mini|Das offizielle Handwerkszeichen des Gebäudereiniger-Handwerks mini|hochkant|Historisches Handwerkswappen der Gebäudereiniger Der Beruf des Gebäudereinigers bzw. der Gebäudereinigerin ist ein in Deutschland und Österreich anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk (vgl. Reinigungskraft). In Österreich nennt sich dieses Gewerbe Reinigungstechnik. Die dreijährige betriebliche Ausbildung wird durch eine theoretische und eine praktische Prüfung abgeschlossen.§ 1 der Gebäudereinigerausbildungsverordnung vom 28. Juni 2019 () vom 17. November 2020. In Österreich wird der Beruf des Gebäudereinigers über den Lehrberuf Reinigungstechnik erlernt. Die Lehrausbildung beträgt in Österreich und Deutschland als duale Ausbildung 3 Jahre.Berufs- und Brancheninfo der Berufs- und Brancheninfos der Wirtschaftskammer Österreich Eine Verkürzung (in Deutschland), zum Beispiel mit Abitur oder besonders guten Leistungen, ist möglich. Die betrieblich-praktische Ausbildung findet im dualen Modell statt. Heißt: Um umfassend ausgebildet zu werden, arbeiten Azubis in einem ausbildungsberechtigten Betrieb und gehen zur Berufsschule. Der Unterricht findet entweder in Teilzeitform mit wöchentlichen Besuchen oder in Blöcken statt.
Das Gebäudereiniger-Handwerk in Deutschland stellt mit knapp 700.000 Mitarbeitern das beschäftigungsstärkste Handwerk in Deutschland dar. Die rund 30.000 Unternehmen der Branche erzielten 2023 (vorläufige Zahlen) einen Umsatz von rund 26 Milliarden Euro.
Berufsbild Das Berufsbild des Gebäudereinigers umfasst das Reinigen von Innenräumen, Fassaden und anderen Außenbereichen von Gebäuden jeglicher Art. Mit dem in verschiedenen Kontexten mehrdeutigen Begriff Reinigung ist hier (im Gegensatz zu z. B. rituellen Reinigungen) die Befreiung der Räume und Flächen von physischem Schmutz, Müll und Verschmutzung fast jeglicher Art gemeint. Weitere Aufgaben können hinzukommen, so z. B. die Pflege von Oberflächen. Gebäudereiniger werden auch zum Reinigen von Fahrzeugen, insbesondere öffentlichen Verkehrsmitteln mit Fahrgasträumen (z. B. Bahnen, Busse, Fahrgastschiffe) eingesetzt.
Geschichte
Die geschichtliche Entstehung des Gebäudereiniger-Handwerks geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zogen in Norddeutschland sogenannte Wand- und Wagenwäscher mit Bürsten, Besen sowie Leitern und Kübeln bepackt in die Städte, um Fassaden zu reinigen.
Reinigungsarbeiten gehörten sicherlich schon immer zu den Tätigkeiten der Menschen. Das Gebäudereiniger-Handwerk lässt sich allerdings weder von den sogenannten Wagenwäschern, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in Norddeutschland auftraten und auch Fassadenreinigung anboten, noch von den Beschäftigten in der Tradition des klassischen Dienstpersonals ableiten. Das Handwerk des Gebäudereinigers in heutiger Form ist erst mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert in Deutschland entstanden. Nachdem der belgische Chemiker und Unternehmer Ernest Solvay im Jahr 1861 durch kostengünstige Glasproduktion diesen Baustoff breiten Bevölkerungsschichten eröffnete, waren die Voraussetzungen für die gewerbliche Glasreinigung geschaffen. 1878 gründete der Franzose Marius Moussy in Berlin sein Französisches Reinigungsinstitut. Das Unternehmen beschäftigte sich ausschließlich mit der Glasreinigung. Ehemalige Mitarbeiter Moussys machten sich bald selbständig und gründeten in anderen Städten weitere Reinigungsinstitute. Ab diesem Zeitpunkt wuchs das Glasreinigungsgewerbe stetig. Das Aufblühen der Industrie im Deutschland der Gründerzeit zog den Bau von großen Geschäftshäusern, Verwaltungsgebäuden, Bahnhöfen und Ministerien mit riesigen Natursteinfassaden und wuchtigen Fenstern nach sich.
Die erste Fassadenreinigung mit Hilfe einer mechanischen Fahrleiter wurde 1888 in Frankfurt am Main durchgeführt.
Die Unternehmer gründeten 1901 eine Berufstandsorganisation, den Verband der Reinigungs-Instituts-Unternehmer Deutschlands. Initiator war der Göttinger Verleger Ernst Kelterborn, der im April 1901 die erste Fachzeitschrift Internationales Centralblatt für Reinigungsinstitute und verwandte Geschäftszweige herausgab. In der Satzung sah der Verband die Gründung von „Gauen und Ortsgruppen“ vor – die Vorläufer der Landesinnungsverbände und Innungen. Einzelne Unternehmer forderten die Anerkennung der Reinigungstätigkeiten als Handwerk.
