mini|hochkant|Sarit als General Sarit Thanarat (thailändisch , Aussprache: , zeitgenössisch auch als Srisdi Dhanarajata transkribiert; * 16. Juni 1908 in Bangkok; † 8. Dezember 1963 ebenda) war ein thailändischer Heeresoffizier und Politiker. Nach 1954 war er Oberkommandierender des Heeres, ab 1956 im Rang eines Feldmarschalls. Nach einem Putsch war er von 1959 bis zu seinem Tod Ministerpräsident des Landes. Sarit regierte Thailand autoritär, ließ Kommunisten und andere politische Gegner verfolgen. Andererseits förderte er die Entwicklung des Landes, das unter seiner Führung ein rasantes Wirtschaftswachstum nahm. Die Regierung Sarits kann als Entwicklungsdiktatur charakterisiert werden.Marco Bünte: Probleme der Demokratischen Konsolidierung in Thailand. Institut für Asienkunde, Hamburg 2000, S. 27.

Herkunft mini|Relief, das Sarit als Kind mit seiner Familie zeigt, am Denkmal in Khon Kaen Sarit wurde als Sohn von Major Luang Rueangdechanan (bürgerlich Thongdi Thanarat) und Chanthip Thanarat geboren., Kurzbiographie des ehemaligen Premierministers vom Sekretariat des thailändischen Kabinetts. Seine Kindheit verbrachte er zunächst in der Provinz Mukdahan, an der Grenze zu Laos. Hier war die Heimat seiner Mutter, die laotischer Abstammung war. Die Verbindung zum laotischsprachigen Isan (Nordostthailand) brachte ihm bleibende Sympathien in der wirtschaftlich rückständigen und bis dahin politisch benachteiligten Region.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 172. Ein laotischer Neffe 2. Grades von Sarit war Phoumi Nosavan, der später General und Anführer der Rechten im Laotischen Bürgerkrieg wurde.Daniel Fineman: A Special Relationship. 1997, S. 243.

Militärkarriere Mit elf Jahren kam Sarit auf die Militärschule. Nach seinem Abschluss von der Chulachomklao-Militärakademie wurde er 1928 zum Leutnant ernannt und diente in einem Infanteriebataillon der königlichen Leibgarde. Im Jahr 1933 war Sarit an der Niederschlagung der Boworadet-Rebellion beteiligt.

Im Januar 1942, während Thailands Beteiligung am Zweiten Weltkrieg, wurde er zum Kommandeur des 33. Infanteriebataillons im 12. Infanterieregiment der Nordarmee ernannt. Mitte des Jahres 1942 war er im Rahmen des Burmafeldzugs mit der Bekämpfung von Unruhen am Salween, dem Grenzfluss zwischen Thailand und Birma, betraut. Er machte sich einen Namen als fähiger und strenger Befehlshaber seiner Truppen, der keine Skrupel hatte, gefangengenommene feindliche Agenten standrechtlich exekutieren zu lassen. Das 33. Bataillon war an der Eroberung des burmanischen Shan-Staats beteiligt und wurde der 3. Division unter General Phin Choonhavan unterstellt. Später bekam Sarit das Kommando über ein Maschinengewehrbataillon in Lampang in Nordthailand und wurde im April 1945 schließlich Militärbefehlshaber dieser Provinz.Cooper: Thailand. 1995, S. 175.

Im November 1947 spielte er, als 39-jähriger Oberst und Kommandeur des Ersten Regiments der Ersten Heeresdivision, eine entscheidende Rolle beim Putsch, der zur Rückkehr zur Militärherrschaft unter Feldmarschall Phibunsongkhram (Phibun) führte. Anschließend beschleunigte sich seine Karriere noch. 1948 wurde er Generalmajor und Befehlshaber der in der Hauptstadt Bangkok stationierten Ersten Division. In dieser Position war er zuständig für die Bekämpfung des Generalstabsputsches 1948 und der Palastrebellion von Pridi Phanomyong 1949. Im Jahr darauf wurde er Generalleutnant und erhielt den Befehl über die strategisch bedeutende Erste Armeeregion. 1951 wurde er Stellvertreter des Oberkommandierenden des Heeres. Er war verantwortlich für das brutale Vorgehen der Truppe gegen den „Manhattan-Putsch“ von Marineoffizieren 1951. Anschließend übernahm er das Kommando über die Chulachomklao-Militärakademie, deren Lehrplan er nach dem Vorbild der United States Military Academy in West Point reformierte.

