Barranquilla, offiziell Distrito Especial, Industrial y Portuario de Barranquilla (spanisch für Besonderer Industrie- und Hafendistrikt Barranquilla), ist die Hauptstadt und eine Gemeinde (municipio) des Departamentos Atlántico in der Región Caribe in Kolumbien. Sie hat 1.279.000 Einwohner (Stand: 2025) und ist damit die viertgrößte Stadt des Landes. Barranquilla ist das Zentrum der Metropolregion Barranquilla und Sitz des Erzbistums Barranquilla.
Geografie Die Stadt liegt an der Mündung des Río Magdalena in die Karibik im Nordwesten des Landes. Das Klima ist karibisch warm (tropisch). Barranquilla grenzt im Osten an Sitionuevo im Departamento del Magdalena, im Norden an Puerto Colombia und die Karibik, im Westen an Puerto Colombia, Galapa und Tubará und im Süden an Soledad.
Stadtgliederung mini|links|Metropolregion Barranquilla Barranquilla teilt sich administrativ in die fünf Stadtbezirke (localidades) Riomar, Norte-Centro Histórico, Sur Occidente, Sur Oriente und Metropolitana auf. Diese Bezirke sind wiederum in rund 180–190 kleinere Stadtteile (barrios) unterteilt, die die eigentliche lokale Ebene bilden. Zusätzlich gehören auch einige umliegende Siedlungen bzw. Dörfer zur Stadtverwaltung.
Metropolregion Mit der Bildung von Metropolregionen versucht die kolumbianische Regierung, die Planungen und Absprachen nah beieinander liegender Städte zu steuern. Dazu bilden eine Kernstadt und mehrere angrenzende und von dieser Kernstadt abhängige Städte eine Planungsregion. Barranquilla wurde 1981 Metropolregion mit den Gemeinden Soledad, Malambo, Galapa und Puerto Colombia.
Klima
Durchschnittswerte 1971–2000
Geschichte Um 1850 hatte Barranquilla rund 30.000 Einwohner. Der kleine Hafen am Río Magdalena diente bis ins 19. Jahrhundert nur der Binnenschifffahrt. Nachdem das Flussdelta schiffbar gemacht worden war, hatte Barranquilla einen Zugang zum Meer. Damit wurde der ca. 20 km entfernte Seehafen Puerto Colombia am Karibischen Meer abgelöst.
1872 schrieb der Schriftsteller Miguel Samper, Barranquilla sei voll mit umtriebigen Ausländern, die in den Büros Englisch sprechen und mit ihren Dampfern, Eisenbahnen und Maschinen viel Lärm verursachen.
In den Jahren des Zweiten Weltkriegs gab es in der Stadt eine NSDAP-Gruppe, die deutschstämmige jüdische Flüchtlinge, die zum Teil ihre Religionszugehörigkeit verheimlichten, in ganz Kolumbien denunzierte.
Sehenswürdigkeiten Barranquilla hat als Handels- und Industriestadt nur wenige Sehenswürdigkeiten. Beliebte Ausflugsziele sind das Weltkulturerbe Cartagena mit seiner spektakulären Altstadt, Santa Marta und gleich dahinter der Parque Tayrona, Teil der Sierra Nevada de Santa Marta, wo sich auch die höchsten Gipfel Kolumbiens, der Pico Simón Bolívar und der Pico Cristóbal Colón, beide mit über 5700 m Höhe, befinden.
Karneval
Barranquilla ist als eine der weltweit größten Karnevalshochburgen bekannt. Der Karneval wird hier an den vier Tagen vor Aschermittwoch gefeiert. Im November 2003 wurde Barranquillas Karneval von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Der Karneval von Barranquilla ist das größte Volksfest in Kolumbien und einer der fünf bedeutendsten Karnevale der Welt. Er wird seit mehr als 100 Jahren gefeiert.
Traditionell beginnt der Karneval am 20. Januar mit der „Lectura del Bando“ durch die Karnevalskönigin. Ab dann gibt es bis zum eigentlichen Karneval überall Abendveranstaltungen und Umzüge in den einzelnen Stadtteilen. Am Freitag vor Karneval wird die Karnevalskönigin gekrönt, die am Folgetag die Blumenschlacht (Batalla de Flores) anführt. Zwei weitere große Veranstaltungen folgen: die Gran Parada am Sonntag und am Montag das Festival de Orquestas y Acordeones. Am Dienstag schließlich stirbt Joselito Carnaval und wird feierlich beweint und beerdigt, in Anwesenheit des Königspaares und ihrer Komparsen, alle in Schwarz und mit Kerzen. Am Aschermittwoch ist, wie auch in Deutschland, der Karneval vorbei.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Barranquilla ist der wichtigste Hafen der kolumbianischen Karibikküste. In Barranquilla werden chemische Produkte, Zement, Textilien und Verpackungen hergestellt.
Verkehr Barranquilla ist durch den Flughafen Ernesto Cortissoz erschlossen, der sich 7 km südlich der Stadt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Soledad befindet. Die Brücke Puente Pumarejo verbindet die Stadt mit dem Departamento del Magdalena am anderen Ufer des Río Magdalena und dadurch mit dem Osten des Landes.
