Die Haßberge sind ein bis hoher Mittelgebirgszug zwischen Schweinfurt und Bamberg in Unterfranken und Oberfranken, nördlich des Mains. Das Hügelland nordwestlich von Bamberg wird durch das Maintal von seinem Schwestergebirge, dem Steigerwald getrennt. Die Randhöhen beider Waldgebirge fallen steil zum Main hin ab. Zwischen Ebelsbach und Haßfurt durchstößt der Fluss das Bergland in einem breiten Durchbruchstal und schafft so eine bequeme Verbindung zwischen dem Obermain und dem fruchtbaren Mittelmaingebiet.

mini|Ein Wahrzeichen der Haßberge: Die Bettenburg bei Hofheim (Stahlstich, 19. Jahrhundert) mini|Das Hügelland der Haßberge vom Osthang des Zeilbergs bei Maroldsweisach. Links der Bildmitte erkennt man den markanten Vulkankegel des Brambergs. mini|Typische Haßberglandschaft bei Ebern. Blick vom ehemaligen Standortübungsplatz nach Süden auf die Zeilberge. Im Hintergrund der fränkische Jura

Die Haßberge sind zentraler Teil des Naturparks Haßberge, dessen ausgedehnte Mischwälder von zahlreichen Wanderwegen durchzogen werden. Der Naturpark erstreckt sich von der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Bad Königshofen bis zum Main bei Hallstadt. Jenseits des Mains schließt sich der Naturpark Steigerwald an.

Die Region Haßberge umfasst neben dem eigentlichen, naturräumlich klar abgegrenzten Mittelgebirge auch das westliche Vorland und Teile des östlich anschließenden Itz-Baunach-Hügellandes (Zeilberge).

Ungewöhnlich ist der Reichtum des Landstriches an historischen Burg- und Schlossanlagen, von denen über 40 als Ruinen erhalten blieben oder noch bewohnt werden. Mehrere ehemals stark befestigte Städte am Rand des Gebirges konnten sich ihre historischen Ensembles mit Fachwerkhäusern weitgehend bewahren, wie zum Beispiel Königsberg oder Hofheim.

Landschaftsname Die Herkunft der Bezeichnung Haßberge ist unklar. Einer Theorie zufolge wurde der Name Haßberge vom Stamm der Chatten abgeleitet, der ehemals in diesem Gebiet gesiedelt haben soll. Der Stammesname Chatten wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte zur heute gebräuchlichen Namensform Hessen. Im 7. Jahrhundert n. Chr. war die Form „Hassi“ gebräuchlich. Im Hochmittelalter war das Kloster Fulda in der Region begütert. Auch die Anlage der Stufenburg bei Baunach soll auf eine Vogtei des Klosters zurückgehen.

Andere Forscher sehen einen Zusammenhang mit einer „Hasenfurt“ über den Main (Haßfurt). Hier soll ein seichter Flussübergang auch „Hasenfüßen“ und „Angsthasen“ die gefahrlose Überquerung des Flusses ermöglicht haben. Auch die Deutung als „nasse Furt“ wird diskutiert.

Hasa könnte sich nach Hans Bahlow auch von einer Sumpf-, Moor- und Riedlandschaft am Main ableiten. Der Sprachwissenschaftler Peter von Polenz sah sogar einen möglichen Zusammenhang mit dem Fluss Nassach, der bei Haßfurt in den Main mündet. Diese Vermutung wird durch den frühmittelalterlichen Gaunamen Haßgau gestützt, dessen Zentrum im Nassachtal lag.

Der Slawist Heinrich Kunstmann führte den Wortstamm auf das westslawische Wort chasa zurück, nahm also einen Zusammenhang mit der wendischen Besiedlung der Region an. Nach dieser Interpretation würde der Landschaftsname Berge der Schar, des Volkes, bedeuten.

Hans Jakob und Heinrich Kunstmann deuteten gar den Namen der am Rand des Steigerwaldes gelegenen Gemeinde Knetzgau als Hinweis auf einen slawischen Urgau, der bis in den westlichen Steigerwald hineinreichte. Knetz soll auf das wendische knedz zurückgehen, das vom althochdeutschen kunig abgeleitet sein soll. Nach dieser Theorie soll sich ein slawischer Sippenverband unter der Führung eines knedz im Maingebiet hinter der Haßberge/Steigerwald-Steilstufe angesiedelt haben (Großer und Kleiner Knetzberg). Kunstmann interpretierte die Region als die Keimzelle des sagenhaften Samo-Reiches. Südlich des Maines sei das Gebiet weitgehend germanisch besiedelt gewesen und wurde Volkfeld genannt. Haßgau wäre also die fast wörtliche slawische Entsprechung von Volkfeld. Zwischen dem germanischen Volkfeld und dem slawischen Haßgau habe als Verwaltungsmittelpunkt der Königs-(Knedz-)gau Samos gelegen.

