Barmbek-Nord [] ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord der Freien und Hansestadt Hamburg. Bis 1951 bildete er zusammen mit Barmbek-Süd und Dulsberg den Stadtteil Barmbek.
Geografie mini|Seebekaue als Grenze zu Bramfeld Geografische Lage Barmbek-Nord liegt im Osten des Hamburger Bezirks Hamburg-Nord. Die Hamburger Innenstadt ist etwa fünf Kilometer entfernt. Barmbek-Nord ist Teil der Inneren Stadt Hamburgs, verstanden als zusammenhängendes, durchgehend bebautes Gebiet um die Hamburger Innenstadt.
Nachbarstadtteile Im Uhrzeigersinn (von Norden ausgehend) grenzt Barmbek-Nord an die Hamburger Stadtteile Ohlsdorf, Steilshoop, Bramfeld, Wandsbek, Dulsberg, Barmbek-Süd und Winterhude.
Nach Winterhude hin wurde die Dorfgrenze erstmals 1726 zwischen den Bauern beider Dörfer vereinbart. Sie verlief damals im Ostteil des heutigen Stadtparks. Mit Anlage der Eisenbahnstrecke von Barmbek nach Ohlsdorf Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese im Norden zur Stadtteilgrenze, während südlich der Hellbrookstraße nunmehr die Saarlandstraße die Grenze bildet. Die Grenzen nach Alsterdorf, Steilshoop und Bramfeld wurden 1773 festgelegt, wobei im Zuge des Krankenhausbaus noch ein kleines Stück Alsterdorfer Gemarkung an Barmbek fiel.Hans Dreckmann: Von den Grenzen. In: Hans Dreckmann, Henny Wiepking, Walter Lüdemann: Barmbek. Vom Dorf zur Großstadt. Ein Heimatbuch. Dammtor-Verlag, Hamburg 1965, Seite 18 ff.
Geschichte
In dem weitgehend unbesiedelten Gebiet hatten die Barmbeker Bauern ihre Felder. Wegen Rechtsstreitigkeiten um die 5. Hufe wurde die in den 1760er Jahren begonnene Verkoppelung nicht vollständig vollzogen, so dass neben den beiden Gewannen an der Alten Wöhr lediglich auf dem „Olen Enn“ (der früheren Grenze zum untergegangenen Dorf Hartzloh, an das die gleichnamige Straße erinnert), dem Heidhörn und an Teilen Rübenkamps Umlegungen stattfanden. Später haben einzelne Bauern durch internen Landtausch zum Beispiel am südwestlichen Langenfort, auf dem Stellbergterrain sowie im 19. Jahrhundert auch in der nördlichen Feldmark produktivere Ackerflächen für ihre Höfe erreicht.Hans Dreckmann: Die Verkoppelung. In: Hans Dreckmann, Henny Wiepking, Walter Lüdemann: Barmbek. Vom Dorf zur Großstadt. Ein Heimatbuch. Dammtor-Verlag, Hamburg 1965, Seite 34 f. Ab 1784 wurden große Teile der Gemeinweide an die Vollhufner und die nunmehr als Halbhufner bezeichneten Kätner verteilt. Hier wurde darauf geachtet, dass nunmehr hinreichend große Stücke entstanden, so dass jeder Landwirt sich eine große Kuhweide anlegen konnte. Der Großteil der Weiden entstand außerhalb des heutigen Barmbek-Nord. Aber auch südlich der Alten Wöhr (10. Hufe), an der Bramfelder Straße auf dem Gelände der heutigen Schiffsbauversuchsanstalt (2. Hufe) bzw. der Techniker Krankenkasse (11. Hufe) und später an der Habichtstraße, wo sich heute die Köster-Stiftung befindet, (12. Hufe) wurden Weiden angelegt.Hans Dreckmann: Aufteilung der Gemeinweide. In: Hans Dreckmann, Henny Wiepking, Walter Lüdemann: Barmbek. Vom Dorf zur Großstadt. Ein Heimatbuch. Dammtor-Verlag, Hamburg 1965, Seite 38.
mini|links|Die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie entstand auf Flächen der Hufen 6, 7 und 11. Um 1800 begannen Barmbeker Bauern – Hufner wie auch Kätner – zunehmend einzelne Flächen an Dritte, teils als Wohngrundstücke, teils zu Gewerbezwecken zu verkaufen. Um 1870 verkauften die Eigentümer der Hufen 6, 7 und 11 Flächen nördlich der Osterbek an Johann Hinrich Wilhelm Maurien, der mit Geschäftspartnern dort die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie gründete und auch später noch weitere Ländereien zur Vergrößerung des Betriebs aufkaufte. 1897 erwarb die Stadt 3,58 Hektar der 9. Hufe an der Steilshooper Straße zum Bau einer Abdeckerei.Die Eigentümer der Barmbeker Bauernhöfe und der Verbleib des Hufenlandes. In: Hans Dreckmann, Henny Wiepking, Walter Lüdemann: Barmbek. Vom Dorf zur Großstadt. Ein Heimatbuch. Dammtor-Verlag, Hamburg 1965, Seiten 39 ff.