Im Ersten Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 wurden fast alle männlichen Erwerbstätigen des Reinigungsgewerbes zum Heer eingezogen oder zur Arbeit in rüstungswirtschaftlich wichtigen Unternehmen verpflichtet. An ihre Stelle traten die Frauen, die als Betriebsleiterinnen und Glasreinigerinnen arbeiteten. Während des Krieges stellte der Verband seine Tätigkeiten ein.
Im Jahr 1920 wurde im Südwesten Deutschlands der „Verband der Reinigungsinstituts-Unternehmer Süddeutschlands“ und im Westen der Westdeutsche Reinigungsunternehmerverband gegründet. In Hannover wurde die erste Innung für das Glasreinigergewerbe gegründet. Bis zum Beginn des Dritten Reiches entstanden weitere 381 Innungen, wie Freie Innung Kiel 1926; Freie Innung Düsseldorf 1926 oder die Freie Innung Stuttgart 1927.
1929 wurde der Reichsverband der Glas- und Gebäudereiniger-Innungen gegründet. Dem Verband gehörten sechs Landesverbände an: Westdeutscher Reinigungsunternehmerverband und die jeweiligen Verbände der Reinigungsinstituts-Unternehmer Süddeutschlands, Norddeutschlands, Ostdeutschlands, Sachsens und Mitteldeutschlands.
Am 30. Januar 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht und ordneten das Handwerk durch die Einführung der Pflichtinnungen neu. Alle Handwerker waren verpflichtet, einer Innung beizutreten. Die Regierung gab am 30. Juni 1934 ein Verzeichnis der Gewerbe heraus, für die diese Bestimmung galt. Hier waren auch die Gebäudereiniger aufgeführt und damit im ganzen Reich als „Handwerker“ anerkannt. Die Innungen wurden „gleichgeschaltet“, d. h., der Vorstand musste in seiner Mehrheit aus Mitgliedern der NSDAP bestehen. Nach der reichsweiten Anerkennung als Handwerk wurde der Reichsverband der Glas- und Gebäudereiniger-Innungen aufgelöst.
Der Beruf des Gebäudereinigers ist als Handwerksberuf seit 1934 staatlich anerkannt und bildet seitdem Gebäudereiniger und Meister aus. Der Gebäudereiniger bekommt nach dreijähriger Ausbildung mit abschließender Prüfung einen Gesellenbrief. Danach kann er eine Meisterprüfung ablegen, was heute aber nicht mehr zwingend ist, um einen Betrieb zu gründen.
Circa 2600 Betriebe allein in Deutschland, von denen einige schon mehr als 100 Jahre existieren, haben sich in Innungen zusammengeschlossen. Seit der Novellierung der Handwerksordnung ist keine Ausbildung mehr erforderlich, um sich als Gebäudereiniger selbständig zu machen. Direkte Folge war eine Zunahme der Anzahl der Betriebe von 7000 (2003) auf zuletzt 35.636 am Stichtag 30. Juni 2010. Die Meisterbetriebe der Innungen sehen ihre Aufgabe auch darin, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Ruf des Gebäudereiniger-Handwerks durch fachgerechte Leistungen zu stärken.
In den 2020er-Jahren wurden Systeme zur Fassadenreinigung mit Drohnen entwickelt und zum Einsatz gebracht.
Die zehn umsatzstärksten Gebäudedienstleister in Deutschland Zu den Tätigkeitsschwerpunkten der größten Gebäudedienstleister gehören häufig folgende Bereiche des Gebäudemanagements: Anlagen-/Maschinenreinigung, Außenanlagenreinigung, Fassadenreinigung, Glasreinigung, Großküchenreinigung, Grünanlagenpflege, Industriereinigung, Krankenhausreinigung, Reinraumreinigung, Unterhaltsreinigung, Solaranlagenreinigung, Winterdienste, Catering/Verpflegungsdienste, Sicherheitsdienste, Hausmeisterdienste und Schädlingsbekämpfung.
