mini|Frontansicht mini|Ansicht von Südosten mini|Blick vom „Roca de St. Jaume“ auf das Kloster Montserrat mini|Das Kloster in der umgebenden Landschaft
Die Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat [] liegt auf 721 Metern Höhe im gleichnamigen Gebirge, etwa 40 km nordwestlich von Barcelona im äußersten Süden der Comarca Bages. Heute leben dort etwa 80 Mönche nach der Regula Benedicti. Im Kloster wird die aus dem 12. Jahrhundert stammende Mariendarstellung „Unsere Liebe Frau von Montserrat“, im Volksmund La Moreneta („Die Braune“) genannt, von zahlreichen Wallfahrern verehrt. Als bedeutendes Zentrum katalanischer Kultur ist Montserrat auch über die katholische Kirche hinaus von hoher symbolischer Bedeutung.Anselm Maria Albareda: Història de Montserrat. L’Abadia de Montserrat, 2005, ISBN 84-8415-762-8, S. 92.
Anreise Die Anreise der Pilger erfolgt heute oft mit Bussen, vor allem aber mit der ursprünglich 1892 eröffneten und 2003 wiedereröffneten Zahnradbahn Cremallera de Montserrat. Eine Seilbahn wurde im Jahr 1930 von der Leipziger Firma Adolf Bleichert & Co. und deren leitenden Ingenieur Friedrich Gründel geplant und gebaut.
Geschichte Unter dem Abt Oliba de Besalú erfolgten zwischen 1025 und 1035 die Gründungen der Klöster Santa Maria de Ripoll, Montserrat und Saint-Martin-du-Canigou. Bereits im Jahr 1082 geriet das Kloster Montserrat in Abhängigkeit vom Kloster Ripoll. Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Zahl der Mönche auf dem Montserrat auf zwölf begrenzt – gerade genug um weiterhin als Abtei gelten zu können. In den Jahren 1409 und 1431 wurde die Eigenständigkeit des Klosters durch päpstliche Erlasse wiederhergestellt. Doch nach der Vereinigung Kastiliens mit Aragón durch die Eheschließung der Katholischen Könige im Jahr 1469 und der Eroberung Granadas (1492) entsandte Ferdinand II. Mönche aus Valladolid, so dass das Kloster erneut fremdbestimmt war.
Das spätmittelalterliche Kloster wurde in den Jahren 1809 und 1811 von den Truppen Napoleons zerstört und fiel 1835 unter die Desamortisation der spanischen Klöster. 1844 regte sich wieder unabhängiges monastisches Leben in den alten Gemäuern, die in den Folgejahren weitgehend erneuert wurden. Die heutige Klosterkirche wurde von Leo XIII. im Jahre 1881 zur päpstlichen Basilica minor erhoben.
Während der beiden letzten Jahrzehnte des Franquismus bot die Abtei antifranquistischen Gruppen eine Heimstätte.Birgit Aschmann: Adiós España. Der katalanische Nationalismus ist ein schillerndes Phänomen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Dezember 2014, S. 6. Am 12. Dezember 1970 kamen in der Abtei 300 Intellektuelle zusammen, die in einem Manifest Freiheit für die bei den Prozessen von Burgos verurteilten Widersacher General Francos forderten sowie demokratische Rechte und Selbstbestimmung für die Nationalitäten im spanischen Staat.
Architektur mini|Kircheneingang Skulpturen mini|Innenansicht der Kirche Die heutige ca. 70 Meter lange und insgesamt knapp 30 Meter breite Klosterkirche ist einschiffig mit Seitenkapellen und darüber befindlichen Emporen. Die Belichtung des Kirchenraums erfolgt durch Rundfenster im Westen und über den Emporen sowie durch einen modernen oktogonalen Aufbau (cimbori) über der Vierung. Mittelschiff und Seitenkapellen werden von farbig gefassten Kreuzrippengewölben überspannt. Während das Langhaus eine Mixtur aus neoromanischen und neogotischen Stilelementen zeigt, finden sich im Chorbereich auch neobarocke Details.
Ausstattung Madonnenfigur mini|Mare de Déu de Montserrat
Die Schwarze Madonna Unserer Lieben Frau von Montserrat (Mare de Déu de Montserrat oder kurz La Moreneta) ist die Schutzheilige Kataloniens und befindet sich in der Apsis des Klosters. Die Marienfigur, die heute verehrt wird, ist eine romanische Statuette aus dem 12. Jahrhundert; mit dem segnenden und gekrönten Jesusknaben auf dem Schoß verkörpert sie den Typus der Sedes sapientiae. Als Zeichen ihrer Macht und Würde halten beide darüber hinaus einen Reichsapfel in der Hand. Zwei seitliche Silberreliefs zeigen die Geburt Christi und Mariä Heimsuchung.
