Nordhorn ist die Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Bentheim im äußersten Südwesten Niedersachsens an der Vechte. Die Stadt ist eine große Mittelstadt und eine Mitgliedsgemeinde der Euregio, grenzt direkt an die Niederlande und ist unweit der nordrhein-westfälischen Landesgrenze gelegen. Raumplanerisch ist die Stadt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuftNiedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2017. Hannover 2017, S. 18 (PDF, 5,3 MB) und hat die Rechtsstellung einer „selbständigen Gemeinde“. In Nordhorn sind laut Einwohnermeldeamt 57.730 Einwohner mit ihrem Hauptwohnsitz gemeldet (Stand 28. Januar 2026).Zahlenspiegel 2026 mini|300px|Stadtpanorama

Namensherkunft Für Erklärungen zur Namensherkunft von Nordhorn und seinen Stadtteilen siehe Etymologie Nordhorns.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im äußeren Südwesten Niedersachsens, direkt an der Grenze zu den Niederlanden und etwa 20 km nördlich von der Grenze zum Bundesland Nordrhein-Westfalen. Aufgrund ihrer geographischen Lage auf einer Talsandfläche südlich des Bourtanger Moors und kleinerer emsländischer Moorgebiete führte ein bereits im Mittelalter frequentierter ostwestlicher Heer- und Fernhandelsweg von Bremen nach Amsterdam durch das Siedlungsgebiet Nordhorns.

Die nächste Großstadt auf niederländischer Seite ist Enschede, das etwa 28 km südwestlich von Nordhorn liegt. Auf deutscher Seite sind Münster, etwa 78 km südöstlich, und Osnabrück, etwa 80 km östlich, die nächsten Großstädte. Der nächste Ballungsraum, das Ruhrgebiet, liegt etwa 100 km südlich von Nordhorn. Weitere Städte in der nahen Umgebung sind Lingen (Ems) (20 km), Gronau (Westf.) (25 km), Rheine (35 km) und Meppen (40 km).

Die Landschaft um und in Nordhorn wird geprägt durch die Vechte, den Vechtesee, durch den die Vechte fließt, und die Kanäle Süd-Nord-Kanal, Nordhorn-Almelo-Kanal und Ems-Vechte-Kanal.

Stadtstruktur Nordhorn besteht aus drei Siedlungsgebieten: Nordhorn, Brandlecht/Hestrup und Klausheide. Im Siedlungsgebiet Nordhorn leben auf einer Fläche von 22,9 km2 rund 51.230 Einwohner, das sind 2236 Einwohner pro Quadratkilometer.Siedlung Nordhorn In Brandlecht/Hestrup leben auf einer Fläche von 0,72 km2 rund 860 Einwohner, das sind 1194 Einwohner pro Quadratkilometer.Siedlung Brandlecht In Klausheide leben rund 1260 Menschen auf einer Fläche von 0,99 km2,Siedlung Klausheide das sind 1274 Einwohner pro Quadratkilometer. Die restlichen 2374 Einwohner verteilen sich in der Peripherie auf einer Fläche von fast 124 km2.

Insgesamt lebten am 15. Mai 2022 (Zensus) 55.724 Einwohner auf 149,87 km2, das sind pro Quadratkilometer 372 Einwohner.Stadt Nordhorn

Die Stadt hatte laut dem Einwohnermeldeamt am 28. Januar 2026 57.730 Einwohner, dazu sind 1.903 Nebenwohnsitze registriert, was einer Gesamtbevölkerung von 59.633 Einwohnern entspricht.

Erläuterung: Die Grenzen und Einwohnerzahlen der Siedlungen wurden von „City Population“ unter Nutzung von Einwohnerangaben aus einem 100 Meter-Gitter sowie Geometrien für Ortslagen berechnet. Die Siedlungen werden durch Lücken in der Besiedlung und Bebauung sowie durch die Gemeinden begrenzt. Die Einwohnerzahlen der Siedlungen sind aufgrund des Berechnungsverfahrens nicht exakt und daher gerundet. Die Flächenangaben wurden aus Geodaten berechnet.

Stadtgliederung Die Stadt Nordhorn ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus sieben Gemarkungen, die mit den Gemeinden deckungsgleich sind, die bis zum 28. Februar 1974 bestanden, mit Ausnahme von Hohenkörben, das zur Gemarkung Bimolten gehört. Eine offizielle Stadtgliederung in der Hauptsatzung der Stadt gibt es nicht; die nachfolgende Tabelle enthält daher die ehemaligen Gemeinden, die seit dem 1. März 1974 die Stadt Nordhorn bilden; Einwohnerstand ist der 31. Dezember 2013.

