Die Ruine der Burg Landskron steht im Oberelsass auf dem Landskronberg an der Schweizer Grenze in der französischen Gemeinde Leymen.

Lage und Umgebung alt=Panoramablick zur Burg Landskron (Oberelsass) vom Hofstetter-Chöpfli aus gesehen|mini|Burg Landskron vom Hofstetter-Chöpfli aus gesehen. Die Burg liegt etwa 15 km von Basel auf der Westseite der Höhe des Landskronberges. Auf der Ostseite befindet sich die Ruine der Burg Alt-Landskron.in der älteren Literatur meist nur «alt Schloss» genannt — so Eduard Spielmann: Noch einmal: Die Ursprünge der Landskron! In: Annuaire de la Societé d’Histoire du Sundgau. 2000, S. 97, Fußnote 4. Am westlichen Ende des Höhenrückens befindet sich ein stillgelegter Steinbruch, in dessen Bereich die abgegangene Burgruine Rheinegg lag.

Die Landskron ist von der Schweizer Seite über Oberwil und Biel zu erreichen. Von der französischen Seite erreicht man Leymen über Hégenheim und Hagenthal-le-Bas. Von Leymen führt die Straßenbeschilderung Chateau du Landskron zum Parkplatz im Weiler Tannwald. Von dort ist die Burgruine zu Fuß in 10 Minuten erreichbar.

Geschichte Die Landskron im Zusammenhang mit der deutschen Reichsgeschichte 1273 hatte das Interregnum im Heiligen Römischen Reich mit der Wahl des Habsburger Grafen Rudolf zum römisch-deutschen König geendet. Mit seiner Wahl beendete Rudolf seine Fehde gegen den Bischof von Basel, Heinrich von Neuenburg. In dieser Fehde standen die Edelfreien von Rötteln und die Münch im Lager der Adelsgesellschaft der Psitticher, die den Bischof unterstützte. Die Vitztum gehörten zur Adelsgesellschaft der Sterner, die den Habsburger unterstützte, die Stellung der Grafen von Pfirt ist umstritten. Nach der Wahl Rudolfs zum deutschen König wurde Otto von Rötteln dessen Gefolgsmann.

Als Rudolf starb, wählten die Kurfürsten nicht dessen Sohn, Albrecht zum König, sondern Adolf von Nassau. Als Adolf 1298 wieder abgesetzt worden war, wurde Albrecht am 23. Juni 1298 als sein Nachfolger zum deutschen König gewählt. In der Ritterschlacht von Göllheim (Schlacht am Hasenbühel) am 2. Juli 1298 fiel Adolf im Kampf gegen den Habsburger. Am 27. Juli 1298 wurde Albrecht ein zweites Mal gewählt und dann am 24. August 1298 in Aachen zum König gekrönt. Otto von Rötteln unterstützte Albrecht in seinem Kampf gegen Adolf von Nassau, und einer aus dem Geschlecht der Münch fiel in der Schlacht von Göllheim für Albrecht. Die Grafen von Pfirt und die Vitztum standen dagegen auf der Seite Adolfs. Der Röttler erhielt von König Albrecht unter anderem die Ämter des Burggrafen von Rheinfelden und des Reichsvogtes von Basel.Schwarzmaier: Lörrach im Mittelalter. S. 143, Roller, Geschichte der Edelherren von Rötteln. S. 30.

Die Landskron kam an die Herren von Rötteln und die Münch von Landskron 1297 beabsichtigten sowohl die Vitztum als auch die Münch auf dem Landskronberg eine Burg zu errichten und es kam zur Fehde zwischen den beiden Geschlechtern. Die Brüder und Ritter Burkard und Bertold Vitztum von Basel übergaben zu Ostern 1297 ihr Eigentum, das Burgstall ob Rheineck im Leimtal und den Berg Horn ob Rheineck, mit allen Rechten dem Grafen Tiebalt von Pfirt.Corpus altdeutscher Originalurkunden. Nr. 2683. Blumenberg 1297 April 14. (tcdh01.uni-trier.de). Theobald von Pfirt, damals Landvogt im Elsass, gab den Vitztum die geschenkten Liegenschaften wieder als Mannlehen zurück. Die Vitztum glaubten so ihre Besitzungen im Vorfeld des sich im Reich abzeichnenden Bürgerkrieges gesichert. Die Grafen von Pfirt konnten als Schutzherren ihren Einfluss im Oberelsass weiter stärken.

