Neustadt-Glewe (bis 1926: Neustadt i. Meckl.) ist eine Kleinstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim im Südwesten des deutschen Landes Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Sitz des Amtes Neustadt-Glewe. Die Stadt ist Teil der Metropolregion Hamburg und erfüllt für ihre Umgebung die Funktion als Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt am Südrand der Lewitz, etwa 30 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Schwerin. An der nördlichen Stadtgrenze mündet der Störkanal in die Müritz-Elde-Wasserstraße. Letztere speist die großflächigen Friedrichsmoorer und Neuhöfer Karpfenteiche im Norden der Gemarkung und durchfließt die Stadt zusammen mit ihren beiden Seitenarmen. Zu den zahlreichen die Lewitz durchziehenden Gräben zählt der Neue Kanal. Nordwestlich des bebauten Stadtgebiets befindet sich der Neustädter See. Innerhalb der Stadtgrenzen liegen die Naturschutzgebiete Fischteiche in der Lewitz, Friedrichsmoor und Töpferberg.
Umliegende Gemeinden sind Brenz, Blievenstorf, Muchow, Groß Laasch, Wöbbelin, Rastow, Banzkow, Tramm, Parchim und Spornitz.
Stadtgliederung Zur Stadt gehören laut ihrer Hauptsatzung neben der Kernstadt die Ortsteile Friedrichsmoor, Hohewisch, Hohes Feld, Klein Laasch, Kronskamp, Neuhof und Tuckhude.§ 14 der Hauptsatzung (PDF; 4,4 MB) der Stadt.
Abgetrennt durch einen schmalen, zu Blievenstorf gehörenden Gebietsstreifen bilden der Wohnplatz Wabel und dessen Umgebung eine Exklave der Stadt.
Geschichte mini|Alte Burg Name Glewe war ein altpolabisches Dorf, und der Name Chlěvy – später Chlewa – bedeutete auf Polnisch oder Tschechisch so viel wie ‚Stall‘. 1248 erfolgte eine Neugründung als Noua Civitas, also als Neustadt, und so wird der Ort zusammen mit dem Altnamen 1253 N.C. Chlewa oder 1265 N.C. que Gh(l)iwe und 1300 N.C. Glewe genannt.
Danach entfiel der Altname für lange Zeit und es hieß 1317 nur Nyenstat, 1331 Nigenstad oder 1337 Nigestat, wobei das altsächsische nigi oder ni(g)e für neu steht. Erst 1926 nahm die Stadt wieder den Altnamen auf und heißt seitdem Neustadt-Glewe.Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.
Mittelalter 1248 wurde die Nova Civitas (Neue Stadt), die ursprünglich aus einer slawischen Siedlung Chlewa hervorging, erstmals urkundlich in der Grafschaft Schwerin erwähnt. Als civitas erlangte sie das Stadtrecht. Durch die Lage zwischen Elde und einem Seitenarm dieses Flusses war die Errichtung einer Stadtbefestigung nicht notwendig. 1333 wurde die Stadtgrenze bestätigt. Neustadt wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.
Die Burg, Sicherungs- und Wehranlage der Grafschaft und heute Wahrzeichen der Stadt, entstand Mitte des 13. Jahrhunderts zur Sicherung der südwestlichen Grenze der Grafschaft Schwerin. Seit 1358 diente die Alte Burg als Vogtei und bis in das 18. Jahrhundert als Nebenresidenz der mecklenburgischen Herzöge. Neustadt wurde 1391 an den Ritter Heinrich von Bülow gen. Grotekop und seine Brüder verpfändet. Die frühgotische Marienkirche entstand im 14. Jahrhundert. 1407 wurde das Dorf Kietz erstmals genannt. Ab 1500 wurde die Burg als herzogliches Schloss eingerichtet.
Gewerbe und Industrie im 16. und 17. Jahrhundert Durch Vorkommen von Raseneisenerzen spielte vom 16. bis ins 18. Jahrhundert die Eisenverhüttung eine wesentliche wirtschaftliche Rolle. Das vorhandene Flusssystem und die ausgedehnten Waldgebiete der Lewitz stellten günstige Bedingungen für diesen „holzgefräßigen“ Industriezweig dar. Neben Kohle war Holzkohle Energieträger für die Eisenschmelze. In der Zeit von etwa 1512 bis 1570 entstanden in Neustadt Fabrik- und Gewerbeanlagen wie eine Eisenschmelzhütte, eine Gießerei, eine Nagel- und Hammerschmiede, die Walk- und Papiermühle sowie Gerbereien, Pulver-, Korn- und Sägemühlen. 1592 kamen eine Kupfer- und Messinghütte hinzu. 1576 fand ein erstes Rathaus Erwähnung. Eine nicht nachhaltige Holzwirtschaft führte schließlich dazu, dass 1717 die letzte Eisenschmelze in Neustadt wegen Holzmangels schließen musste. Durch die Eisenhütten waren die Wälder des Umlands fast vollständig abgeholzt. Das seit 1709 bestehende Forstamt Friedrichsmoor sorgte im Laufe der Jahre auf Teilflächen der Lewitz für Wiederaufforstungen.
