesellschaftlichen, politischen und ästhetischen Kontext“ gelenkt werden.
N° Jahr/Zeitraum Motto 11 1987 Man wird sehen 12 1988 Zeit zu Sehen 13 1989 Bilder Denken 14 1990 Grenzen Gehen 15 1991 Blicke Richten 16 1992 Bekanntes Entdecken 17 1993 Krisen Augen Blicke 18 1994 Ein Sicht Aus 19 1995 Blickfang 21 1997 ErscheinungsBilder 22 1998 Effekte 23 01.11. – 07.11.1999 Tiefen|Schärfen 24 06.11. – 12.11.2000 STANDORTE 25 05.11. – 11.11.2001 happy birthday 26 04.11. – 10.11.2002 _was geht? 27 03.11. – 09.11.2003 echt falsch 28 08.11. – 14.11.2004 MATERIAL 29 31.10. – 06.11.2005 Freunde der Realität 30 06.11. – 12.11.2006 sehen ist denken 31 05.11. – 11.11.2007 wo wenn nicht hier 32 03.11. – 09.11.2008 schläft ein bild in allen dingen 33 02.11. – 08.11.2009 ERKENNE DIE LAGE 34 01.11. – 07.11.2010 HORIZONT 35 07.11. – 13.11.2011 stoffe 36 05.11. – 11.11.2012 RÄUME 37 04.11. – 10.11.2013 im Bilde 38 03.11. – 09.11.2014 gut gedeutet 39 02.11. – 08.11.2015 AUSGÄNGE 40 07.11. – 13.11.2016 es ist zeit 41 06.11. – 12.11.2017 mittel der wahl 42 05.11. – 11.11.2018 HANDELN 43 04.11. – 10.11.2019 Wer erstickt, wo wir atmen? 44 02.11. – 08.11.2020 Anspruch 45 10.11. – 14.11.2021 Schichten 46 07.11. – 13.11.2022 im Werden begriffen 47 06.11. – 12.11.2023 im Geradeaus verlaufen 48 04.11. – 10.11.2024 ENTFERNTES SORTIEREN 49 03.11. – 09.11.2025 Halt 50 02.11. – 08.11.2026 50 Jahre Gegenwart
Preise und Preisträger Aktuell verliehene Preise
ARTE-Dokumentarfilmpreis Der ARTE-Dokumentarfilmpreis wird seit 1994 jährlich für den besten deutschen Dokumentarfilm an Produktionen aus Deutschland, seit 2008 auch an Produktionen aus Österreich und der Schweiz vergeben und von einer unabhängigen Jury nominiert. Ab 2019 ist er langen Produktionen vorbehalten. Er ist von Arte derzeit mit 6.000 Euro dotiert.
Preisträger 1994 und sahen was zu machen war (Stephan Sachs; D 1991–94) 1995 Gratian (Thomas Ciulei; D 1995) 1996 Poussières d’amour (Werner Schroeter; F/D 1996) 1997 Wittstock, Wittstock (Volker Koepp; D 1997) 1998 Pelym (Andrzej Klamt, Ulrich Rydzewski; D 1998) 1999 Mendel lebt (Hans-Dieter Grabe; D 1999) 2000 Die Königin (Werner Schroeter; D 2000) 2001 Der chinesische Markt (Zoran Solomun, Vladimir Blazevski; D 2000) 2002 schlittenschenken (Erwin Michelberger, Oleg Tcherny; D 2002) 2003 Die Helfer und die Frauen (Karin Jurschick; D 2003) 2004 Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? (Gerhard Friedl; D 2004) 2005 Between the Devil and the Wide Blue Sea (Romuald Karmakar; D 2005) 2006 Il Palazzo (Katharina Copony; D/A 2006) 2007 Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland (Frank Wierke; D 2007) 2008 Die Blumenbrücke (Thomas Ciulei; D/RO 2008) 2009 Zum Vergleich (Harun Farocki; D/A 2009) 2010 Von der Vermählung des Salamanders mit der grünen Schlange (René Frölke; D 2010) 2011 Aber das Wort Hund bellt ja nicht (Bernd Schoch; D 2011) 2012 Preis des Goldes (Sven Zellner, Chingunjav Borkhuu; D 2012) 2013 Sieniawka (Marcin Malaszczak; D/PL 2013) 2014 Städtebewohner (Thomas Heise; D 2014) 2015 Zaplyv – Die Schwimmer (Kristina Paustian; D/HU/RU 2015) 2016 Havarie (Philip Scheffner; D 2016) 2017 Atelier de conversation (Bernhard Braunstein; A/F/LI 2017) 2018 Barstow, California (Rainer Komers; D/USA 2018) 2019 Olanda (Bernd Schoch; D 2019) 2020 If It Were Love (Patric Chiha; F 2020) 2021 Uncomfortably Comfortable (Maria Petschnig; USA/A 2021) 2022 Benedikt (Katrin Memmer; D 2021) 2023 Anqa (Helin Çelik; A/E 2023) 2024 Durchgangsland (Daniel Fill; A 2024) 2025 Holler for Service (Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; D 2025) und Elbows in Shatters (Danila Lipatov; D 2025)
Lobende Erwähnung 2014 Tower House (Karl-Heinz Klopf; A/J 2013) 2019 Una Primavera (Valentina Primavera; A/D/I 2018) 2020 Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist (Sabine Herpich; D 2020) 2022 Aşk, Mark ve Ölüm (Cem Kaya; D 2022) 2023 La Empresa (André Siegers; D 2023)
3sat-Dokumentarfilmpreis Der 3sat-Dokumentarfilmpreis wird seit 1996 jährlich für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm an Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben und von einer unabhängigen Jury nominiert. Ab 2019 ist er langen Produktionen vorbehalten. Er ist von 3sat derzeit mit 6.000 Euro dotiert.