Orgel mini|Prospekt mit Rückpositiv der Blancafort-Orgel Die Orgel in der Klosterkirche wurde 2009 von der Orgelbaufirma Blancafort Orgueners (Montserrat) erbaut. Das Instrument befindet sich auf der linken Seite des Altarraumes; es hängt in einer Bogennische. Im Gegensatz zu der barocken Kirchenausstattung ist der Prospekt modern gestaltet und lässt den klassischen Werksaufbau erkennen. Das Instrument hat 63 Register (4.242 Pfeifen) auf vier Manualwerken und Pedal. Das Rückpositiv ist schwellbar. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. Es existiert ein zweiter rein elektrischer Spieltisch im Presbyterium.Informationen zur Orgel auf der Website der Erbauerfirma
I Rückpositiv C–a3 1. Quintant 16′ 2. Cara 8′ 3. Bordó de fusta 8′ 4. Salicional 8′ 5. Octava 4′ 6. Tapadet 4′ 7. Nasard 12a ′ 8. Quinzena 2′ 9. Nasard 17a ′ 10. Larigot ′ 11. Septinona II ′ 12. Flautí 1′ 13. Címbal IV 1′ 14. Regal 16′ 15. Clarinet 8′ 16. Cromorn 8′ Trèmol II Hauptwerk C–a3 17. Flautat major 16′ 18. Bordó major 16′ 19. Flautat 8′ 20. Flauta de fusta 8′ 21. Espigueta 8′ 22. Quinta ′ 23. Octava 4′ 24. Desena ′ 25. Dotzena ′ 26. Quinzena 2′ 27. Plens V 2′ 28. Cimbalet III ′ 29. Corneta V 8′ 30. Bombarda 16′ 31. Trompeta real 8′ III Schwellwerk C–a3 32. Viola 16′ 33. Flauta Harmònica 8′ 34. Gamba 8′ 35. Corn de Nit 8′ 36. Veu celest 8′ 37. Flauta cònica 8′ 38. Octaviant 4′ 39. Quinta ′ 40. Octaví 2′ 41. Corona IV ′ 42. Fagot 16′ 43. Oboè 8′ 44. Trompeta harmònica 8′ 45. Clarí harmònic 4′ 46. Veu humana 8′ Trèmol IV Batalla C–a3 47. Trompeta de batalla 8′ 48. Violetes (B) 2′ 48b. Trompeta magna (D) 16′ 49. Baixons (B) 4′ 49b. Clarins clars (D) 8′ 50. Orlos 8′ 51. Flauta travessera (D) 8′ 52. Carillo Pedal C–g153. Greu 32′ 54. Contrabaix 16′ 55. Principal 16′ 56. Subbaix 16′ 57. Contres 8′ 58. Baix 8′ 59. Coral 4′ 60. Composta III ′ 61. Bombarda 16′ 62. Trompeta 8′ 63. Clarí 4′ Koppeln: I/I (Sub- und Superoktavkoppeln), I/II, II/II (Sub- und Superoktavkoppeln), III/I, III/II, III/III (Sub- und Superoktavkoppeln), IV/II, I/P, II/P, III/P, IV/P Anmerkungen: (B) = Bass-Seite (linke Hand) (D) = Diskant-Seite (rechte Hand)
Geläut mini|Blick auf den Flankenturm, links daneben die Spitze (Stahlglockenstuhl) des Glockenturms Im (runden) Glockenturm der Abteikirche hängt ein mächtiges Geläut, bestehend aus 8 Glocken in der Glockenkammer des Turmes, und zwei weiteren Glocken (den tontiefsten) in einem Stahlglockenstuhl auf der Spitze des Glockenturmes. Das Geläut wurde weitgehend in den 1950er Jahren von Karl Czudnochowsky gegossen, und später durch die Glockengießerei Bachert ergänzt.Informationen zu den GlockenVideoaufnahme des Geläuts
Nr. Name Gussjahr Gießer Durchmesser(cm) Masse(kg) Nominal 1Santa Maria 1958 Karl Czudnochowsky 2256595 f02Sant Benet1955181 3433 a03Sant Pere 1958 1532074 c14Sant Pau 1955 1351425 d15Sant Jaume 19551221051 e16Sant Jordi 2005Glockengießerei Bachert115881 f17Sant Gregori I 1955Karl Czudnochowsky102614 g18Sant Pius X 1955 90422 a19Sant Josep 2005 Glockengießerei Bachert85356 h110Sant Miquel Arcàngel 1955Karl Czudnochowsky76254 c2
Museum Biblicum und Scriptorium Biblicum et Orientale Das Kloster beherbergt ein Museum mit Objekten zur Archäologie des Heiligen Landes, kostbaren liturgischen Gegenständen, Gemälden u. a. von El Greco, Caravaggio, Luca Giordano und Tiepolo, Claude Monet, Edgar Degas, Pablo Picasso, Ramon Casas i Carbó und Salvador Dalí.
