Welthandelsrunden sind ein politisches Element zur Liberalisierung des internationalen Handels. Sie werden seit 1947 im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) und der Welthandelsorganisation (WTO) eingesetzt.
Zwar hat im Lauf der Handelsrunden die Verhandlungsdauer zu- und der Verhandlungsfortschritt abgenommen, allerdings wurden bisher mit jeder neuen Handelsrunde Fortschritte zur Liberalisierung des internationalen Handels erzielt. Somit haben sich die Welthandelsrunden zwar als langsame, jedoch zielorientierte Vereinbarungen zur Reduzierung der verschiedenen Formen von Handelshemmnissen erwiesen.
Entwicklung und Trends
Die ersten vier Welthandelsrunden führten zu erheblichen Zollsenkungen, im Durchschnitt jeweils um 35 %.Held, S. (2006). Die Haftung der EG für die Verletzung von WTO-Recht (Vol. 4). Mohr Siebeck. S. 20. Seit der sechsten Handelsrunde wurden immer mehr Themen in die Gespräche mit aufgenommen, beispielsweise Anti-dumping und der Schutz des geistigen Eigentums.Kutschker, M., & Schmid, S. (2010). Internationales management. Oldenbourg Verlag. S. 47. Standen zunächst noch Zollsenkungen im Vordergrund, wurden im Rahmen der Tokio-Runde diverse Zusatzabkommen im Bereich der nichttarifären Handelshemmnisse mit aufgenommen.Engelberger, L. (2004). Die unmittelbare Anwendbarkeit des WTO-Rechts in der Schweiz: Grundlagen und Perspektiven im Kontext internationaler Rechtsentwicklungen (Vol. 7). Peter Lang. S. 41/42.
Die Verhandlungsführung bei den bisher neun Runden zeichnet sich insgesamt insbesondere durch zwei Trends aus:
Die Bedeutung der Warenzölle in den Verhandlungen hat kontinuierlich abgenommen. Zurückzuführen ist dies einerseits auf das inzwischen niedrige Niveau der Zölle und andererseits auf eine zunehmende Bedeutung anderer Handelshemmnisse. So brachte die zunehmende Bedeutung des Dienstleistungssektors eine Schwerpunktlegung auf diesen Bereich mit sich. Außerdem erkannten die Unterzeichnerstaaten ihren aufgrund des GATT abnehmenden politischen Spielraum bei den Zöllen und versuchten ihren Machtverlust dort insbesondere durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse zu kompensieren. Ein weiterer Trend war der Übergang von der bilateralen Verhandlungsführung hin zu multilateralen Vereinbarungen. Die ersten Verhandlungsrunden verliefen rein bilateral. Mit der zunehmenden Komplizität der Vereinbarungen und mit der zunehmenden Mitgliederzahl erwies sich eine bilaterale Verhandlungsführung als immer schwieriger. Mit der Kennedy-Runde ging man zu pauschalen, linearen Zollsenkungen über. Die Gründung der WTO setzte endgültig den Schwerpunkt auf multilaterale Verhandlungen. Dennoch bleiben bilaterale Gespräche (insbesondere zwischen den großen Handelsblöcken USA und EU) ein wichtiges Verhandlungselement.
Überblick Nr. Runde Dauer TeilnehmerMiles, D., Scott, A., & Breedon, F. (2014). Makroökonomie: globale Wirtschaftszusammenhänge verstehen. John Wiley & Sons. S. 249. Zusätzliches HandelsvolumenPfahl, S. (2013). Internationaler Handel und Umweltschutz: Zielkonflikte und Ansatzpunkte des Interessenausgleichs. Springer-Verlag. S. 81. wichtigste Ergebnisse1.Abschluss des GATT in Genf19472310 Mrd. USD durchschnittliche Zollsenkungen von 35 Prozent2.Annecy-Runde194913nicht verfügbar durchschnittliche Zollsenkungen von zwei Prozent3.Torquay-Runde1950–195138nicht verfügbar durchschnittliche Zollsenkungen von drei Prozent4.Genf-Runde1955–1956262,5 Mrd. USD durchschnittliche Zollsenkungen von zwei bis drei Prozent5.Dillon-Runde1960–1961264,9 Mrd. USD durchschnittliche Zollsenkungen von sieben Prozent die europäischen Länder sind in den Verhandlungen erstmals durch einen gemeinsamen Vertreter repräsentiert6.Kennedy-Runde1964–19676240 Mrd. USD lineare Zollsenkungen (mit Ausnahmen), bei Industriegütern durchschnittlich ca. ein Drittel Multilateralisierung der Verhandlungen Anti-Dumping-Maßnahmen Versuch der Begünstigung von Entwicklungsländern7.Tokio-Runde1973–197999 155 Mrd. USD Zollsenkungen auf Industriegüter um durchschnittlich 34 Prozent Zollsenkungen auf landwirtschaftliche Güter um 32–40 Prozent Kodizes zum Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse8.Uruguay-Runde1986–1994125755 Mrd. USD Gründung der WTO (Konferenz von Marrakesh) Übereinkunft zum TRIPS Übereinkunft zum GATS Öffnung der Agrarmärkte (kaum umgesetzt)9.Doha-Runde2001–2016160Felbermayr, G., Kohler, W., Treier, V., Dieter, H., Herrmann, C., Beverelli, C., ... & Stoll, P. T. (2014). Bali-Abkommen: Wer gewinnt, und wer trägt die Kosten?. ifo Schnelldienst, 67(03), 3–34. S. 10. 2013 wurde das Bali-Paket beschlossen, enthält Abkommen über Handelserleichterungen mittlerweile gilt die Runde als gescheitert
Einzelnachweise
Weblinks Welthandelsrunde ist Geschichte – Artikel im Handelsblatt, vom 20. Dezember 2015.
Kategorie:Zollpolitik Kategorie:Welthandelsorganisation Kategorie:Welthandelsrecht Kategorie:Erstveranstaltung 1947