mini|Spielfeld und Aufstellung mini|Spiel zwischen Spiekeroog und Langeoog

Schlagball ist eine Mannschaftssportart, bei der zwei Teams mit je zwölf Spielern gegeneinander spielen. Schlagball gilt als Ursprung des Baseballs. Das Spiel wurde früher oft als „Deutschball“ bezeichnet.Eduard Drexl: Spielbuch für Knaben und Mädchen. Habbel-Verlag, Regensburg 1914, S. 86–89 Digitalisat des InhaltsverzeichnissesHermann Wagner: Illustriertes Spielbuch für Knaben. Eine Sammlung von Bewegungsspielen und Körperübungen, physikalischen und chemischen Kunststücken, unterhaltenden Handfertigkeiten, Denkspielen und Geistesübungen. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1913, S. 28–32. (Digitalisat) Ähnliche Spiele sind das russische Lapta, polnische Palant und das rumänische Oină.

Geschichte Ursprünge

Der Ursprung der heute noch bekannten Schlagballspiele geht weit in die Geschichte zurück. Es gilt als historisch belegt, dass bereits Maya, Inka und Chinesen Spiele hatten, bei denen der Ball mit keulenförmigen Schlägern vorangetrieben wurde.Bericht bei Tus-Vahrenwald.de, Abruf am 13. Juli 2026 Die Parallelen zum Schlagballsport sollten aber nicht überbewertet werden.

Schlagball in Deutschland

Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Europa mehrere verwandte Sportarten, so in England und Irland Rounders, in England Stoolball und Cricket (Criquet), in Schweden Brännbol, in Dänemark Langbold und Rundbold, Pelota im Baskenland sowie Schlagball oder „Deutschball“ in Deutschland (in Österreich auch bekannt als Kaiserball). Die Entstehungsgeschichte bleibt im Dunkeln. Johann Christoph Friedrich GutsMuths beschreibt in seinem 1796 erschienenen Buch Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes unter der Bezeichnung Das deutsche Ballspiel schon die Grundregeln für das Schlagballspiel und betont:

Neben dem Spielgedanken, dem Spielfeld, dem Ball und dem Schläger (als Raquette bezeichnet) beschreibt GuthsMuths ausführlich die Regeln. Auch eine Skizze des Spielfeldes ist in seinem Buch abgedruckt.Johann Christoph Friedrich Gutsmuths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes, für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. im Verlag der Buchhandlung der Erziehungsanstalt, Schnepfenthal 1796, S. 57 ff. (Digitalisat, abgerufen am 21. August 2015)sportpaedagogik-online.de Gutsmuths’ Text in einem Auszug.

Das Schlagballspiel scheint schon vom frühen 19. Jahrhundert an sehr verbreitet gewesen zu sein. Im Wörterbuch der deutschen Sprache von 1810 wird ein Ball als Schlagball bezeichnet, „sofern er geschlagen, durch einen Schlag fortgetrieben wird“ (also nicht geworfen).Joachim-Heinrich von Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache. Band 4 S bis T, in der Schulbuchhandlung, Braunschweig 1810, S. 157 books.google.de In einem medizinischen Werk von 1829 wird ein Schlagball zur Angabe der Größe eines Teils in einem menschlichen Körper herangezogen.James Wardrop, John Scott: Ueber die Aneurysmen und eine neue Methode sie zu heilen. In: Chirurgische Handbibliothek. Band 11, Verlag des Großh. S. p. Verlags-Comptoirs, Weimar 1829, S. 23 books.google.de Der 1844 geborene Victor Blüthgen schreibt:

Meyers Lexikon von 1909 hat einen Artikel über Schlagball:

Regeln für „Schlagball (Deutschball)“ finden sich auch bei Hermann Wagner. Er brachte 1913 ein Spielbuch für Knaben heraus. Zum Schlagball betont er:

Michail Gorbatschow schreibt in seinen Memoiren, in den 1930er Jahren habe man sonntags Schlagball gespielt.Michael S. Gorbatschow: Alles zu seiner Zeit. Mein Leben. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg. (Digitalisat, abgerufen am 21. August 2015)

Heinrich Böll berichtet in seinem Roman Billard um halb zehn ausführlich vom Schlagballspiel in einem Kölner Gymnasium in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Baseball ein Kind des Schlagballs Es waren europäische Auswanderer, die aus der Heimat die Spiele mitbrachten, aus denen sich in Nordamerika Mitte des 19. Jahrhunderts dann der heute so populäre Baseballsport entwickelte. Paradoxerweise waren es amerikanische Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Baseball quasi als Reimport mit nach Deutschland brachten und die Sportart vor allem in Süddeutschland bekannt machten.