Nordhorn kann weiter gegliedert werden in den Innenstadtbereich und in die ehemaligen Gemeinden Altendorf, Bakelde, Bookholt, Frensdorf und Frenswegen. In diesen ehemaligen Gemeinden gibt es weitere Stadtviertel: Blanke, Blumensiedlung, Bussmaate, Deegfeld, Feldflur, Frensdorferhaar, Neuberlin, Oorde, Stadtflur, Streng und Wehrmaate. Gemarkungen 214px|Gliederung NOH Name Einwohner Fläche [km²] EW-Dichte Gemarkungsnr. Bimolten 251 17,14 15 033148 Bookholt 685 9,72 70 033149 Brandlecht 921 15,43 60 034201 Hesepe 281 18,74 15 033152 Hestrup 295 11,83 25 034202 Hohenkörben 107 3,80 28 033148 Klausheide 1.469 20,20 73 033150 Nordhorn 49.394 52,95 933 033151 Stadt Nordhorn 53.403 149,81 356

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Nordhorn: 25pxNeuenhaus 25pxOsterwald 25pxWietmarschen 25pxDinkelland (NL) 100px 25pxWietmarschen 25pxBad Bentheim 25pxIsterberg 25pxEngden

Klima mini|Klimadiagramm für Nordhorn

Nordhorn liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10 Grad Celsius,Klimatische Entwicklung unserer Region – Stadt Nordhorn der mittlere Luftdruck 1016 HektopascalKlima & Durchschnittstemperaturen in Nordhorn und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 700 bis 800 Millimeter. Das Klima ist subatlantisch geprägt mit eher milden Wintern und mäßig warmen Sommern.

Geschichte Das Landschaftsgefüge von Nordhorn wurde vor Jahrmillionen durch Klimaveränderungen, vor allem durch die Eiszeiten, geprägt. Die ältesten Ablagerungen in ungefähr zweitausend Meter Tiefe stammen aus dem Karbon. Zur Wende von Kreide und Tertiär formierte sich die Erdkruste hier zu kleineren Faltenwürfen. Im mittleren Tertiär herrschten in der Nordhorner Ebene subtropische Temperaturen. Danach begann eine zunehmende Abkühlung, die mit den Eiszeiten ihren Höhepunkt erreichte. Nach dem Abtauen des letzten Eises hatten sich Niederungen herausgebildet. Starke Winde wehten in der vegetationsfreien Oberfläche Dünen auf. Noch heute findet man im naheliegenden Naturschutzgebiet „Tillenberge“ Reste eines solchen Dünenkomplexes.

Grabungsfunde aus der jüngeren Steinzeit und der folgenden Bronzezeit bezeugen, dass sich bereits vor sechstausend Jahren Menschen auf der Nordhorner Sandebene angesiedelt hatten. In der regenreichen und kälteren Eisenzeit dehnte sich die Besiedlung auf die trockenen Uferhöhen der Vechte aus, was durch zahlreiche Spuren eisenzeitlicher Siedlungen nachgewiesen ist, die die Grundsteine für die späteren Bauerschaften Frensdorf, Bookholt, Altendorf, Hesepe und Bakelde bildeten.

Von 12 v. Chr. bis 10 n. Chr. unternahmen die römischen Feldherren Drusus, Tiberius, Germanicus und Varus insgesamt dreizehn Feldzüge in das damals noch freie Germanien. Vermutlich benutzten sie von ihrem Lager Xanten aus die vorgeschichtlichen Naturwege am Vechteufer und die Sandstege entlang der Moore als Heerstraßen. Diese Landverbindung vom Westen nach Osten sollte später eine wichtige Handelsstraße werden, die Städte wie Brüssel, Amsterdam, Bremen und Hamburg verband.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts drangen mit Beginn der Völkerwanderung von Norden her die Sachsen nach Westen vor. Sie verdrängten die Tubanten weiter westwärts in die Twente. Nach Eroberung des Sachsenlandes durch Karl den Großen entstand die erste Grenzlinie zwischen Franken und Sachsen als Binnengrenze. Zur Zeit Kaiser Karls V. verschob sich diese Grenze nach Osten, weil diese Gebiete in den Herrschaftsbereich Spaniens kamen. Diese Grenze ist heute weitgehend mit der Grenze zu den Niederlanden identisch.

Mittelalter Im Jahre 687 sandte Bischof Wilfrid von York zur Christianisierung des ehemaligen Tubantenlandes Missionare über den Ärmelkanal. Willibrord gründete die Diözese Utrecht und Werenfried verbreitete das Christentum im Vechtetal.

