mini|Connie Willis auf der WonderCon 2017

Constance Elaine Trimmer Willis (* 31. Dezember 1945 in Denver) ist eine US-amerikanische Science-Fiction-Schriftstellerin. Sie gewann zahlreiche Preise, darunter elf Hugo Awards und acht Nebula Awards. Sie lebt mit ihrem Ehemann, einem Physikprofessor, in Greeley, Colorado, und hat eine Tochter.

Themen und Stil

Willis ist für ihre leicht zugängliche Sprache und ihre liebenswerten Charaktere bekannt. In mehreren ihrer Werke spielen Zeitreisen und eine Gruppe von Historikern im Oxford der Zukunft eine Rolle. Dazu gehören die mit dem Hugo Award ausgezeichneten Romane Die Jahre des Schwarzen Todes, Die Farben der Zeit und der zweibändige Roman Blackout / All Clear, sowie die Erzählung Brandwache, die in der gleichnamigen Erzählungssammlung enthalten ist. Ähnlich etwa Neal Stephenson lassen sich Willis’ Werke oft nicht eindeutig einem Genre zuordnen. Die Geschichten ihres Zeitreise-Universums sind eindeutig Science-Fiction; in anderen Werken wie der Novelle Bellwether oder dem Roman Passage sind Science-Fiction-Elemente nur in Ansätzen zu identifizieren.

Als ihren größten Einfluss nennt sie Robert A. Heinlein, den sie für seinen Humor, seinen bodenständigen Zukunftsansatz und seine schlauen Handlungen schätzt. Der Schreibstil von Connie Willis ist an die comedy of manners (Sittenkomödie) angelehnt. Deutliche Einflüsse von P. G. Wodehouse sind erkennbar, sodass es manche Leser überraschen dürfte, dass Connie Willis keine Engländerin ist. Die Hauptpersonen ihrer Geschichten werden typischerweise von lästigen Gegenspielern bedrängt, die zielstrebig unlogische Pläne verfolgen, indem sie etwa versuchen, inmitten einer tödlichen Epidemie ein Glockenläuten zu veranstalten (Die Jahre des Schwarzen Todes), oder die Erforschung von Nahtoderfahrungen dadurch erschweren, dass sie den Befragten Worte in den Mund legen (Passage). Verwaltungsmitarbeiter ohne Rückgrat und Spinner sind fester Bestandteil des Personals. Im Kontrast dazu sind die Hauptpersonen und ihre Verbündeten willensstarke und sorgfältig gezeichnete Charaktere, die es dadurch umso besser mit ihren Quälgeistern aufnehmen können.

Andere Motive und stilistische Werkzeuge sind etwa:

Wissenschaftler, die wirkliche Wissenschaft betreiben, als Hauptpersonen (das Leitmotiv von Bellwether, aber auch in Uncharted Territory und Passage vorhanden, schwächer ausgeprägt in den Geschichten des Zeitreise-Universums); eine Abneigung gegen zügellose Politische Korrektheit (besonders die Überbewertung von eingeborenen Kulturen in Uncharted Territory oder Einstellungen gegen das Rauchen in Bellwether); das Einbeziehen akribisch recherchierter, detailliert dargestellter Belanglosigkeiten, die den Erzählstoff berühren oder zu ihm in symbolischer Beziehung stehen (Modeerscheinungen in Bellwether, Paarungsbräuche in Uncharted Territory, alte Filme in Remake, die Titanic und andere Katastrophen in Passage).

Obwohl sie als Science-Fiction-Autorin gefeiert wird, könnten die Geschichten von Connie Willis solche Leser enttäuschen, die typische Science-Fiction-Themen und -Auflösungen erwarten. Dies gilt besonders für Lincolns Träume, eine Geschichte über die unerwiderte Liebe zu einer Frau, die möglicherweise Reinkarnation oder Präkognition erfährt, und deren Perspektive ans Selbstmörderische grenzt. In ähnlicher Weise beschäftigt sich Bellwether fast ausschließlich mit Psychologie, und Passage deutet eine reale Grundlage für das Phänomen der Todesnäheerfahrungen nur an. Die Erzählweise allerdings kann als sehr reizvoll empfunden werden.