Die Bibliothek des Scriptorium Biblicum et Orientale besitzt über 200.000 Handschriften und Drucke, darunter eine Papyrussammlung mit über 1700 Fragmenten. Das „Llibre Vermell de Montserrat“, eine Sammlung mittelalterlicher Lieder von 1399, enthält geistliche Stücke und weltliche katalanische Lieder mit Noten.
Knabenchor In der Kirche erklingt täglich um 13 Uhr das Marienlied Virolai, das von der Escolania de Montserrat gesungen wird, einem Knabenchor, der seit 1307 urkundlich nachgewiesen ist und damit zu den ältesten Europas gehört, im 17. und 18. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte und an dem unter anderem Josep Antoni Martí als Lehrer wirkte.
Bedeutung Neben der religiösen Bedeutung gilt das Kloster auch als Hort des katalanischen Nationalismus und der katalanischen Kultur. Da es dank der kirchlichen Sonderrechte auch während der Francodiktatur nicht den von Franco ernannten Bischöfen unterstand, wurden im Kloster die Messen weiterhin in der verbotenen katalanischen Sprache gefeiert.
Sonstiges In Montserrat legte der heilige Ignatius von Loyola 1522 seine Offizierswürde ab, schenkte Dolch und Schwert der Jungfrau Maria und seine feinen Kleider einem Bettler. Er legte die Kutte an, um sich Gott zu weihen. Später wurde er Gründer der Societas Jesu, des Jesuitenordens.
Neben dem eigentlichen Kloster gibt es noch zahlreiche Eremitagen im umgebenden Gebirge, die vom Kloster aus auf gut gepflegten Wanderwegen erreicht werden können. Die Wanderwege sind klassifiziert nach Dauer und Schwierigkeitsgrad und machen Montserrat für viele Bewohner von Barcelona zu einem interessanten Naherholungsgebiet.
Christoph Kolumbus benannte auf seiner zweiten Reise eine Insel der Kleinen Antillen nach dem Kloster, die heutige britische Kolonie Montserrat.
In Anlehnung an das Gnadenbild ist ‚Maria de Montserrat‘ auch ein gebräuchlicher katalanischer Geburtsname. Dabei wird oft ‚Montserrat‘ als Rufname verwendet (verkürzt ‚Montse‘). Ihn trugen beispielsweise die verstorbenen Sopranistinnen Montserrat Caballé und Montserrat Figueras.
Äbte seit dem 19. Jahrhundert Miquel Muntadas, 1858–1885 Josep Deàs, 1885–1921 Antoni M. Marcet, 1921–1946 Aureli M. Escarré, 1946–1966 Gabriel M. Brasó (Abtkoadjutor 1961–1966; 1966–1976 Präses der Kongregation von Subiaco) Cassià M. Just, 1966–1989 Sebastià Bardolet, 1989–2000 Josep M. Soler, 2000–2021 Manel Gasch i Hurios, seit 2021
Siehe auch Mestres de l'Escolanía de Montserrat
Literatur Wilhelm von Humboldt: Das Montserrat, bey Barcelona, an Goethe, August 1800. / Als Buch: Der Montserrat bei Barcelona. Berlin 1926. Fritz René Allemann, Xenia v. Bahder: Katalonien und Andorra. DuMont Kunst-Reiseführer. 4. Auflage. DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1102-8, S. 233, Abb. 93–95.
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Abadia de Montserrat (katalanisch, spanisch, englisch) Scriptorium Biblicum et Orientale (englisch) Tourismus-Website in Spanien: das Kloster von Montserrat
Montserrat Montserrat Montserrat Kategorie:Basilica minor Montserrat Kategorie:Kulturdenkmal in der Provinz Barcelona Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in Spanien Montserrat