Die Münch ihrerseits begaben sich in den Schutz derer von Rötteln und übertrugen ihre Rechte auf die Röttler, von denen sie diese wiederum als Mannlehen zurück erhielten. Im Frühjahr 1299 – nach der Krönung König Albrechts – wurde Theobald Graf von Pfirt durch Knechte des Otto von Rötteln gefangen genommen.Hermann Pabst (Hrsg.): Annalen und Chronik von Kolmar. Berlin 1867, S. 81 (books.google.de). Am 9. November 1299 verzichtete Theobald auf alle Rechte auf dem Landskron-Berg und sicherte auch dem Geschlecht der Münch den ungestörten Besitz auf dem Berg zu.siehe Otto Konrad Roller: Die Geschichte der Edelherren von Rötteln (= Blätter aus der Markgrafschaft Schopfheim. Jahrgang 1927). Schopfheim 1927, S. 114, Nr. 305;Corpus altdeutscher Originalurkunden. Nr. 3525. 1299 November 9. (tcdh01.uni-trier.de). Beim Basler Erdbeben von 1356 wurden beide Burgen auf dem Landskronberg zerstört.Christian Adolf Müller: Die Burgen in der Umgebung von Basel und das Erdbeben von 1356. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Band 55, 1956, doi:10.5169/seals-117002, S. 51.

Weitere Herren der Landskron Nachdem die Herren von Rötteln 1316 im Mannesstamm ausgestorben waren, traten die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg deren Erbe an, die nunmehr bis 1430 Lehensherren der Münch von Landskron waren. Deren Nachfolger als Lehensnehmer waren relativ kurzzeitig die Herren von Flachslanden gefolgt von denen von Ramstein. 1461 begannen dann die Reich von Reichenstein ihre Jahrhunderte währende Herrschaft. 1503 wurde Markgraf Christoph von Baden deren LehensherrIm Erbvertrag zwischen den Markgrafen Philipp und Christoph waren die eingeschlossen. Da die Landskron aus der Röttler Erbschaft der Hachberg-Sausenberger stammte, gehörten die Rechte daran zur Herrschaft Rötteln. Thüring von Reichenstein gehörte zu den Unterzeichnern des Erbvertrags. und im Rahmen der Teilung der badischen Markgrafschaft kam die Landskron 1535 an die Markgrafen von Baden-Durlach.

Bereits 1515 erwarb Solothurn die Herrschaft Rotberg mit den in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landskron liegenden Ortschaften Hofstetten-Flüh, Witterswil, Rodersdorf und Metzerlen. Im Hinblick auf die Expansionspolitik Solothurns wurde die Landskron nun bis 1518 mit Unterstützung Kaiser Maximilians zu einer Festung umgebaut.Siehe Eduard Spielmann: Noch einmal: Die Ursprünge der Landskron! In: Annuaire de la Societé d’Histoire du Sundgau. 2000, S. 109.

Als 1570 die Reich von Reichenstein ihre Rechte an der Landskron an die Stadt Basel verkaufen wollten, wurde dieses Geschäft durch den Einspruch des Erzherzogs Ferdinand verhindert. Einerseits gehörte zur Landskron die Herrschaft über Leymen, die unzweifelhaft zur Hälfte den Habsburgern gehörte und andererseits beanspruchte zu dieser Zeit Habsburg auch Rechte an der Landskron in einem Streit vor dem Reichskammergericht in Speyer gegen den Markgrafen Karl II. von Baden-Durlach. Als die Reich von Reichenstein 1588 einen erneuten Versuch zum Verkauf an Basel unternahmen, scheiterte dies schon am mangelnden Interesse seitens Basel.Siehe Eduard Spielmann: Noch einmal: Die Ursprünge der Landskron! In: Annuaire de la Societé d’Histoire du Sundgau. 2000, S. 110.

Lehensherren und Lehensnehmer 1298–1663 Lehensherr Wappen Lehensnehmer WappenEdelfreie von Rötteln – 1298 bis 131645px|alt=Münch von Landskron45px|alt=Markgrafen von Hachberg-Sausenberg – 1316 bis 150345px|alt=Münch von Landskron – bis 143045px|alt=Markgrafen von Hachberg-Sausenberg – 1316 bis 150345px|alt=Herren von Flachslanden – 1430 bis 144445px|alt=Markgrafen von Hachberg-Sausenberg – 1316 bis 150345px|alt=Freiherren von Ramstein – 1444 bis 146145px|alt=Markgrafen von Hachberg-Sausenberg – 1316 bis 150345px|alt=Reich von Reichenstein – 1461 bis 166345px|alt=Markgrafen von Baden – 1503 bis 153545px|alt=Reich von Reichenstein – 1461 bis 166345px|alt=Markgrafen von Baden-Durlach – 1535 bis 16631663 alle Rechte an den König von Frankreich verkauft45px|alt=Reich von Reichenstein – 1461 bis 1663ab 1640 Lehenshoheit des französischen Königs anerkannt; 1665 Verkauf an Frankreich45px|alt=

