Der Salzburger Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof des Ballungsraumes Salzburg und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Westen Österreichs. Er wird von rund 25.000 Reisenden täglich frequentiert und hat die Funktion eines Grenzbahnhofs in Richtung Deutschland.
Der Salzburger Hauptbahnhof ist ein Bahnhof sowohl der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) als auch der Deutschen Bahn AG (DB). In ihm werden mehrere Fern- und Nahverkehrsstrecken miteinander verknüpft. Das sind die Westbahn von Wien und Linz und die Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg, über die neben internationalen Zügen auch im Korridorverkehr über Rosenheim (das Deutsche Eck) Schnellverbindungen mit Tirol und Vorarlberg gefahren werden. Nach Süden führt als weitere Hauptstrecke die Salzburg-Tiroler-Bahn über Bischofshofen und Zell am See nach Wörgl Hauptbahnhof, von welcher in Schwarzach-St. Veit die Tauernbahn abzweigt. Der Hauptbahnhof verfügt außerdem über eine VerladestelleTerminalbeschreibung ÖBB Autoreisezug Autoverladestelle Salzburg Hauptbahnhof (PDF-Datei) für Autoreisezüge.
Im Regionalverkehr ist der Hauptbahnhof Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Lamprechtshausen und nach Ostermiething sowie Verknüpfungspunkt der S-Bahn Salzburg und etlicher Regionalbuslinien im Großraum. Auch befindet sich hier einer der zentralen Knoten im Streckennetz des Salzburger Oberleitungsbusses sowie der städtischen Autobuslinien. Bis 1957 begann beim alten Lokalbahnhof am Bahnhofsvorplatz, dem Südtiroler Platz, die schmalspurige und im Volksmund „Ischlerbahn“ genannte Salzkammergut-Lokalbahn nach Mondsee und Bad Ischl.
Der Bahnhof (Aufnahmegebäude, Mittelbahnsteig) und liegt in der Pufferzone des UNESCO-Welterbes Historisches Zentrum der Stadt Salzburg. Er wurde in den Jahren 2009 bis 2014 einem Totalumbau unterzogen, den Abschluss der Arbeiten bildete die Eröffnungsfeier am 7. November 2014.
Lage und Baugestaltung mini|hochkant=1.4|Hauptbahnhof vom Mönchsberg aus gesehen im Jahr 2007 mini|hochkant=1.4|Hauptbahnhof aus gleicher Perspektive im Jahr 2013
Der Salzburger Hauptbahnhof liegt in der Elisabeth-Vorstadt, die Altstadt ist durch den Stadtteil Neustadt abgegrenzt.
Das Aufnahmegebäude des Bahnhofes steht auf dem Südtiroler Platz mit dem Busbahnhof für Regionalbusse und der Bushaltestelle der städtischen Buslinien. Um den Platz befinden sich außerdem Cafés, Restaurants und ein Einkaufszentrum.
Südlich erstreckt sich der Personenbahnhof bis zur Saint-Julien-Straße bzw. Gabelsbergerstraße; der durchgehende Straßenzug unterquert die vom Bahnhof auslaufenden Gleisanlagen in Richtung Deutschland im Nelböck-Viadukt. Östlich der Gütergeleise befindet sich die Lastenstraße, westlich begrenzen die Rainerstraße sowie der Südtiroler Platz und der Engelbert-Weiß-Weg die Bahnanlagen. In nördlicher Richtung bündeln sich die Gleise zur Westbahn in Richtung Wien und zur Salzburg-Tiroler-Bahn in Richtung Bischofshofen.
Dabei fällt das Bahnhofsgelände in drei Stadtteile, Elisabeth-Vorstadt vor dem Bahnhof, Itzling im Norden und Schallmoos auf der Frachtenbahnhofseite, sowie in zwei Katastralgemeinden, gutteils Salzburg und am nordseitigen Ende Itzling.
Das Aufnahmegebäude selbst und die historischen Bahnsteige gehören noch zur Pufferzone des UNESCO-Welterbes Historisches Zentrum der Stadt Salzburg, fallen also nicht direkt unter den UNESCO-Schutz, es soll aber die Kernzone vor Störungen im Weichbild bewahrt werden. Auch in der Pufferzone brauchen dominierendere Baulichkeiten die Zustimmung der UNESCO-Kommission, auch bei geringer Bauhöhe, da die Stadt von den Stadtbergen von oben so gut einsichtig ist.Die UNESCO nahm die Bauplanungen unter Erhaltung der historischen Bausubstanz zur Kenntnis. Etwas kritischer beurteilte sie die mangelhafte Zusammenarbeit bei der mehrgeschoßigen Neubebauung des Platzes des alten Bahnhofspostamtes, der knapp außerhalb der Pufferzone liegt () State of Conservation (SOC): Historic Centre of the City of Salzburg (2008) Report, Abschnitt Current conservation issues: Buffer zone und Beyond the buffer zone. Die Baumaßnahmen selbst waren aber 2005 genehmigt worden. State of Conservation (SOC): Historic Centre of the City of Salzburg (2005), Abschnitt Current conservation issues: Buffer Zone and beyond. Aufnahmegebäude und Mittelbahnsteig stehen zudem .