Bildung Die wichtigsten Universitäten der Stadt sind: Universidad del Atlántico Universidad del Norte Universidad Metropolitana Universidad Autónoma del Caribe Universidad Libre (Sitz Barranquilla)
Eine wichtige Institution in Barranquilla ist das Colegio Alemán, die älteste deutsche Auslandsschule in Kolumbien. Die private Schule wurde 1912 gegründet und 1956 wieder eröffnet. Jedes Jahr findet ein Schüleraustausch mit deutschen Schülern statt.
Städtepartnerschaften Barranquilla hat folgende elf Partnerstädte: StadtLandseitAberdeen 15px2021Bethlehem2016Brownsville2013Doral 15pxMálaga 15px2022Miami 15px2015Nanjing2021Panama 15px2017Salvador 15px2022Santo Domingo 15pxTampa 15px2016
Persönlichkeiten Barranquilla ist eng mit dem Werk des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez verbunden. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Barranquilla und war lange Jahre als Journalist bei der lokalen Zeitung El Heraldo angestellt. Stadtbeschreibungen in García Márquez’ Werk beziehen sich sehr oft auf Barranquilla. mini|hochkant|Shakira (2014) Barranquilla ist der Geburtsort der Sängerin Shakira. Sie erwähnt den Namen ihrer Geburtsstadt in ihrem weltweiten Nummer-eins-Hit Hips Don’t Lie
Die Schauspielerin Sofía Vergara ist in einer Folge von Modern Family als (fiktive) Miss Barranquilla zu sehen.
Söhne und Töchter der Stadt Luis Carlos Meyer (1916–1998), Sänger und Komponist Knox Martin (1923–2022), US-amerikanischer Bildhauer und Maler Orlando Fals Borda (1925–2008), Soziologe Nelson Pinedo (1928–2016), Sänger Mario Gareña (1932–2021), kolumbianisch-US-amerikanischer Komponist und Sänger Ugo Eugenio Puccini Banfi (* 1935), Geistlicher, emeritierter Bischof von Santa Marta Jaime Manrique (* 1949), Schriftsteller Diego Wallraff (* 1961), Schauspieler Luis Gabriel Ramírez Díaz (1965–2023), Geistlicher, Bischof von Ocaña Jay Rodriguez (* 1967), Jazzmusiker Sofía Vergara (* 1972), Schauspielerin und Model Agmeth Escaf (* 1973), Schauspieler, Moderator und Politiker Edgar Jesús Mejía Orozco (* 1976), römisch-katholischer Geistlicher, Weihbischof in Barranquilla Shakira (* 1977), Sängerin Angie Sanclemente Valencia (* 1979), Model Juan Restrepo (* 1981), Gitarrist, Komponist und Produzent Juan Camilo Villa (* 1983), Jazz- und Weltmusiker Bruno Böhmer Camacho (* 1985), Jazzmusiker Jery Sandoval (* 1986), Filmschauspielerin, Fotomodell und Sängerin Luis Giraldo (* 1999), Sänger, Schauspieler und Liedtexter Beéle (* 2003), Singer-Songwriter
darunter Sportler
Alfonso Senior Quevedo (1912–2004), Fußballfunktionär Efraín Sánchez (1926–2020), Fußballspieler und -trainer Jesús Rubio (* 1945), Fußballspieler Joaquín Pardo (1946–2020), Fußballspieler Helmut Bellingrodt (* 1949), Sportschütze José Zárate (1949–2013), Fußballspieler Alexis Mendoza (* 1961), Fußballspieler Wilson Pérez (* 1967), Fußballspieler Alex Comas (* 1971), Fußballspieler Iván Valenciano (* 1972), Fußballspieler Nixon Perea (* 1973), Fußballspieler Edgar Rentería (* 1975), Baseballspieler Brigitte Merlano (* 1982), Hürdenläuferin Breidis Prescott (* 1983), Boxer Teófilo Gutiérrez (* 1985), Fußballspieler Alexander Mejía (* 1988), Fußballspieler Juan Barros (* 1989), Fußballspieler Gustavo Cuéllar (* 1992), Fußballspieler Eduar Marriaga (* 1992), Boxer Jeison Murillo (* 1992), Fußballspieler Rafael Borré (* 1995), Fußballspieler Raúl Mena (* 1995), Sprinter Joaquín Montecinos (* 1995), chilenischer Fußballspieler María Paulina Pérez García (* 1996), Tennisspielerin Paula Andrea Pérez García (* 1996), Tennisspielerin María Herazo González (* 1997), Tennisspielerin Cristian Ortega (* 2000), Bahnradsportler Valentina Barrios (* 2003), Speerwerferin
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Kolumbien Kategorie:Ort mit Seehafen Kategorie:Millionenstadt Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt Kategorie:Hauptort einer Verwaltungseinheit Kategorie:Gemeinde im Departamento del Atlántico