Raesfeld [] () liegt im Westmünsterland im Nordwesten des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster. Der Name Raesfeld steht sowohl für das Dorf selber als auch die Gesamtgemeinde Raesfeld. Die Gemeinde ist seit 1994 schuldenfrei.Jörg Diehl: „Unser Dorf soll reicher werden“, Spiegel Online vom 14. Oktober 2012, abgerufen am 14. Oktober 2012.

Geographie mini|links|Quelle der Issel Geographische Lage Raesfeld liegt in der Region Lippe-Issel-Niederrhein im Naturpark Hohe Mark. Es wird auch zum Münsterland gerechnet. Im nördlichen Gemeindegebiet entspringt die Issel.

Gemeindegebiet mini|Ortsteile von Raesfeld einschl. der Gemarkung Homer Zur Gemeinde Raesfeld gehören die Dörfer Raesfeld, Erle und der nördliche Teil der ehemaligen Gemeinde Overbeck. Daneben gibt es die Bauerschaften Freiheit, Westrich, Homer, Brink, Östrich und Löchte. Die Bauerschaften gliederten sich ihrerseits in Hööke (Singular: Hook),Ignaz Böckenhoff: Eine Zeit die war. Photographien aus dem Dorf Raesfeld 1928–1963. Herausgegeben von Holger Wellmann und Werner Hessing. Braus, Heidelberg 1989, S. 22. wie im Westmünsterland üblich.Gunter Müller: Westfälisch hō’k „Ecke, Winkel, Teil einer Siedlung, landwirtschaftliche Parzelle“. In: Niederdeutsches Wort. Beiträge zur niederdeutschen Philologie, Jg. 33 (1993), S. 63–93, hier S. 63–64.

Nachbargemeinden Unmittelbare Nachbarstädte und -dörfer von Raesfeld sind Rhede, Borken und Heiden im Kreis Borken, Dorsten im Kreis Recklinghausen sowie Schermbeck und Hamminkeln im Kreis Wesel.

Geschichte Mittelalter Raesfeld wurde 889 als „Hrothusfeld“ im Heberegister der Abtei Werden erstmals urkundlich erwähnt.

Um 1117 wurde nördlich des kleinen Ortes inmitten einer unzugänglichen Sumpffläche eine Turmhügelburg, genannt Burg Kretier, erbaut. Der erste bekannte Burgherr war um 1170 Rabodo von dem Berge. Er war vermutlich auch der Stifter der Raesfelder Kirche um die herum das heutige Dorf entstand. Bald nach dem Verkauf der Burg an den Ritter Symon von Gemen 1259 brannte die Burg ab. Symon erbaute stattdessen an der Stelle des heutigen Schlosses eine neue Burganlage und nannte sich anschließend Symon von Rasvelde.

In einem Nachspiel zur Münsterischen Stiftsfehde stürmten im Sommer 1458 Bocholter Stadtknechte das Dorf und brannten den Kirchturm nieder. Mit Ablassbriefen konnte der Wiederaufbau bis 1515 finanziert werden.

Neuzeit Im Jahre 1560 zerstörte ein weiterer Brand große Teile des Dorfes.

Die Burg Raesfeld kam nach dem Tode Johanns IV. von Raesfeld zu Raesfeld gegen Ende des 16. Jahrhunderts an die mit ihm verwandten Herren von Velen zu Velen. Alexander II. Graf von Velen zu Raesfeld, der westfälische Wallenstein, brachte es im Dreißigjährigen Krieg zu hohem Ansehen und baute die alte Burg von 1643 bis 1658 zum Residenzschloss aus. Das Dorf litt allerdings im Dreißigjährigen Krieg wie auch hundert Jahre später im Siebenjährigen Krieg mehrmals unter Besetzung, Plünderung und Einquartierungen durch Soldaten von verschiedenen Seiten. Die Bedeutung des Schlosses Raesfeld würdigte wie kein anderer Stephan Selhorst, der die frühbarocke Komposition der Bauglieder hervorhob.

Unter Bürgermeister Rößing wurden Schulden in der Höhe von vier Millionen D-Mark bis zum 5. Juli 1993 abgebaut. Seit diesem Zeitpunkt ist Raesfeld schuldenfrei.

Seit dem Jahre 2008 ist die Gemeinde Raesfeld Mitglied der LEADER-Region Lippe-Issel Niederrhein und des Naturparks Hohe Mark. Der Sitz der Geschäftsstelle des Naturparks Hohe Mark befindet sich im Naturparkhaus Tiergarten Schloss Raesfeld, Tiergarten 1 in Raesfeld. Seit 2014 ist die Gemeinde Mitglied der VITAL Region Hohe Mark, Leben im Naturpark.

Eingemeindungen

Die heutige Gemeinde Raesfeld entstand in den Jahren 1969 bis 1975. Am 1. Juli 1969 wurde Homer eingegliedert. Erle, bis dahin im Kreis Recklinghausen gelegen, und der nördliche Teil von Overbeck kamen am 1. Januar 1975 hinzu.

Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerIngrid Sönnert: Von Bauersleuten Spinnerinnen und Handwerkern. Die Bevölkerung von Raesfeld, Erle und Homer 1498–1806. Raesfeld 1994, S. 187. 1816 1.616 1817 1.634 1819 1.665 1820 1.566 1821 1.560 1822 1.557 1825 1.602 1828 1.631 1831 1.709 1834 1.754 Jahr EinwohnerGemeinde Raesfeld / www.gemeinde-raesfeld.de: 1837 1.752 1840 1.811 1843 1.820 1846 1.801 1849 1.744 1852 1.787 1855 1.781 1858 1.757 1861 1.769 1950 4.939 Jahr EinwohnerGemeinde Raesfeld / www.gemeinde-raesfeld.de: 1961 5.365 1970 6.113 1974 6.557 1974. 6.641 1979 7.471 1984 8.368 1989 9.675 1994 10.337 1999 10.945 2004 11.326 Jahr EinwohnerGemeinde Raesfeld / www.gemeinde-raesfeld.de: 2009 10.991 2012 11.102 2013 11.088 2014 11.135 2015 11.310 2016 11.260 2017 11.246 2018 11.287 2019 11.360 2022 11.832

Religionen Christentum Im Gemeindeteil Raesfeld existieren zwei Kirchengemeinden, eine katholische (St. Martin im Pfarrverbund mit Rhedebrügge und Erle) mit der Pfarrkirche St. Martin und den dazugehörigen Filialkirchen St. Maria Immaculata in Rhedebrügge und St. Silvester in Erle. Auch die Kapelle des Schloss Raesfeld, St. Sebastian, gehört zum Pfarrbezirk. Die evangelische Kirchengemeinde mit der Lukaskirche in Erle wurde 2012 als Pfarrbezirk der Ev. Kirchengemeinde Gemen zugeordnet.

Judentum Eine jüdische Gemeinde existierte in Raesfeld bis 1939. 1812 richtete die Gemeinde in einem ehemaligen Schulraum einen Betraum ein.Elfi Pracht-Jörns: Raesfeld. In: dies.: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.2). J.P. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1397-0, S. 102–106 und 158–161, hier S. 103. Ein halbes Jahrhundert später, in dem die Gemeinde weiter gewachsen war, baute sie eine Synagoge samt einer Mikwe, die am 26. Juni 1863 eingeweiht wurde. Sie fiel dem Novemberpogrom 1938 zum Opfer.Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster. J.P. Bachem, Köln 2002, S. 104. Ihre Steine verwendete die nationalsozialistische Stadtverwaltung im Straßenbau. Das Gelände, auf dem sie über 130 Jahre stand, wurde eingeebnet und anschließend überbaut. Nur wenige Mitglieder der Synagogengemeinde überlebten die Verfolgungen der Naziherrschaft, die meisten kamen im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben. Einige wenige Hinweise erinnern heute an das jüdische Leben in Raesfeld, darunter das Fundament der bereits erwähnten Mikwe.

Politik Gemeinderat Im Gemeinderat von Raesfeld zog die UWG Raesfeld-Erle an den Wahlen 1994 mit der SPD gleich und wurde 1999 – vor der SPD – zweitstärkste Partei. Die CDU hat die absolute Mehrheit inne; 2020 hatte sie diese verloren, 2025 jedoch zurückgeholt.

Wahlrahmenlos|58x58pxrahmenlos|58x58px Total Bürgermeister 1994 15 6 — 6—— 27 1999 18 3 2 5—— 28 Udo Rößing CDU 2004 63,4 18 10,9 3 6,1 2 19,6 5—— 28 2009 64,5 18 10,1 3 8,1 2 17,2 5—— 28 Andreas Grotendorst parteiunabhängig 2014 61,1 17 12,3 3 10,2 3 16,4 5—— 282020 47,3 14 10,6 3 11,2 3 22,5 6 8,36 2— 28 Martin Tesing CDU2025 51,7 15 8,3 2 8,9 2 22,3 6 6,3 2 2,6 1 28 Dirk Kuhmann

Bürgermeister Martin Tesing (CDU) kam 2020 mit 59,33 % der Stimmen ins Amt. Sein Vorgänger Andreas Grotendorst (* 1970) wurde im August 2009 mit 90,8 % der Stimmen gewählt und im Mai 2014 mit 82,1 % der Stimmen wiedergewählt.

Als einer der Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl am 14. September 2025 hat sich der parteiunabhängige Kandidat Jonathan Schmidt aufstellen lassen.

Am 14. September 2025 gewann Dirk Kuhmann (CDU) mit 56,6 % der Stimmen die Bürgermeisterwahl.

Wappen, Banner und Flagge Mit Urkunde des Regierungspräsidenten vom 30. April 1979 ist der Gemeinde das Recht zur Führung eines Wappens, eines Dienstsiegels und eines Banners, mit Urkunde des Regierungspräsidenten vom 30. Oktober 1986 zusätzlich die Führung einer Hissflagge, verliehen worden.