„Triumvirat“ (1951–57) Im Dezember 1951 wurde er nach dem „Radioputsch“, der die Kontrolle des Militärs über die Politik noch verstärkte, stellvertretender Verteidigungsminister in Phibuns Regierung.Cooper: Thailand. 1995, S. 176. In den folgenden Jahren hielt er in einer Art Triumvirat mit Phibunsongkhram und Polizeigeneral Phao Siyanon die Macht in den Händen. 1952 erhielt er den Rang eines Generals.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 169. 1954 wurde er als Nachfolger Phin Choonhavans Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte. 1955 wurden ihm die Ränge Admiral und Luftwaffengeneral verliehen, 1956 der des Feldmarschalls. Mit 47 Jahren war er der jüngste Träger dieses Rangs seit der Revolution von 1932Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 63. und der jüngste überhaupt, der kein Abkömmling der Königsfamilie war.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 252.

Ab den 1950er-Jahren engagierte sich Sarit auch wirtschaftlich stark. Nach seinem Tod wurde sein Vermögen auf 150 Millionen US-Dollar geschätzt, wovon er 30 Millionen aus dem Staatshaushalt veruntreut haben soll. Als Ministerpräsident Phibun 1955 wieder Parteien zuließ und selbst die Seri-Manangkhasila-Partei gründete, bildete Sarit in dieser einen Flügel, mit dem er seine Machtbasis absichern wollte, und wurde stellvertretender Vorsitzender der Partei. Er beteiligte sich jedoch nur widerwillig an der Parteipolitik und forderte die ihm unterstellten Truppen auch nicht zur Wahl der Partei auf.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 72.

mini|Relief zum Putsch 1957 am Denkmal für Sarit in Khon Kaen Nach der manipulierten Wahl im Februar 1957 (infolge derer er zum Verteidigungsminister ernannt worden war) und Korruptionsskandalen ging Sarit auf Distanz zu Phibun und schloss sich den Protesten gegen den Ministerpräsidenten und Polizeichef Phao an. Im August trat er als Verteidigungsminister zurück und aus der Seri-Manangkhasila-Partei aus. Im September setzte er der Regierung ein Ultimatum zum Rücktritt.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 78–79.

Putsch und „Revolution“ (1957–58) Am 16. September 1957 putschte er gegen Phibuns Regierung. Der Staatsstreich wurde von einem breiten Bündnis von Gegnern der Phibun-Regierung mitgetragen, dem Studenten, Demonstranten der „Hyde Park“-Bewegung, der Palast, und die oppositionelle Demokratische Partei angehörten.James Ockey: Making Democracy. Leadership, Class, Gender, and Political Participation in Thailand. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2004, S. 13. Er setzte zunächst den parteilosen Diplomaten Pote Sarasin als Ministerpräsidenten ein und ließ im Dezember Neuwahlen abhalten. Bei dieser enttäuschte die Sarit unterstützende „Unionisten-Partei“ (Sahaphum) jedoch. Er gründete die „National-Sozialistische Partei“ (Chat Sangkhomniyom), um die Unterstützung zuvor unabhängiger Abgeordneter für die Regierung zu gewinnen. Pote stellte sich nicht mehr als Regierungschef zur Verfügung und Sarit machte seinen Zögling und Verteidigungsminister Thanom Kittikachorn zum Premier.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 88.

Sarit musste sich zur Behandlung einer Leberzirrhose nach England begeben. Thanoms Regierung bekam das Land nicht stabil in den Griff und schlug vergeblich höhere Zölle und Steuern vor. Nach seiner Rückkehr aus England übernahm Sarit am 20. Oktober 1958 selbst die Macht. Er setzte die Verfassung außer Kraft, stellte das Land unter Kriegsrecht und regierte mittels Erlassen seines „Revolutionsrates“.Frank C. Darling: Marshal Sarit and Absolutist Rule in Thailand. In: Pacific Affairs Band 33, Nr. 4, 1960, S. 347–360.

Die Idee, die Machtübernahme als „Revolution“ zu bezeichnen, stammte von Wichit Wichitwathakan. Dieser war zuvor bereits der Chefideologe und -propagandist von Phibun gewesen. Er schrieb nun Sarits Reden und entwickelte die Ideologie seines Regimes um die Begriffe kan phatthana („Entwicklung“) und khwam riap-roi („Ordnung und Anständigkeit“).Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 116–119.