Unternehmen Sitz Gründungsjahr Mitarbeiter 2016 in DE Umsatz 2016 in DE Dussmann Stiftung & Co. KGaA Berlin 1963 33.409 1321 Mio. Euro Wisag Facility Service, gehört zur Aveco Holding AG Frankfurt am Main 1965 31.141 1016 Mio. Euro Klüh Service Management Düsseldorf 1911 49.341 807 Mio. Euro Gegenbauer Holding SE & Co. KG Berlin 1925 17.000 655 Mio. Euro Sodexo Services GmbH Rüsselsheim 1958 12.300 630 Mio. Euro Kötter Services Essen 1934 18.900 545 Mio. Euro Piepenbrock Unternehmensgruppe Osnabrück 1913 26.069 503 Mio. Euro ISS Facility Services Holding, gehört zu Integrated Service Solutions Düsseldorf 1960 8.522 332 Mio. Euro Lattemann & Geiger Dienstleistungsgruppe Dietmannsried 1969 12.292 268 Mio. Euro Götz-Gruppe Regensburg 1949 13.114 233 Mio. Euro
Weiterbildung Als „klassische“ Fortbildungsmöglichkeiten im Anschluss an die Gesellenausbildung stehen Gebäudereinigern folgende Alternativen zur Weiterbildung zur Verfügung:
Meister LEH Bachelor Studienrichtung Lebensmittel, Ernährung LEH Bachelor Studienrichtung Hygiene Facility-Management Bachelor Master Facility-Design und Management General Service Manager (FHM)
Der Meister im Gebäudereiniger-Handwerk stellt die klassische Weiterqualifizierung dar. Obwohl mit der letzten Änderung der Handwerksordnung der Meisterzwang im Gebäudereiniger-Handwerk gefallen ist, erfreut sich der Meisterbrief nach wie vor großer Beliebtheit. Eine qualifizierte Weiterbildung ist heutzutage mehr denn je erforderlich, um ein Unternehmen wirtschaftlich führen zu können oder in verantwortungsvolle Führungspositionen zu gelangen. Deswegen ist der Meisterbrief der Schlüssel, mit dem sich neue Wege und Möglichkeiten eröffnen.
Mit dem Meistertitel stehen dem Gebäudereinigermeister allerdings auch noch weitere Möglichkeiten offen. Der Meisterbrief berechtigt auch ohne Nachweis der Hochschulreife zum Ingenieurstudium (FH) Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Reinigungs- und Hygienemanagement/-technik.
Lehrinhalte der Vorbereitungsprüfung zum Gebäudereinigermeister:
Teil I: Fachpraxis Laborübungen Fachpraktische Übungen
Teil II: Fachtheorie Werkstoffkunde Fachtechnologie Auftragsbearbeitung Fachkalkulation Schutzvorschriften Datenverarbeitung
Teil III: Wirtschaft und Recht Rechnungswesen Wirtschaftslehre Rechts- und Sozialwesen
Teil IV: Berufs-/Arbeitspädagogik Rechtsgrundlagen für die Berufsbildung Planung und Durchführung der Ausbildung
Prüfungsablauf Die Meisterprüfung umfasst vier selbständige Prüfungsteile:
Teil I: Praktische Prüfung (Meisterprüfungsarbeit und Arbeitsprobe) Teil II: Fachtheorie Teil III: Wirtschaft und Recht Teil IV: Berufs- und Arbeitspädagogik
Arbeitsfelder mini|Gebäudereiniger mini|Gebäudereiniger an einem Hochhaus in Leipzig Der Beruf des Gebäudereinigers umfasst u. a. folgende Arbeitsbereiche: Glasreinigung Unterhaltsreinigung Fassadenreinigung, Graffitientfernung Bodenreinigung Krankenhausreinigung Schädlingsbekämpfung Dekontaminationsarbeiten Freiflächenreinigung Teppichreinigung Grundreinigung Bau- und Bauendreinigung Desinfektionen aller Art Verkehrsflächenreinigung
und viele mehr. Zwar werden Gebäudereiniger für anfallende Reinigungsarbeiten überwiegend in Immobilien benötigt, jedoch umfasst das Aufgabengebiet auch Maßnahmen um Immobilien herum. So fallen im Zuge einer Baureinigung neben Tätigkeiten am und im Bauwerk auch unter anderem Reinigungen von Baustellen-Zufahrtswegen an. Je nach Tätigkeit wird bei Baureinigungen zwischen einer Baugrob-, Bauzwischen- und Baufeinreinigung unterschieden.
Dafür benötigt er spezielle Fachkenntnisse, um Schmutz (Materie am falschen Ort) zu beseitigen.
Die Ausbildung zum Gebäudereiniger vermittelt unter anderem Kenntnisse über
Umweltschutz Chemie Materialkunde Bedienung von Reinigungsmaschinen Umgang mit Gerüsten, Arbeitsbühnen und Befahranlagen Grundreinigung und Beschichtung von Bodenbelägen Teppichreinigung (Shampoonierung, Sprühextraktion, Detachur, Imprägnierung) Glas- und Fassadenreinigung Unterhaltsreinigung Zwischenreinigungsverfahren Verkehrsmittelreinigung Desinfektionsmaßnahmen vorbeugende Schädlingsbekämpfung