Vom 30-jährigen Krieg bis zur Vauban-Festung mini|Merian: Landskron um 1640 Am 25. Juni 1637 – im Dreißigjährigen Krieg – besetzten schwedische Truppen unter Major Bernhard Schaffalitzky von Muckadell das benachbarte Rodersdorf und verlangten vergeblich die Übergabe der Landskron.siehe Adam S. 140 1638 belagerten schwedisch-weimarische Truppen unter Oberst Reinhold von Rosen die Landskron, während Bernhard von Weimar gleichzeitig die Festung Breisach belagerte. Deren Kommandant Hans Heinrich IX. von Reinach kapitulierte am 17. Dezember 1638 und übergab mit der Kapitulation auch einen Befehl an den kaiserlichen Kommandanten der Landskron, Leutnant Valentin Jaeckel, die Landskron ebenfalls den weimarischen Truppen zu übergeben.Bernhard Röse: Herzog Bernhard der Große von Sachsen Weimar. Band 2, S. 275 (books.google.de). Am 29. Dezember 1638 erschien Bernhard von Weimar vor der Landskron und ließ dem Kommandanten den von Reinach ausgefertigten Übergabebefehl aushändigen. Aufgrund eines fehlenden Geheimzeichens auf dem Dokument verweigerte der Kommandant zunächst die Übergabe und wurde deswegen massiv bedroht. Am 30. Dezember 1638 konnte Bernhard von Weimar dann die Festung besetzen.Bernhard Röse: Herzog Bernhard der Große von Sachsen Weimar. Band 2, S. 291 (books.google.de). Bei der Besetzung konnte auch der hier gefangen gehaltene Roderich von Württemberg-Weiltingen befreit werden.Bernhard Röse: Herzog Bernhard der Große von Sachsen Weimar. Band 2, S. 292 (books.google.de).

Nach dem Tod Bernhards von Weimar sorgte der seit Jahren in französischem Sold stehende Johann Ludwig von Erlach – einer der vier in Bernhards Testament eingesetzten Direktoren des weimarischen Heeres dafür, dass Breisach und die elsässischen Eroberungen Bernhards – und damit auch die Landskron – durch Vertrag vom 19. Oktober 1639 in französische Hände übergingen.Bernhard Röse: Herzog Bernhard der Große von Sachsen Weimar. Band 2, S. 334–335 (books.google.de). Ab 1640 akzeptierten die Reich von Reichenstein – wie viele andere elsässische Adlige – die französische Lehenshoheit.siehe Adam S. 141.

1663 verkaufte dann Markgraf Friedrich VI. von Baden-Durlach alle Rechte an der Landskron für eine jährliche Zahlung von 3000 Livres an das Königreich Frankreich.Johann Daniel Schöpflin: Historia Zaringo-Badensis. Band 7, S. 212–215, Nr. DXI (dl.ub.uni-freiburg.de – französischer Text des Vertrages);Déclaration relative à la cession du château de Landskron, Bade-Durlach ; France, 1663. 28 mars (diplomatie.gouv.fr – Kopie des handschriftlichen Originals). Für den französischen König Ludwig XIV. verhandelte Charles Colbert, marquis de Croissy Auch die Reich von Reichenstein, die als letzte die Landskron von den Markgrafen als Lehen hatten, wurden 1665Burgflyer Pro Landskron ausgekauft.

Die Vauban-Festung Ab 1690 wurde die Landskron nach Plänen von Sébastien Le Prestre de Vauban zu einer Grenzfestung und zum Staatsgefängnis ausgebaut. Dieses blieb bis zur französischen Revolution bestehen.

Bernard Duvergier de Soubardon Einer der (heute) bekanntesten Gefangenen der Landskron war Bernard Duvergier de Soubardon. Soubardon wurde am 22. Mai 1737 in New Orleans (damaliger französischer Name: La Nouvelle-Orléans) geboren. Nachdem Frankreich 1762/63 Louisiana verloren hatte, kam Soubardon als Offizier an den Hof von Versailles. 1769 wurde er aufgrund eines Lettre de cachet verhaftet und in die Landskron verbracht, wo er während 21 Jahren eingekerkert blieb und – wahrscheinlich aufgrund der langen Einzelhaft – dem Wahnsinn verfiel.

Da die Verhaftung auf der Basis eines Lettre de cachet erfolgte, existieren über den Verhaftungsgrund keine Akten. Es kursieren zwei Versionen. Die populärere besagt, dass Soubardon in Versaille eine Liebschaft mit einer Hofdame hatte und damit einem Minister in die Quere kam, der dann seinen Nebenbuhler auf diesem Weg „elegant“ aus dem Weg räumte.Le Château du Landskron lieux-insolites.fr. Die andere Version besagt, dass Soubardon die Politik des Herzogs von Choiseul, der damals faktisch der Regierungschef war, kritisiert hatte.Audio-Datei: Die Geschichte des Gefangenen Bernard Duvergez de Soubardon sundgau-sud-alsace.fr (deutsch).