Bibliografie Berserker (mit Poul Anderson, Edward Bryant, Stephen R. Donaldson, Larry Niven, Fred Saberhagen und Roger Zelazny) Berserker Base: A Collaberative Novel (Band 6), 1984.

Oxford Time Travel Die Jahre des Schwarzen Todes. 1993, ISBN 3-453-06589-1, Doomsday Book. ISBN 0-553-56273-8, Bantam Spectra, 1992. In diesem Roman betrachtet die Autorin parallel den Ausbruch einer tödlichen Seuche in der Zukunft und den Ausbruch der Pest im Mittelalter. Sie stellt die durch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Medizin bedingten Folgen konsequent dar, wodurch die Beschreibung der Ereignisse zur Zeit der Pest zu einem erschütternden Dokument gerät. Die Farben der Zeit. 2001, ISBN 3-453-18783-0, To Say Nothing of the Dog. ISBN 0-553-57538-4, Bantam Books 1997. Für die Rekonstruktion der Kathedrale von Coventry, die Lady Schrapnell zu Ehren ihrer Urahnin betreibt, benutzt man das Netz, eine Vorrichtung zur Zeitreise. Unter anderem versucht man „des Bischofs Vogeltränke“ wieder zu beschaffen und eine Schar von Historikern wird durch zahlreiche Zeitsprünge ins Viktorianische Zeitalter gehetzt. Aufgrund von Überarbeitung und Zeitkrankheit kommt es zu Verwicklungen und Paradoxa. Der Originaltitel des Romans ist eine Anspielung auf Jerome K. Jeromes Buch Drei Mann in einem Boot. Dunkelheit. 2016, ISBN 3-95981-168-3, Blackout. ISBN 978-0-345-51983-2, Ballantine Books 2010. Licht. 2017, ISBN 978-3-95981-170-5 All Clear. ISBN 978-0-553-59288-7, Ballantine Books 2010. Historiker reisen in verschiedene Bereiche des Zweiten Weltkriegs in London um 1940–1945 sowie nach Pearl Harbor 1941. Dabei können einige der Historiker zunächst nicht in die Zukunft des Oxford 2060 zurückkehren. Allmählich tauchen von ihnen erzeugte Veränderungen der Geschichte auf. Die beiden Romane wurden als Duologie Blackout/All Clear mit dem Nebula Award als Best Novel 2010Blackout/All Clear by Connie Willis. Winner, Best Novel in 2010. auf nebulas.sfwa.org, abgerufen am 8. Januar 2017. sowie mit dem Hugo Award 2011 ausgezeichnet.

Einzelromane Die Wasserhexe. 1984, ISBN 3-426-05786-7, Water Witch. 1982. (mit Cynthia Felice) Lincolns Träume. 1992, ISBN 3-453-05401-6, Lincoln’s Dreams. ISBN 978-0-553-27025-9, Bantam Spectra, 1987. Light Raid. 1989, ISBN 0-441-48311-9 (mit Cynthia Felice) Distress Call. 1991. Uncharted Territory. Bantam Spectra 1994, ISBN 0-553-56294-0 Remake. 1994, ISBN 0-929480-48-1 Bellwether. ISBN 0-553-56296-7, Bantam Spectra, 1996. Promised Land. 1997. (mit Cynthia Felice) Passage. ISBN 0-553-58051-5, Bantam 2001. D.A.. 2007. All Seated on the Ground. 2007. All About Emily. 2011. Cross Talk. ISBN 978-1-473-20094-4, Gollancz 2016. Die Straße nach Roswell (The Road to Roswell). 2023

Kurzgeschichtensammlungen Brandwache. 1987, ISBN 3-472-61660-1, Fire Watch. 1985. Impossible Things. ISBN 0-553-56436-6, Bantam Spectra 1993. Even the Queen & Other Short Stories. (Hörkassette) 1998. Miracle: And Other Christmas Stories. 1999. The Winds of Marble Arch and Other Stories. 2007.

