mini|Yakuza als Beispiel der organisierten Kriminalität Die Begriffe organisierte Kriminalität und organisiertes Verbrechen bezeichnen allgemein Gruppierungen, die kriminelle Ziele systematisch verfolgen. Viele kriminelle Organisationen werden auch mit dem Begriff Mafia bezeichnet, obwohl sie nicht über den sozialhistorischen Kontext der italienischen Mafia verfügen. Fachsprachlich wird der Begriff genauer definiert. Die alternative Schreibweise Organisierte Kriminalität (Abkürzung OK) wird vor allem fachsprachlich verwendet. Sie wird fälschlicherweise mit der Bandenkriminalität in Verbindung gebracht, Clan-Kriminalität ist dagegen eine systematische Unterform.

Definitionen Deutschland In Deutschland wird organisierte Kriminalität offiziell wie folgt definiert:

Im Gegensatz zum Terrorismus, bei dem Straftaten zum Erreichen politischer Ziele verübt werden, sind die im Rahmen der organisierten Kriminalität verübten Straftaten durch die (materielle) Gewinnerzielungsabsicht der Täter gekennzeichnet. Nicht profitorientierte Verbrechen (z. B. politisch oder religiös motivierte) fallen also nicht unter die Definition der organisierten Kriminalität. Im deutschen Strafgesetzbuch wird daher auch zwischen organisierter Kriminalität (§ 129, Bildung krimineller Vereinigungen) und Terrorismus (§ 129a, Bildung terroristischer Vereinigungen) unterschieden.

In der Realität fällt die Unterscheidung zwischen diesen unterschiedlichen Formen allerdings schwer, da sich terroristische Gruppierungen in zunehmendem Maße der organisierten Kriminalität bedienen, um sich zu finanzieren oder um Kontakte mit kriminellen Netzwerken zu knüpfen, die z. B. für den Kauf von Waffen hilfreich sind.

Vereinte Nationen Das Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 15. November 2000 gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität soll die Zusammenarbeit der Unterzeichnerstaaten fördern, um die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität wirksamer zu verhüten und zu bekämpfen.

Gemäß Art. 2 lit. a) des Übereinkommens bezeichnet der Ausdruck „organisierte kriminelle Gruppe“ eine strukturierte Gruppe von drei oder mehr Personen, die eine gewisse Zeit lang besteht und gemeinsam mit dem Ziel vorgeht, eine oder mehrere schwere Straftaten oder in Art. 5, 6, 8 und 23 des Übereinkommens umschriebene Straftaten zu begehen, um sich unmittelbar oder mittelbar einen finanziellen oder sonstigen materiellen Vorteil zu verschaffen.

Schwere Straftaten sind gemäß Art. 2 lit. b) des Übereinkommens strafbare Handlungen, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens vier Jahren im Höchstmaß oder einer schwereren Strafe bedroht sind.

Art. 5 umschreibt als Straftaten die Beteiligung an einer organisierten kriminellen Gruppe, Art. 6 das Waschen der Erträge aus Straftaten, Art. 8 Korruption und Art. 23 die Behinderung der Justiz.

Eine Straftat ist gemäß Art. 3 Abs. 2 des Übereinkommens „grenzüberschreitender Natur“, wenn sie in mehr als einem Staat begangen wird; in einem Staat begangen wird, jedoch ein maßgeblicher Teil ihrer Vorbereitung, Planung, Leitung oder Kontrolle in einem anderen Staat stattfindet; in einem Staat begangen wird, jedoch eine organisierte kriminelle Gruppe an ihr mitwirkt, die in mehr als einem Staat kriminellen Tätigkeiten nachgeht, oder in einem Staat begangen wird, jedoch erhebliche Auswirkungen in einem anderen Staat hat.

Kennzeichen Organisierte Kriminalität tritt in hierarchisch aufgebauten Organisationsformen auf; es gibt aber auch netzwerkartige, funktional differenzierte Organisationsformen. Da Verträge mit kriminellen Inhalten sittenwidrig und somit regelmäßig nichtig sind, fehlt der organisierten Kriminalität die in der legalen Wirtschaft staatlich garantierte Rechtssicherheit. An ihre Stelle treten loyalitätsbegründende Gruppenidentitäten wie die mit Kleidung, Ritualen, und gemeinsamer Freizeitgestaltung geförderte Zugehörigkeit eines Motorradclubs oder die familiäre Bindung der Mafia.