Um 800 wurde die Nordhorner Siedlung dem Bistum Münster zugeordnet. Bischof Liudger baute auf einem vorspringenden Sporn in der Vechteaue eine Holzkirche. Um 900 wurde der Name der Siedlung erstmals im Heberegister des Klosters Werden an der Ruhr als Northhornon erwähnt. Dort erfasste man die Abgaben, die Kirchengemeinden (damals Kirchspiele) wie Nordhorn an den Bischof von Münster zu leisten hatten.

Um das Jahr 1180 erwarben die Grafen von Bentheim vom Bistum Münster das Gogericht Nordhorn (eine Art Gerichtsbezirk), das seit dem frühen Mittelalter bestand. Die Grafen bauten inmitten der Vechte auf einer Insel eine Burg, von der bis 1912 Teile erhalten waren. Heute steht dort die katholische St.-Augustinus-Kirche.

Mit Hilfe des künstlich angelegten Mühlendamms und zweier Mühlen gelang es, den Wasserstand der Vechte zu regulieren und die Insel zu besiedeln. Es wurden – vermutlich unter dem Einfluss niederländischer Wasserbauer – weitere Grachten angelegt, die sogenannten Binnenvechten, die die Insel nochmals in vermutlich sechs kleinere Inseln unterteilten. Mit dem Bau zweier Torbrücken und im Schutze der Wasserburg ließ sie sich leichter gegen Angreifer verteidigen als die alte Siedlung um die Marktkirche. Die heutige Hauptstraße dürfte schon damals über die Vechteinsel geführt haben, die sich nun zu einem attraktiven Handelsplatz entwickelt hatte. Kaufleute und Reeder ließen sich hier nieder – ein Marktplatz entstand. Der Name Nordhorn wurde fortan für die an der Schwelle zur Stadt stehende neue Siedlung verwendet, während die alte Siedlung um die Marktkirche das „Alte Dorf“ genannt wurde und bis heute Altendorf heißt.

Nordhorn nahm damals eine Schlüsselstellung an der Flämischen Straße ein. Waren und Güter aus Skandinavien und den Hansestädten fanden ihren Weg durch Nordhorn in die Handelszentren des Westens bis nach Paris.

hochkant=0.6|mini|Tuter-Skulptur Die Vechte war bereits ab Schüttorf schiffbar. Durch den Handel beider Dörfer und dadurch, dass die Binnenschiffer ein Horn bei Nebel benutzten, um sich gegenseitig zu warnen, könnte Nordhorn seinen Namen erhalten haben. Seit den 1970er Jahren steht beim alten Hafen der „Tuter“, ein bronzenes Denkmal, das an die Anfänge der Binnenschifffahrt erinnert. Heinrich Specht sieht es in seiner Stadtchronik von 1941 dagegen als wahrscheinlicher an, dass sich der Name Nordhorn von dem zuerst besiedelten Landsporn, der von Norden wie ein Horn in das Vechtetal hineinragte, ableitet.

Die Vechte ist ca. 167 km lang und hatte im Mittelalter einen direkten Zugang zum Meer: Sie floss bei Zwolle in die Zuiderzee, die damals noch nicht von der Nordsee abgetrennt war und viele Jahrhunderte das Zentrum des niederländischen Seehandels bildete.Hans-Werner Niemann: Kontinuitätssicherung durch Transformation. Die Entwicklung des Bramscher Familienunternehmens Sanders vom protoindustriellen Leinenhandel zur industriellen Weberei. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. 2006, S. 9. Nach den Landgewinnungsmaßnahmen der Neuzeit fließt sie heute nördlich von Zwolle ins Zwarte Water, einem Zufluss des nach dem Bau des Abschlussdeichs aus der Zuiderzee entstandenen IJsselmeeres.

Schon 1160 wurden der erste Bentheimer Sandstein in die Niederlande verschifft. Bis zu 1200 Frachtkräne, Prahme und Schuten lagen in einem Jahr hier vor Anker und brachten ihre Güter nach Holland. Zum Stapelplatz wurde die Steinmaate. Die gleichnamige Straße erinnert noch heute daran, dass der Bentheimer Sandstein von hier aus verladen wurde. So wurde zum Beispiel für Prachtbauten, wie das Königliche Palais in Amsterdam, für viele Mühlen, Kirchen, Schleusen, Rathäuser und andere öffentliche Gebäude, Bentheimer Sandstein verbaut. Die zurückkehrenden Schiffe brachten Gewürze, Textilien, Papier sowie Nahrungs- und Genussmittel mit. Handel, Handwerk und Landwirtschaft waren bis Anfang des 19. Jahrhunderts die wesentlichen Wirtschaftsgrundlagen in der Region. Die Schifffahrt auf der Vechte bildete gemeinsam mit dem Fuhrwesen zu dieser Zeit wichtige Erwerbszweige. Die Stadt war in jenen Jahrhunderten der Sitz wohlhabender Kaufleute, Reeder und Schiffer.