Empfangsgebäude mini|Das Bahnhofsgebäude 2007
Die Bahnhofsgebäude an der Westbahn wurden alle – oft mehrmals – durch neuere ersetzt. Nur das Salzburger Empfangsgebäude blieb weitgehend im Original erhalten. Das mit Ornamenten verzierte Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.
Das Bahnhofsgebäude bestand nach der Betriebseröffnung aus einem Mitteltrakt und auf beiden Seiten aus einem jeweils nach hinten versetzten Flügelbau, an den sich wiederum jeweils ein etwas vorgesetzter Gebäudetrakt anschloss. Die Diensträume, Warteräume und Abfertigungsschalter befanden sich im linken Teil des Gebäudes. Mit dem Bahnhofsumbau von 1906 bis 1909 wurde auch das Empfangsgebäude renoviert und umgestaltet. Ein besonderer Glücksfall war die Wiederauffindung der originalen Fliesengestaltung der Wartehalle, die jahrzehntelang hinter Wandplatten verborgen und im besten Zustande erhalten war.
Seitdem wurde das Empfangsgebäude hinsichtlich der Bauelemente nicht mehr verändert. Das Gebäude besitzt heute ein Walmdach und hat einen weiß-grauen Anstrich. Der Mitteltrakt ist mit roten Stilelementen verziert.
Im Zuge des Bahnhofsumbaus wurde auch das Empfangsgebäude modernisiert; die UNESCO, Bundesdenkmalamt, die Stadt Salzburg und die ÖBB waren sich einig, dass die Fassade in ihrer bestehenden Form erhalten bleiben muss.
Im Jahr 2014 wurde auf der Rückseite des Bahnhofs an der Lastenstraße ein vergleichsweise großzügig angelegtes Zugangsbauwerk errichtet.
Im Bahnhofsgebäude befinden sich auch das ÖBB-Reisezentrum und eine der sechs ÖBB-Lounges (für Reisende 1. Klasse).
Zentralperron mini|Der frühere Zentralperron
Der Zentralperron, ein zentraler und großräumiger Inselbahnsteig, wurde mit dem Bahnhofsumbau von 1906 bis 1909 errichtet. Am 19. Februar 1906 wurde mit seinem Bau begonnen, die Eröffnung erfolgte am 5. Juli 1909. Im Zuge des Umbaus wurde der Inselbahnsteig 2009 gesperrt, in der Folge bis auf die denkmalgeschützte Überdachung abgetragen und durch herkömmliche Mittelbahnsteige ersetzt.
Der Zentralperron maß 164,5 Meter mal 52 Meter, was einer Fläche von 8554 Quadratmetern entspricht. Die denkmalgeschützte Überdachung wurde mit neuer, weißer Farbe versehen und ist nun in die neuerrichtete Anlage integriert. Auf dem Zentralperron befand sich ein Verkehrspavillon unter anderem mit gastronomischen Einrichtungen, welcher bei den Umbauarbeiten abgerissen wurde. Beidseitig endeten an der Schmalseite des Zentralperrons jeweils vier Kopfgleise, auf der WestseiteDer gesamte Bahnhof liegt geografisch nordnordöstlich-südsüdwestlich ausgerichtet. Die hier angegebenen Himmelsrichtungen (West für die südsüdwestliche Seite etc.) erfolgen aus der Sicht der generellen Fahrtrichtung der Züge. aus Deutschland kommend, auf der Ostseite endeten hier Züge aus österreichischen Richtungen. Der Zugang zu den Zügen in Richtung Deutschland erfolgte bis gegen Jahresende 1997 über eine Grenzkontrolle, die in einem weiteren Gebäude auf dem Inselbahnsteig untergebracht war. An den Längsseiten des Zentralperrons lag jeweils ein Durchgangsgleis. An seinem östlichen Ende befanden sich zuletzt auf Höhe der Kopfgleise zwei Aufgänge zu einer Fußgängerbrücke zur Lastenstraße (Stadtteil Schallmoos), die zuvor lange Zeit nur von außerhalb des Bahnhofsgebäudes erreicht werden konnte. Diese Brücke wurde durch eine Unterführung ersetzt und 2013 abgerissen.
Bahnsteiggleise Der Bahnhof besaß bis zum Beginn der Umbauarbeiten 14 Bahnsteiggleise – davon fünf Durchgangsbahnsteige. Das Gleis 1 lag am Hausbahnsteig, darauf folgte ein Durchfahrtsgleis und danach das am Zentralperron liegende Gleis 2. Im Osten des Zentralperrons in Richtung Wien lagen die Gleise 11–15, auf der Westseite in Richtung Deutschland die Gleise 21–24. Südlich an den Zentralperron schloss das Gleis 3 an. Nach diesem folgte ein weiterer Mittelbahnsteig, an dem die Gleise 4 und 5 lagen.