Die Untersuchungen Jakobs und Kunstmanns deuten darauf hin, dass das slawische Siedlungsgebiet tatsächlich sehr viel weiter nach Westen reichte, als die traditionelle, oft nationalistisch beeinflusste Forschung annahm. Hier allerdings gleich den weltgeschichtlich so bedeutsamen Ursprung des ersten slawischen Großreiches zu lokalisieren, erscheint doch etwas überzogen und von Lokalpatriotismus geprägt. Kunstmann glaubte dementsprechend, die sagenumwobene Wogastisburg als das heutige Burk bei Forchheim identifizieren zu können. Die Thesen Kunstmanns wurden in der Fachwelt sehr beachtet und lange diskutiert, gelten aber gegenwärtig als weitgehend widerlegt. Allerdings wurden diese Theorien noch 2003 in den Band Haßfurt des Historischen Atlas von Bayern aufgenommen.

Jakob Amstadt stellt einen Zusammenhang mit dem althochdeutschen Adjektiv hasan (grauglänzend, aschgrau) her (auch der Hase wird in Fabeln gelegentlich der „Graue“ genannt) und postuliert einen Zusammenhang mit einem germanischen (Wotans-)Kultort um weiße Pferde, die im Heiligen Wald um die Haßberge gelebt haben sollen.

Geographie Geographische Lage Die Haßberge liegen in den unterfränkischen Landkreisen Schweinfurt, Rhön-Grabfeld und Haßberge; für den letzten Landkreis sind sie namensgebend. Einige Randbereiche gehören seit der Gebietsreform von 1972 zu den Landkreisen Bamberg und Coburg.

Das Kernland des Waldgebirges mit den Forstgebieten um den Großen Haßberg, dem Bramberger Wald und dem Haßwald (Eberner Wald) erstreckt sich, vom Schloss Kleinbardorf im äußersten Nordwesten aus, wie eine große Sichel etwa 50 Kilometer in südöstliche Richtung bis zum Steigerwald südlich bzw. der Fränkischen Schweiz südöstlich des Südostendes, von denen sie jeweils das Tal des Mains trennt.

Die über die Nassach entwässernde, flachwellige Landschaft westlich dieses Kammes wird Haßgau genannt und ist naturräumlich bereits Teil der Gäulandschaft des Grabfelds, in dessen Kernland sie in einem schmalen Korridor nach Norden fließend übergeht.

Die ZeilbergeNamensnennung z. B. durch Georg Ludwig Lehnes, den ersten Chronisten des Baunachgrundes; naturräumlich als Altensteiner Rhätolias-Rücken benannt, siehe #Naturräumliche Gliederung. zwischen Baunach-Daschendorf, Ebern und Maroldsweisach bilden ein Gegenstück zu den Haßbergen östlich jenseits des Baunach- und Weisachtales, das ebenfalls fast komplett im Naturpark Haßberge liegt. Der lang gestreckte Höhenrücken trägt einige der bedeutendsten landschaftlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Region (darunter die Burg Altenstein, Burg Lichtenstein, Burg Rotenhan und der Diebskeller bei Rabelsdorf). Die Zeilberge verbinden die Haßberge mit dem Itz-Baunach-Hügelland, denen sie bereits zugerechnet werden. Das Itz-Baunach-Hügelland reicht am Oberen Itzgrund im Nordosten bis zur ehemaligen Residenzstadt Coburg und östlich Coburgs bis nah an die Steinach.

Wilhelm Götz übertrug 1898 den Landschaftsnamen Haßberge auch auf die Zeilberge und das Gebiet zwischen beiden Kämmen.(W. Götz: Geographisch-historisches Handbuch von Bayern, Bd. 2. München, 1898, S. 501ff), referenziert im Historischen Atlas Bayern Die so definierten Haßberge im erweiterten Sinne reichen im Südosten bis an den Unteren Itzgrund der Itz unterhalb Untermerzbachs und in Osten und Nordosten bis vor die Alster. Zwischen den Nordrändern von Zeil- und Haßbergen im engeren Sinne kann die Wasserscheide zwischen den Baunach- und Alster/Rodach-Zuflüssen von Allertshausen bis Sternberg als Grenze des Gebietes angesehen werden.Heft 13 Hofheim, S. 2–5, Historischer Atlas Bayern Von Sternberg aus Richtung Südwesten zieht sich dann die Grenze dieser Landschaft zum Grabfeld entlang der Wasserscheide zur Fränkischen Saale.

