mini|Stadtgebiet von Bad Orb mini|Blick vom Wartturm auf Stadt und Wintersberg Bad Orb (bis 1909 Orb) ist eine Kurstadt im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Sie liegt zwischen bewaldeten Bergen im Naturpark Spessart, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Der von Schlüchtern durch den Spessart nach Großheubach bei Miltenberg verlaufende „Eselsweg“ führt an Bad Orb vorbei. Auf dieser alten Handels- und Salzstraße wurde in früheren Zeiten das Orber Salz zur Verschiffung an den Main transportiert.

Bei Bad Orb befindet sich auch das Frankfurter Schullandheim Wegscheide. Es wurde 1920 als Kindererholungsstätte gegründet, auf dem Gebiet des ehemaligen Militärlagers, welches zum Truppenübungsplatz Orb gehörte, und war während der Zeit des Nationalsozialismus ein Kriegsgefangenenlager.

Geografie

Geografische Lage Bad Orb liegt in den Tälern der Orb und ihrer Nebenflüsse Haselbach und Leimbach auf einer Höhenlage von umgeben von zumeist bewaldeten Bergen und Höhenzügen des Spessarts. Im Westen liegt der Molkenberg (293 m). Im Norden verläuft ein Höhenzug, der vom Aufenauer Berg (234 m) bis zur markanten Großen Kuppe (411 m) und zum Markberg (516 m) ansteigt. Im Südosten erhebt sich der im unteren Bereich besiedelte Wintersberg (434 m). Im Süden befinden sich der Pfarrküppel (461 m) und die höchsten Erhebungen in der Gemarkung, der Horstberg (540 m), die Bieberhöhe (533 m) und der Hohe Berg (521 m). Nach Nordwesten öffnet sich die Landschaft zum Kinzigtal hin. Die dort hinaus führende Landesstraße L3199 trifft an ihrem Ende, der „Eisernen Hand“, auf die im Kinzigtal verlaufende Autobahn A 66 bzw. die Bundesstraße B 276.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Stadt besteht nur aus der Gemarkung Orb (Gmk.-Nr. 60981). Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit auf dem Gipfel des Berges Horst im südlichsten, bewaldeten und nicht besiedelten Teil der Gemeinde.

Nachbargemeinden Bad Orb grenzt im Norden an die Städte Wächtersbach und Bad Soden-Salmünster, im Osten an den gemeindefreien Gutsbezirk Spessart, im Süden an die Gemeinde Jossgrund sowie im Westen an die Gemeinde Biebergemünd.

Geschichte Urgeschichte Unter den urgeschichtlichen Zeugnissen der Region findet sich ein in Leisenwald, einem Ortsteil von Wächtersbach, gefundenes Steinbeil.Martin Schäfer, Unsere Ortsnamen, Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Hrsg. Kreisverwaltung Gelnhausen, 1950, S. S. XVI

Bereits um 650 v. Chr. war die Gegend keltisch besiedelt, wie der Ringwall Alteburg bei Biebergemünd und auch die Wolferburg bei Hesseldorf belegen. Ob die salzhaltigen Quellen den Kelten schon bekannt waren, ist indes nicht gesichert. Auch über die Zeit der Spätantike und des frühen Mittelalters ist wenig bekannt.Johann Büttel: Geschichte der Stadt und Saline Orb. Reprint Bad Orb 1978 der Originalausgabe Würzburg 1901, S. 6.

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Namens Orbaha findet sich in einer Urkunde von 1059, in der König Heinrich IV. dem Kloster Fulda den Wildbann über den Spessart verleiht. Der darin beschriebene Grenzverlauf bezieht sich mit diesem Namen auf den Fluss. Die eigentliche Ersterwähnung des Ortes erfolgte in einer Urkunde vom 2. Oktober 1064, in der Heinrich IV. die Besitzung Orbaha ... mit Burg und ...Salzquellen ..., an die Kirche der Heiligen Stephan und Martin in Mainz, beziehungsweise den Erzbischof Siegfried I., der auch Erzkanzler des Reiches ist, schenkt.Bad Orber Geschichts- und Heimatverein, abgerufen am 19. April 2020

Bad Orb erhielt um 1244, unter dem Stauferkaiser Friedrich II. die Stadtrechte, was auch das Prägen einer Münze, des Orber Hälblings (halber Pfennig), einschloss. Aus dieser Zeit stammen die Reste der Stadtbefestigung, wie Mauern und Tore. Territorial gehörte Orb in dieser Zeit zu Kurmainz. Von 1428 bis 1566 war die Stadt allerdings an die Grafen von Hanau (ab 1456: Grafschaft Hanau-Münzenberg) verpfändet.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 (= Handbuch der hessischen Geschichte. 3; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 209. Während die Grafschaft Hanau-Münzenberg sich Mitte des 16. Jahrhunderts der Reformation zuwandte, blieb Orb so durch seine Rückkehr unter die Landeshoheit von Mainz römisch-katholisch.

