Muttersholtz (, historisch auch Muttersholz, Mintersholz) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Bas-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est.

Geografie Muttersholtz liegt an der Ill, fünf Kilometer östlich von Schlettstadt. Hier mündet das Flüsschen Blind in die Ill.

Zum Gemeindegebiet gehören auch die Dörfer Ehnwihr (Ehenweier) und Nieder-Rathsamhausen.

Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung von Müttersholz stammt von 817, als es in einer Urkunde des Kaisers Ludwigs des Frommen genannt wird.

Der Ort gehörte seit dem Ende des 13. Jahrhunderts zur Herrschaft Lichtenberg.Knöpp, S. 20. Die Herren von Lichtenberg hatten das Dorf vermutlich von denen von Ötingen gekauft.Eyer, S. 179. In der Herrschaft Lichtenberg war das Dorf nur formal dem Amt Wolfisheim zugeordnetEyer, S. 233f., weil es als Lehen an die von Rathsamhausen weiter vergeben war.Eyer, S. 208. In der Folgezeit kam das Amt Wolfisheim – und mit ihm auch Lehensoberherrschaft über Müttersholz – 1480 zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg und 1736 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Auch in dieser Zeit wurde Müttersholz noch als Bestandteil des Amtes Wolfisheim genannt.Knöpp, S. 20.

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kam auch Müttersholz unter französische Oberhoheit, mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde es französisch. Müttersholz hatte damals etwa 500 Einwohner.Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9 (9).

Von 1871 – nach dem Deutsch-Französischen Krieg – bis 1919 gehörte es zum deutschen Reichsland Elsaß-Lothringen.

1940 wurden unter deutscher Besatzung die verbliebenen jüdischen Einwohner nach Südfrankreich deportiert. Im Jahr 2019 wurden die ersten Stolpersteine für jüdische Opfer aus dem Elsass in Muttersholtz verlegt.Muttersholtz. alemannia-judaica.de, aufgerufen am 26. Dezember 2024.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2010 2019Einwohner 1383 1450 1559 1629 1651 1719 1922 2136 Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten Kirche Saint-Urbain Protestantische Kirche zahlreiche Fachwerkhäuser mit Storchennestern

Gemeindepartnerschaften Seit 1991/92 besteht eine Partnerschaft zwischen Muttersholtz und der deutschen Gemeinde Reiskirchen in Hessen.

Persönlichkeiten Johann Ludwig Adam (1758–1848), Komponist und Klaviervirtuose Henri Welschinger (1846–1919), Archivar und Historiker

Sonstiges Muttersholtz ist neben Sentheim einer der beiden letzten Orte, in denen der Kelsch, ein traditioneller Leinenstoff, gewebt wird.

Literatur

Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6]. Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-055-8, S. 612–614.

Weblinks

Das große Ried bei Muttersholtz

Einzelnachweise

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