Wegen des planmäßigen, langfristig orientierten Vorgehens und der geschäftsähnlichen Strukturen (systematische Beuteverwertung, Arbeit auf Bestellung, präzise Planung, Erkundung von Bedürfnissen des Marktes) ist es nicht verwunderlich, dass die Täter der organisierten Kriminalität mehrheitlich professionell vorgehen. Um die Struktur der Gruppe geheim zu halten und Identifizierungen zu vermeiden, werden oft Strohmänner eingesetzt.

Ein Kennzeichen der organisierten Kriminalität ist die Unterstützung für Gruppenmitglieder von Seiten der Organisation. So werden beispielsweise teure Anwälte und hohe Kautionsbeiträge bezahlt, Fluchthilfe geleistet, andere an Gerichtsverfahren Beteiligte eingeschüchtert und Entlastungszeugen bereitgestellt.

Konspirative Elemente wie zum Beispiel die Verwendung von Decknamen oder Codes und die gleichzeitige Verwendung mehrerer Mobilfunkkarten sind ebenfalls ein häufiger Bestandteil organisierter Kriminalität. Gegenüber der Außenwelt schotten sich organisierte kriminelle Gruppierungen oft ab, was sich in internen Konfliktlösungsmechanismen, bei denen die Polizei nicht hinzugezogen wird, und mangelnder Aussagebereitschaft gegenüber dieser äußert. Um Strafverfolgung und sonstige Probleme zu vermeiden, wird oftmals Korruption eingesetzt und Abhängigkeiten geschaffen (zum Beispiel durch Sex, Glücksspiel oder Zinswucher), die Erpressung ermöglichen.

Die durch organisierte kriminelle Aktivitäten erzielten Gewinne werden größtenteils durch Geldwäsche wieder der legalen Wirtschaft zugeführt. Dies kann über eigene oder fremde legale Betriebe, Briefkastenfirmen oder über Bankkonten (oft in sogenannten Steueroasen) geschehen.

Begünstigende Faktoren Organisierte Kriminalität floriert vor allem, wenn die staatlichen Institutionen, wie Regierung, Polizei oder Gesetze, nur einen geringen Einfluss haben oder nicht mehr funktionieren. Dies geschieht vornehmlich bei ökonomischen Krisen, politischen Umstürzen oder sozialem Aufruhr. Unter solchen Umständen können kriminelle Organisationen mit weniger polizeilichen oder rechtlichen Eingriffen rechnen.

Auswirkungen auf die Gesellschaft Organisierte Kriminalität wirkt destabilisierend wenn sie das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit beeinträchtigt, oder der Eindruck entsteht, dass Justiz und Polizei die innere Sicherheit nicht mehr garantieren können. Das Eindringen krimineller Strukturen in Politik und Verwaltung ist demokratiegefährdend. Schutzgelderpressung und Eigentumsdelikte erschweren das wirtschaftliche Agieren insbesondere kleiner Gewerbebetriebe. Andererseits agiert die organisierte Kriminalität bewusst unauffällig und hat dementsprechend geringere Auswirkungen auf die gefühlte Sicherheit als beispielsweise der darauf abzielende Terrorismus.

Organisierte Kriminalität – Terrorismus Der Übergang der organisierten Kriminalität hin zum Terrorismus und von dort zu einer Guerilla oder Befreiungsbewegung in einer Asymmetrischen Kriegführung kann als Mittel der Finanzierung, aber auch als Kriegsmittel um eine Gesellschaftsordnung zu destabilisieren, fließend sein.

Betätigungsfelder Überblick Die organisierte Kriminalität nutzt alle Betätigungsfelder mit hohen Gewinnspannen. Zu den Betätigungsfeldern gehören nachfolgende Bereiche.