Spielgedanke Das Schlagballspiel ist ein Spiel, bei dem sich zwei Parteien von je zwölf oder auch sechs Spielern gegenüberstehen. Gekämpft wird um das Schlagrecht und die höhere Punktzahl nach einer festen Spieldauer. Die Schlagpartei (nach GutsMuths die herrschende Partei) verteidigt das Schlagrecht, und die Feld- oder Fangpartei (nach GutsMuths die dienende Partei) versucht, es zu erringen. Die Schlagpartei mit dem wechselnden Schläger besetzt das Schlagmal und versucht, durch Schläge ihre Läufe zum Laufmal hin- und herzubringen.

Die Feldpartei (mit den Fängern) besetzt das Lauffeld und den Schrägraum in beliebiger Verteilung. Die Fänger versuchen, die geschlagenen Bälle zu fangen oder aufzunehmen, durch Zuspiel die laufenden Schläger einzukreisen und abzuwerfen oder zu treffen, über die Grenzen des Lauffeldes zu treiben oder den Ball zurück ins Schlagmal zu werfen, um den Gegner am Gewinn weiterer Punkte zu hindern.

Bei erfolgreichem Feldspiel der Feldpartei und mit jedem Wechselpunkt erhält die Feldpartei das Schlagrecht, sie wird zur neuen Schlagpartei. Verbunden mit dem Malwechsel zum Schlagmal können die Spieler der neuen Schlagpartei sofort wieder von der neuen Fangpartei abgeworfen werden.

Gerätschaften Spielgerät ist ein Lederball, der Schlagball. Das Gewicht des Balles soll vor dem Spiel mindestens 70 g, höchstens 85 g betragen, der Umfang 19 cm bis 21 cm. Das Leder soll wegen der Blendung im Sonnenschein keine helle Farbe haben. Der Regelball soll rot sein, jedoch ist mit Zustimmung beider Teams jede Farbe erlaubt.

Das Schlagholz, auch Klippe genannt, darf unbegrenzt lang sein; es muss aus einheitlichem Naturholz und kreisrund im Querschnitt sein und darf am unteren Ende bis zu 3 cm dick sein. Das Griffende und der Schaft des Holzes dürfen dünner und mit Handschlinge oder Endknauf versehen sein. Das Schlagende darf nicht künstlich beschwert werden. Ein Umwickeln mit Draht, Leder und dergleichen ist verboten. Jeder Spieler darf sein eigenes Schlagholz benutzen. Alle in das Spiel gebrachten Geräte sind Gemeingut.

Die Tickstangen stecken 10 m vor dem Ende des Schlagfeldes in 4 m Abstand im Boden.

Spielfeld Das rechteckige Spielfeld ist 70 m × 25 m mit einem sich anschließenden Weitschlagfeld, das sich aus einer Verlängerung der Diagonalen durch das Spielfeld ergibt. Die Grundlinie ist das Schlagmal, die gegenüber liegende Linie ist das Fangmal. 10 m vor dem Fangmal stehen zwei Tickstangen mit einem Abstand von 4 m. Laufmale sind die Tickstangen. Hinter dem Spielfeld schließt sich in Verlängerung der Diagonalen des Spielfeldes das Weitschlagfeld an.

Das Fangmal ist in den Spielregeln nach Gutsmuths das Laufziel, in den neueren Spielregeln sind es lediglich die Tickstangen.Spielregeln heute

Spielverlauf Ein Spiel dauert eine Stunde, es gibt keine Pause.

Schlagmannschaft Die Spieler der Schlagmannschaft bringen in der Reihenfolge ihrer Nummern den Ball ins Spiel, indem sie ihn sich selber vorwerfen und mit dem Schlagholz zu treffen versuchen. Gelingt das, hat der betreffende Spieler das Laufrecht. Gelaufen werden darf allerdings nur, wenn der Ball gültig ins Spiel gebracht wurde; also wenn der Ball in das Spielfeld oder darüber hinaus in das Weitschlagfeld geschlagen wurde.