Neuzeit Während des Dreißigjährigen Kriegs schenkte König Gustav Adolf von Schweden 1632 den mit ihm verbündeten Grafen von Hanau-Münzenberg die Stadt Orb. Sie konnten den neuen Besitz aber nur bis zur nächsten Wende des Kriegsgeschehens halten und verloren ihn 1634 wieder.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 (= Handbuch der hessischen Geschichte. 3; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 209.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Orb zum Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Orb. 1806 wurde das Fürstentum Aschaffenburg Teil des Primatialstaats Karl Theodor von Dalbergs, das Mitglied im Rheinbund war. Von 1810 bis 1813 lag Orb im Großherzogtum Frankfurt, Departement Aschaffenburg, Distrikt Orb. Als Ergebnis des Pariser Friedens kam Orb am 26. Juni 1814 zum Königreich Bayern, wo es im 1817 gegründeten Untermainkreis Sitz des Landgerichts Orb wurde. Am 1. Januar 1862 wurde aus den Landgerichten Gemünden und Orb das Bezirksamt Gemünden gebildet.

Bayern musste 1866 nach dem Ende des Deutschen Kriegs das Gebiet des Landgerichts Orb, mit Ausnahme von Aura, Deutelbach, Mittelsinn und Obersinn (Stand 1862) an das Königreich Preußen abtreten. Dort wurde es Teil des Kreises Gelnhausen, behielt aber als „Amtsbezirk Orb“ bis zum 31. März 1886, insbesondere kommunalverfassungsrechtlich, einen Sonderstatus.§ 3 Nr. 19 der Verordnung, betreffend die Organisation der Verwaltungsbehörden in dem vormaligen Kurfürstenthume Hessen, in dem vormaligen Herzogthume Nassau, in der vormals freien Stadt Frankfurt und in den bisher Bayerischen und Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen vom 22. Februar 1867, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, (Nr. 6563), preußGS S. 273 und des Allerhöchsten Erlasses, betreffend die Einrichtung besonderer Verwaltungsstellen für den früheren Großherzoglich Hessischen Kreis Vöhl und den früheren Bayerischen Bezirk Orb vom 24. Juni 1867, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (Nr. 6753), preußGS S. 1261; dieser Sonderstatus wurde mit Wirkung vom 1. April 1886 aufgehoben durch § 1 Absatz 3 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten (Nr. 9071), preußGS S. 193

Die Zugehörigkeit zu Preußen endete mit der Schaffung von Groß-Hessen 1945. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde der Kreis Gelnhausen am 1. Juli 1974 aufgelöst und ging im Main-Kinzig-Kreis auf, zu dem auch Bad Orb seitdem gehört.

Salzgewinnung und Solenutzung mini|hochkant|Christian Paschold: Denkmal für Franz Leopold Koch, vor der Kreissparkasse Die Salzgewinnung aus mehreren Solequellen prägte das mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtbild bis zum 19. Jahrhundert. Die Salzgewinnung erfolgte anfangs innerhalb der Stadtmauern am heutigen „Solplatz“ durch Eindampfen der Sole in großen Sudpfannen.Mittelalter-Lexikon, aufgerufen am 21. Januar 2020 Die vorausgehende Eindickung und Reinigung der Sole erfolgten durch Gradieren: In großen Verdunstungskästen setzten sich Ton, Kalk und Gips ab und bildeten sogenannte „Gradiersteine“, die noch Abdrücke der Holzbohlen und Balken des Gradierkastens zeigen. Sie dienten später auch als Fundamente für Häuser an der Stadtmauer, neben dem Obertor. Ein solcher Gradierstein wurde 2002 beispielhaft am „Solplatz“ aufgestellt, weitere vor dem Museum in der Burg und im Orbtal.