Die Haßberge im erweiterten Sinne nach dieser Definition stimmen weitgehend mit dem Naturpark Haßberge überein und umfassen, neben den Haßbergen im engeren Sinne, den kompletten Naturraum Südwestliches Itz-Baunach-Hügelland. Lediglich im Norden geht der Naturpark nennenswert über diese Landschaft hinaus und enthält auch noch Teile des Königshofener Grabfelds.

Wildbann vom Zeilberg Die Region Haßberge greift nach Osten deutlich über die „Haßberge im engeren Sinn“ aus. Diese erweiterte Landschaftsbezeichnung geht wohl letztlich bereits bis auf die hochmittelalterliche Wildbannschenkung Kaiser Friedrich Barbarossas an das Bistum Würzburg zurück (22. März 1172). Dieser bannum ferarum, Wiltban genannt vom Cilleberg umfasste vom Zeilberg ausgehend den Bereich der Zeilberge und der mittleren Haßberge. Die Nordgrenze dieses riesigen Wildbanngebietes war der Lauf der Rodach. Im Osten begrenzte die Itz den Bezirk bis an den Main. Im Westen endete der Bann am Ebelsbach. Weitere Grenzpunkte waren der Lußberg (Bamberger Bischofswald) und der – noch nicht identifizierte – „Sünderstein“. Nach Norden reichte der Bannbezirk bis zum Großen Haßberg bei Hofheim.

Der eigentliche Gebirgszug der Haßberge endet jedoch im Nordosten am Kleinen Haßberg. Naturräumlich gehört das Gebiet östlich von Bundorf und Burgpreppach zum Itz-Baunach-Hügelland, dem sogar bereits der Haubeberg bei Ebern (Burg Rauheneck) zuzuordnen ist.

Haßgau Ebenso wie der Begriff Haßberge ist auch die Bezeichnung Haßgau nicht eindeutig definiert. Gegenwärtig spricht man entweder das ganze, erweiterte Haßberggebiet bis zur Itz oder auch nur den Hofheimer Gau als Haßgau an.

Im Frühmittelalter war der Haßgau ein Untergau des Grabfeldgaues, dessen Zentrum wohl im Nassachtal westlich des Haßberghauptkammes lag. Östlich des Gebirges ist jedoch auch Bundorf als Teil dieses Haßgaues belegt. Im Hochmittelalter wurde der Haßgau dagegen mit einem weit größeren Gebiet gleichgesetzt, zu dem auch der große Wildbannbezirk vom Zeilberg gehörte. Im Nordosten erstreckte sich dieser hochmittelalterliche Haßgau bis nach Hellingen bei Heldburg. Als weitere nördliche Grenzpunkte zum Grabfeld sind Lauringen, Wettringen und Birkenfeld nachweisbar.

Naturräumliche Gliederung Das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands führt die Haßberge als naturräumliche Haupteinheit der Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land. In der nachfolgenden Aufstellung der Unter-Naturräume sind der Übersichtlichkeit wegen auch die sich östlich anschließenden, ebenfalls nahezu komplett im Naturpark Haßberge gelegenen Landschaften aufgeführt:Heinz Späth: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1987 → Online-KarteE. Meynen und J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)

(zu 11 Fränkisches Keuper-Lias-Land) 116 Haßberge 116.0 Südliche Haßberge 116.00 Südliche Haßbergstufe und Dachfläche 116.01 Breitbrunner Hügelland 116.02 Priegendorfer Baunach-Randhöhen 116.1 Mittlere Haßberge (Bettenburger Quersenke) 116.2 Nördliche Haßberge 116.21 Nördliche Haßbergstufe mit Haßbergrücken 116.22 Bundorfer Forst (zu 117 Itz-Baunach-Hügelland) 117.4 Südwestliches Itz-Baunach-Hügelland 117.40 Altensteiner Rhätolias-Rücken (Zeilberge) 117.400 Zeilberg-Sandberg-Rücken 117.401 Lichtensteiner Rücken 117.402 Losbergsgereuther Rücken 117.403 Kreiberg-Rücken 117.41 Weisach-Baunach-Hügelland 117.42 Bundorfer Ausraumzone

Geologie und Landschaft mini|links|„Felsenmeer“ aus Rhätsandsteinblöcken unterhalb der Burg Lichtenstein bei Pfarrweisach (Zeilberge) mini|Eine der wenigen echten Felsburgen Deutschlands: Die Burg Rotenhan bei Ebern mini|Der große Basaltsteinbruch auf dem Zeilberg mini|Der moderne Aussichtsturm auf der Schwedenschanze bei Eichelsdorf mini|Der „Hohle Stein“ bei Reutersbrunn (Haßwald), eine der zahlreichen sagenumwobenen Felsgruppen der Haßberge