Kommt der Ball außerhalb dieses Bereiches wieder zu Boden oder rollt er nach Bodenberührung in der vorderen Hälfte des Spielfeldes ins Aus, so ist er „tot“ und es darf nicht gelaufen werden. Ist er jedoch gültig ins Spiel gebracht, so dürfen alle Spieler der Schlagmannschaft, die das Laufrecht erworben haben, laufen. Ziel des Laufens ist es, quer durch das Spielfeld zu einer der Tickstangen und wieder zurück ins Schlagmal zu laufen. Hin- und Rücklauf müssen nicht auf einmal geschehen, man kann sie auch auf mehrere Schläge verteilen. Nach erfolgtem Lauf erhält der Spieler erneut das Schlagrecht.

Feldmannschaft Die Feldmannschaft versucht den geschlagenen Ball zu fangen oder vom Boden aufzunehmen und damit einen Läufer der Schlagmannschaft abzuwerfen. Im Schlagmal, an der Grundlinie und an den Tickstangen kann ein Spieler nicht abgeworfen werden.

Wechsel Gelingt das Abwerfen, so findet sofort ein Wechsel statt. Das heißt, dass die bisherige Schlagmannschaft umgehend zur neuen Feldmannschaft wird und umgekehrt. Während die neue Feldmannschaft sich nunmehr über das Spielfeld verteilt, müssen die Spieler der neuen Schlagmannschaft schnellstmöglich ins Schlagmal oder an die Tickstangen eilen, da sie ansonsten sofort abgeworfen werden können, was einen erneuten Wechsel zur Folge hätte.

Wechselbedingungen Trifft der Ball eines Feldspielers einen Spieler der Schlagmannschaft, wird sofort gewechselt. Verlässt ein Spieler der Schlagmannschaft beim Laufen das Spielfeld, wird dies mit einem Strafwechsel geahndet.

Punkteregeln Für bestimmte Leistungen werden einzelne Punkte vergeben. Es gibt fünf verschiedene Möglichkeiten Punkte zu erhalten, diese sind gleichwertig und werden zum Punktestand addiert.

Laufpunkt Schafft es ein Spieler der Schlagmannschaft, nach Erwerb des Laufrechts zu einer der Tickstangen und zurück ins Schlagmal zu laufen, ohne dass zwischenzeitlich ein Wechsel stattgefunden hat, so erhält die Schlagmannschaft einen Laufpunkt.

Weitschlagpunkt Schlägt ein Spieler den Ball über das Spielfeld hinaus in das dahinter liegende Weitschlagfeld, also weiter als 70 Meter, so erhält die Schlagmannschaft einen Weitschlagpunkt.

Wechselpunkt Wird ein Läufer von einem Spieler der Feldmannschaft abgeworfen, so erhält die Feldmannschaft einen Wechselpunkt. Erzwingt die Feldpartei durch Abdrängen eines Läufers der Schlagmannschaft aus dem Spielfeld hinaus den Wechsel des Schlagrechts, erhält sie keinen Wechselpunkt.

Fangpunkt Wird der geschlagene Ball von einem Spieler der Feldmannschaft direkt aus der Luft, mit einer Hand und ohne Nachgreifen gefangen, so erhält die Feldmannschaft einen Fangpunkt. Fangpunkte werden auch bei ins Aus geschlagenen, ungültigen Schlägen der Schlagmannschaft durch Fangen des Balls gemacht.

Strafwechselpunkt Wird vom Schiedsrichter ein Strafwechsel verhängt (z. B. wegen unsportlichen Verhaltens oder wegen Gefährdung eines Gegners beim Verlieren des Schlagholzes im Schlag), so bekommt die neue Schlagmannschaft einen Punkt.

Organisation Schlagball ist eine alte Sportart, die seit den Anfängen der deutschen Turn- und Sportbewegung im 19. Jahrhundert zu den üblichen Mannschaftssportarten zählte und sich bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland größter Beliebtheit erfreute. Bis in die 1950er Jahre wurde Schlagball als Turnspiel im Deutschen Turner-Bund wettkampfmäßig betrieben, danach noch einige Jahre im Sportunterricht an Schulen gelehrt. Die letzte offizielle deutsche Meisterschaft errang 1954 der TV Arbergen aus Bremen.Ein Klub mit zwei Besonderheiten. Auf: Weser-Kurier.de, 23. August 2011, abgerufen am 4. November 2011. Von dem einst sehr verbreiteten Wettkampf ist im organisierten Sport heute der Schlagballweitwurf in der Kinderleichtathletik und bei Bundesjugendspielen übrig geblieben.

Schlagball heute