Im 18. Jahrhundert wurde die langwierige und weniger effektive Kastengradierung aufgegeben. Außerhalb der Stadtmauern entstand – auf dem heutigen Kurparkgelände – vor allem auf Betreiben des Mainzer Amtmanns zu Lohr, Philipp Christoph von und zu Erthal,Werner Loibl: Der Vater der fürstbischöflichen Erthals – Philipp Christoph von und zu Erthal (1689–1748). Heinrich Fußbahn (Hrsg.): Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Band 64. Aschaffenburg 2016, ISBN 978-3-87965-126-9, S. 347–388, 764–776. zwischen 1729 und 1748 eine neue Saline. Mit Sudhäusern, Salzmagazinen, Werkstätten und 10 Gradierwerken mit Schwarzdornreisig, wie sie bereits 1716 durch Joseph Todesco in Nauheim eingeführt worden waren, entsprachen sie dem Stand der Technik in dieser Zeit. In ihnen rieselte, auf einer Gesamtlänge von 2050 Metern die Sole. Sie wurde vielfach umgewälzt, um die Konzentration und Reinheit des salzhaltigen Wassers vor dem Siedevorgang zu erhöhen. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die Produktion des „weißen Goldes“ in Orb, mit einer Jahresproduktionen von bis zu 2000 Tonnen Salz ihren Höhepunkt.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde angesichts der Konkurrenz, die an günstigeren Standorten, mit industriellen Gewinnungsverfahren betrieben wurden, die Salzproduktion aus den schwachen Orber Brunnensolen unrentabel.Johann Büttel, "Geschichte der Stadt und Saline Orb, Orbensien-Verlag, S. 123 Erste Überlegungen entstanden, das Naturprodukt Sole alternativ auch medizinisch zu nutzen. 1837 gründete der in Erfurt geborene Apotheker Franz Leopold Koch (1782–1850), der 1807 nach Orb gekommen war, die erste Solbadeanstalt, mit acht Badekabinetten. Die Gebäude sind nicht mehr vorhanden. Seit 1909 ist Bad Orb staatlich anerkanntes Heilbad. Sanitätsrat Franz Josef Scherf, dem am Kurparkeingang ein Denkmal gesetzt wurde, verfestigte die Reputation Bad Orbs als Herzheilbad in der Weimarer Republik. Ab etwa 1900 etablierte sich der professionelle Kurbetrieb. 1912 wurde das Kaiser-Friedrich-Bad errichtet, das ebenfalls nicht mehr existiert.

+ Solequellen Bad Orb„Unsere Heilquellen“, Bad Orb Kur GmbH Tourist-Information, September 2021 Nr. Name Eigenschaften Bemerkungen 1 Philippsquelle Kationen (mg/Liter): Lithium 6,88; Natrium 6.173; Kalium 393; Ammonium 2,79; Magnesium 230; Calcium 1.285; Strontium 15,4; Mangan 1,78; Eisen 22,1; Kupfer 0,007; Arsen 0,358. Anionen: Fluorid 1,16; Chlorid 10.587; Bromid 5,76; Iodid 0,17; Sulfat 1.458; Monohydrogenphosphat 0,01; Hydrogencarbonat 2.306. Ausbautiefe: 73,5 m; Schüttung (Unterwasserpumpe): 30 m3/Std; Temperatur: 14,0 °C; Solegehalt: 1,7 %; pH-Wert 6,09. 2 Ludwigsquelle, Kationen (mg/Liter): Lithium 4,16; Natrium 4.075; Kalium 255; Ammonium 1,80; Magnesium 138; Calcium 711; Strontium 9,8; Mangan 1,65; Eisen 15,02; Kupfer 0,051; Arsen 0,265. Anionen (mg/Liter): Fluorid 1,42; Chlorid 7.027; Bromid 3,71; Iodid 0,19; Sulfat 814; Monohydrogenphosphat 0,02; Hydrogencarbonat 1.589. Ausbautiefe: 58 m; Schüttung (Unterwasserpumpe): 30 m3/Std; Temperatur: 8,5 °C; Solegehalt: 1,1 %; pH-Wert 5,89. 3 Martinusquelle Kationen (mg/Liter): Lithium 3,53; Natrium 3.190; Kalium 207; Ammonium 1,61; Magnesium 154; Calcium 996; Strontium 11,4; Mangan 1,21; Eisen 12,5; Kupfer 0,005; Arsen 0,371. Anionen (mg/Liter): Fluorid 1,04; Chlorid 4.508; Bromid 2,64; Iodid 0,11; Sulfat 2.173; Monohydrogenphosphat 0,01; Hydrogencarbonat 1.789. Ausbautiefe: 30,1 m; Schüttung (Unterwasserpumpe): 420 m3/Std; Temperatur: 14,0 °C; Solegehalt: 1,7 %; pH-Wert 6,06.

+ Entwicklung der Kurgästezahlen in Bad Orb Jahr Zahl der Kurgäste pro Jahr"Lange Historie - doch wie geht es weiter - Ein Vortrag von Dr. Wolfgang Hessberger zur Geschichte des Orber Bade- und Kurbetriebs", Gelnhäuser Neue Zeitung, 30. Juli 2022 1900 1.968 1914 5.012 1928 9.388 1938 mehr als 10.000 1952 mehr als 20.000 1964 mehr als 50.000 1975 59.166 1987 61.963 202462.931