Bis zur Eingemeindung der Nachbardörfer Bramfeld und Steilshoop 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz bildeten die heutigen Stadtteile Barmbek-Nord und Dulsberg, die damals noch zusammen mit Barmbek-Süd als Barmbeck bezeichnet wurden, einen Teil der Hamburger Ostgrenze zu Preußen. Aber auch die Osterbek bildete eine Grenze: Da Hamburg dem Deutschen Zollverein zunächst nicht beigetreten war, gehörte Barmbek-Süd zum Hamburger Zollinland, Barmbek-Nord zum preußischen Zollgebiet. Um doppelte Zollformalitäten zu vermeiden, siedelte sich die oben genannte Gummi-Waaren Compagnie hier an.
Als erster Hufner verlegte Johann Hinrich Harckensee 1840 die 4. Hufe aus dem Dorfkern in den Barmbeker Norden an die Bramfelder Straße 43, ungefähr dorthin, wo sich heute die Rettungswache des DRK befindet. Ihm folgte 1890 Heinrich Dreckmann, der seinen Hof, die 12. Hufe, vom alten Dorfplatz an die Grenze nach Bramfeld verlegte, wo er nördlich der Habichtstraße auf den Hellbrookweiden den „Habichtshof“ errichtete, der – durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verstümmelt – noch bis 2008 dort stand. Bereits seit 1883, als Heinrichs Vater Jochim Hinrich Dreckmann noch den Hof im Dorfkern bewirtschaftete, hatte Heinrich Dreckmann auf den Hellbrookweiden ein Gartenhaus errichtet, in dem er mit seiner Frau und ab 1884 dem erstgeborenen Sohn Hans Dreckmann wohnte. Nach dem Habichthof wurde später auch die bis dahin Weg Nr. 207 genannte und seit 1878 gepflasterte Habichtstraße benannt.Johann Delekta: Habichthof – Eine Perle in der Krone der Familie Dreckmann. In: Der Barmbeker. Mitteilungsblatt für Barmbek, Bezirk Nord und Hamburg. Heft 9/2010, Seite 14 ff. Den seltenen Fall einer Hofneugründung gab es 1891, als Johann Jochim Lembckes Erben gut 19 Hektar der 10. Hufe in der östlichen Feldmark an dessen zweiten Sohn Adolph abgaben und dieser sich eine neue Hofstelle an der Bramfelder Straße 86 errichtete.
mini|hochkant=0.6|Infotafel zum Stellbergterrain an der Hellbrookstraße Seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gaben die meisten Bauern in Barmbek-Nord die Landwirtschaft auf oder betrieben sie außerhalb Barmbeks in ländlicheren Gegenden vor der Stadt weiter. Der Aerar der Freien und Hansestadt Hamburg erwarb die Vollhufnerrechte von elf der zwölf Hufen sowie einen Großteil von deren verbliebenen Ländereien. Der einzig verbliebene Hof, die 12. Hufe, die damals von Heinrich Dreckmann bewirtschaftet wurde, erhielt als Ausgleich für den Verlust der Gemeinweidenutzung ein Grundstück an der jetzigen Emil-Janßen-Straße. Als im Jahre 1883 der Bau der Hamburger Speicherstadt den Abriss eines großen Arbeiterviertels verlangte, wurde die nordöstlich gelegene Feldmark erschlossen und besiedelt, um neuen Wohnraum zu schaffen. 1907 nahm die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn mit dem Bahnhof Barmbeck den Betrieb auf. Gleichzeitig begann der Bau der Hamburger Hochbahn, die im Jahre 1912 ihren Betrieb aufnahm.
1910 eröffnete das in einem Forst am Nordende des Stadtteils, an der Grenze zu Alsterdorf gelegene Krankenhaus Barmbek, dessen Gelände als Park gestaltet wurde. Für die Besucher entstand der Haltepunkt Rübenkamp. 1931 kam der Haltepunkt Alte Wöhr hinzu.