Sarit erließ Dekrete gegen den Handel mit Opium, der unter der Vorgängerregierung dank der Protektion des Polizeichefs Phao floriert hatte,Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 125–127. und gegen die Prostitution. Prostituierte ließ er in Besserungsanstalten bringen, wo sie ausgebildet und auf ein „anständiges“ Leben vorbereitet werden sollten.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 122. Er ordnete gleichfalls ein hartes Durchgreifen gegen Klein- und Bandenkriminelle an. Als „Ganoven“ (anthaphan) verdächtigte Männer wurden massenweise verhaftet und ebenfalls in Korrektionsanstalten verbracht.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 121. Außerdem verbannte er die Fahrradrikschas, die zumeist von jungen Wanderarbeitern aus dem ländlichen Nordosten gefahren wurden, aus der Hauptstadt, weil er sie als „unordentlich“, schädlich für die Volkswirtschaft und die Gesundheit der Fahrer selbst ansah.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 105–106, 122. Sarit ließ regelmäßig die Straßen der Hauptstadt reinigen, Bettler vertreiben oder verhaften, Straßenhunde töten und Leprakranke isolieren und verhängte Geldbußen gegen das Wegwerfen von Abfall auf die Straße.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 122–123. Er leitete persönlich die Ermittlungen in einer Reihe von Brandstiftungsfällen im November und Dezember 1958. Die mutmaßlichen Täter verurteilte er, nachdem er sie verhört hatte, auf der Stelle und ohne gerichtliches Verfahren zum Tode und ließ sie öffentlich hinrichten.Thak Chaloemtiarana: Thailand. 2007, S. 123–124.

Amtszeit als Ministerpräsident (1959–63) Am 28. Januar 1959 ließ Sarit eine Übergangsverfassung (genannt „Satzung über die Verwaltung des Königreichs“) mit 20 Artikeln in Kraft setzen. Der wichtigste darunter war Artikel 17, in dem stand:

Dieser Artikel verlieh dem Regierungschef somit praktisch uneingeschränkte Vollmachten und legte die Grundlage für seine diktatorische Herrschaft. Am 9. Februar 1959 ernannte König Bhumibol Adulyadej Sarit zum Ministerpräsidenten.Thak Chaloemtiarana: Thailand. The Politics of Despotic Paternalism. Cornell Southeast Asia Program, Ithaca (N.Y.) 2007, ISBN 978-0-87727-742-2, S. xi, 127–128.Tyrell Haberkorn: In Plain Sight. Impunity and Human Rights in Thailand. University of Wisconsin Press, Madison (WI)/London 2018, ISBN 978-0-299-31440-8, S. 55–57.

Charakterisierung und Regierungsstil Sarit gehörte nicht der Gruppe der „Förderer“ der Revolution von 1932 an, deren Politiker und Militärführer die Politik des Landes von 1932 bis 1957 prägten.Charles Keyes: Opening Reflections. Northeastern Thai Ethnoregionalism Updated. In: Tracks and Traces. Thailand and the Work of Andrew Turton. Amsterdam University Press, Amsterdam 2010, S. 17–28, auf S. 23. Sie hatten zumeist in Europa studiert und wollten Thailand kulturell und gesellschaftlich modernisieren.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 173. Sarit verfolgte dagegen eine politische Philosophie, die sich auf traditionell-thailändische Werte und Institutionen stützte und ausländische Vorbilder und Ideen ablehnte.Craig J. Reynolds: Seditious Histories. Contesting Thai and Southeast Asian Pasts. University of Washington Press, Seattle 2006, S. 114. Demokratische Institutionen nach westlichem Vorbild, wie politische Parteien, Gewerkschaften und freie Presse, die sein Vorgänger Phibun zu Ende seiner Herrschaft ab 1955 eingeführt hatte, schaffte Sarit wieder ab. Er ging aber noch weiter und hob sogar die Verfassung auf, löste das Parlament auf und ließ keine Wahlen mehr abhalten. Sarit setzte aber auch den von Phibun eingeführten Beschränkungen ein Ende, die chinesischstämmige Geschäftsleute im Wirtschaftsleben diskriminierten, und förderte marktwirtschaftliches Unternehmertum statt der von seinem Vorgänger bevorzugten Staatsunternehmen.Ruth McVey: Of Greed and Violence and Other Signs of Progress. In: Money and Power in Provincial Thailand. NIAS Press, Kopenhagen 2000, S. 1–29, auf S. 9.