Preisträger 1996 Noël Field – Der erfundene Spion (Werner Schweizer; CH/D 1996) 1997 Verrückt bleiben, verliebt bleiben (Elfi Mikesch; D 1997) 1998 Das Jahr nach Dayton (Nikolaus Geyrhalter; A 1997) 1999 Dezember, 1–31 (Jan Peters; D 1999) 2000 Das Himmler-Projekt (Romuald Karmakar; D 2000) 2001 Aufnahme (Stefan Landorf; D 2001) 2002 Gambling, Gods and LSD (Peter Mettler; CH/CND 2002) 2003 Das Problem ist meine Frau (Calle Overweg; D 2003) 2004 Hans im Glück (Peter Liechti; CH 2003) 2005 Weiße Raben – Alptraum Tschetschenien (Johann Feindt, Tamara Trampe; D 2005) 2006 Hamburger Lektionen (Romuald Karmakar; D 2006) 2007 Zuoz (Daniella Marxer; A/F 2007) 2008 In die Welt (Constantin Wulff; A 2008) 2009 Oceanul Mare (Katharina Copony; A 2009) 2010 Die fünf Himmelsrichtungen (Fridolin Schönwiese; A 2009) 2011 Carte Blanche (Heidi Specogna; CH 2011) 2012 Thorberg (Dieter Fahrer; CH 2012) und Der Auftrag (Ayla Gottschlich; D 2012) 2013 Betongold – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam (Katrin Rothe; D 2013) 2014 Portrait of A lone farmer (Jide Tom Akinleminu; D/DK/NGR 2013) 2015 Über die Jahre (Nikolaus Geyrhalter; A 2015) 2016 Brüder der Nacht (Patric Chiha; A 2016) 2017 Tiere und andere Menschen (Flavio Marchetti; A 2017) 2018 Kulenkampffs Schuhe (Regina Schilling; D 2018) 2019 Bewegungen eines nahen Bergs (Sebastian Brameshuber; A/F 2019) 2020 Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist (Sabine Herpich; D 2020) 2021 Girls | Museum (Shelly Silver; D 2020) 2022 Unrecht und Widerstand (Peter Nestler; D/A 2022) 2023 Einzeltäter Teil 1–3 (Julian Vogel; D 2023) 2024 Was hast Du gestern geträumt, Parajanov? (Faraz Fesharaki; D 2024) 2025 Palliativstation (Philipp Döring; D 2025)
Lobende Erwähnung 2019 Träume von Räumen (Matthias Lintner; D 2019)
Preis der Stadt Duisburg Der Preis der Stadt Duisburg geht aus dem Förderpreis der Stadt Duisburg hervor und wird ab 2019 jährlich an kurze und mittellange Produktionen bis zu 65 Minuten vergeben und von einer unabhängigen Jury nominiert, die auch über die „Carte Blanche“ entscheidet. Er ist von der Stadt Duisburg derzeit mit 5.000 Euro dotiert.
Preisträger 2019 Un cuento sin ti (Michael Fetter Nathansky; D 2019) 2020 Wohnhaft Erdgeschoss (Jan Soldat; D/A 2020) 2021 Lydia (Christian Becker; D 2021) 2022 Sonne unter Tage (Alex Gerbaulet, Mareike Bernien; D 2022) 2023 Patterns Against Workers (Olena Newkryta; A 2023) 2024 Die Stimme des Ingenieurs (André Siegers; D 2024) 2025 Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht (Suse Itzel; D 2024)
Lobende Erwähnung 2019 Fleischwochen (Joachim Iseni; A 2019) 2020 Ich habe dich geliebt (Rosa Hannah Ziegler; D 2020) 2023 Xabûr (Nafis Fathollahzadeh; D/IR 2023)
„Carte Blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW