mini|300px|Ansicht von Südwesten
Die Burg Salzburg steht am Rand einer Hochebene über Bad Neustadt an der Saale in Unterfranken. Die große Ganerbenburg ist noch teilweise bewohnt und nicht in allen Bereichen zugänglich.
Geografische Lage Die Spornburg auf wurde etwa einen Kilometer östlich des Stadtzentrums von Bad Neustadt auf dem Westende der Hochebene über Bad Neuhaus angelegt und ist durch einen sichelförmigen, ungefähr 160 Meter langen Halsgraben vom Vorgelände abgetrennt. Bis ins 19. Jahrhundert war der gesamte Berghang freigerodet und diente bereits im Hochmittelalter dem Weinbau.
Geschichte Frühmittelalter Bereits unter den Karolingern war der Salzgau um Neustadt sehr bedeutend, es wurde sogar eine Pfalz angelegt, die Kaiser Otto III. im Jahre 1000 dem Bistum Würzburg schenkte. Diese Pfalz befand sich wahrscheinlich auf dem Areal des heutigen Dorfes Salz oder in unmittelbarer Umgebung. Auf dem nahen Veitsberg entstand wohl erst in ottonischer Zeit wegen der Ungarneinfälle eine Schutzburg für die Bevölkerung des Umlandes. An Stelle der heutigen Salzburg dürfte sich eine Wallanlage unbekannter Zeitstellung befunden haben. Auch diese Wehranlage könnte in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zum Ungarnrefugium ausgebaut worden sein.
Die erste schriftliche Erwähnung der Salzburg befindet sich in einer um 1160 kopierten Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen im Hessischen Staatsarchiv Marburg (K425. Kodex Eberhardi, fol. 82r und v). Die Originalurkunde ist verschollen und könnte vom Kopisten, dem Mönch Eberhard aus dem Kloster Fulda, verfälscht worden sein. In der Actum-Zeile (Ausstellungsort) wird die Salzburg oder der Salzberg genannt: „Act(um) in Salzb. Curia regia“.
Diese frühmittelalterliche Urkunde deutet darauf hin, dass die Königspfalz Salz sich tatsächlich ehemals auf dem Burgberg befunden haben könnte. Die ältere Forschung lokalisierte diesen Königshof durchgehend auf dem Areal der späteren Burg. Später galt allgemein der Veitsberg bei Salz als Standort dieser Anlage, während man heute das Dorf Salz oder dessen unmittelbare Umgebung favorisiert. Möglicherweise hatte der Mönch Eberhard auch nur Kenntnis von der Neuanlage der Burg und ersetzte deshalb die Ortsangabe „Salz“ der Originalurkunde durch das „Salzb.“ in der Abschrift.
Hoch- und Spätmittelalter mini|links|Der Bergfried des „Voitschen Ansitzes“ im Süden der Gesamtanlage
Der steinerne Bering der Burg ersetzte einen älteren, aus dem Kalkgestein geschlagenen Palisadengraben. Dieser Befund konnte 1984 bei einer amtlichen Plangrabung gesichert werden. Der hölzerne Schutzwall befindet sich etwa einen Meter hinter der Mauer und war wohl eine provisorische Befestigung zum Schutz der Baustelle. Der älteste Mauerring wurde offensichtlich nicht vollständig ausgebaut. Die in die erste Bauphase datierbaren Teile der Wehranlage sind maximal vier Meter hoch, auf weite Strecken scheint damals nur das Fundament angelegt worden zu sein. Ob der Würzburger Bischof dort planmäßig einen größeren Verwaltungsmittelpunkt oder gar ein befestigtes Dorf anlegen wollte, bleibt spekulativ.
Bei einer angenommenen Entstehung der hochmittelalterlichen würzburgischen Salzburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts käme als Bauherr kurioserweise hauptsächlich Bischof Gebhard von Henneberg in Betracht. Gebhard hätte die Burg demnach unter anderem angelegt, um die Expansionsbestrebungen seiner eigenen Familie zu behindern. Das Verhältnis des Bischofs zu seiner Verwandtschaft scheint auch tatsächlich nicht besonders gut gewesen zu sein, da sie ihn wohl bei seiner Kandidatur um den Bischofsstuhl nicht ausreichend unterstützt hatte. Wahrscheinlich sollte die Burg auch die Straßenverbindung zwischen der Bischofsresidenz und den würzburgischen Städten Mellrichstadt und Meiningen sichern.
Erst ab etwa 1170 erfolgte der schrittweise Ausbau der Veste zu einer der größten Ganerbenburgen Mitteleuropas und zum Verwaltungsmittelpunkt des Salzgaues. Es entstanden je ein Ansitz für den Vogt und den Schultheiß, ab 1220 wurden fünf weitere Burgmannensitze eingebaut. Im Wesentlichen war dieser Ausbau um 1250 beendet. Alle späteren Baumaßnahmen beschränkten sich auf kleinere Erweiterungen und Umbauten.
Die ersten würzburgischen Dienstmannen auf der Salzburg sind um das Jahr 1200 namentlich fassbar. Damals saßen wahrscheinlich Boppo von Leinach und Konrad II. von Leinach,Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Selbstverlag Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 95 (Die Herren von Leinach in chronologischer Folge). Heinrich von Brende und Heinrich Marschalk von Lauer auf der Veste. Diese drei Ministerialen gehörten wohl zu den Burgmannen (urbani) auf der großen Burganlage. Weitere drei Burgmannen werden in einer Schenkungsurkunde zugunsten des Klosters Bronnbach nur mit den Vornamen Wolfram, Rudolf (von Herschfeld) und Helwig (von Unsleben) genannt, dafür aber konkret der Besatzung der Burg zugewiesen.
Ein Jahr vorher ist bereits ein Wilhelmus de Salzberc nachweisbar, der wohl ebenfalls der Familie von Herschfeld entstammte und sich nach seinem Ansitz auf dem Salzberg benannte. 1206 und 1212 führten auch ein Volgerus bzw. Theodericus den Beinamen „de Salzberg“.
1232 wurde die zu Füßen der Burg gelegene „neue Stadt“ Neustadt erstmals urkundlich erwähnt. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Sitz des Amtes Salzburg schrittweise hinunter in die Stadt verlegt. Als landesherrlicher Beamter saß ein Amtmann (advocatus oder officiatus) auf der Burg oder später in Neustadt.
Die Salzburg ist ein gutes Beispiel einer geplanten Ganerbenburg, die Kontrolle über die riesige Burg wurde also wohlüberlegt nicht in die Hände eines einzigen, mächtigen Vasallen gegeben, der dem Lehnsherren irgendwann gefährlich werden konnte. Die Burgmannen wurden aus dem umliegenden würzburgischen Dienstadel rekrutiert, um 1258 saßen etwa die Fieger (später Voit von Salzburg), Brende, Heustreu, Lebenhan, Eichenhausen und Hollstadt auf der Veste.
Wie auf anderen Ganerbenburgen kam es auch auf der Salzburg zu einigen Konflikten zwischen den Burgbewohnern, Anteile wurden vererbt oder verkauft. Am 14. Juli 1434 schlossen die Ganerben deshalb einen Burgfrieden (Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Hochstiftsurkunde Nr. 50/27e) als Regelwerk, das ihre Rechte und Pflichten festschrieb und auch Sanktionen bei Nichteinhaltung der Absprachen vorsah. Der vollständige Text dieses burgenkundlich wichtigen Vertrages wurde 2008 von Heinrich Wagner wortgetreu im Salzburgbuch publiziert. Der Burgfriedensvertrag wurde am 16. Juni 1435 von Bischof Johann II. von Brunn bestätigt. Das Hochstift behielt sich das Recht vor, den Torturm bei Gefahr in seine Gewalt zu nehmen und mit eigener Mannschaft zu besetzen.
16. bis 18. Jahrhundert Den Bauernkrieg überstand die Burg mit nur geringen Schäden, um 1580 war jedoch eine umfassende Sanierung notwendig. Im 17. Jahrhundert wurde der spätere Propst des Augustinerchorherrenstiftes Heidenfeld, Georg Bauer, auf der Burg geboren.
Im frühen 18. Jahrhundert begann der Niedergang der Salzburg. Aus der großen adeligen Mehrfamilienburg entwickelte sich ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf innerhalb der alten Ringmauer. Hierzu wurden ab 1722 einzelne Bauteile und die alte Burgkapelle abgebrochen. Drei der alten Ganerbensitze verschwanden bis auf Reste, zwei wurden zu Ruinen. Aus dem Abbruchmaterial entstanden einige Bauernhäuser und Nebengebäude. Einige auf der Burg einquartierte Judenfamilien richteten 1723 eine Synagoge im Jägerbau ein.
mini|links|Bergfried und Zugang zur Burg 19. Jahrhundert Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hauste sogar ein Schäfer mit seinen Tieren in der Burg. Die Burgenromantik dieses Jahrhunderts rückte auch die Salzburg wieder in den Blickpunkt der interessierten Öffentlichkeit.
Burgkapelle St. Bonifatius und Werner von Haxthausen Im Herbst 1836 weilte der westfälische Freiherr Werner von Haxthausen zur Kur in Bad Kissingen. Während einer kleinen Rundreise besuchte Haxthausen auch die Salzburg. Im folgenden Jahr erwarb der durch eine Heirat zu Wohlstand gekommene und unter anderem als Philologe hochgebildete Adelige das nahe Gut Neuhaus, zu dem auch ein Drittel der Salzburg gehörte. In Neuhaus waren damals Heilquellen erschlossen worden. Der Freiherr plante wohl bereits bei der Erwerbung der Herrschaft den Ausbau des Gutes zum Privatbad.
Im Burghof waren damals noch Reste der mittelalterlichen Kapelle zu erkennen, die Haxthausen untersuchte. Er entschloss sich wegen der historischen Bedeutung des Ortes, dort wieder ein Gotteshaus errichten und dem heiligen Bonifatius weihen zu lassen. Angeblich weihte der Heilige an dieser Stelle den Wandermönch Burkard zum ersten Bischof von Würzburg und setzte dort auch die ersten Bischöfe von Eichstätt und Büraburg ein.
Das Bistum Würzburg unterstützte die Wiederaufbaupläne. Der Initiator stiftete das Baugrundstück und bereitete die Grundsteinlegung vor. König Ludwig I. von Bayern, der Haxthausen in den bayerischen Grafenstand erhob, erschien am 12. Juli 1841 persönlich zur Grundsteinlegung der neuen Burgkapelle und schwärmte von der Salzburg. Gleichzeitig beging man mit diesem Salzburgfest die 1100-Jahr-Feier der Gründung des Bistums.
Die ersten Entwürfe für den Neubau der Burgkapelle fertigte das Königliche Bayerische Baubüro in Würzburg. Der König bevorzugte eigentlich die Gotik, die er als den „einzig echten teutschen Stil“ ansah. Der königliche Oberbaurat August von Voit (von Salzburg) überarbeitete die Entwürfe schließlich unter dem Einfluss Friedrich von Gärtners in neuromanischen (byzantinischen) Formen.
Die Bauleitung wurde dem Neustadter Maurer- und Steinhauermeister Michael Stapf (1814–1875; in Würzburg Vorsitzender des 1869 gegründeten „Patriotischen Vereins“Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 444.) übertragen. Den Skulpturenschmuck fertigte der Würzburger Bildhauer Andreas Halbig. Finanzielle Schwierigkeiten und der Tod des Stifters Werner von Haxthausen verzögerten die Fertigstellung des Gotteshauses, das erst sieben Jahre nach der Grundsteinlegung am 7. und 8. Oktober 1848 geweiht werden konnte.
Die Familien von Brenken und Guttenberg Der kurz vor seinem Tode von König Ludwig I. in den Grafenstand erhobene Werner von Haxthausen starb 1842 ohne männlichen Erben. Zusammen mit seiner vermögenden Gattin hatte der Graf noch weitere Anteile an der Salzburg erworben. Die Tochter des Paares heiratete den vermögenden westfälischen Gutsbesitzer und Politiker Hermann von und zu Brenken. Die verwitwete Gräfin von Haxthausen verwaltete den Gesamtbesitz bis zu ihrem Tode am 21. Januar 1862. Als Erben hatte die Gräfin ihren erst elfjährigen Enkel Otto von Brenken bestimmt.
Die Eltern Ottos, die hauptsächlich in Westfalen lebten, verwalteten das Gut mit der Burg für ihren Sohn und konnten auch die restlichen Anteile an der Salzburg hinzuerwerben. Zudem erweiterte das Paar das von der Gräfin begründete Privatbad Neuhaus und errichtete dort ein Gästehaus im Schweizer Stil.
Otto von Brenken trat 1880 nach dem Tod seiner Mutter die Verwaltung seines Erbes an und heiratete zwei Jahre später Maria Gräfin Rottenhan aus der Untermerzbacher Linie der Herren von Rotenhan. Der Burgherr verstarb allerdings erst dreiunddreißigjährig weitere zwei Jahre später.
Die junge Witwe heiratete in zweiter Ehe 1888 den Freiherrn Theodor von Guttenberg. Theodor und Maria von Guttenberg kauften 1893 die Anteile ihres Vaters bzw. Schwiegervaters Hermann. Der Würzburger General-Anzeiger meldete am 20. Januar 1893, dass Theodor von Guttenberg nunmehr alleiniger Eigentümer der Grundherrschaft Neuhaus sei.