Die Bedeutung Barmbeks für den städtischen Wandel im Laufe der Industrialisierung ist enorm. Barmbek-Nord ist als Pionierstandort der Stadtplanung der 1910er und 1920er Jahre im Stile der „Neuen Sachlichkeit“ ein urbanes Kulturdenkmal von internationalem Rang.Timon Hoppe, Stefan Brauckmann: Nord Barmbeck – Barmbek-Nord. Analyse eines zentrumsnahen Quartiers im aktuellen Strukturwandel. Norderstedt 2009, ISBN 3-8370-9954-7, S. 193 In der zweiten Hälfte der Weimarer Republik wurden hier über 4300 Wohnungen gebaut, vor allem im Gebiet um den Habichtsplatz.Dirk Schubert: Hamburger Wohnquartiere. Ein Stadtführer durch 65 Siedlungen, Berlin 2005, ISBN 3-496-01317-6, S. 158–161. Gewerbebetriebe wurden lediglich als unmittelbar zur Versorgung der Bewohner erforderliche Läden und Dienstleister zugelassen.Bernhard Beyerlein, Stadtteilanalyse. Ein Leitfaden zur Erkundung von Stadtteilen. Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Stadtforschung, Hamburg 1986 Als letzter Landwirt in Barmbek-Nord gab Heinrich Lembcke, der seine Felder im damals noch preußischen Steilshoop hatte, 1923 die Landwirtschaft auf, die barmbekischen Vollhufnerrechte der 10. Hufe waren bereits 1900 an die Stadt gefallen. Seine Hofstelle mit dem 1623 erbauten Bauernhaus an der Hufnerstraße fiel den alliierten Bombenangriffen in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 zum Opfer.Von Barmbeker Bauerngeschlechtern – Ein Besuch bei Hinrich Lembcke von zwanzig Jahren. In: Der Barmbeker, Zeitschrift des Bürgervereins zu Barmbek von 1859 r. V. Heft Oktober 1956. Ein Jahr vor Lembcke gab mit Heinrich Dreckmann – zermürbt von den Feldplünderungen nach dem Ersten Weltkrieg – der letzte Vollhufner die Landwirtschaft in Barmbek auf. Auf den zugehörigen Ländereien errichteten Dreckmanns Kinder Mietwohnungen, die von Arnold Dreckmann verwaltet wurden.Dieter Thiele: Leben auf dem Habichthof – eine Barmbeker Bauernfamilie zwischen Stadt und Land 1890–1914. Hrsg. von der Geschichtswerkstatt Barmbek, Hamburg 2005. Insgesamt wurden im Gebiet des heutigen Stadtteils 93 % der Wohnungen völlig zerstört (77,8 %) oder zumindest stark beschädigt (15,2 %). Im Gegensatz zu Barmbek-Süd wurde – abgesehen von Fassadenvereinfachungen und Grundrißveränderungen im Einzelfall – der Stadtteil nach dem Zweiten Weltkrieg konzeptionell unverändert wieder aufgebaut. Ausnahmen sind hier das Gebiet der HochbahnschleifeDirk Schubert: Hamburger Wohnquartiere. Ein Stadtführer durch 65 Siedlungen, Berlin 2005, ISBN 3-496-01317-6, S. 202–205. sowie die Neubauten rund um Drossel- und Starstraße. Bereits 1956 war der Wiederaufbau des Stadtteils weitestgehend abgeschlossen.
Religionen Seit der Einführung der Reformation durch Johannes Bugenhagen ist Hamburg lutherisch geprägt. Auch heute ist die evangelisch-lutherische Kirche noch die stärkste Religionsgemeinschaft in Barmbek-Nord, auch wenn ein Großteil der Bewohner inzwischen konfessionslos ist.
Die erste in Barmbek-Nord gebaute Gemeindekirche ist die Auferstehungskirche im Tieloh, die von 1916 bis 1920 nach Plänen von Camillo Günther entstand. Zuvor gehörte das Gebiet seit 1903 zur Gemeinde der Heiligengeistkirche in Barmbek-Süd, die für ganz Barmbek und Dulsberg zuständig war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen am Nordrand des Stadtteils noch die Kirche St. Gabriel am Hartzlohplatz und am Lämmersieth im Osten des Stadtteils die St. Bonifatiuskirche hinzu. Neben diesen drei evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden gibt es im Lämmersieth die in den 1920er Jahren erbaute römisch-katholische St. Franziskus-Kirche, deren Gemeindegebiet auch den Dulsberg umfasst. Des Weiteren stehen in der Schwalbenstraße eine neuapostolische Kirche und in der Fuhlsbüttler Straße eine evangelische Freikirche, die Christus-Gemeinde Barmbek-Nord, die zum Mülheimer Verband gehört.
Einwohnerentwicklung Für die Zahlen vor 1951 siehe den Artikel Barmbek. 1939, als Barmbek noch nicht in drei Stadtteile unterteilt war, hatte das Gebiet des heutigen Stadtteils 71.826 Einwohner. Quelle für die Zahlen bis 1984 ist die Arbeit von Bernhard Beyerlein. Jüngere Zahlen kommen vom Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein.
1950: 37.404 1961: 64.391 1970: 51.720 1980: 41.107 1984: 39.023 2016: 41.475
Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 11,0 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023 Anteil der über 64-Jährigen: 12,8 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 16,9 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,2 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Barmbek-Nord 36.119 Euro jährlich (2023), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
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