Wappen Blasonierung des Wappens der Gemeinde Raesfeld: Gespalten; vorn in Rot ein goldener (gelber) Turm mit steiler Haube, hinten in Gold (Gelb) zwei rote pfahlweise gestellte Eichhörnchen. Der Turm im Wappen geht auf den markanten Turm des Schlosses zurück. Die Eichhörnchen stammen aus dem Erler Wappen, welches auf das Wappen derer von Ichorne aus dem 13. bis 15. Jahrhundert zurückgeht. Vor der Eingemeindung der Gemeinde Erle war das Wappen der Gemeinde Raesfeld gespalten von Blau und Gelb, vorn der Turm und hinten drei rote Merletten (Amseln). Die Merletten waren aus dem Wappen derer von Velen übernommen worden.Kreis Borken / www.kreis-borken.de : Wappen der Städte und Gemeinden im Kreis Borken und ihre EntstehungsgeschichtenRalf Hartemink / www.ngw.nl : Raesfeld

Banner und Flagge Beschreibung des Banners: „Von Rot zu Gelb zu Rot im Verhältnis 1 : 3 : 1 längsgestreift, in der Mitte der oberen Hälfte der gelben Bahn der Wappenschild der Gemeinde.“

Beschreibung der Flagge: „Von Rot zu Gelb zu Rot im Verhältnis 1 : 3 : 1 quergestreift, in der Mitte der gelben Bahn der Wappenschild der Gemeinde.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wasserschloss Raesfeld mini|Schlosskapelle St. Sebastian in der Schlossfreiheit mini|Natur- und Kulturdenkmal Femeiche im Gemeindeteil Erle mini|Skulptur Kappes Anna

Sehenswertes in Raesfeld Wasserschloss Das Wasserschloss Raesfeld mit der Schlosskapelle St. Sebastian ist die bekannteste Sehenswürdigkeit am Ort. Heimatgeschichtliches Museum In der dörflichen Schlossfreiheit befindet sich ein heimatgeschichtliches Museum über den Zweiten Weltkrieg in Raesfeld. Tiergarten Der angrenzende Tiergarten gehört zu den wenigen erhaltenen aus der Zeit der Renaissance. Naturparkhaus Tiergarten Das Naturparkhaus Tiergarten Schloss Raesfeld mit der Tourist-Info, zeigt im Obergeschoss eine Wechselausstellung. Der Tiergarten ist eingebunden in das European Garden Heritage Network. Schlosswald Die waldreiche Umgebung des Schlosses ist ein besonderer Anziehungspunkt für alle, die Ruhe und Erholung suchen. Ein weitläufiges Mischwaldgebiet, das an den Dämmerwald angrenzt. Ausgedehnte Rundwanderwege, zum Teil als Forstlehrpfad, führen vorbei an reizvoll gelegenen Teichen zur Ruine einer alten Wassermühle mit Schutzhütte sowie zur Isselquelle

Hier entspringt die Issel (Fluss).

Wellbrockquelle

die mit zwei Zuläufen die Issel bildet. Dorfkirche Ein weiteres, ortsbildprägendes Gebäude ist die Kirche St. Martin.

Sehenswertes in Erle Femeiche Im Gemeindeteil Erle steht auf dem Gelände des über 200 Jahre alten Pastorats eine der ältesten Eichen Deutschland, die Femeiche. Der Baum ist vermutlich zwischen 600 und 850 Jahre alt. Pius-Eiche Ein weiteres Naturdenkmal ist die Pius-Eiche am alten Friedhof. Gräberfelder und Hügelgrab Neben dem fränkisch-merowingischen Gräberfeld aus dem 7.–8. Jahrhundert in der Erler Bauerschaft Westrich haben Ausgrabungen in der Erler Bauerschaft Östrich ein steinzeitliches Gräberfeld zum Vorschein gebracht. In der Östrich befindet sich auch ein Hügelgrab. Weitere Sehenswürdigkeiten in Erle sind die denkmalgeschützte Turmwindmühle, der Teufelstein, die neugotische Kirche St. Silvester mit dem vom Künstler Hermann Kunkler gestaltetem Chor, das Erler Heimatmuseum, die 200-jährige Kastanienallee und der Ständebaum mit allen in Erle vertretenen Zünften. Sehenswertes in Homer Predigtulme Im Ortsteil Homer, einer früher selbständigen Bauerschaft, steht die sagenumwobene Predigtulme. Auch sie ist als Naturdenkmal geschützt.

Regelmäßige Veranstaltungen Historischer Kappesmarkt im Ortskern Raesfelder Gartentage Live & Lecker musiklandschaft:westfalen Büchermarkt am Wasserschloss Raesfeld Bauernmarkt auf dem Höfen Stegerhoff und Süthold Adventsmarkt am Wasserschloss Raesfeld Biergartenfest auf dem Rathausplatz Allgemeines und Junggesellen Schützenfest Rosenmontagsumzug des RRZ und Sitzungskarneval mit 2 großen Prunksitzungen und dem Kinderkarneval des RCV Konzerte der Raesfelder Burgmusikanten, im Jugendhaus und im Rittersaal Schloss Raesfeld