Jugendbücher Daisy in the Sun. 1991. Cibola. (Hörkassette) 1998. Roswell, Vegas, and Area 51: Travels with Courtney. 2001. Inside Job. ISBN 978-1-59606-024-1, 2005.

Als Herausgeberin The New Hugo Winners Volume III. 1994. (mit Martin H. Greenberg) Nebula Awards 33: The Year's Best SF and Fantasy Chosen by the Science Fiction and Fantasy Writers of America. 1999. A Woman’s Liberation. 2001. (mit Sheila Williams)

Auszeichnungen 1983: Hugo Award für Brandwache 1983: Nebula Award für Brandwache 1983: Nebula Award für A Letter from the Clearys 1987: Asimov’s Reader Poll für Spice Pogrom 1988: John W. Campbell Memorial Award für Lincoln's Dreams 1989: Hugo Award für The Last of the Winnebagos 1989: Nebula Award für The Last of the Winnebagos 1989: Asimov’s Reader Poll für The Last of the Winnebagos 1990: Nebula Award für At the Rialto 1992: HOMer Award In the Late Cretaceous 1993: Hugo Award für Die Jahre des schwarzen Todes 1993: Hugo Award für Even the Queen 1993: Nebula Award für Even the Queen 1993: Nebula Award für Die Jahre des schwarzen Todes 1993: Locus Award für Die Jahre des schwarzen Todes 1993: Locus Award für Even the Queen 1993: Asimov’s Reader Poll für Even the Queen 1994: Hugo Award für Death on the Nile 1994: Locus Award für Close Encounter 1994: Locus Award für Impossible Things 1994: Asimov’s Reader Poll für Inn 1994: Kurd-Laßwitz-Preis als Bestes ausländisches Werk für Die Jahre des schwarzen Todes 1996: Locus Award für Remake 1997: Locus Award für Bellwether 1999: Forry Award für das Lebenswerk 1999: Hugo Award für Die Farben der Zeit 1999: Locus Award für Die Farben der Zeit 2000: Hugo Award für The Winds of Marble Arch 2002: Locus Award für Passage 2002: Kurd-Laßwitz-Preis als Bestes ausländisches Werk für Die Farben der Zeit 2006: Hugo Award für Inside Job 2008: Locus Award für The Winds of Marble Arch and Other Stories 2009: Aufnahme in die Science Fiction Hall of Fame 2011: Robert A. Heinlein Award 2011: Hugo Award für Blackout/All Clear 2011: Nebula Award für Blackout/All Clear 2011: Locus Award für Blackout/All Clear 2012: Damon Knight Memorial Grand Master Award für ihre Beiträge zu Science-Fiction- und Fantasy-Literatur.SFWA Names Connie Willis Recipient of the 2011 Damon Knight Memorial Grand Master Award. auf: sfwa.org, 16. Januar 2012. 2012: Asimov’s Reader Poll All About Emily 2014: Locus Award für The Best of Connie Willis 2018: Asimov’s Reader Poll für I Met a Traveller in an Antique Land

Kritik

Literatur Albrecht Fritzsche: Ich mag Science Fiction einfach. Connie Willis und der Glaube an eine schöne Zukunft. In: Die Welten der Science Fiction. 15 Annäherungen an das erfolgreichste Genre unserer Zeit, Corian-Verlag Meitingen, 1988, ISBN 3-89048-313-5. Usch Kiausch: Science Fiction hat nichts mit der Zukunft zu tun. Ein Gespräch mit Connie Willis. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1993. Wilhelm Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-06202-7, S. 509–525.

Einzelnachweise

Weblinks

Connie Willis in der Science Fiction Awards+ Database (englisch) Kurzbiografie der New England Science Fiction Association (englisch) (englisch)

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