Menschenhandel und Schlepperwesen Prostitution und Frauen- sowie Kinderhandel zwecks Ausbeutung in sexueller Hinsicht oder als Arbeitskraft Entführung und Lösegelderpressung Drogenkriminalität und Betäubungsmittel-Handelhttps://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Finanzkrise-macht-Mafia-noch-gefaehrlicher/story/22451258 (abgerufen am 25. Mai 2009) illegaler Waffenhandel Nuklearkriminalität, illegale Verbreitung und Handeln von Nuklearmaterial, chemischen und biologischen Kampfmitteln illegaler Export und Schmuggel von Rohstoffen insbesondere Diamanten (Blutdiamanten), siehe dazu auch Ressourcenfluch Wiederverwertung verdorbener Lebensmittel, Gammelfleisch Diebstahl mit Waffen; Bandendiebstahl; Wohnungseinbruchdiebstahl Schmuggel Schutzgelderpressung Wirtschaftskriminalität Betrug Kreditkartenbetrug und Kreditkartenfälschung Falschgeld und Geldwäsche Produktpiraterie (gefälscht werden auch Agrarprodukte) Umgehung von Embargos Glücksspiel Autodiebstahl und Autoschieberei Diebstahl von LKW-Ladungen (Planenschlitzer) Kunst- und Antiquitätendiebstahl Umweltkriminalität, z. B. weltweit organisierte Wilderei nach Elfenbein und Naturheilmitteln wie Bärengalle, Holzdiebstahl, illegales Fällen von Tropenholz illegale Abfallentsorgung

Statistik

Nach dem „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2019“ des Bundeskriminalamtes waren in Deutschland im Jahr 2019 Rauschgifthandel und -schmuggel mit 34,9 Prozent, Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben (nicht gleichzusetzen mit Wirtschaftskriminalität) 16,9 Prozent, Eigentumskriminalität mit 15,2 Prozent, Schleusungsdelikte (10,2 Prozent) und Steuer- und Zolldelikte mit 7,2 Prozent die Bereiche mit den größten Anteilen der Straftatbestände. Die weiteren OK-Delikte blieben jeweils unter 5 Prozent.

Der Prozess gegen die XY-Bande stellt das bisher größte Verfahren gegen die organisierte Kriminalität in Ostdeutschland dar.Stern: Bundesgerichtshof: Entscheidung im XY-Prozess, gesehen am 22. September 2008.

Der BKA-Bericht im Jahre 2019 weist den Anteil von Zuwanderern unter den Tatverdächtigen mit 7,4 Prozent aus, oder absolut 505 von 6.848. Die organisierte Kriminalität in Deutschland ist stark von international agierenden Gruppen geprägt. 74 Prozent der Ermittlungsverfahren weisen den Angaben zufolge internationale Bezüge auf. Dies ist aber bereits gegeben, wenn beispielsweise Ecstasy-Pillen aus den Niederlanden importiert werden.

Weltweite Wettmafia im Fußball Eine erst in den letzten Jahren als erheblich erkannte Form stellt die Manipulation von Ergebnissen im Fußball dar (engl. match fixing). Das Milliardengeschäft lockt Kriminelle mit hohen Gewinnen bei geringer Strafandrohung.

In Malaysia, der Volksrepublik China oder Singapur haben einzelne Täter Jahrzehnte Erfahrung. Die nationalen Polizeiorganisationen sind oft überfordert, da verschiedene Tatorte und unterschiedliche Nationalitäten der Beschuldigten die Rechtslage komplizieren. Spieler sind teilweise wegen eigener Spielsucht erpressbar und Schiedsrichter aufgrund niedrigen Einkommens käuflich. An der Basis der Pyramide stehen „Frontmänner“, die Kontakte zu potentiell Bestechlichen knüpfen, Hintermänner finanzieren und die Manipulation organisieren. Organisationen der OK treten sogar als Veranstalter von Länderspielen auf: Im Februar 2011 wurden etwa im türkischen Antalya manipulierte Spiele organisiert, dabei das Stadion, Spieler und Schiedsrichter bar bezahlt.

Das Strafmaß für manipulierte Fußballspiele ist bislang gering: Wilson Perumal, der jahrelang weltweit Spiele manipuliert hatte, wurde 2011 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der Sicherheitschef der FIFA, seit 2010 der Australier Chris Eaton, setzt auf bessere Zusammenarbeit zwischen nationaler Polizei, Interpol und FIFA. Geplant sind regionale Sicherheitsbüros, eine anonyme Meldestelle sowie Amnestieprogramme wie in anderen Bereichen der organisierten Kriminalität.Wir befinden uns in einem Krieg: Interview mit Chris Eaton in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21. August 2011, S. 18.

Organisierte Kriminalität in Europa