1600 bis 1900 mini|Rathaus 1619 wurde mit dem Bau des Neuen Schlosses begonnen, das erst 1717 fertiggestellt wurde. 1629 besuchte der Feldherr Wallenstein als Herzog von Mecklenburg die Neustadt.
Immer wieder Stadtbrände 1664 war der erste Stadtbrand. 1671 wurde ein Rathaus am Markt erwähnt, das bald abgerissen wurde. 1694 gab es einen zweiten Stadtbrand. 1720 erfolgte der Aufbau eines zweiten Rathauses. 1728 fielen viele Häuser und das Rathaus den Flammen zum Opfer. 1741 schließlich brannte auch der Ortsteil Kietz fast vollständig nieder.
Das dritte Rathaus wurde von 1802 bis 1806 im barocken Stil als Fachwerkhaus an dem etwa großen Marktplatz erbaut. Die vielen Stadtbrände begünstigten den Wiederaufbau der Altstadt durch zahlreiche heute noch erhaltene Fachwerkhäuser. 1725 bezog Herzog Christian Ludwig II. nach der zweiten Bauphase das Schloss, nachdem bei einem Stadtbrand seine Grabower Residenz abgebrannt war.
1810 wurde das zweite Parchimer Tor gebaut. 1878 entstand die Horney’sche Dextrin- und Stärkefabrik. Nach dem Bahnanschluss 1880 wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus. 1882 wurde das Technikum auf der Burg begründet und 1891 die Schloßbrauerei Neustadt i/M. 1891 wurde das Zementwerk Schulze gebaut, und 1894 erhielt das Technikum eine Lehrwerkstatt. Die Stadt wurde nunmehr schrittweise elektrifiziert. 1895 entstand die Centralanstalt für Landmaschinen von Horney und Rödler. 1898 erfolgte der Abriss des Schweriner Tors.
Ab 1900 mini|Schulgebäude von 1927 1911 wurden die Lederwerke „Adler & Oppenheimer“ gegründet. 1922 nahm das innerstädtische Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf. 1926 gab sich die Stadt nach etwa 300 Jahren wieder den Namenszusatz „Glewe“. 1927 erfolgte der Neubau der Volks- und Mittelschule auf den Grundmauern der ehemaligen Johann-Albrecht-Werke und 1928 der des Wasserwerkes in Seenähe. 1935 wurde der Kiez wieder eingemeindet. Das Technikum schloss 1938. Eine Flugplatzanlage (Flugplatz Neustadt-Glewe) entstand.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die in der Stadt lebenden Juden drangsaliert. Der letzte Jude verließ im Mai 1939 die Stadt.juden-in-mecklenburg.de Der jüdische Friedhof wurde nach dem Novemberpogrom 1938 zerstört. Um 1942 entstand unweit des Fliegerhorstes und der NS-Fliegerschule ein Nebenbetrieb der Norddeutschen Dornier-Werke (Wismar), in dem Teile des Jagdflugzeuges Fw 190 gebaut und montiert wurden. Bis September 1944 errichtete man an der Ostseite des Flugplatzes an der Fliegerchaussee ein Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück für 300 Häftlinge, das KZ Neustadt-Glewe. Die Ende 1944 etwa 900 weiblichen Inhaftierten, die vor allem aus Polen und Belarus kamen, mussten Zwangsarbeit in der Flugzeugproduktion leisten. Ab Januar 1945 nahm das Außenlager auch so genannte Evakuierungstransporte aus östlich gelegenen Konzentrationslagern auf. Mit bis zu 5000 Häftlingen wurde die Kapazitätsgrenze trotz Erweiterung weit überschritten. Viele der Häftlinge, über 500 Frauen und Mädchen, überlebten die nur schwer zu beschreibenden Lebensbedingungen im Lager nicht. Die Rote Armee befreite das Lager am 2. Mai 1945. Kurz vor der Befreiung durch die Rotarmisten war bereits – mit dem Ziel Kontakt zu den sowjetischen Truppen aufzunehmen – eine US-amerikanische Einheit unter Leitung des US-Generals William A. Knowlton durch Neustadt-Glewe gezogen.
Von 1952 bis 2011 gehörte Neustadt-Glewe zum Kreis Ludwigslust (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, dann im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
1955 waren der Bau der neuen Schleuse und der Brücke abgeschlossen. Von 1967 bis 1971 erfolgten die Eingemeindungen von Friedrichsmoor, Hohewisch, Klein Laasch, Kronskamp, Neuhof und Tuckhude. 1970 wurde das Neue Wasserwerk am Stadtrand in Richtung Neuhof gebaut. Ab 1972 erfolgte die Erschließung und der Bau des Eigenheim- und Wohngebiets Süd und ab 1975 das der Plattenbausiedlung an der damaligen Leninstraße. Durch das Leder-, das Fernmelde- und das Hydraulikwerk galt Neustadt-Glewe in DDR-Zeiten als Industriestandort. Mit dem Bau der Transitautobahn Hamburg–Berlin erhielt die Stadt 1982 einen Autobahnanschluss.
mini|Geothermieheizwerk von 1994, 2003 ging 470 Meter westlich davon an der Förderbohrung das Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe ans Netz Probebohrungen von 1987/88 führten zur Nutzung des unterirdisch vorkommenden Thermalwassers. Bis 1994 wurde ein Geothermieheizwerk errichtet, das ein Wohngebiet und ab 2010 die Innenstadt mit Fernwärme versorgt und bis 2007 auch das Lederwerk mit Prozesswärme belieferte. 2003 ging das erste deutsche Erdwärmekraftwerk ans Netz.
Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit der Alten Burg im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Das Schloss wurde 1997 zu einem Hotel umgebaut, und 1998 konnte die Seniorenresidenz am Schloss eingeweiht werden. Die für die Umwelt problematischen Altlasten des Lederwerks, wie die Betriebsdeponie und das Kläranlagenfeld, machten Maßnahmen zur Beseitigung dieser Missstände erforderlich. Auch die neue Kläranlage war ab 1997 betriebsbereit. 2002 stürzte das Alte Haus der Burg ein und wurde 2005/06 rekonstruiert. Der Gewerbepark Lederwerk wurde 2003 bis 2007 geplant und realisiert.Zahlenangaben aus: Neustadt-Glewe und Sanierungsträger GOS: Broschüre Dokumentation einer Modernisierung und Instandsetzung in Neustadt-Glewe. 2003.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1855 1.880 1890 1.743 1925 3.202 1984 7.500 Jahr Einwohner 1990 7.397 1995 7.542 2000 7.261 2005 6.864 2010 6.547 2015 6.748 2020 6.997 Jahr Einwohner 2021 6.969 2022 6.551 2023 6.598 2024 6.566
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion Es besteht eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde mit etwa 1 100 Mitgliedern. Sie gehört zur Propstei Parchim im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche und nutzt die frühgotische Marienkirche am Kirchplatz. Die Katholiken gehören zur Pfarrei St. Helena und Andreas in Ludwigslust, Erzbistum Hamburg. Am Kiez in Neustadt-Glewe gibt es die Filialkirche St. Ansverus und eine von der Pfarrgemeinde getragene Kindertagesstätte.
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Neustadt-Glewe besteht aus 19 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 56,1 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 44,8 % 9 53,3 % 10 SPD 28,3 % 5 24,6 % 5 Die Linke 17,1 % 3 12,8 % 2 Einzelbewerber Marcus Zeckert 2,3 % 1 9,3 % 1 Einzelbewerber Axel Kröger 7,5 % 1 – – Insgesamt 100 % 19 100 % 18
Bei der Wahl 2024 entsprach der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Marcus Zeckert zwei Sitzen. Daher bleibt ein Sitz in der Stadtvertretung unbesetzt.
Bürgermeister 2011–2015: Arne Kröger (parteilos)Arne Kröger zieht ins Rathaus ein. In: Schweriner Volkszeitung. 31. Januar 2011 (svz.de). 2015–2022: Doreen Radelow (SPD) seit 2022: Steffen Klieme (CDU)
Klieme wurde bei der Bürgermeisterwahl am 8. Mai 2022 mit 63,7 Prozent der gültigen Stimmen gewählt. Er trat sein Amt am 1. Oktober 2022 an. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.
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