Der Bahnhofsumbau brachte eine Neuorganisation sämtlicher Anlagen mit sich; bis Oktober 2013 entstanden 9 durchgehende Bahnsteige. Seit November 2011 sind der Hausbahnsteig 1, das Durchfahrtsgleis und der neue Mittelbahnsteig 2/3 wieder in Betrieb. Zwischenzeitlich wurden Bahnsteig 3 zu 33, Bahnsteig 4 zu 34 und Bahnsteig 5 zu 35 umbenannt, weil es ansonsten in einzelnen Bauphasen zu Überschneidungen gekommen wäre, etwa weil es gleichzeitig einen alten und bereits neuen Bahnsteig 4 gegeben hätte. Seit Juni 2012 sind die Bahnsteige 4 und 5 in ihrer neuen Lage in Betrieb, wobei das Gleis 5 zweigeteilt wurde, um über einen hölzernen Steg den Bahnsteig 14 erreichen zu können. Dieser stellte den letzten Bahnsteig des alten Bahnhofs dar, bevor er im Juni 2013 abgetragen wurde. Bahnsteig 6/7 wurde im August 2013 eröffnet, Bahnsteig 8/9 ging am 20. September 2013 in Betrieb.
Der alte Fußgängerübergang vom Bahnsteig 4/5 über die Gleise zur Lastenstraße wurde im Frühjahr 2013 abgetragen. Seitdem war die Passage zwischen dem Bahnhofsvorplatz und Schallmoos bereits provisorisch in Betrieb. Am 7. November 2014 wurde sie zusammen mit dem großzügig angelegten Bahnhofszugang auf der Schallmooser Seite endgültig eröffnet.
Geschichte Planung Erste Planungen zum Bau einer Bahnlinie von Salzburg nach Wien gab es in den Jahren 1838 bis 1842. Im Juni des Jahres 1851 wurde ein Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich unterzeichnet, worin der Bau einer Bahnverbindung von München nach Salzburg und von Salzburg nach Wien beschlossen wurde. Der Bahnhof sollte als Gemeinschaftsbahnhof dienen und gemeinsam geplant werden. Im Staatsvertrag wurde festgelegt, dass hinkünftig Entscheidungen, die den Bahnhof betreffen, gemeinsam zu treffen sind. Auch wurde darin eine Nutzungsregelung festgelegt. Die Benutzung der Gleise im Bahnhof und bis zum Bahnhof war auf der einen Seite nur für die Königlich Bayerische Staatsbahn, auf der anderen Seite nur österreichischen Bahnen erlaubt. Ein weiterer Teil des Bahnhofsgeländes war zur gemeinsamen Nutzung vorgesehen. Da das im Staatsvertrag vereinbarte Eröffnungsdatum wegen schwieriger Terrainarbeiten beim Bau der Bahnstrecke in Österreich nicht eingehalten konnte, wurde am 21. April 1856 ein neuer Vertrag geschlossen. Dieser verpflichtete Österreich, die Bahnstrecke nach Wien in den darauffolgenden fünf Jahren fertigzustellen.Eisenbahn-Jahrbuch. 1. Jahrgang, S. 121.
Beim Standort des Bahnhofes entschied man sich vorerst für das linke Salzachufer. Der Salzburger Gemeinderat gab sich aber mit dieser Lösung nicht zufrieden und plante im Jahr 1853 den Bau eines Bahnhofes auf dem rechten Salzachufer im damaligen – inzwischen eingemeindeten – Vorort Froschheim. Als Vorteile dieses Standortes propagierte man die direkte Verbindung zur Salzburger Innenstadt sowie die größere Nähe zur Salzach, da man mit dieser eine effizientere Umladung von Frachten auf Schiffe erwartete.
Nach Verhandlungen mit Militär, Polizei, Landesregierung, Gemeinderegierung und Vertretern des Stadtministeriums einigte man sich am 21. Juni 1856 auf einen Standort des Bahnhofs rechts der Salzach bei den nördlichen Wällen. Der Bau links der Salzach wäre zwar billiger und topografisch einfacher gewesen, man gab aber die Befürchtung kund, dass ein zweites Stadtzentrum entstehen könne. Als Grund dafür wird angenommen, dass die Stadtverwaltung das Interesse am Verkauf teuerer Altstadtimmobilien verfolgte.Christiane Krejs: Salzburgs Stadterweiterung im 19. Jahrhundert. Dissertation. Salzburg 1990, S. 105–108 Vgl. T. N.: Ein Beitrag zu Salzburger Bahnhof-Frage. In: NSZ Nr. 109, 17. Mai 1853. verkehrswesen-antiquariat.de (Abstract). auf rettetdenbahnhof.at